Wie andere leben — und was hilft
How others live — and what helps
Elifs Familie hat gerade wenig Geld, Ben wohnt seit der Trennung der Eltern abwechselnd bei Mama und Papa, Herr Wagner von nebenan ist 88 und kann schlecht laufen, Mila lernt noch Deutsch. Die Kinder stellen sich vor, was eine solche Lage im Alltag bedeutet (ein teurer Ausflug ist schwer zu bezahlen; die Sachen müssen jede Woche mit) — und grenzen das von Vorurteilen ab („selbst schuld“, „der ist bestimmt gefährlich“). Dann wählen sie eine Hilfe, die passt: zuerst fragen, niemanden vor anderen bloßstellen, nicht einfach alles abnehmen — und nur so viel, wie ein Kind wirklich schaffen kann. Hoffman (2000, *Empathy and Moral Development*) beschreibt, wie sich Mitgefühl erst in der späteren Kindheit über die Situation hinaus auf die Lebensumstände eines Menschen richtet; Selman (1980, *The Growth of Interpersonal Understanding*) beschreibt die Perspektivübernahme, die dafür nötig ist; Eisenberg (1986, *Altruistic Emotion, Cognition, and Behavior*) zeigt, wie Grundschulkinder beim Helfen zunehmend die Bedürfnisse des anderen statt des eigenen Vorteils abwägen; und Fisher, Nadler und Whitcher-Alagna (1982, Psychological Bulletin 91, 27–54) zeigen, dass Hilfe, die bloßstellt oder bevormundet, den Empfänger kränken kann. Ob und wie viel man helfen *muss*, bleibt offen und wird begründet (Martens 1999). LehrplanPLUS GS Ethik 3/4, 2.1 Am Leben der anderen Anteil nehmen (Lebenssituationen wahrnehmen und sich vorstellen, was sie bedeuten; Unterstützungsmöglichkeiten finden, Grenzen der Unterstützung). Bereitet vor: `hsu.grade3.kinderrechte` (Anspruch aller Kinder auf gute Lebensbedingungen) und `ethik.gs.engagierte-menschen`.
Elifs Familie hat gerade wenig Geld. Was könnte das für Elif im Alltag bedeuten?
Bens Eltern haben sich getrennt. Ben wohnt eine Woche bei Mama, eine Woche bei Papa. Was könnte das für Ben im Alltag bedeuten?
Herr Wagner von nebenan ist 88 Jahre alt und kann nur noch schlecht laufen. Was könnte das für ihn im Alltag bedeuten?
Mila ist mit ihrer Familie aus einem anderen Land gekommen und lernt noch Deutsch. Was könnte das für Mila im Alltag bedeuten?
Jonas ist neu in der Klasse und steht in der Pause allein. Welche Hilfe passt?
Herr Wagner schleppt schwere Einkaufstaschen zur HaustĂĽr. Welche Hilfe passt?
Im vollen Bus steigt eine Frau mit KrĂĽcken ein. Welche Hilfe passt?
Jonas ist neun. Er trägt für die Nachbarin allein drei volle Getränkekisten in den vierten Stock. Diese Hilfe passt zu dem, was ein Neunjähriger schaffen kann.
Die Klasse sammelt gut erhaltene Kinderbücher für eine Unterkunft, in der geflüchtete Familien wohnen. Das ist eine Hilfe, die Kinder schaffen können.
Vor dem Supermarkt sitzt jeden Tag ein Mann mit Schlafsack und Rucksack. Was könnte das für ihn im Alltag bedeuten?
Mila versteht die Matheaufgabe nicht, weil ihr Deutsch noch neu ist. Welche Hilfe passt?
Ben möchte dem Mann vor dem Supermarkt helfen. Eine Wohnung kann Ben ihm nicht besorgen. Also kann Ben gar nichts tun.
Lea überlegt: „Wie wäre es für mich, wenn ich jede Woche die Wohnung wechseln müsste?“ Lea macht einen ___.
Denk an einen Menschen in deiner Umgebung, dem etwas schwerfällt (nenne keinen Namen). Wie könntest du helfen? Und wie findest du heraus, ob er diese Hilfe überhaupt möchte?
Ole sagt: „Wer Hilfe braucht, soll sie sich selbst holen. Ich muss niemandem helfen.“ Was meinst du dazu? Begründe.