Perspektive — warum Linien sich treffen
Perspective — Why Lines Converge
Die Jugendlichen konstruieren einen Raum mit einem Fluchtpunkt (Zentralperspektive) und verstehen, warum das funktioniert: Ein Gegenstand in doppelter Entfernung erscheint auf der Bildebene halb so groß, darum rücken die Bilder gleich langer Schwellen immer dichter zusammen, und alle Kanten, die vom Betrachter weg in die Tiefe laufen, treffen sich in einem Punkt. Die Kanten werden nicht wirklich kürzer — sie werden projiziert, wie in Brunelleschis Spiegelversuch und Albertis „Fenster". Kanten parallel zur Bildebene bleiben parallel; das verhindert den häufigen Fehler, jede Linie zum Fluchtpunkt zu ziehen. Grundlage: Willats (1977) zu Projektionssystemen in Kinderzeichnungen, Cohen & Bennett (1997) zu Wahrnehmungsfehlern. Das Thema trägt das Zeichnen mit Horizont und Augenhöhe, die Über-Eck-Perspektive und das Lesen von Renaissancebildern; in Mathematik kehrt die Projektion als zentrische Streckung und Strahlensatz wieder.
Können & Üben
Albertis Fenster — auf die Scheibe zeichnen
workshop45 min · once
atelier
Ein Predict–Observe–Explain am echten Fenster, der Hands-on-Zwilling des Artikels „Warum laufen die Schienen zusammen?". Material: ein Fenster mit Blick auf einen Flur, eine Straße oder einen Schulhof, abwischbare Folienstifte, eine Augenstütze (Stuhl oder ein Stab mit Ring auf fester Höhe), Maßband. 1) VORHERSAGEN: Jedes Kind skizziert auf Papier, wie die Kanten des Flurs oder Bordsteins auf der Scheibe aussehen werden, und markiert, wo der Punkt liegt, auf den sie zulaufen. Zweite Vorhersage: Was passiert mit diesem Punkt, wenn man sich hinhockt? 2) BEOBACHTEN: Ein Auge schließen, das andere an der Augenstütze (wie Brunelleschis Guckloch) festhalten und die Kanten mit dem Folienstift direkt auf die Scheibe nachziehen. Die Augenhöhe auf der Scheibe mit einem waagerechten Strich markieren. Dann hockt sich ein zweites Kind hin und zeichnet in anderer Farbe dieselben Kanten. 3) ERKLÄREN: Gemeinsam ablesen: Die Tiefenkanten treffen sich auf dem Augenhöhe-Strich; beim Hocken liegt der Treffpunkt tiefer. Waagerechte Kanten quer zum Blick (Fensterbank gegenüber, Türsturz) sind auf der Scheibe waagerecht geblieben. Leitfrage: „Wurde der Flur hinten schmaler — oder nur sein Bild?"
guide
Vorrechnen (1)
Unterthemen (2)
Ermöglicht (1)
Ein Laternenmast steht 10 m von dir entfernt, ein gleich hoher 20 m. Wie hoch erscheint der zweite im Bild?
Weil die Schienen im Foto zusammenlaufen, liegen sie in der Ferne tatsächlich näher beieinander.
Ein WĂĽrfel steht frontal vor dir. Wie erscheint seine Vorderseite in Zentralperspektive?
Der Punkt, in dem sich die Bilder paralleler Tiefenlinien treffen, heiĂźt ___ .
Wie verändert sich die Bildgröße, wenn sich die Entfernung verdoppelt?
Ein Mensch steht 5 m vor dir und erscheint im Bild 6 cm groĂź. Wie groĂź erscheint er in 15 m Entfernung?
Bahnschwellen liegen in Wirklichkeit alle 60 cm. Wie liegen ihre Bilder in einem Foto entlang des Gleises?
Du zeichnest einen Flur in Zentralperspektive, frontal von vorn. Welche Kante läuft zum Fluchtpunkt?
In einer Zentralperspektive mit einem Fluchtpunkt laufen auch die senkrechten Kanten der Häuser auf den Fluchtpunkt zu.
Wie erscheint die Rückseite desselben frontal stehenden Würfels, wenn man sie sehen könnte?
Eine schnurgerade Allee: Bordsteine, Baumreihen, Dachkanten laufen parallel in die Tiefe. Wie viele Fluchtpunkte brauchen sie zusammen?
Wessen Spiegelversuch in Florenz (um 1420) gilt als Geburtsstunde der Zentralperspektive?
Lea zeichnet einen Tisch frontal. Die vordere Tischkante zieht sie schräg zum Fluchtpunkt. Was passiert im Bild?