Entscheiden unter Unsicherheit

Deciding under uncertainty

Mathematik Klasse 12 18 Aufgaben
WahrscheinlichkeitStochastikHypothesentestSignifikanztest

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt aus einem bekannten p die Daten voraus, die Statistik schließt umgekehrt von den Daten auf p. Ein Signifikanztest prĂŒft eine Annahme (Nullhypothese) daran, ob das Stichprobenergebnis unter ihr sehr unwahrscheinlich ist; Hypothesen und Niveau stehen vor der Stichprobe fest. RĂ€umt aus, dass ein Test mit Sicherheit entscheidet oder dass man die Grenze nach den Daten wĂ€hlen darf. Bereitet die Wahl der Nullhypothese und den Ablehnungsbereich vor.

Von p zu den Daten – und zurĂŒck

Miras Ratetest hat 10 Fragen mit je vier Antworten. Wer nur rĂ€t, hat die Trefferwahrscheinlichkeit . Die Wahrscheinlichkeitsrechnung geht von einem bekannten aus und sagt voraus, wie die Trefferzahl streut. Ein Signifikanztest gehört zur Statistik und geht den umgekehrten Weg: Die Daten liegen vor (Mira hat 6 richtige), und wir fragen, welches dazu passt. Die Annahme, die wir prĂŒfen („nur geraten“, ), heißt Nullhypothese H₀.

Der Regler zeigt die Idee: Bei sind 6 oder mehr Treffer selten, bei dagegen normal. Ein Ergebnis, das unter H₀ sehr unwahrscheinlich ist, spricht gegen H₀. Beweisen kann es nichts, denn unwahrscheinlich ist nicht unmöglich.

Schiebe p. Wie groß ist P(X ≄ 6) bei p = 0,25, und wie groß bei p = 0,6?

Der Ablauf eines Tests

Damit das Ergebnis die Entscheidung nicht zurechtbiegt, steht die Regel vor der Stichprobe fest. Zuerst legen wir die Hypothesen und das Signifikanzniveau α fest, zum Beispiel : die grĂ¶ĂŸte Irrtumswahrscheinlichkeit, die wir beim Ablehnen von H₀ in Kauf nehmen. Daraus folgt der Ablehnungsbereich, die Trefferzahlen, bei denen wir H₀ ablehnen. Erst dann ziehen wir die Stichprobe und entscheiden nach der Regel. Wer die Grenze erst nach den Daten wĂ€hlt, kann jedes Ergebnis passend machen.

Auf den folgenden Seiten fĂŒllen wir jeden Schritt: die Hypothesen, den Ablehnungsbereich, die beiden möglichen Fehler und die Frage, was ein Ergebnis wirklich aussagt.

Ablauf eines Signifikanztests 1 Hypothesen und α festlegen 2 Ablehnungsbereich bestimmen 3 Stichprobe ziehen 4 Nach der Regel entscheiden vor den Daten mit den Daten
Die vier Schritte eines Tests: Regel vor den Daten, Entscheidung mit den Daten.
Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Welche Aufgabe schließt von den Daten auf p?

  • ● Ein WĂŒrfel zeigt in 60 WĂŒrfen 19-mal die Sechs. Ist er fair?
  • ○ Ein WĂŒrfel ist fair. Wie wahrscheinlich sind in 60 WĂŒrfen mindestens 19 Sechsen?
  • ○ Ein WĂŒrfel wird 60-mal geworfen. Wie oft erwartet man die Sechs?
Nur im ersten Fall liegen Daten vor (19 Sechsen), und gefragt ist, was sie ĂŒber p sagen: Statistik. In den beiden anderen Aufgaben ist p = 1/6 bekannt, und man sagt Daten voraus (Wahrscheinlichkeitsrechnung).
Wahr / Falsch #2 15s ▶ Testen

Diese Aufgabe schließt von den Daten auf p: „Eine MĂŒnze ist fair. Wie wahrscheinlich sind 7-mal Kopf bei 10 WĂŒrfen?“

✓ Falsch
Hier ist p = 0,5 bekannt und gefragt ist die Wahrscheinlichkeit fĂŒr ein Ergebnis. Das geht vom Modell zu den Daten, also ist es Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Welche Aufgabe schließt von den Daten auf p?

  • ● In einer Umfrage nennen 27 von 100 Befragten die Partei A. Liegt ihr WĂ€hleranteil wirklich bei 30 %?
  • ○ Die Partei A hat 30 % WĂ€hleranteil. Wie wahrscheinlich nennen sie in einer Umfrage unter 100 Personen höchstens 27?
  • ○ Die Partei A hat 30 % WĂ€hleranteil. Wie viele von 100 Befragten erwartet man fĂŒr sie?
Nur die erste Aufgabe startet bei einem Umfrageergebnis (27 von 100) und fragt nach dem WĂ€hleranteil p. In den anderen beiden ist p = 0,3 gegeben.
Wahr / Falsch #4 15s ▶ Testen

Das Histogramm zeigt, wie sich die Trefferzahl X bei bekanntem p = 0,25 verteilt. Es gehört zur Wahrscheinlichkeitsrechnung (von p auf die Daten).

✓ Wahr
Ein Histogramm der Verteilung setzt p voraus und sagt, welche Trefferzahlen wie wahrscheinlich sind. Das ist die Richtung vom Modell zu den Daten.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Tom prĂŒft, ob ein WĂŒrfel zu oft die Sechs zeigt. Welches Vorgehen ist ein sauberer Test?

  • ● Er legt H₀ und α fest, lĂ€sst dann 30 WĂŒrfe machen und entscheidet nach seiner Regel.
  • ○ Er lĂ€sst 30 WĂŒrfe machen und wĂ€hlt danach H₀ so, dass das Ergebnis dagegen spricht.
  • ○ Er lĂ€sst 30 WĂŒrfe machen und legt danach α so fest, dass H₀ gerade noch abgelehnt wird.
Ein Test ist nur fair, wenn Hypothesen, α und Entscheidungsregel vor der Stichprobe feststehen. Wer sie erst nach den Daten wÀhlt, kann jedes Ergebnis passend machen.
Sortieren #6 25s ▶ Testen

Bringe die Schritte eines Tests in die richtige Reihenfolge.

✓ Antwort: Hypothesen und α festlegen,Ablehnungsbereich bestimmen,Stichprobe ziehen,Entscheiden
Erst stehen Hypothesen und Niveau fest, daraus folgt der Ablehnungsbereich. Erst danach wird die Stichprobe gezogen, und zuletzt wird nach der festen Regel entschieden.
Wahr / Falsch #7 15s ▶ Testen

Anna sieht nach 20 WĂŒrfen 9 Sechsen und legt erst jetzt fest, dass sie H₀ ab 9 Sechsen ablehnt. Das ist ein zulĂ€ssiger Test.

✓ Falsch
Die Grenze wurde nach den Daten gewÀhlt und passt zum Ergebnis. ZulÀssig ist nur eine Regel, die vor der Stichprobe feststeht.
Wahr / Falsch #8 15s ▶ Testen

Vor dem WĂŒrfeln steht fest: H₀ wird bei 8 oder mehr Sechsen abgelehnt. Danach wird gewĂŒrfelt und nach dieser Regel entschieden. Das ist ein zulĂ€ssiger Test.

✓ Wahr
Die Regel liegt vor den Daten fest, das Ergebnis kann sie nicht mehr beeinflussen.
Multiple Choice #9 20s ▶ Testen

Beim Ratetest (10 Fragen, p = 0,25) hat jemand 4, 6 oder 8 richtige Antworten. Welches Ergebnis spricht am stĂ€rksten gegen „nur geraten“?

  • ● 8 richtige
  • ○ 4 richtige
  • ○ 6 richtige
Je weiter rechts die SĂ€ulen im Histogramm liegen, desto seltener ist das Ergebnis beim Raten: P(X ≄ 8) ≈ 0,0004 ist winzig, P(X ≄ 4) ≈ 0,2241 dagegen nicht. Je unwahrscheinlicher ein Ergebnis unter p = 0,25 ist, desto stĂ€rker spricht es gegen p = 0,25.
Wahr / Falsch #10 15s ▶ Testen

Wenn nur geraten wird (p = 0,25), sind 8 richtige Antworten bei 10 Fragen unmöglich.

✓ Falsch
Unwahrscheinlich ist nicht unmöglich: P(X ≄ 8) ≈ 0,0004. Ein solches Ergebnis ist ein Indiz gegen „nur geraten“, aber kein Beweis.
Multiple Choice #11 20s ▶ Testen

Die eingefĂ€rbten SĂ€ulen zeigen „6 oder mehr richtige“ beim reinen Raten. Von 100 Ratenden erreichen etwa wie viele dieses Ergebnis?

  • ● etwa 2
  • ○ etwa 20
  • ○ etwa 50
Die eingefĂ€rbten SĂ€ulen sind zusammen sehr niedrig: P(X ≄ 6) ≈ 0,0197, das sind etwa 2 von 100. Wer 20 oder 50 schĂ€tzt, ĂŒberschĂ€tzt die rechten SĂ€ulen.
Mittel
LĂŒckentext #1 20s ▶ Testen

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt aus einem bekannten Modell die Daten voraus. Die Statistik schließt umgekehrt von den Daten auf das ___.

✓ Antwort: Modell
Statistik geht den umgekehrten Weg: Aus dem Stichprobenergebnis wird auf das Modell, hier die Wahrscheinlichkeit p, geschlossen.
LĂŒckentext #2 20s ▶ Testen

Hypothesen, Signifikanzniveau und Entscheidungsregel werden ___ der Stichprobe festgelegt (vor oder nach).

✓ Antwort: vor
Erst die Regel, dann die Daten: Nur so kann das Ergebnis die Entscheidung nicht zurechtbiegen.
Zahleneingabe #3 30s ▶ Testen

Beim Raten (n = 10, p = 0,25) gilt P(X = 7) = 0,0031, P(X = 8) = 0,0004, P(X = 9) ≈ 0,0000 und P(X = 10) ≈ 0,0000. Wie wahrscheinlich sind 7 oder mehr richtige Antworten? (vier Dezimalen)

✓ Antwort: 0.0035
Die eingefÀrbten SÀulen werden addiert: 0,0031 + 0,0004 + 0 + 0 = 0,0035. Ein solches Ergebnis ist beim Raten sehr selten.
Schwer
Zahleneingabe #1 30s ▶ Testen

Aufgabe von p zu den Daten: Mira rÀt bei 10 Fragen mit je vier Antworten (p = 0,25). Wie wahrscheinlich sind genau 2 richtige Antworten? (vier Dezimalen)

✓ Antwort: 0.2816
P(X = 2) = C(10, 2) · 0,25ÂČ Â· 0,75⁞ = 45 · 0,0625 · 0,1001 ≈ 0,2816. Hier ist p bekannt, gesucht ist die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses.
Zahleneingabe #2 30s ▶ Testen

Ein Test hat vier Schritte: Hypothesen und α festlegen, Ablehnungsbereich bestimmen, Stichprobe ziehen, entscheiden. Wie viele dieser Schritte dĂŒrfen erst nach der Stichprobe geschehen?

✓ Antwort: 1
Nur das Entscheiden hÀngt vom Ergebnis ab. Die Hypothesen, α und der Ablehnungsbereich stehen vorher fest, also ein Schritt.
Zahleneingabe #3 30s ▶ Testen

Beim Raten gilt P(X ≄ 6) = 0,0197. Wie viele von 1000 Ratenden erreichen im Mittel mindestens 6 richtige Antworten?

✓ Antwort: 19.7
1000 · 0,0197 ≈ 19,7, also etwa 20. In HĂ€ufigkeiten gedacht: Etwa jeder fĂŒnfzigste Rater erreicht so viel.
KI-bewertete Rechnung #4 240s ▶ Testen

Mira hat im Ratetest (10 Fragen, je vier Antworten) 6 richtige Antworten. Beim reinen Raten gilt p = 0,25 und P(X = 6) = 0,0162, P(X = 7) = 0,0031, P(X = 8) = 0,0004, P(X = 9) = 0,00003, P(X = 10) = 0,000001. Berechne, wie wahrscheinlich ein so gutes Ergebnis beim reinen Raten ist, und begrĂŒnde in ein bis zwei SĂ€tzen, warum das ein Indiz gegen „nur geraten“, aber kein Beweis ist. Schreibe deine Rechnung auf Papier und fotografiere sie.

✓ Antwort: Gesucht ist P(X ≄ 6) unter p = 0,25: P(X ≄ 6) = 0,0162 + 0,0031 + 0,0004 + 0,00003 + 0,000001 ≈ 0,0197, also etwa 2 %. Beim Raten kommt so ein Ergebnis selten vor; das spricht gegen „nur geraten“. Es ist aber möglich, also kein Beweis: Auch ein Rater kann GlĂŒck haben.
P(X ≄ 6) ≈ 0,0197: Ein solches Ergebnis ist beim Raten selten, aber möglich. Es spricht gegen „nur geraten“, beweist aber nichts.