Freunde und Streit

Friends and conflict

EntwicklungPhasen

Freundschaften und Streit sind das eigentliche Übungsfeld dieser Jahre: Hier lernt das Kind abwarten, teilen, Regeln aushandeln und mitbestimmen. Um etwa vier Jahre begreift es, dass andere anders denken und anderes wissen als es selbst (Theory of Mind). Erst diese Einsicht macht echtes Aushandeln und Sich-Hineinversetzen möglich.

Freundschaft und Streit sind in diesen Jahren keine Störung des Programms — sie sind das Programm. Der Bayerische Bildungsplan stellt den Bereich „Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte" nach vorne, sobald die Gruppe zur Welt des Kindes wird. Zwei Kinder, ein Bagger: Wer zuerst? Genau an dieser Reibung übt sich alles Wichtige.

dran warten warten dran
Ein Spielzeug, zwei Kinder, abwechselnd dran: Teilen, Abwarten und „erst du, dann ich" sind erlernte Kunststücke — jeder Streit ist eine Übungsrunde, kein Versagen.

Möglich wird das durch einen stillen Sprung im Denken: die Theory of Mind. Mit etwa vier begreift ein Kind, dass andere andere Gedanken, WĂĽnsche und sogar falsche Ăśberzeugungen haben können. In der groĂźen Zusammenschau von 178 Studien kippt die Aufgabe zur „falschen Ăśberzeugung" quer durch alle Länder in diesem Alter von unter- auf ĂĽberzufällig (Wellman u. a., 2001). Erst wer den Kopf des anderen mitdenkt, kann verhandeln statt nur greifen.

Deshalb üben gute Kitas Konflikt nicht weg, sondern hinein: feste Regeln, echtes Mitbestimmen (Kinderkonferenzen sind keine Spielerei, sondern ein im Bildungsplan verankertes Recht auf Partizipation), und Erwachsene, die begleiten statt zu richten. Zu Hause hilft dieselbe Haltung: benenne die Gefühle beider, halte die Regel („erst fragen, dann nehmen") — und lass das Kind die Lösung möglichst selbst finden. Streit ist Übung, kein Notfall.

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