Wer sitzt allein?

Who is sitting alone?

Miteinander und Umgangsformen Klasse 2 15 Aufgaben
MiteinanderSoziale SicherheitSoziale ProtokolleKerncurriculum

Zwei getrennte Fertigkeiten, die hier zusammen geübt werden: erst merken, wer über *mehrere Tage* übrig bleibt, dann einen Zug tun, der wirklich etwas ändert. Das Merken ist die eigentliche Arbeit — ein Kind, das heute allein ist, weil seine Freundin krank ist, braucht nichts; ein Kind, das jede Pause allein steht, braucht etwas. Und der unbequeme Teil, der hier ausdrücklich gesagt wird: Eine einmalige Einladung ist nett und ändert nichts. Buhs, Ladd und Herald (2006) zeigen, dass es die *dauerhafte* Ausgrenzung ist, die über verringerte Beteiligung im Unterricht bis in die Leistungen durchschlägt — also wirkt nur, was sich wiederholt. Zweitens ist Dazuholen nicht Danebenstehen: Wer dazugehört, hat eine Aufgabe im Spiel („Du bist mit im Team, du fängst an"), keinen Zuschauerplatz. Und drittens geschieht es nebenbei, nicht vor Publikum — „Guckt mal, der sitzt schon wieder allein" ist keine Hilfe, sondern eine Ausstellung. Dass Kinder sich das trauen dürfen, ist belegt: Sainio, Veenstra, Huitsing und Salmivalli (2011) fanden bei 7 481 Kindern der Klassen 3 bis 5, dass 72 % der ausgegrenzten Kinder mindestens ein Kind hatten, das sich für sie einsetzte, und dass diese Verteidiger von der Klasse als *beliebt* wahrgenommen wurden, nicht als Außenseiter. Ehrlich gesagt gehört dazu, was *nicht* belegt ist: Laninga-Wijnen, Yanagida und Garandeau (2026) fanden über drei Erhebungen hinweg keinen individuellen Nutzen des Verteidigtwerdens. Was gemessen wirkt, ist die Klassenebene — Salmivalli, Voeten und Poskiparta (2011) zeigen, dass in Klassen, in denen viel verteidigt wird, seltener ausgegrenzt wird. Deshalb steht hier der Normalzustand einer Klasse im Mittelpunkt und nicht die einzelne Heldentat. Dieses Thema liefert die Rubrik-Stufe *merken* und ist die Grundschulform dessen, was „Was Zuschauer bewirken" (Klasse 5) als Gruppenmechanik erklärt; im Klassenrat wird es geübt.

Können & Üben

Merken

Bemerkt nicht, dass jemand allein ist.

Bemerkt es, wenn jemand darauf zeigt.

Kann auf Nachfrage sagen, wer heute allein war.

Sieht es von selbst und geht hin.

Achtet über Tage darauf, wer regelmäßig übrig bleibt, und sagt es weiter.

Klassenrat

workshop

45 min · weekly

klassenzimmer, sitzkreis

Fester Ablauf, gleiche Reihenfolge jede Woche, damit die Form niemanden überrascht. 1. Rückblick — was war letzte Woche beschlossen, was ist daraus geworden? 2. Lob und Dank, namentlich, freiwillig. 3. Die Anliegen aus dem Briefkasten, in der Reihenfolge, in der sie eingeworfen wurden. Pro Anliegen: Wer es eingeworfen hat, sagt zuerst, was passiert ist — die Sache, nicht die Person. Dann die andere Seite. Dann die Runde, und zwar auf die Frage „was könnte helfen", nicht „wer hat schuld". 4. Beschluss mit Namen dahinter, wer was bis wann macht. Wird aufgeschrieben und nächste Woche unter 1. wieder aufgerufen. Zwei Grenzen, die vorne hängen und den Kindern erklärt sind. Erstens: Was hier verhandelt wird, sind Sachen zwischen Gleichen. Wenn ein Kind regelmäßig von mehreren fertiggemacht wird, ist das kein Streit und gehört nicht in die Runde — das geht an eine erwachsene Person, sofort. Zweitens: Die Begleitung leitet nicht, sie hütet den Ablauf; sie greift nur ein, wenn jemand bloßgestellt wird.

bezugsperson

8–26

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Nuri steht seit drei Tagen jede Pause allein an der Bank. Was tut Ida?

  • ● Sie geht hin und sagt — „Nuri, wir spielen Fangen. Kommst du mit?"
  • ○ Sie ruft den anderen zu — „Guckt mal, der Nuri steht schon wieder allein!"
  • ○ Sie schaut ab und zu rüber, ob es ihm besser geht
Nur ein Zug holt Nuri wirklich dazu. Vor allen auf ihn zu zeigen macht es schlimmer, und Hinschauen allein ändert für ihn gar nichts.
Multiple Choice #2 20s ▶ Testen

Bei Partnerarbeit sind alle zu zweit, nur Ilias ist übrig. Was tut Sophie?

  • ● Sie sagt — „Ilias, machst du mit mir?"
  • ○ Sie wartet, bis Frau Bauer jemanden zu Ilias schickt
  • ○ Sie sagt zu Frau Bauer — „Ilias hat keinen Partner"
Sophie kann es selbst erledigen, und zwar sofort. Die anderen beiden Wege lassen Ilias erst einmal weiter allein dastehen — der zweite sogar vor der ganzen Klasse.
Wahr / Falsch #3 18s ▶ Testen

Jakob sagt vor der ganzen Klasse — „Der Fabio hat schon wieder keinen zum Spielen." Damit hilft Jakob Fabio.

✓ Falsch
Das stellt Fabio vor allen aus. Wer helfen will, geht hin und sagt es Fabio — nicht der Klasse.
Mittel
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Lars hat Marek letzte Woche einmal zum Spielen geholt. Heute steht Marek wieder allein. Was tut Lars?

  • ● Er geht wieder hin und fragt ihn wieder
  • ○ Er denkt sich — ich habe ihn ja schon einmal geholt
  • ○ Er erzählt den anderen, dass er Marek letzte Woche geholt hat
Einmal ist nett und ändert nichts. Was einem Kind hilft, ist, dass es sich wiederholt — jede Woche, nicht ein einziges Mal.
Multiple Choice #2 22s ▶ Testen

Emma darf beim Fußball mitmachen, steht aber die ganze Pause nur am Rand herum. Was tut Tarek?

  • ● Er sagt — „Emma, du bist bei uns im Team. Du hast den Anstoß."
  • ○ Er sagt — „Emma, du kannst gern zugucken, das ist auch okay."
  • ○ Er stellt sich neben Emma, damit sie nicht allein steht
Dabeisein heißt eine Aufgabe im Spiel haben. Danebenstehen und Zugucken sind beide immer noch draußen, nur zu zweit.
Multiple Choice #3 22s ▶ Testen

Jonas fragt Kian, ob er mitspielt. Kian sagt — „Nee, keine Lust." Was tut Jonas?

  • ● Er sagt — „Okay. Morgen frag ich wieder."
  • ○ Er sagt — „Dann eben nicht" und fragt nie wieder
  • ○ Er zieht Kian am Ärmel mit zum Spielfeld
Ein Nein ist ein Nein für heute, nicht für immer. Wer nach einem Nein nie wieder fragt, hat es einmal versucht — und wer zieht, nimmt Kian das Nein weg.
Multiple Choice #4 22s ▶ Testen

Die Klasse geht ins Schullandheim, Betten werden verteilt. Amira kennt noch niemanden. Was tut Hanna?

  • ● Sie sagt — „Amira, das Bett neben mir ist frei. Nimmst du das?"
  • ○ Sie sagt zu den anderen — „Irgendwer muss ja mit Amira."
  • ○ Sie wartet ab, wo Amira sich hinlegt, und legt sich woanders hin
Der erste Satz ist eine Einladung. Der zweite macht aus Amira eine Aufgabe, die jemand übernehmen muss — das hört sie.
Multiple Choice #5 22s ▶ Testen

Vier Kinder spielen Gummitwist. Yara steht seit zehn Minuten daneben und schaut zu. Was tut Elif?

  • ● Sie sagt — „Yara, du hältst mit. Wir brauchen sowieso noch eine."
  • ○ Sie sagt — „Yara, du darfst auch mal, wenn wir fertig sind."
  • ○ Sie lächelt Yara zu und springt weiter
Eine Aufgabe jetzt ist etwas anderes als ein Versprechen für später. Zwischen „du hältst mit" und „du darfst auch mal" liegt die ganze Pause.
Multiple Choice #6 22s ▶ Testen

Ein neues Kind, Zeynep, ist seit Montag in der Klasse und war jeden Tag allein. Es ist Freitag. Was tut Ben?

  • ● Er fragt sie, ob sie am Montag mit an seinen Tisch kommt
  • ○ Er denkt sich — nächste Woche kennt sie bestimmt schon jemanden
  • ○ Er sagt zu Frau Sahin, dass sich mal jemand um Zeynep kümmern soll
Von allein passiert es meistens nicht — sonst wäre es diese Woche schon passiert. Und ein Auftrag an die Lehrerin ist kein Platz an einem Tisch.
Multiple Choice #7 22s ▶ Testen

Milan geht zu Sinan, der allein auf der Treppe sitzt. Was sagt Milan?

  • ● „Sinan, wir bauen an der Hütte weiter. Kommst du?"
  • ○ „Du tust mir voll leid, so ganz allein."
  • ○ „Warum spielt eigentlich nie jemand mit dir?"
Der erste Satz ist eine ganz normale Einladung. Die anderen beiden reden über Sinans Alleinsein, statt es zu beenden — und beide fühlen sich für ihn schlecht an.
Wahr / Falsch #8 20s ▶ Testen

Lea sagt am Montag zu Ravi — „Setz dich zu uns." Am Dienstag und Mittwoch steht Ravi wieder allein, und Lea sagt nichts mehr. Lea hat Ravi geholfen.

✓ Falsch
Ein einziger Montag ändert an Dienstag und Mittwoch nichts. Was hilft, ist das, was jede Woche wieder passiert.
Wahr / Falsch #9 20s ▶ Testen

Aylin fragt Ole jeden Dienstag, ob er beim Basteln mitmacht, auch wenn er zweimal Nein gesagt hat. Das hilft Ole wirklich.

✓ Wahr
Genau das ist der Unterschied — nicht ein großes Mal, sondern jede Woche wieder. Und Ole darf trotzdem jedes Mal Nein sagen.
Wahr / Falsch #10 20s ▶ Testen

Tim stellt sich in der Pause schweigend neben Nour, die allein am Zaun steht. Damit ist Nour beim Spielen dabei.

✓ Falsch
Neben jemandem zu stehen ist ein Anfang, aber noch kein Mitspielen. Dabei ist Nour erst, wenn sie im Spiel eine Aufgabe hat.
Wahr / Falsch #11 20s ▶ Testen

Rosa merkt, dass Kaan seit zwei Wochen in jeder Pause allein ist, und sagt es Frau Nowak. Rosa hat hier etwas Richtiges getan.

✓ Wahr
Zwei Wochen sind kein Zufall mehr. Es zu merken und weiterzusagen ist die halbe Arbeit — die andere Hälfte ist, selbst hinzugehen.
Schwer
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Frau Weber fragt — „Wer war diese Woche oft allein?" Wen nennt Mira?

  • ● Deniz, der seit Montag jede Pause allein an der Mauer sitzt
  • ○ Lena, die heute allein war, weil ihre Freundin krank ist
  • ○ Paul, der in der großen Pause lieber allein Fußball übt
Es geht um das, was sich wiederholt. Einen Tag allein zu sein, weil die Freundin fehlt, ist nichts — und wer allein sein will, ist nicht übrig geblieben.