Entscheiden nach Protokoll

Deciding by protocol

Alltag und Selbstständigkeit Klasse 10 12 Aufgaben
AlltagskompetenzEntscheidungReflexionKerncurriculum

Wichtige Entscheidungen fallen selten an einem guten Tag, und die Kriterien verschieben sich hinterher unbemerkt so, dass die getroffene Wahl richtig aussieht. Schülerinnen und Schüler lernen deshalb ein schriftliches Protokoll: die Entscheidung als Frage formulieren, die Kriterien *vor* den Optionen aufschreiben und gewichten, mindestens eine Option dazuerfinden, die noch nicht auf dem Tisch lag, eine Prämortem-Runde („es ist ein Jahr später und die Sache ist schiefgegangen — warum?"), eine grobe Größenordnungsabschätzung dort, wo Zahlen im Spiel sind, und die 10/10/10-Frage (wie sehe ich das in zehn Minuten, zehn Monaten, zehn Jahren?). Aufgeschrieben wird die Entscheidung *mit der Begründung*, damit man sie später am Verlauf und nicht am Ergebnis prüfen kann — eine gute Entscheidung kann schlecht ausgehen. Angewandt wird das Protokoll auf eine echte Entscheidung mit Folgen (Wahlfach, Projektumfang, Ausbildungsweg); die Rechenseite der Abschätzung liegt in Numeracy und den Naturwissenschaften.

Können & Üben

Langes Projekt fĂĽhren

Arbeitet auf Abgabetermine hin, ohne Zwischenziele.

Führt ein Projekt mit von außen gesetzten Meilensteinen und wöchentlichen Nachfragen.

Setzt eigene Meilensteine, wenn danach gefragt wird, und hält sie überwiegend.

Plant, prĂĽft und kĂĽrzt selbst und bringt ein Projekt ĂĽber ein Halbjahr ohne Rettung ins Ziel.

Dokumentiert eine echte Entscheidung nach Protokoll, schreibt ein Post-Mortem und begleitet ein anderes Projekt.

Leicht
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

Was fragt die 10/10/10-Regel?

  • â—Ź Wie ich die Sache in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren sehen werde
  • â—‹ Welche der 10 Optionen die besten 10 Prozent hat
  • â—‹ Wie viel es in 10 Jahren kostet
Drei Zeithorizonte trennen kurzfristiges Unbehagen von langfristiger Bedeutung — sie fallen oft weit auseinander.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Bei welcher Entscheidung lohnt sich ein schriftliches Protokoll?

  • â—Ź Wahl des Ausbildungswegs nach der Schule
  • â—‹ Was es heute zum Mittagessen gibt
  • â—‹ Welchen Film man am Abend schaut
Aufwand lohnt sich, wo eine Entscheidung schwer rückgängig zu machen ist und lange wirkt. Alltagsfragen entscheidet man schnell.
Wahr / Falsch #3 18s â–¶ Testen

Kriterien zu gewichten heiĂźt, ihnen unterschiedliche Bedeutung zu geben.

âś“ Wahr
Ja — ohne Gewichtung zählt „gute Erreichbarkeit" genauso viel wie „ich will das wirklich machen", und das stimmt fast nie.
Wahr / Falsch #4 18s â–¶ Testen

Ein Protokoll nimmt einem die Entscheidung ab.

âś“ Falsch
Nein — es macht die Entscheidung nachvollziehbar und schützt vor den bekanntesten Fehlern. Wählen muss man weiterhin selbst.
Mittel
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Lea entscheidet ĂĽber ihren Praktikumsplatz. Bei welchem Ablauf prĂĽfen die Kriterien die Wahl wirklich?

  • â—‹ Montag Plätze gesammelt, Dienstag Kriterien notiert
  • â—‹ Montag Lieblingsplatz gewählt, Dienstag Kriterien notiert
  • â—Ź Montag Kriterien notiert, Dienstag Plätze gesammelt
Kriterien, die erst nach den Optionen entstehen, passt man unbemerkt an die Lieblingsoption an — sie werden zur Begründung für das, was man ohnehin wollte. Vorher aufgeschrieben halten sie stand.
Multiple Choice #2 22s â–¶ Testen

Nils steht vor der Wahl „Kurs A oder Kurs B". Was verlangt das Protokoll zusätzlich?

  • â—Ź Mindestens eine dritte Möglichkeit erfinden
  • â—‹ Beide Optionen genauer beschreiben
  • â—‹ Freunde fragen, was sie wählen
Entweder-oder-Fragen sind meistens zu eng gestellt. Die dritte Option ist erstaunlich oft die, die gewählt wird.
Multiple Choice #3 22s â–¶ Testen

Was fragt eine Prämortem-Runde?

  • â—Ź „Es ist ein Jahr später und es ist schiefgegangen — woran lag es?"
  • â—‹ „Was könnte alles gut laufen?"
  • â—‹ „Was ist die wahrscheinlichste Zukunft?"
Die Prämortem setzt das Scheitern als gegeben und lässt nach Gründen suchen. Das findet Risiken, die eine offene Frage übersieht.
Wahr / Falsch #4 20s â–¶ Testen

Eine Entscheidung, die schlecht ausgegangen ist, war eine schlechte Entscheidung.

âś“ Falsch
Nicht unbedingt — bei Unsicherheit kann eine gute Entscheidung schlecht ausgehen und umgekehrt. Deshalb wird der Weg dorthin bewertet, nicht nur das Ergebnis.
Multiple Choice #5 15s â–¶ Testen

Ein halbes Jahr nach der Wahl von Kurs B ist Mia unzufrieden. Mit welchem Protokolleintrag kann sie jetzt prĂĽfen, welche Annahme falsch war?

  • â—‹ „Kurs B gewählt am 12. März.“
  • â—Ź „Kurs B, weil ich dachte, dort sind meine Freunde.“
  • â—‹ „Kurs B — gute Entscheidung!“
Nur die notierte BegrĂĽndung zeigt die Annahme von damals, die man jetzt prĂĽfen kann. Ohne sie erinnert man sich hinterher an eine BegrĂĽndung, die zum Ausgang passt.
Multiple Choice #6 22s â–¶ Testen

Mia will abschätzen, ob ein Projekt in einem Halbjahr machbar ist. Was macht sie zuerst?

  • â—Ź Eine grobe Rechnung mit runden Zahlen aufstellen
  • â—‹ Genaue Zahlen recherchieren
  • â—‹ Andere fragen, ob sie es fĂĽr machbar halten
Eine Überschlagsrechnung zeigt in fünf Minuten, ob etwas um eine Größenordnung daneben liegt. Genauigkeit lohnt sich erst danach.
Multiple Choice #7 25s â–¶ Testen

Ben merkt beim Protokoll, dass ihm eine Option auf allen Kriterien schlechter erscheint. Was ist der nächste Schritt?

  • â—Ź PrĂĽfen, ob ein Kriterium fehlt, das fĂĽr sie spricht
  • â—‹ Sie sofort streichen
  • â—‹ Die Gewichtungen ändern
Wenn eine Option auf allem verliert, ist meistens die Kriterienliste unvollständig. Gewichte nachträglich zu drehen ist genau das, was das Protokoll verhindern soll.
Multiple Choice #8 22s â–¶ Testen

Wann wird eine Entscheidung nach Protokoll noch einmal angeschaut?

  • â—Ź An einem vorher festgelegten Termin, zum Beispiel in drei Monaten
  • â—‹ Wenn sie sich falsch anfĂĽhlt
  • â—‹ Gar nicht mehr
Ein fester Prüftermin trennt das Nachjustieren vom täglichen Zweifeln — und verhindert, dass man an einer Entscheidung festhält, deren Annahmen nicht mehr stimmen.