Drei Tiefen des Verstehens

Three Depths of Understanding

Das Fido-Curriculum Klasse 1
Fido MetaCurriculum Structure

Wissen hat drei Tiefen: etwas wiedererkennen, etwas Vorgelegtes beurteilen und etwas selbst erzeugen sind drei verschiedene Fähigkeiten – wer eine Definition erkennt, kann sie noch nicht anwenden, und wer sie anwendet, noch nicht selbst eine bilden. Sie bauen aufeinander auf; die oberste, das Erzeugen, wird verlangt, bevor eine Stufe abschließt. Als Bild: Erkennen ist eine Wolke von Punkten, Beurteilen sind die Verbindungen dazwischen, Erzeugen ist die Fläche, auf der alles liegt. Nicht jedes Thema braucht die Fläche; die Tiefe wird pro Thema festgelegt.

Verstehen hat Tiefen. Auf dem Rad heißt das: einer perfekten Kurve zusehen, an einer wackligen sehen, was falsch läuft, und sie schließlich selbst fahren. Das sind drei verschiedene Fähigkeiten, und wer die erste hat, hat noch lange nicht die dritte. Wir nennen die drei Verstehens-Tiefen Erkennen, Beurteilen und Erzeugen. Sie werden anspruchsvoller, und jede braucht ihre eigene Übung. (Wir sagen Tiefe und nicht Stufe, weil Stufen bei uns die Abschnitte eines Fachs sind.)

Tippe auf + und −, um die drei Verstehens-Tiefen hinaufzusteigen. Die Marke zeigt, wo du gerade stehst.

Man kann die drei Tiefen auch als Bild sehen, und das Bild erklärt, warum sie so verschieden viel kosten. Nehmen wir die Brüche. Erkennen heißt: Das Kind hat Punkte gesetzt. Jeder Punkt ist etwas, das es wiedererkennt: ½, ¼, 0,5, „die Hälfte vom Kuchen“.

Zwei Dinge zählen: wie viele Punkte es gibt und wie groß der Hof um jeden Punkt ist. Der Hof sagt, wie verkleidet ein Bruch daherkommen darf, damit das Kind ihn noch erkennt. Ein Punkt mit winzigem Hof wird nur in genau der Form erkannt, in der er geübt wurde. Das ist die häufigste Gestalt von „gelernt“, die in der Probe dann doch versagt.

Beurteilen fügt Verbindungen hinzu: ½ ist gleich 0,5; ¼ ist kleiner als ½; ¼ und ½ ergeben ¾. Jede Art von Beziehung hat ihre eigene Farbe. Ein Urteil („Stimmt das?“) ist immer die Frage, ob zwei Punkte so zusammenhängen, wie behauptet. Deshalb kann man nicht beurteilen, was man nicht erkennt: Eine Verbindung braucht zwei Enden.

Erzeugen schließlich heißt, die Fläche zu kennen, auf der alle Punkte liegen. Wer sie kennt, weiß an jedem Punkt, welche kleinen Schritte auf der Fläche bleiben (Zähler und Nenner verdoppeln) und welche herunterfallen (zu beiden eins dazuzählen). Und er findet Punkte, die ihm nie jemand gezeigt hat: ⅜ liegt zwischen ¼ und ½.

Tippe auf +, um eine Tiefe hinzuzunehmen: erst Punkte, dann Verbindungen, dann die Fläche, alles über dasselbe Wissen zu Brüchen. Ab der zweiten Tiefe zeigt ein Tipp auf einen Punkt seine Verbindungen.

Das Bild zeigt auch, warum eine Erklärung allein die dritte Tiefe nicht liefert. Eine gute Erklärung ist ein Weg über die Fläche. Wer ihn einmal mitgeht, kennt danach die Punkte auf dem Weg und die Verbindungen entlang des Wegs, aber nichts daneben. Ändert man die Aufgabe ein wenig, ist der Weg weg, weil das Kind ihn nie selbst gebaut hat. Die Fläche lernt man nur kennen, indem man selbst losgeht, auch in Richtungen, die sich als falsch herausstellen. Genau das passiert, wenn ein Kind eine Weile an einer Aufgabe ringt, bevor es die Lösung sieht: Es lernt, welche Schritte nicht gehen, und versteht dann, warum der richtige geht.

Nicht jedes Thema braucht die Fläche. Die dritte Tiefe ist die teure: Das Ringen lässt sich nicht abkürzen, weil das Ringen die Arbeit ist. Darum setzen wir die Tiefe pro Thema: Was viele spätere Themen trägt und in immer neuer Verkleidung wiederkehrt (der Stellenwert, die Brüche, der Relativsatz), bekommt die Fläche. Was für sich steht (die Hauptstadt eines Landes, der Name einer Blattform), darf beim Erkennen und Beurteilen bleiben. Mit einer guten Erklärung geht das schnell. Die gesparten Stunden gehören den tragenden Themen.

Wie viel Ringen richtig ist, entscheidet sich nicht an der Erklärung. Sie bleibt so gut wie möglich. Bei den tragenden Themen kommt sie nur später: nach einem eigenen Versuch und im Vergleich mit dem, was das Kind selbst probiert hat. Der Versuch ist begrenzt, und die Grenze setzt das Kind: so viel Eigenarbeit, wie es tragen kann, und Hilfe, bevor die Lust kippt. Ein Versuch, der ohne Lösung endet, hinterlässt weniger als jede Erklärung. Deshalb endet bei uns kein Versuch ohne Lösung, gefunden oder gezeigt.

In der Lernsoftware lässt sich darum jede Übungskarte auf drei Arten stellen, eine pro Tiefe: „Was ist das?“, „Stimmt das?“, „Mach es selbst.“ Und eine Stufe in einem Fach gilt erst als abgeschlossen, wenn das Erzeugen sichtbar geworden ist, in einem eigenen Ergebnis: einem Text, einem Werkstück, einer selbst gefundenen Rechnung. Offen ist damit noch, was gelernt wird und wie der ganze Stoff geordnet ist.

Keine Aufgaben für dieses Thema.