Jeder hat eine Aufgabe — Rollen in der Gruppe
Everyone has a job — roles in a group
Wenn vier Kinder „zusammen ein Plakat machen“, macht es oft eins. Das ist kein Charakterfehler, sondern gut vermessen: Karau und Williams (1993, Journal of Personality and Social Psychology 65, 681–706; 78 Studien) fanden, dass Menschen in Gruppen weniger leisten, sobald der eigene Beitrag nicht mehr erkennbar ist („soziales Faulenzen“) — und dass der Effekt verschwindet, wenn jeder Beitrag sichtbar ist und zählt. Johnson und Johnson (2009, Educational Researcher 38, 365–379) nennen die zwei Bedingungen, unter denen Gruppenarbeit wirkt: positive Abhängigkeit (jeder wird gebraucht) und individuelle Verantwortung (jeder Beitrag ist erkennbar); Slavin (1996) bestätigt, dass ohne die zweite die Lernwirkung ausbleibt. Geübt wird an Szenen: Welche Verteilung macht jeden Beitrag sichtbar, welche Rolle (Zeitwächter, Schreiber, Sprecher, Materialdienst) passt zu welcher Handlung, und was tut man, wenn einer nichts macht. Die Rollen sind Werkzeug, nicht Inhalt — gebraucht werden sie in jeder Gruppenarbeit und Schreibkonferenz (Deutsch 3/4) und im Klassenrat.
Vier Kinder sollen ein Plakat über Igel machen. Welche Verteilung sorgt dafür, dass jeder etwas beiträgt?
Drei Kinder machen einen Versuch zum Schwimmen und Sinken. Welche Verteilung sorgt dafür, dass jeder etwas beiträgt?
Lukas sagt: „Noch fünf Minuten, dann müssen wir fertig sein.“ Welche Aufgabe hat Lukas?
Pia notiert die Ideen der Gruppe auf einem Blatt. Welche Aufgabe hat Pia?
Am Ende erzählt Deniz der ganzen Klasse, was seine Gruppe herausgefunden hat. Welche Aufgabe hat Deniz?
Mara holt Scheren, Kleber und Papier und räumt am Ende alles weg. Welche Aufgabe hat Mara?
Die Schreiberin Ayla schreibt nur die Ideen auf, die ihr selbst gefallen. So macht sie ihre Aufgabe richtig.
Eine Gruppe hält einen Vortrag über Bayern. Welche Verteilung sorgt dafür, dass jeder etwas beiträgt?
In Emmas Gruppe malt Jonas nur in sein Heft, statt seinen Teil zu schreiben. Was sagt Emma?
Nach der Gruppenarbeit liegt der Müll noch auf dem Tisch. Ausgemacht war: „Alle räumen auf.“ Was hätte geholfen?
FĂĽnf Kinder sollen zusammen eine Geschichte schreiben, ohne die Aufgaben zu verteilen. So strengt sich am sichersten jeder an.
Bei jeder Gruppenarbeit ist Nils der Sprecher, weil er so gut redet. Das ist die beste Verteilung.
Für ein Quiz bekommt jedes Gruppenmitglied andere Hinweise. Nur wenn alle ihre Hinweise sagen, kann die Gruppe die Lösung finden. So wird jeder gebraucht.