Vom Fund zum Schluss — wir erschließen

From Find to Conclusion — We Infer

Geschichte Klasse 6 8 Aufgaben
ErschlieĂźenBelegQuellenkritikGeschichtsdenken

Historiker und Archäologinnen wissen die Vergangenheit nicht — sie erschließen sie. Erschließen heißt, von einem Fund zu einer begründeten Deutung zu kommen und dazuzusagen, wie sicher man ist: Ein Grab mit Schmuck und Werkzeugen lässt vermuten, dass diese Menschen an ein Weiterleben nach dem Tod glaubten — nicht sicher, aber gut begründet. Zum Erschließen gehört auch das Einordnen des Befunds: Ist er Quelle oder Darstellung, primär oder sekundär? Der Schluss ist nur so tragfähig wie der Beleg, auf dem er steht.

Können & Üben

Quellen-Werkstatt — Vorhersagen, Beobachten, Erklären

workshop

45 min · project

klassenzimmer

Jede Gruppe bekommt EIN steinzeitliches Objekt (echtes Fundstück, Replik oder gutes Foto) — zum Beispiel einen Faustkeil, eine Tonscherbe oder das Bild einer Höhlenmalerei. Drei Schritte: (1) VORHERSAGEN — bevor ihr genau hinschaut: Schreibt auf, was dieses Objekt eurer Meinung nach über die Menschen damals verrät. Was glaubt ihr zu wissen? (2) BEOBACHTEN — schaut das Objekt jetzt genau an. Form, Material, Spuren von Benutzung, Größe. Sortiert: Ist es eine Quelle oder eine Darstellung? Primär oder sekundär? Notiert nur, was ihr wirklich seht. (3) ERKLÄREN — vergleicht Vorhersage und Beobachtung. Was davon ist belegt (die Quelle zeigt es), und was habt ihr nur erschlossen oder einfach angenommen? Streicht jede Aussage durch, die das Objekt NICHT hergibt. Sagt zu jeder verbleibenden Aussage, wie sicher ihr seid: "belegt" oder "spricht dafür". Achtet zum Schluss auf die Gegenwartsfalle — beurteilt ihr die Menschen mit dem Wissen von heute? Jede Gruppe stellt ihr Objekt in einem Satz vor: "Diese Quelle belegt …, aber sie verrät uns nicht …".

guide

2–4

Mittel
Wahr / Falsch #1 20s â–¶ Testen

„Erschließen“ bedeutet, aus einem Beleg eine begründete Deutung zu ziehen und dazuzusagen, wie sicher man ist.

âś“ Wahr
Genau. Erschließen ist der Weg vom Fund zum Schluss. Es ist mehr als Raten, aber weniger als sicheres Wissen — und ehrliche Geschichte benennt diesen Unterschied.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Lange galt: „Neandertaler konnten nicht malen.“ 2018 datierte man Höhlenmalereien in Spanien auf über 64 000 Jahre – damals lebten dort nur Neandertaler. Was gilt jetzt für den alten Satz?

  • â—‹ Er gilt weiter als sicher
  • â—Ź Er muss neu geprĂĽft werden
  • â—‹ Er ist jetzt sicher widerlegt
Der alte Satz war ein Schluss aus den damals bekannten Funden – kein sicheres Wissen. Ein neuer Fund kann so einen Schluss ins Wanken bringen. Aber auch die neue Deutung ist nur erschlossen: Manche Forscher bezweifeln die Datierung. Deshalb sagen Historiker lieber „die Funde sprechen dafür“ als „ich weiß“.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

Am Hohle Fels fand man eine mindestens 35 000 Jahre alte Frauenfigur. Welcher Satz ist erschlossen und nicht direkt am Fund abzulesen?

  • â—Ź Die Figur wurde bei Fruchtbarkeitsfesten benutzt
  • â—‹ Die Figur ist aus Mammut-Elfenbein geschnitzt
  • â—‹ Die Figur ist ungefähr 6 Zentimeter groĂź
Material und Größe kann man am Fund selbst nachprüfen – das weiß man. Wofür die Figur benutzt wurde, steht nirgends; das erschließen Forscher aus ihrer Form. Ein solcher Schluss ist begründet, aber nicht sicher, und eine gute Historikerin sagt dazu, wie sicher er ist.
Multiple Choice #4 15s â–¶ Testen

In einer Steinzeitsiedlung finden Archäologen Getreidekörner und Mahlsteine. Welcher Schluss ist gut begründet?

  • â—Ź Die Menschen hier bauten wahrscheinlich Getreide an
  • â—‹ Die Menschen hier backten genau unser Brot
  • â—‹ Die Menschen hier aĂźen niemals Fleisch
Der Schluss geht nur so weit, wie die Funde tragen. Über Fleisch sagen Körner nichts.
Wahr / Falsch #5 15s â–¶ Testen

Wenn in einer Höhle keine Malereien gefunden werden, haben die Menschen dort nie gemalt.

âś“ Falsch
Fehlende Funde beweisen wenig — Farbe kann verblassen, Holz verrotten. Fehlen ist kein Beweis für Nicht-Sein.
Multiple Choice #6 15s â–¶ Testen

In Ă–tzis linker Schulter steckt eine Pfeilspitze. Welcher Satz ist ein begrĂĽndeter Schluss?

  • â—Ź Ă–tzi wurde wahrscheinlich durch einen Pfeilschuss getötet
  • â—‹ Ă–tzi hat sich selbst verletzt, weil er ungeschickt war
  • â—‹ Ă–tzi starb an Altersschwäche
Die Pfeilspitze traf eine Arterie — der Befund trägt diesen Schluss, das „wahrscheinlich“ bleibt ehrlich.
Schwer
Multiple Choice #1 35s â–¶ Testen

In einem steinzeitlichen Grab findet man Schmuck und Werkzeuge. Wie sagt es eine Historikerin am besten?

  • â—‹ [object Object]
  • â—Ź „Die Beigaben sprechen dafĂĽr, dass diese Menschen an ein Weiterleben nach dem Tod glaubten.“
  • â—‹ „Diese Menschen glaubten an nichts.“
  • â—‹ „Das Grab verrät uns gar nichts.“
Man erschließt aus den Funden — man weiß nicht. Ein begründeter Schluss sagt, wie sicher er ist („spricht dafür“), statt eine Vermutung als feste Tatsache auszugeben.
Sortieren #2 30s â–¶ Testen

Bring die Schritte der Quellenarbeit in die richtige Reihenfolge:

âś“ Antwort: Quelle oder Darstellung unterscheiden, PrĂĽfen, was die Quelle belegen kann, Einen begrĂĽndeten Schluss erschlieĂźen
Erst sortieren (Quelle oder Darstellung), dann den Aussagewert prĂĽfen, dann vorsichtig erschlieĂźen. Diese Reihenfolge schĂĽtzt vor vorschnellen Behauptungen.