Die Endung sagt, wer
The ending says who
Fang nicht mit dem Satz an, sondern mit einem einzigen Wort: amo. Es heißt „ich liebe“. Nicht „liebe“ — „ich liebe“. Das „ich“ steckt schon drin, und zwar im letzten Buchstaben. Im Deutschen sagst du „ich liebe, du liebst, er liebt“: Das Pronomen trägt die Person, die Endung hilft nur mit. Im Lateinischen ist es umgekehrt. Die Endung trägt die Person, und ein Pronomen wie ego steht nur, wenn du es betonen willst — „ich liebe, nicht du“.
Sechs Endungen reichen für alle Personen:
- -o — ich: amo
- -s — du: amas
- -t — er, sie, es: amat
- -mus — wir: amamus
- -tis — ihr: amatis
- -nt — sie (Mehrzahl): amant
Jetzt ein Verb, das du noch nicht kennst: vocare, rufen. Bevor du weiterliest — was heißt vocatis?
Du hast auf die Endung geschaut, nicht auf das Wort: -tis, also „ihr“. Vocatis heißt „ihr ruft“. Und dann geht der Rest von allein: vocamus „wir rufen“, vocant „sie rufen“, vocat „er ruft“ oder „sie ruft“. Du hast das Verb nie gelernt und liest trotzdem ab, wer handelt.
Das ist der erste Teil der Antwort auf „Wer tut was?“: Das Wer steht am Ende des Verbs. Für den zweiten Teil, das Was — oder genauer: das Wen — musst du auf die Nomen schauen. Auch dort entscheidet die Endung.
Ermöglicht (1)
Welche Form heißt „wir rufen“?
Ein lateinischer Satz braucht ein Wort wie ego („ich“), damit man weiß, wer handelt.
Welche Form heißt „ihr ruft“?
Was heißt „laudas“ (von laudare, loben)?
„Clamant“ heißt „sie rufen laut“ — das „sie“ steckt in der Endung -nt.