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Fido neben anderen Schulen

Wo Fido steht – und wo nicht

„Ist das dann so wie Montessori?“ oder „Klingt wie eine Alpha School für München“: Die häufigste Art, Fido zu verstehen, ist der Vergleich mit dem, was man schon kennt. Dieser Artikel nimmt den Vergleich auf, anhand von fünf vertrauten Schulmodellen: der Regelschule, der progressiven Schule, Montessori, der Alpha School und der Alemannenschule.

Jedes dieser Modelle kann etwas, und von jedem übernimmt Fido etwas. Für jedes sagen wir deshalb zweierlei: was es gut macht und wo wir bewusst anders abbiegen. Geschrieben ist das für Eltern, die für ihr Kind zwischen mehreren Schulen wählen. Fido selbst ist dabei noch im Aufbau: Verglichen wird ein Entwurf mit Schulen, die es schon gibt.

Die Regelschule

Die staatliche Regelschule ist eine große Leistung: Sie führt Millionen Kinder gleichzeitig durch einen gemeinsamen Lehrgang. Sie bietet eine verlässliche Struktur und ein Fundament, auf das sich eine ganze Gesellschaft verlassen kann. Was folgt, ist keine Kritik an den Menschen, die in diesem System arbeiten. Es geht um die Hebel, die seine Bauart vorgibt.

Was sie gut macht. Eine gemeinsame Klasse, ein gemeinsames Ziel, klare Regeln: Das trägt weit. Es ist der Grund, warum Schule überhaupt im Maßstab von Millionen funktioniert. Die verbindliche Struktur und das gemeinsame Fundament übernimmt Fido ausdrücklich.

Wo wir anders abbiegen. Zwei Dinge sind fest in die Bauart eingebaut. Erstens das feste Tempo: Die ganze Klasse geht zum nächsten Thema über, ob ein Kind das alte sicher kann oder nicht. Viele Grundschulen arbeiten mit Wochenplan, Stationen und Material auf mehreren Niveaus, und gute Lehrkräfte differenzieren innerhalb der Klasse. Diese Arbeit liegt aber bei der einzelnen Lehrkraft mit rund fünfundzwanzig Kindern, und Lücken wandern trotzdem mit. Bei Fido steht stattdessen fest, was ein Kind können muss, die Zeit dafür bleibt offen, und einen Teil der Differenzierung übernimmt eine Lernsoftware.

Zweitens die Motivation. Den Antrieb liefern hier vor allem der Gleichschritt der Gruppe und die Noten. Es gibt das Lob der Lehrkraft und das Sternchen im Heft, aber den größeren Teil der Belohnung liefert oft das Elternhaus: Stolz beim Abendessen, geduldige Hilfe beim Üben. Kinder, deren Familie das nicht leisten kann, sind dadurch still im Nachteil. Fido baut die Motivation in die Schule selbst ein, unabhängig davon, in welche Familie ein Kind hineingeboren wurde.

Was die Regelschule gut macht, und wo Fido bewusst anders abbiegt.

Viele Schulen haben versucht, diesen Gleichschritt aufzubrechen. Was gewinnt eine Schule, die dem Kind seinen Weg weitgehend selbst überlässt, und was riskiert sie dabei?

Die progressive Schule

Unter „progressiven“ Schulen fassen wir die reformpädagogische Familie zusammen: Jenaplan, Laborschulen, freie und demokratische Schulen. Sie sind aus einer berechtigten Unzufriedenheit entstanden, mit dem Gleichschritt, dem Sitzenbleiben und dem Lernen für die Note. Ihre Antwort ist attraktiv, und Fido teilt sie in weiten Teilen.

Was sie gut machen. Eigene Projekte statt Arbeitsblättern. Kinder, die ihren Weg mitbestimmen. Altersgemischte Gruppen, in denen die Älteren die Jüngeren mitziehen. Ein Morgenkreis, der die Gemeinschaft trägt. Vieles davon übernimmt Fido fast unverändert: Die täglich frei gestaltete Zeit und die altersgemischten Stammgruppen stehen genau in dieser Tradition.

Wo wir anders abbiegen. An einem Punkt gehen manche Schulen dieser Familie eine Wette ein, die Fido nicht mitmacht. Gemeint sind die freien und demokratischen Schulen in der Sudbury-Tradition, nicht Jenaplan oder die Laborschulen. Sie überlassen es ganz dem Kind, ob und wann es Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. Sie vertrauen darauf, dass die Neugier das richtet, und bei vielen Kindern tut sie das. Bei manchen nicht, und Lesen ist die Fähigkeit, auf der fast jedes spätere Lernen aufbaut.

Diese Wette wollen wir nicht auf Kosten eines Kindes eingehen. Deshalb legt Fido unter alles freie Lernen ein garantiertes Fundament: Die Basiskompetenzen werden verlässlich aufgebaut und überprüft. Dem Zufall der Motivation bleiben sie nicht überlassen.

Was die progressive Schule gut macht, und wo Fido bewusst anders abbiegt.

Fido verbindet also beides, jedes an seiner Stelle: Das Fundament steht fest, in der Höhe ist das Kind frei. Welches bekannte Modell kommt dieser Verbindung am nächsten?

Montessori

Von allen bekannten Modellen steht Montessori Fido am nächsten. Hier geht es um Montessori als Schule, so wie eine Familie in München sie wählen kann.

Was sie gut macht. Die vorbereitete Umgebung, die altersgemischten Gruppen, das durchdachte Material, das Vertrauen in die innere Motivation, die Lernbegleitung statt des Frontalunterrichts: Das alles hat sich über hundert Jahre bewährt. Fido baut in der Grundschule ausdrücklich darauf auf. Eltern, die eine Montessori-Schule schätzen, werden in Fido vieles wiedererkennen.

Wo wir anders abbiegen. Auch Montessori kennt das gezielte, eintönige Üben. Es wird über das Material und die Beobachtung der Lernbegleitung organisiert. Beides reicht weit, hängt aber an der Aufmerksamkeit eines Erwachsenen, und das gilt für jede Lernbegleitung, auch bei Fido. Hier fügt Fido etwas hinzu, das die klassische Montessori-Schule nicht hat: eine adaptive Lernsoftware, die Mastery-Engine. Sie strukturiert das Üben, misst den Stand jedes Kindes und schaltet erst weiter, wenn ein Thema sicher sitzt. So bekommt die Lernbegleitung zusätzliche Augen.

Dazu kommt ein Anreizsystem für die zähen Strecken wie das Einmaleins oder die Rechtschreibung: Für erreichte Tagesziele bekommen Kinder Fido Taler, die sie im Schulladen einlösen. Hier weicht Fido von der Montessori-Tradition ab, die äußeren Anreizen skeptisch gegenübersteht. Die innere Motivation schätzen wir genauso, aber manches Nötige macht nicht von allein Freude und muss trotzdem sitzen. In der Grundschule bleibt das Anreizsystem leicht und spielerisch; der Hauptantrieb ist dort die Neugier.

Was Montessori gut macht, und wo Fido bewusst anders abbiegt.

Was entsteht, wenn eine Schule ihren ganzen Vormittag um eine solche Software herum baut? Das zeigt die Alpha School in den USA.

Alpha School

Die Alpha School aus dem texanischen Austin ist das Modell, dem Fido im Aufbau am ähnlichsten sieht. Vormittags arbeiten die Kinder konzentriert an der Mastery-Engine, nachmittags in Workshops ohne Bildschirm an Lebenskompetenzen. Dazwischen stehen Lernbegleiter:innen, deren Aufgabe die Motivation ist, nicht das Erklären. Was wir über Alpha wissen, stammt aus veröffentlichten Berichten und Recherchen über die Schule.

Was sie gut macht. Alpha hat diese Verbindung konsequent zu Ende gebaut und betrieb sie Mitte 2026 an rund 35 Standorten in den USA. Die Schule führt vor, wie ein kurzer, konzentrierter Vormittag den Rest des Tages frei macht, wenn die Motivation stimmt. Die Mastery-Engine, die eigene Rolle der Lernbegleitung und der Tausch von Konzentration gegen Freiheit sind Ideen, die Fido übernimmt.

Wo wir anders abbiegen. Fido ist keine Alpha-Filiale. Fünf Unterschiede sind uns wichtig. Erstens der verbindliche LehrplanPLUS und der Weg zum Abitur: Eine Privatschule in Texas kann den staatlichen Lehrplan weitgehend beiseitelassen, wir können und wollen das nicht. Zweitens ein Tagesaufbau, der aus den sieben Arten von Wissen hergeleitet ist, weil jede sich anders lernt. Alphas Workshops am Nachmittag sind anspruchsvoll; wofür welche Art von Lernen gebraucht wird, ist dort aber nicht der Ausgangspunkt.

Drittens eine montessorinahe Grundschule, in der greifbares Material Vorrang vor dem Bildschirm hat. Im ursprünglichen Alpha-Netz arbeiten schon Fünfjährige vormittags an der Software. Viertens der Verzicht auf eine Aufmerksamkeitsmessung, wie sie für Alpha beschrieben wird: Software erkennt dort über die Kamera, ob ein Kind bei der Sache ist. Fünftens ein offen lizenziertes Paket aus Lehrplan und Software, das zweisprachig ist und in der Grundschule überwiegend deutsch. Das Paket von Alpha ist geschlossen und englisch.

Was Alpha gut macht, und die fünf Stellen, an denen Fido bewusst anders abbiegt.

Die berühmte Zahl, nach der Alpha-Kinder um ein Mehrfaches schneller lernen, zitieren wir nicht. Sie stammt aus Alphas eigenen Daten und ist umstritten, weil sich die Familien die Schule selbst aussuchen. Wir versprechen etwas, das sich an jedem Kind prüfen lässt: dass es in zwei Sprachen gut liest und schreibt, ein eigenes Projekt durchgezogen hat und einen gangbaren Weg zum Abitur vor sich hat.

Alpha baut den Schultag um eine Software herum. Trägt dieselbe Grundidee, Fortschritt nach Können statt nach Kalender, auch ohne Software und mitten im deutschen Schulsystem?

Die Alemannenschule

Die Alemannenschule im südbadischen Wutöschingen ist eine öffentliche Gemeinschaftsschule mit mehreren hundert Schüler:innen, die dort „Lernpartner“ heißen. 2019 erhielt sie den Deutschen Schulpreis. Sie zeigt, dass ein radikal anderes Lernen mitten im deutschen Regelsystem möglich ist: keine festen Klassen, keine Klassenzimmer, keine festen Stundenpläne, Noten erst dort, wo Abschlüsse sie verlangen. Die Erwachsenen heißen dort, wie bei uns, Lernbegleiter:innen.

Was sie gut macht. Ihr Herzstück ist selbstorganisiertes Mastery-Lernen ohne adaptive Software. Jeder Stoff ist in Kompetenzraster gegliedert, auf drei Niveaus. Was ein Kind kann, zeigt es in einem „Gelingensnachweis“, und zwar dann, wenn es sich bereit fühlt, nicht zu einem festen Termin. Diesem Gedanken folgt auch Fido.

Zwei Dinge bewundern wir besonders. Die Raster sind der Landkarte unseres Curriculums nah verwandt: Beide gliedern Wissen in ein geordnetes Gefüge von Kompetenzen. Und die Schule hat das Materialnetzwerk mitgegründet, in dem über 40 Schulen ihre Lernmaterialien gemeinsam entwickeln und offen teilen. Dass all das an einer öffentlichen Schule im Regelbetrieb läuft, macht Wutöschingen für uns zu einem besonders ermutigenden Beispiel.

Wo wir anders abbiegen. Zwei Unterschiede sind uns wichtig:

  • Software unter dem Raster. In Wutöschingen arbeiten sich die Kinder selbst durch ihre Kompetenzraster, mit gedruckten und digitalen Materialien und der Beratung der Lernbegleitung. Fido legt darunter die Mastery-Engine, die das Üben strukturiert, das Tempo hält und den Stand misst. Das hilft gerade auf zähen Pflichtstrecken wie dem Einmaleins und der Rechtschreibung, um die Kinder bei freier Wahl gern einen Bogen machen.
  • Prüfungen und Rechtsstellung. Die Alemannenschule hält Noten und Prüfungen so lange fern, wie das Schulrecht es zulässt, und stellt als öffentliche Schule staatliche Abschlüsse aus. Fido soll eine staatlich genehmigte private Ersatzschule werden. Zeugnisse mit staatlicher Wirkung darf erst eine staatlich anerkannte Schule ausstellen, und die Anerkennung würde Fido Tempo und Prüfungsregeln der öffentlichen Schule vorschreiben. Fido bleibt deshalb genehmigt, bildet den bayerischen LehrplanPLUS vollständig im eigenen Curriculum ab, und die Kinder legen ihre Abschlüsse als externe Prüfung ab. Den Weg zum Abitur beschreibt Wofür Schule da ist; auf dieser Abdeckung ruht das verbindliche Fundament.

Was Fido von jedem der fünf Modelle mitnimmt, zeigt dieses Bild:

Fido ist keine der fünf Schulen. Fido verbindet ihre Stärken auf einem garantierten Fundament.

Eines haben alle fünf Fido voraus: Sie laufen seit Jahren und haben Ergebnisse vorzuweisen. Fido hat bisher einen Entwurf und einen ersten Pilot. Bleibt die Frage, warum es für diese Verbindung eine neue Schule braucht und was eine solche Schule allen anderen schuldet.

Fragen, Einwände, Lust mitzudenken? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich.

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