Die Epochen der deutschen Literatur als Zeitleiste mit Leitideen: Barock (Vanitas, ~1600–1720), Aufklärung (Vernunft), Sturm und Drang (Gefühl, Genie), Weimarer Klassik (Harmonie, Humanität), Romantik (Sehnsucht, das Wunderbare), Realismus, Naturalismus, Expressionismus. Das Kind ordnet Zitate und Werke einer Epoche zu und lernt die Abfolge mit Karten. Vorgebeugt wird dem Urteil aus heutiger Norm (Anachronismus) und der Epoche als geschlossenem Block. Die gleiche Romantik steht in Kunst (Caspar David Friedrich) und Musik (Schubert) — und in der Geschichte (Aufklärung, 1848).
Welche Epoche wird zeitlich von ca. 1600 bis 1720 angesetzt und ist geprägt von Krieg, Vergänglichkeit und prunkvollen Gegensätzen?
○ Aufklärung
â—Ź Barock
â—‹ Romantik
â—‹ Expressionismus
Das Barock (ca. 1600–1720) war geprägt vom Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Zentrale Motive: Vanitas (Vergänglichkeit), Memento mori (Gedenke des Todes), Carpe diem (Nutze den Tag). Wichtige Autoren: Gryphius, Opitz, Grimmelshausen.
Die Epoche der ___ (ca. 1720–1785) stellte die Vernunft in den Mittelpunkt und forderte, dass der Mensch seinen Verstand selbstständig gebrauchen solle.
✓ Antwort: Aufklärung
Kants Leitspruch 'Sapere aude! — Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!' fasst das Programm der Aufklärung zusammen. Lessing (Nathan der Weise) und Kant sind zentrale Figuren. Die Vernunft sollte Vorurteile und Aberglauben überwinden.
Was ist das zentrale Anliegen des Sturm und Drang (ca. 1765–1785)?
â—‹ Strenge Regelpoetik nach antikem Vorbild
â—Ź Auflehnung gegen Regeln und Konventionen, Betonung von GefĂĽhl, Natur und dem genialen Individuum
â—‹ Wissenschaftliche Exaktheit in der Literatur
â—‹ AusschlieĂźlich politische Dichtung
Der Sturm und Drang war eine Jugendbewegung: Goethe ('Götz', 'Werther') und Schiller ('Die Räuber') rebellierten gegen die Vernunftbetontheit der Aufklärung. Das Originalgenie, die wilde Natur und starke Emotionen standen im Zentrum.
Die Sehnsucht nach dem Unendlichen, dem Wunderbaren und der Entgrenzung ist ein Leitmotiv der ___ (ca. 1795–1835).
âś“ Antwort: Romantik
Die Romantik suchte das Unendliche im Endlichen: Sehnsucht, Nacht, Traum, Fernweh, Natur, Märchen und Volkslied. Die blaue Blume (Novalis) symbolisiert das unerreichbare Ideal. Wichtige Autoren: Eichendorff, E.T.A. Hoffmann, Brentano, die Brüder Grimm.
Die literarische Strömung des ___ (ca. 1910–1925) drückte innere Zustände wie Angst, Entfremdung und Aufbruch in verzerrten, expressiven Bildern aus.
âś“ Antwort: Expressionismus
Der Expressionismus wollte nicht die äußere Wirklichkeit abbilden, sondern innere Zustände ausdrücken (lat. exprimere). Typisch: Großstadtlyrik, Kriegslyrik, Zerfall der Form, Reihungsstil. Autoren: Trakl, Heym, Benn, Kafka (als Erzähler).
Lessings Drama 'Nathan der Weise' (1779) ist ein Schlüsselwerk der ___ und predigt religiöse Toleranz.
✓ Antwort: Aufklärung
Lessings 'Nathan der Weise' mit der berühmten Ringparabel ist das literarische Manifest der Aufklärung: Vernunft, Toleranz und Humanität über religiöse Dogmen. Nathan zeigt, dass nicht die Religion, sondern das Handeln den Menschen ausmacht.
Goethe und Schiller gehören sowohl zum Sturm und Drang als auch zur Weimarer Klassik.
âś“ Wahr
Richtig! Goethe und Schiller begannen als Stürmer und Dränger (Goethe: 'Werther' 1774; Schiller: 'Die Räuber' 1782) und entwickelten sich dann zur Weimarer Klassik weiter (Goethe: 'Iphigenie' 1787; Schiller: 'Maria Stuart' 1800). Ihre Freundschaft ab 1794 prägte die Klassik.
Welches Ideal verfolgte die Weimarer Klassik (ca. 1786–1805)?
○ Zerstörung aller Formen
● Das Streben nach Harmonie, Humanität und sittlicher Bildung nach antikem Vorbild
â—‹ Flucht in die Traumwelt
â—‹ Dokumentarische Darstellung des Elends
Die Weimarer Klassik orientierte sich an der griechischen Antike: 'edle Einfalt und stille Größe' (Winckelmann). Literatur sollte den Menschen sittlich bilden. Goethes 'Iphigenie' zeigt das Ideal der Humanität — Vernunft und Gefühl im Gleichgewicht.
Welche Epoche (ca. 1815–1848) war geprägt von politischer Enttäuschung, Zensur und dem Rückzug ins Private?
â—‹ Expressionismus
â—Ź Biedermeier
â—‹ Naturalismus
â—‹ Neue Sachlichkeit
Nach dem Wiener Kongress (1815) erstickten Metternichs Restauration und Zensur die politischen Hoffnungen. Das Biedermeier reagierte mit Rückzug ins Häusliche, Idylle und Bescheidenheit. Gleichzeitig gab es mit dem Vormärz eine politisch engagierte Gegenbewegung.
Was kennzeichnet den Realismus (ca. 1848–1890) in der Literatur?
○ Völlige Realitätsflucht in Fantasiewelten
● Wirklichkeitsnahe, aber künstlerisch verklärte Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft
â—‹ AusschlieĂźlich politische Propaganda
â—‹ Nur Lyrik, keine Prosa
Der poetische (oder bürgerliche) Realismus stellte die Wirklichkeit dar, aber 'verklärt' — d.h. künstlerisch geformt, nicht fotografisch abgebildet. Fontane ('Effi Briest'), Storm ('Der Schimmelreiter'), Keller ('Der grüne Heinrich') sind Hauptvertreter.
Der Naturalismus (ca. 1880–1900) wollte die Wirklichkeit möglichst genau und ungeschönt abbilden, auch Armut und Elend.
âś“ Wahr
Richtig! Der Naturalismus lehnte die Verklärung des Realismus ab. Er wollte die Realität 'wie unter dem Mikroskop' zeigen: Armut, Alkoholismus, Ausbeutung. Gerhart Hauptmann ('Die Weber', 'Bahnwärter Thiel') schrieb sozialkritische Dramen im Dialekt.
Was ist die 'Neue Sachlichkeit' (ca. 1918–1933)?
â—‹ Eine Bewegung, die nur SachbĂĽcher hervorbrachte
● Eine nüchterne, realistische Strömung als Reaktion auf den Expressionismus — klar, sachlich, alltagsnah
â—‹ Ein anderer Name fĂĽr die Romantik
â—‹ Eine Architekturbewegung ohne Bezug zur Literatur
Die Neue Sachlichkeit reagierte auf die Überschwänglichkeit des Expressionismus mit Nüchternheit und Alltagsnähe. Kästner ('Fabian'), Fallada ('Kleiner Mann — was nun?'), Keun ('Das kunstseidene Mädchen') zeigten die Weimarer Gesellschaft ohne Pathos.
Literarische Epochen lassen sich immer scharf voneinander abgrenzen — ein Autor gehört eindeutig zu einer Epoche.
âś“ Falsch
Falsch! Epochengrenzen sind flieĂźend, und Autoren lassen sich oft nicht eindeutig zuordnen. Goethe durchlief Sturm und Drang, Klassik und hat romantische ZĂĽge. Kafka wird dem Expressionismus, der Moderne oder keiner Epoche zugeordnet. Epochen sind Hilfskonstruktionen.
Georg Heym, „Der Gott der Stadt“ (1910): Ein riesiger Gott hockt auf einem Häuserblock. Welche Deutung stützt das Wissen um den Expressionismus?
â—‹ Das Gedicht lobt den technischen Fortschritt der GroĂźstadt.
● Die Großstadt erscheint als bedrohliche, übermächtige Macht.
â—‹ Das Gedicht ist ein frommes Gebet an den Gott der Stadt.
Epochenwissen liefert den Deutungsrahmen: Der Expressionismus reagierte auf Industrialisierung, Verstädterung und Entfremdung mit verstörenden Bildern. Der riesige Stadtgott ist deshalb kein Lob des Fortschritts und kein Gebet, sondern ein Bild für die bedrohliche Übermacht der Großstadt.
Aus welcher Epoche stammt dieses Programm? „Kunst = Natur – x“
â—Ź Naturalismus
â—‹ Weimarer Klassik
â—‹ Romantik
Arno Holz (1891) — Kunst soll die Natur so genau wie möglich abbilden; x ist nur die Unvollkommenheit der Mittel. Das Gegenteil romantischer Verklärung.
Welcher Autor und welches Werk markieren den Beginn der Weimarer Klassik?
â—‹ Lessing: 'Nathan der Weise' (1779)
â—Ź Goethe: 'Iphigenie auf Tauris' (1787, nach seiner Italienreise)
â—‹ Kafka: 'Die Verwandlung' (1915)
â—‹ Brecht: 'Dreigroschenoper' (1928)
Goethes Italienreise (1786–1788) gilt als Wendepunkt: Die Begegnung mit der antiken Kunst verwandelte den Stürmer und Dränger zum Klassiker. 'Iphigenie auf Tauris' in Blankvers-Form verkörpert das klassische Humanitätsideal.