Zeigen und Benennen
Pointing and naming
Zeigen kommt vor dem Sprechen: Der ausgestreckte Zeigefinger — meist ab etwa zwölf Monaten — heißt „schau da, mit mir" und schafft gemeinsame Aufmerksamkeit. Diese ist der eigentliche Motor des Wörterlernens: Benennt der Erwachsene genau das, was das Kind gerade selbst anschaut, klebt das Wort am richtigen Ding. Genau diese Passung von Blick und Wort sagt den späteren Wortschatz voraus (Tomasello & Farrar, 1986) — dem Finger folgen, nicht gegensteuern.
Bevor Kinder Wörter sagen, zeigen sie. Der ausgestreckte Zeigefinger — meist ab etwa zwölf Monaten — ist mehr als eine Geste: Er sagt „schau da, mit mir". Dieses geteilte Draufschauen heißt gemeinsame Aufmerksamkeit, und es ist der eigentliche Motor des Wörterlernens. Wenn Kind und Erwachsener denselben Gegenstand im Blick haben und der Erwachsene ihn genau dann benennt, klebt das Wort am richtigen Ding.
Das Entscheidende ist die Blickrichtung: Wörter bleiben besser hängen, wenn du benennst, was dein Kind gerade selbst anschaut — nicht, worauf du es lenken willst. Genau diese Passung sagt den späteren Wortschatz voraus (Tomasello & Farrar, 1986; Carpenter u. a., 1998). Also: dem Finger folgen statt gegensteuern.
Im Alltag heißt das wenig Aufwand und kein Lernprogramm. Zeigt dein Kind auf den Hund, sagst du „Hund" — vielleicht noch „ein großer Hund, der läuft". Du musst nichts abfragen („Wo ist der Hund? Sag Hund!"). Dem Interesse des Kindes zu folgen und es in Worte zu fassen, ist die ganze Kunst — und sie ist umsonst.