Medizinethik

Medical ethics

15 Aufgaben
EthikMedizinethikBioethik

Die Schülerin ordnet Sätze aus medizinischen Fällen den vier Prinzipien von Beauchamp & Childress (1979) zu — Autonomie, Nichtschaden, Fürsorge, Gerechtigkeit — und zerlegt Argumente nach dem Toulmin-Schema (Toulmin 1958) in Daten, Schlussregel und Behauptung. Sie erkennt die Argumentmuster, die der Lehrplan nennt: das Dammbruchargument, den Sein-Sollen-Fehlschluss („Krankheit ist natürlich, also darf man nicht eingreifen", vgl. Hume 1739) und das bloße Autoritätsargument. Klassifiziert wird nur die Form — ob ein Dammbruchargument trägt, ist gerade die Streitfrage. Abgebaut wird das Fehlbild, ein einziges Prinzip entscheide jeden Fall: Am Wunsch nach Sterbehilfe stoßen Autonomie und Lebensschutz zusammen, bei Keimbahneingriffen kommen künftige, nicht gefragte Menschen dazu. Dazu kommen Rechtsfakten (Entscheidungslösung bei der Organspende 2020, Vergabe nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit gemäß § 12 TPG, Patientenverfügung). LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 11, LB 3 „Medizinethik": überprüfen die Schlüssigkeit medizinethischer Argumentation; argumentieren aus den Perspektiven unterschiedlicher Betroffener; berücksichtigen die vier Prinzipien der Medizinethik. Bereitet vor: das Wissenschaftspropädeutische Seminar (LehrplanPLUS Gymnasium 12/13), in dem Stellungnahmen wie die des Deutschen Ethikrats argumentativ geprüft werden; holt `biologie.grade10.bioethik` und `biologie.grade10.gentechnik` als Fälle zurück.

Leicht
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Auf welches der vier Prinzipien beruft sich dieser Satz? „Nach dem Aufklärungsgespräch entscheidet die Patientin selbst, ob sie sich operieren lässt."

  • â—Ź Autonomie
  • â—‹ FĂĽrsorge
  • â—‹ Gerechtigkeit
Die informierte Einwilligung ist der Kern der Autonomie. Beauchamp und Childress stellen ihr Nichtschaden, Fürsorge und Gerechtigkeit zur Seite — keines der vier Prinzipien gilt automatisch vor den anderen.
Multiple Choice #2 15s â–¶ Testen

Auf welches der vier Prinzipien beruft sich dieser Satz? „Ein Medikament mit schweren Nebenwirkungen soll man nicht geben, wenn es kaum hilft."

  • â—Ź Nichtschaden
  • â—‹ Autonomie
  • â—‹ Gerechtigkeit
Es geht darum, keinen Schaden zuzufügen, der durch den Nutzen nicht aufgewogen wird — das Nichtschadensprinzip.
Multiple Choice #3 15s â–¶ Testen

Auf welches der vier Prinzipien beruft sich dieser Satz? „Auf der Warteliste müssen alle gleich behandelt werden, egal wie viel sie verdienen."

  • â—Ź Gerechtigkeit
  • â—‹ FĂĽrsorge
  • â—‹ Nichtschaden
Wie knappe Mittel fair verteilt werden, ist die Frage der Gerechtigkeit.
Multiple Choice #4 15s â–¶ Testen

Welches Argumentmuster ist das? „Der Chefarzt ist gegen die Behandlung, also ist sie falsch."

  • â—Ź Autoritätsargument
  • â—‹ Sein-Sollen-Fehlschluss
  • â—‹ Dammbruchargument
Das Urteil stützt sich nur darauf, wer es fällt, nicht auf seine Gründe. Der Rat einer Fachperson ist wichtig — prüfen muss man trotzdem, warum sie dagegen ist.
LĂĽckentext #5 12s â–¶ Testen

Frau K. hat schriftlich festgelegt, dass sie im Koma nicht kĂĽnstlich beatmet werden will. Dieses Dokument heiĂźt ___.

âś“ Antwort: PatientenverfĂĽgung
Die Patientenverfügung gilt, wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann — ein Werkzeug der Autonomie.
Mittel
Multiple Choice #1 18s â–¶ Testen

Auf welches der vier Prinzipien beruft sich dieser Satz? „Der Kinderarzt rät dringend zur Impfung, weil er das Kind vor einer schweren Krankheit bewahren will."

  • â—Ź FĂĽrsorge
  • â—‹ Nichtschaden
  • â—‹ Autonomie
FĂĽrsorge (Wohltun) heiĂźt, aktiv Gutes fĂĽr den Patienten zu bewirken, hier Schutz vor Krankheit. Nichtschaden verlangt nur, selbst keinen Schaden zuzufĂĽgen.
Multiple Choice #2 22s â–¶ Testen

Welcher Satz ist im Toulmin-Schema die Schlussregel? „Frau K. hat in ihrer Patientenverfügung künstliche Beatmung abgelehnt. Niemand darf gegen seinen erklärten Willen behandelt werden. Also darf das Team sie nicht beatmen."

  • â—Ź Niemand darf gegen seinen erklärten Willen behandelt werden.
  • â—‹ Frau K. hat in ihrer PatientenverfĂĽgung kĂĽnstliche Beatmung abgelehnt.
  • â—‹ Also darf das Team sie nicht beatmen.
Die Schlussregel ist der allgemeine Satz, der von den Daten (Frau K.s Verfügung) zur Behauptung (nicht beatmen) führt. Sie ist meist der normative Teil — und der Ort, an dem man streiten kann.
Multiple Choice #3 22s â–¶ Testen

Welcher Satz ist im Toulmin-Schema die Schlussregel? „Wer zu Lebzeiten zugestimmt hat, darf nach dem Hirntod Organe spenden. Herr B. hat im Organspendeausweis zugestimmt und ist hirntot. Also dürfen seine Organe entnommen werden."

  • â—Ź Wer zu Lebzeiten zugestimmt hat, darf nach dem Hirntod Organe spenden.
  • â—‹ Herr B. hat im Organspendeausweis zugestimmt und ist hirntot.
  • â—‹ Also dĂĽrfen seine Organe entnommen werden.
Hier steht die Schlussregel vorne. Erkennbar ist sie daran, dass sie allgemein gilt und den Einzelfall mit der Behauptung verbindet.
Multiple Choice #4 18s â–¶ Testen

Welches Argumentmuster ist das? „Wenn wir Sterbehilfe für Todkranke erlauben, geraten bald auch alte und behinderte Menschen unter Druck, sterben zu wollen."

  • â—Ź Dammbruchargument
  • â—‹ Sein-Sollen-Fehlschluss
  • â—‹ Autoritätsargument
Das Dammbruchargument warnt, ein erster Schritt führe zu weiteren, unerwünschten. Ob die Warnung berechtigt ist, hängt davon ab, wie wahrscheinlich diese Folgen sind — darüber wird gestritten.
Multiple Choice #5 18s â–¶ Testen

Welches Argumentmuster ist das? „Krankheit gehört zur Natur des Menschen, also dürfen wir nicht ins Erbgut eingreifen."

  • â—Ź Sein-Sollen-Fehlschluss
  • â—‹ Dammbruchargument
  • â—‹ Autoritätsargument
Aus „ist natürlich" wird „dürfen wir nicht" gefolgert, ohne die Wertannahme zu nennen. Mit derselben Logik dürfte man auch keine Brille tragen. Gegen Eingriffe ins Erbgut kann es trotzdem gute Gründe geben.
Wahr / Falsch #6 12s â–¶ Testen

Im Januar 2020 lehnte der Bundestag die Widerspruchslösung für die Organspende ab.

âś“ Wahr
Beschlossen wurde stattdessen die Entscheidungslösung: Spender ist, wer aktiv zustimmt. Bei der Widerspruchslösung wäre jeder Spender, der nicht widerspricht.
Multiple Choice #7 15s â–¶ Testen

Nach welchen Kriterien mĂĽssen Spenderorgane in Deutschland laut Transplantationsgesetz vergeben werden?

  • â—Ź nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit
  • â—‹ nach Einkommen und Versicherung
  • â—‹ nach der Nähe des Wohnorts zur Klinik
§ 12 Transplantationsgesetz nennt diese beiden Kriterien. Sie ziehen manchmal in verschiedene Richtungen: Die Kränksten haben oft die geringsten Erfolgsaussichten.
Multiple Choice #8 15s â–¶ Testen

Welcher Eingriff würde Erbgutveränderungen auch an die Kinder eines Menschen weitergeben?

  • â—Ź eine Veränderung des Erbguts in einem Embryo
  • â—‹ eine Gentherapie an den Blutzellen eines Erwachsenen
  • â—‹ eine Impfung
Ein Eingriff in die Keimbahn wirkt auf alle späteren Nachkommen — Menschen, die nicht gefragt werden können. In Deutschland verbietet ihn das Embryonenschutzgesetz.
Schwer
KI-bewertete Frage #1 210s â–¶ Testen

Mit Methoden wie CRISPR ließe sich das Erbgut so verändern, dass bestimmte Krankheiten verschwinden — aber auch Merkmale „verbessert" werden könnten. Wo verläuft für dich die Grenze zwischen Heilung und Verbesserung? Begründe mit mindestens einem der vier Prinzipien und nenne, wer betroffen ist.

✓ Antwort: Eingriffe gegen schweres Leiden lassen sich mit Fürsorge begründen. „Verbesserungen" nach Wunsch sehe ich kritischer: Sie können neue Ungerechtigkeit schaffen, weil sie sich nur Reiche leisten können, und bei der Keimbahn legen sie künftige Menschen fest, die nicht einwilligen können. Betroffen sind also die Eltern, die Kinder, deren Nachkommen und die Gesellschaft. Die Grenze ist aber unscharf: Ist eine starke Kurzsichtigkeit schon eine Krankheit?
KI-bewertete Frage #2 220s â–¶ Testen

Ein schwer kranker Mann bittet seine Ärztin, ihm beim Sterben zu helfen. Beschreibe den Fall aus mindestens drei Perspektiven (zum Beispiel Patient, Ärztin, Angehörige, Gesellschaft) und nenne, welches der vier Prinzipien in jeder Perspektive besonders zählt. Du darfst am Ende eine eigene Einschätzung geben.

✓ Antwort: Patient: Für ihn zählt die Autonomie — er will selbst über sein Ende bestimmen. Ärztin: Für sie zählen Nichtschaden und Fürsorge; sie fragt sich, ob Helfen beim Sterben schadet oder Leid beendet. Angehörige: Sie wollen ihm Leid ersparen, haben aber vielleicht Angst, ihn zu verlieren. Gesellschaft: Hier geht es um Gerechtigkeit und um die Sorge, dass Schwache unter Druck geraten könnten. Ich finde das Selbstbestimmungsargument stark, nehme die Sorge vor Druck aber ernst.