Warum überhaupt in Phasen?
Why phased at all?
Ein Kleinkind erkundet und lernt nur von einer sicheren Basis aus — ohne diesen Rückhalt bleibt es in Alarmbereitschaft. Die Eingewöhnung überträgt darum ein Stück dieser Basis von dir auf die Erzieher:in, bevor du gehst. Das ist Bowlbys und Ainsworths Bindungstheorie in praktischer Anwendung, nicht bloße Gewöhnung an einen neuen Ort.
Warum nicht einfach abgeben und gehen? Weil ein kleines Kind die Welt nur von einer sicheren Basis aus erkundet. Solange du in der Nähe bist, traut es sich weg, probiert etwas, dreht sich um, ob du noch da bist — und kommt zurück, wenn es unsicher wird. Fällt die Basis weg, hört das Erkunden auf; das Kind steckt in Stress fest, und in Stress lernt niemand. Das ist der Kern der Bindungstheorie (Bowlby, 1969; Ainsworth u. a., 1978) — eine der bestbelegten Ideen der Entwicklungspsychologie.
Genau das ist die Aufgabe der Eingewöhnung: Dein Kind soll ein Stück dieser sicheren Basis von dir auf die Erzieher:in übertragen — während du noch da bist. So muss es nie den fremden Ort und die fremde Person gleichzeitig aus einem unsicheren Zustand heraus bewältigen. Zuerst kommt die Beziehung, dann geht die Tür zu.
Deshalb läuft es in Phasen und nicht an einem Nachmittag. Nicht, weil dein Kind „schwierig" wäre, sondern weil eine Bindung Zeit braucht, um zu tragen. Wie lange genau, entscheidet nicht der Kalender, sondern dein Kind — dazu gleich mehr.