Politische Ethik

Political ethics

14 Aufgaben
EthikPolitische EthikGerechtigkeitSozial-bĂĽrgerliches Leben

Die Schülerin prüft an Fallbeschreibungen, welches Merkmal zivilen Ungehorsams nach Rawls (1971) — öffentlich, gewaltfrei, mit der Bereitschaft, die Strafe zu tragen — einer Aktion fehlt, und unterscheidet so zivilen Ungehorsam von Straftat und genehmigter Demo. Sie ordnet Herrschaft nach Aristoteles' Staatsformen (wer herrscht, zu wessen Nutzen?), Verteilungen nach Bedarf, Leistung oder Gleichheit, und erkennt Merkmale autoritärer Systeme (fehlende Gewaltenteilung, Unterdrückung von Rechten). Gegen das Fehlbild „Populismus heißt Kritik an Eliten" steht Müllers (2016) Kennzeichen: der moralische Anspruch, allein das wahre Volk zu vertreten. Hobbes' Leviathan (1651) und Rawls' Schleier des Nichtwissens zeigen, wie Vertragstheorien den Staat aus der Zustimmung der Regierten begründen. Dass ein Gesetz gelten und trotzdem ungerecht sein kann, ist der Kern; ob ein bestimmter Regelbruch legitim ist, bleibt offen und wird begründet. LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 11, LB 2 „Politische Ethik": reflektieren die Legitimation von Staatsgewalt und das Verhältnis zwischen Staatsgewalt und Bürger (Recht auf Widerstand, ziviler Ungehorsam); erkennen Merkmale autoritärer Systeme; erkennen Strategien populistischer Rhetorik. Bereitet vor: `pug.grade12.eu-und-internationale-beziehungen` (übernationale Normen, Friedenssicherung) und das Wissenschaftspropädeutische Seminar (LehrplanPLUS Gymnasium 12/13).

Leicht
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Rosa Parks bleibt 1955 in Montgomery im Bus auf einem Platz sitzen, der nach dem Gesetz Weißen vorbehalten ist, und lässt sich verhaften. Was tut sie?

  • â—Ź Sie leistet zivilen Ungehorsam gegen ein Gesetz.
  • â—‹ Sie begeht eine gewaltsame Straftat.
  • â—‹ Sie befolgt die geltenden Regeln.
Offen, gewaltfrei und mit der Verhaftung als Folge — ein Lehrbuchfall. Ihr Protest löste den Busboykott von Montgomery aus.
Multiple Choice #2 15s â–¶ Testen

Nach welchem MaĂźstab wird hier verteilt? Das kranke Kind bekommt in der Familie mehr Zeit und Pflege als seine gesunden Geschwister.

  • â—Ź nach Bedarf
  • â—‹ nach Leistung
  • â—‹ nach Gleichheit
Wer mehr braucht, bekommt mehr. Bedarfs-, Leistungs- und Gleichheitsgerechtigkeit sind drei Maßstäbe, die in Konflikt geraten können.
Multiple Choice #3 15s â–¶ Testen

Nach welchem MaĂźstab wird hier verteilt? Beim Sponsorenlauf bekommt jede Klasse so viele Punkte fĂĽr den Klassenpreis, wie sie Runden gelaufen ist.

  • â—Ź nach Leistung
  • â—‹ nach Bedarf
  • â—‹ nach Gleichheit
Die Punkte richten sich nach dem, was jede Klasse erbracht hat. Ob das hier der fairste MaĂźstab ist, kann man diskutieren.
Wahr / Falsch #4 12s â–¶ Testen

Thomas Hobbes meinte, ohne Staat wäre das Leben ein „Krieg aller gegen alle".

âś“ Wahr
Im Leviathan (1651) begrĂĽndet er so, warum Menschen per Gesellschaftsvertrag Macht an einen Staat abgeben.
Mittel
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Welches Merkmal zivilen Ungehorsams nach Rawls fehlt dieser Aktion? Demonstrierende blockieren angekündigt eine Kreuzung und lassen sich festnehmen — einige werfen dabei Steine auf Polizisten.

  • â—Ź gewaltfrei
  • â—‹ öffentlich
  • â—‹ bereit, die Strafe zu tragen
Die Aktion ist angekĂĽndigt, und die Festnahme wird hingenommen. Durch die SteinwĂĽrfe fehlt aber die Gewaltfreiheit, die Rawls verlangt.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Welches Merkmal zivilen Ungehorsams nach Rawls fehlt dieser Aktion? BĂĽrgerinnen besetzen angekĂĽndigt und friedlich das Rathausfoyer und tauchen danach unter, damit niemand sie bestrafen kann.

  • â—Ź bereit, die Strafe zu tragen
  • â—‹ gewaltfrei
  • â—‹ öffentlich
Ă–ffentlich und gewaltfrei ist die Besetzung. Wer aber der Strafe ausweicht, zeigt nach Rawls nicht mehr, dass er die Rechtsordnung als Ganze achtet.
Multiple Choice #3 18s â–¶ Testen

Welche Staatsform nach Aristoteles ist das? Wenige Reiche regieren die Stadt zu ihrem eigenen Vorteil.

  • â—Ź Oligarchie
  • â—‹ Aristokratie
  • â—‹ Demokratie
Aristoteles fragt: Wer herrscht — einer, wenige, viele — und zu wessen Nutzen? Wenige zum eigenen Vorteil ist Oligarchie, wenige zum Wohl aller wäre Aristokratie.
Multiple Choice #4 18s â–¶ Testen

Welche Staatsform nach Aristoteles ist das? Ein Einzelner regiert, und zwar zum Wohl aller BĂĽrger.

  • â—Ź Monarchie
  • â—‹ Tyrannis
  • â—‹ Aristokratie
Herrschaft eines Einzelnen zum Gemeinwohl heiĂźt bei Aristoteles Monarchie. Herrscht derselbe Einzelne zum eigenen Nutzen, ist es Tyrannis.
Multiple Choice #5 18s â–¶ Testen

Welches Merkmal eines autoritären Systems zeigt diese Meldung? „Der Präsident entlässt die Richter des obersten Gerichts, die gegen ihn geurteilt haben."

  • â—Ź fehlende Gewaltenteilung
  • â—‹ Ăśberwachung der BĂĽrger
  • â—‹ Abschaffung von Wahlen
Wenn die Regierung die Gerichte nach Belieben besetzt, kontrolliert die eine Gewalt die andere nicht mehr — die Gewaltenteilung ist aufgehoben.
Multiple Choice #6 20s â–¶ Testen

Welcher Satz zeigt das Kennzeichen, das Jan-Werner Müller für Populismus nennt — den Anspruch, allein das wahre Volk zu vertreten?

  • â—Ź „Nur wir sprechen fĂĽr das Volk — wer gegen uns ist, gehört nicht dazu."
  • â—‹ „Die Regierung hat beim Wohnungsbau versagt."
  • â—‹ „Wir haben bei der Wahl die meisten Stimmen bekommen."
Kritik an der Regierung allein ist nach Müller noch kein Populismus. Entscheidend ist der Alleinvertretungsanspruch, der allen anderen abspricht, zum Volk zu gehören.
Multiple Choice #7 18s â–¶ Testen

Bei Rawls wählen Menschen hinter einem „Schleier des Nichtwissens" die Regeln ihrer Gesellschaft. Was wissen sie dabei über sich selbst?

  • â—Ź nicht, ob sie später arm oder reich, gesund oder krank sein werden
  • â—‹ genau, welchen Beruf sie später haben werden
  • â—‹ nur, ob sie später reich sein werden
Wer die eigene Stellung nicht kennt, wählt Regeln, die er aus jeder Lage heraus akzeptieren könnte — so prüft Rawls (1971), ob Regeln fair sind.
Schwer
Wahr / Falsch #1 15s â–¶ Testen

Das Grundgesetz gibt allen Deutschen ein Recht zum Widerstand gegen jeden, der die demokratische Ordnung beseitigen will, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

âś“ Wahr
Artikel 20 Absatz 4 GG — eine Lehre aus der NS-Zeit, eng begrenzt auf den äußersten Notfall. Ziviler Ungehorsam gegen ein einzelnes Gesetz ist davon nicht gedeckt.
KI-bewertete Frage #2 200s â–¶ Testen

Darf man ein Gesetz brechen, das man für zutiefst ungerecht hält? Nenne Bedingungen, unter denen ziviler Ungehorsam zu rechtfertigen sein könnte, nenne seine Grenzen und bedenke den Einwand derer, die sagen: „In einer Demokratie muss man Gesetze auf legalem Weg ändern."

✓ Antwort: Ziviler Ungehorsam könnte gerechtfertigt sein, wenn das Gesetz schweres Unrecht festschreibt, legale Wege ausgeschöpft sind, der Protest öffentlich und gewaltfrei bleibt und man die Strafe annimmt. Grenzen sind Gewalt gegen Menschen und Aktionen, die anderen schaden, ohne etwas zu erreichen. Der Einwand ist ernst: Wenn jeder Gesetze bricht, die er ungerecht findet, verliert das Recht seine Kraft. Darum muss die Schwelle hoch sein.
KI-bewertete Frage #3 190s â–¶ Testen

Stell dir vor, du müsstest die Regeln für die Vergabe von Plätzen in beliebten Wahlkursen festlegen, ohne zu wissen, ob du später zu den Sportlichen oder Unsportlichen, den Älteren oder Jüngeren gehörst. Welche Regel würdest du wählen, und warum? Prüfe deine Regel aus der Sicht von zwei verschiedenen Schülerinnen oder Schülern.

✓ Antwort: Ich würde ein Losverfahren wählen, bei dem jeder einmal im Jahr Vorrang bekommt, der beim letzten Mal leer ausging. So hätte ich in jeder Lage eine faire Chance. Aus Sicht einer Neuntklässlerin ist das gut, weil die Älteren nicht immer zuerst dran sind. Aus Sicht eines Zwölftklässlers, der nur noch ein Jahr hat, ist es schlechter — vielleicht bräuchte es eine Ausnahme für das letzte Schuljahr.