Unfaire Gründe — Diskriminierung erkennen
Unfair reasons — recognising discrimination
Nicht jedes Nein ist unfair: Wer beim Staffellauf die Schnellsten aufstellt, wählt nach einem Grund, der zur Sache gehört. Unfair wird es, wenn jemand wegen seiner Gruppe — Mädchen oder Junge, Herkunft, Religion, Behinderung, wie die Eltern Geld verdienen — schlechter behandelt wird, obwohl das mit der Sache nichts zu tun hat; das heißt Diskriminierung. Killen und Rutland (2011, *Children and Social Exclusion*) zeigen, dass Kinder solches Ausschließen im Allgemeinen ablehnen und es trotzdem hinnehmen, sobald es als Gruppenregel („Fußball ist halt Jungssache“) oder als Witz daherkommt; Brown und Bigler (2005, Child Development 76, 533–553) beschreiben, wie Kinder zwischen 5 und 10 lernen, eine Benachteiligung überhaupt als Diskriminierung zu erkennen. Geübt wird darum die Gründe-Probe an Szenen: Gehört der Grund zur Sache, oder nur zur Gruppe? Das Thema baut auf „Ein Kind ist nicht alle“ auf, ohne es zwingend vorauszusetzen, und mündet in die Kinderrechte (`hsu.grade3.kinderrechte`, gleiches Recht für alle Kinder) und später in Ethik 7, wo Vorurteile als Konfliktursache analysiert werden. Wie eine Gruppe fair auswählen *sollte*, bleibt offen und wird begründet (Martens 1999); geschlossen geprüft wird nur, ob ein Grund zur Sache oder zur Gruppe gehört. LehrplanPLUS GS Ethik 3/4, 2.1 Am Leben der anderen Anteil nehmen (gleiches Recht aller Kinder), 2.2 Individualität respektieren (Teamgeist vs. Ausgrenzung), 2.4 Mit Konflikten umgehen (prüfen, inwieweit eine Entscheidung gerecht ist).
Für den Staffellauf werden vier Kinder ausgewählt. Welcher Grund gehört zur Sache?
Für das Theaterstück wird jemand gesucht, der viel Text spricht. Welcher Grund gehört zur Sache?
Beim Schulchor darf nur mitsingen, wer zu den Proben kommt. Ahmed darf nicht mitsingen. Welcher Grund gehört zur Sache?
Die Klasse plant eine Wanderung. Weil Emil im Rollstuhl sitzt, sagt die Klasse: „Emil kann ja dann zu Hause bleiben.“ Emil wird wegen einer Gruppe, zu der er gehört, schlechter behandelt.
In der Bücherei darf jedes Kind drei Bücher ausleihen, damit genug für alle da sind. Moritz’ Eltern sind reich, er darf auch nur drei. Der Grund für die Regel gehört zur Sache.
Herr Kunz sagt: „Die Mädchen dürfen nicht an die Säge, das ist für Jungs.“ Das ist ein unfairer Grund.
Mila will in der Pause FuĂźball mitspielen. Welche Antwort der Jungen ist fair?
Finn darf zu seinem Geburtstag fünf Kinder einladen und lädt Ole nicht ein. Welcher Grund gehört zur Sache?
Beim Völkerball sagt Leon zu Jakob, der eine Brille trägt: „Dich nehmen wir nicht, Brillenschlangen treffen eh nicht.“ Alle lachen. Was ist das?
Die Klasse wählt eine Klassensprecherin oder einen Klassensprecher. Welcher Grund für eine Stimme gehört zur Sache?
Die Klasse plant einen Ausflug, der 20 Euro kostet. Bei welcher Lösung wird kein Kind wegen seiner Familie benachteiligt?
Beim Ausflug ins Freibad dĂĽrfen nur Kinder mit Schwimmabzeichen ins tiefe Becken. Mia hat keins und darf nicht hinein. Das ist Diskriminierung.
Paula sagt zu Kemal: „Du darfst nicht mitspielen, du sprichst so komisch.“ Sie meint es nicht böse. Dann ist es keine Diskriminierung.
Lina darf nicht in die Theater-AG, „weil Kinder aus dem Wohnheim eh nicht lange bleiben“. Lina wird wegen ihrer Gruppe benachteiligt. Das nennt man ___.
Beim Mannschaftwählen im Sport bleiben immer dieselben zwei Kinder bis zum Schluss übrig. Wie könnte man die Mannschaften anders bilden? Was spricht für deinen Vorschlag, was dagegen?
Eine Schule macht einen Tag, an dem nur Mädchen in die Technik-Werkstatt dürfen. Ist das fair, oder ist das selbst ein unfairer Grund? Begründe.