Die Endung sagt, wen
The ending says whom
Zurück zu den zwei Sätzen vom Anfang. Schau nicht auf die Reihenfolge, sondern auf die Endungen der Nomen. Puella endet auf -a, canem auf -em. Und das ist in beiden Sätzen so — die Wörter haben nur den Platz getauscht, nicht die Endung.
Die Endung ist der Fall (Kasus) des Wortes, und der Fall sagt, welche Rolle das Wort im Satz spielt. Der Nominativ — Endung -a oder -us — markiert den, der handelt: puella, canis, servus. Der Akkusativ — Endung -am oder -um, bei canis -em — markiert den, den es trifft: puellam, canem, servum. Das Deutsche macht dasselbe, nur am Artikel: „der Hund“ handelt, „den Hund“ trifft es.
Puella canem videt: puella im Nominativ, also das Mädchen sieht. Canem im Akkusativ, also den Hund. Und Canem puella videt? Dieselben Endungen, dieselben Rollen — derselbe Satz. Beide heißen „Das Mädchen sieht den Hund.“ Die Reihenfolge hat nur die Betonung verschoben, so wie im Deutschen „Den Hund sieht das Mädchen.“
Auch Videt puella canem heißt das. Drei Reihenfolgen, eine Bedeutung. Ein Römer konnte die Wörter fast beliebig stellen, weil die Endungen die Rollen festhalten.
Und jetzt die Probe. Was heißt Canis puellam videt?
Hier hat sich etwas geändert: canis steht im Nominativ, puellam im Akkusativ. Der Hund sieht das Mädchen. Der Fehler, den fast jeder am Anfang macht, ist der vom Anfang des Artikels: das erste Wort für den Handelnden zu halten. Der Handelnde ist der mit der Nominativ-Endung, egal, wo er steht.
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (1)
„Canem puella videt.“ bedeutet: Der Hund sieht das Mädchen.
„Canis puellam videt.“ — Wer sieht wen?
„Puellam canis videt.“ — Wer sieht wen?
Welcher Satz heißt „Der Junge ruft das Mädchen“?
„Dominum servus timet.“ heißt: „Der Sklave fürchtet den Herrn.“