Die Antenne fÀngt alles

The Antenna Catches Everything

Physik Klasse 12 10 Aufgaben
Hertzscher DipolWellenKerncurriculum

Die Stabantenne ist ein Empfangsdipol — die Umkehrung des Sendedipols aus dem Hertz-Kapitel. Jedes vorbeilaufende elektrische Wechselfeld schaukelt die Leitungselektronen im Stab auf, und zwar das Feld jedes Senders zugleich — an den Enden der Antenne liegt darum keine saubere Sinusspannung, sondern die Summe aller Sender, ein Gewirr winziger Wechselspannungen. Die λ/2-Abstimmung erklĂ€rt die Bauform: UKW-Wellen mit λ ≈ 3 m machen aus l = λ/2 Stabantennen von etwa 1,5 m LĂ€nge. Die Auswahl kann also nicht in der Antenne passieren — das rĂ€umt die Fehlvorstellung „das Radio empfĂ€ngt nur den eingestellten Sender" an ihrer Wurzel ab.

Können & Üben

Schwingkreis-und-Wellen-Werkstatt — vom LC-Kreis zum Licht

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90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Dieselbe Schwingung, die im LC-Kreis pendelt, lĂ€uft am Ende als Welle durch den Raum — und wird zweimal vermessen, bei 3 cm und bei 650 nm. Station 1 — LC-Entladung am Interface. Vermuten: Der geladene Kondensator wird statt ĂŒber einen Widerstand ĂŒber eine Spule entladen — was zeigt die Spannungskurve? Beobachten: Statt des exponentiellen Abfalls entsteht eine gedĂ€mpfte Schwingung; U und I sind um eine Viertelperiode versetzt. Mit halber KapazitĂ€t steigt die Frequenz um den Faktor Wurzel 2, der Eisenkern in der Spule senkt sie — Thomson-Check gegen T = 2π·Wurzel(L·C). ErklĂ€ren: Feldenergie des Kondensators und des Spulenfelds pendeln hin und her, wie Feder und Masse. Modellgrenze: Der Spulenwiderstand dĂ€mpft — die Thomson-Gleichung gilt streng nur fĂŒr den ungedĂ€mpften Kreis. Sicherheitshinweis: Kondensatoren vor jedem Umbau entladen. Station 2 — Resonanz und RĂŒckkopplung. Vermuten: Der Funktionsgenerator regt den Kreis induktiv an — bei welcher Frequenz wird die Amplitude maximal? Beobachten: Beim Durchfahren der Erregerfrequenz wĂ€chst die Amplitude scharf um f0 herum an; die Resonanzkurve wird punktweise aufgenommen. Dann ĂŒbernimmt der Meißner-Baustein: Die Schwingung hĂ€lt sich selbst ungedĂ€mpft, weil die RĂŒckkopplung im richtigen Takt Energie nachschiebt. ErklĂ€ren: Resonanz heißt Anregung mit der Eigenfrequenz; die RĂŒckkopplung ersetzt den Ă€ußeren Erreger durch Selbststeuerung. Modellgrenze: Auch die Meißner-Schaltung erzeugt keine Energie — sie dosiert nur die Nachlieferung aus der Quelle. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Radio-EmpfĂ€nger-Artikel in der App — dort wĂ€hlt genau diese Resonanz aus allen Sendern einen aus. Station 3 — Dipol und Mikrowellenstrecke. Vermuten: Kommt hinter einem Drahtgitter, dessen StĂ€be parallel zum Empfangsdipol stehen, noch Signal an? Und wo liegen vor einer Metallwand die stillen Stellen? Beobachten: Sender und EmpfĂ€nger nur bei paralleler Ausrichtung gekoppelt (lineare Polarisation); das gedrehte Gitter sperrt bzw. öffnet den Weg. Vor der Metallplatte findet der wandernde Empfangsdipol Knoten im Abstand von etwa 1,6 cm — stehende Welle, λ = 3,2 cm; das Sandprisma knickt den Strahl (Brechung). ErklĂ€ren: Der schwingende Dipol strahlt eine Transversalwelle ab, die sich wie Licht reflektieren, brechen und polarisieren lĂ€sst; aus dem Knotenabstand folgt λ = 2 · 1,6 cm. Modellgrenze: Das Empfangssignal misst IntensitĂ€t, nicht FeldstĂ€rke — Knoten heißt "kein Empfang", nicht "kein Feld dahinter". Sicherheitshinweis: Nicht in die Hornantenne blicken. Station 4 — Laser und Gitter. Vermuten: Das Gitter mit der kleineren Gitterkonstante — rĂŒcken seine Leuchtpunkte enger oder weiter auseinander? Beobachten: Hinter dem Gitter erscheint eine Reihe scharfer Maxima; mit Maßband und Schirm-Maßstab werden AbstĂ€nde gemessen und ĂŒber b·sin(α) = k·λ die LaserwellenlĂ€nge bestimmt, dann eine unbekannte Lichtquelle vermessen. ErklĂ€ren: Gleiche Interferenzlogik wie bei den Mikrowellen in Station 3 — nur ist λ hier um den Faktor 50 000 kleiner, darum braucht es Gitter statt Metallplatten. Sicherheitshinweis: Laser nie in Augen oder auf reflektierende FlĂ€chen richten, Strahl unter Augenhöhe fĂŒhren. Abschluss in der Runde: Eine Kette bilden — LC-Kreis, offener Kreis als Dipol, abgestrahlte Welle, Licht. An welcher Stelle der Kette wurde welche GrĂ¶ĂŸe (f, λ, c) gemessen, und passt c = λ·f?

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Fangen wir am Anfang der Kette an — beim StĂŒck Metall, das aus dem Radio ragt. Du kennst es aus dem Dipol-Kapitel von der anderen Seite: Dort haben wir einen Metallstab mit hoher Frequenz zu Schwingungen angeregt, und er wurde zum Sendedipol. Die Stabantenne ist genau dasselbe Bauteil, rĂŒckwĂ€rts betrieben — ein Empfangsdipol.

LĂ€uft eine elektromagnetische Welle ĂŒber den Stab hinweg, dann greift ihr elektrisches Feld an den frei beweglichen Elektronen im Metall an und schiebt sie im Takt der Welle hin und her: hundert Millionen Mal pro Sekunde stabauf, stabab. An den Enden der Antenne entsteht dadurch eine winzige Wechselspannung — das Rohsignal, mit dem alles Weitere arbeitet.

Jetzt die entscheidende Frage. Durch deine KĂŒche laufen die Wellen von Dutzenden Sendern gleichzeitig. Lege dich fest, bevor du weiterliest: Welche davon schaukeln die Elektronen an? Nur die des eingestellten Senders? Die stĂ€rkste? Oder alle?

Die Antwort ist unbequem: alle. Das Feld fragt nicht, was auf der Senderskala steht. Jedes vorbeilaufende E-Feld ĂŒbt auf jedes Elektron eine Kraft aus, und die KrĂ€fte aller Wellen addieren sich einfach — Superposition, wie bei jeder Überlagerung von Feldern. Was an den Antennenenden anliegt, ist darum keine saubere Sinusspannung, sondern das Summensignal sĂ€mtlicher Sender: ein Gewirr, in dem kein einzelnes Programm mehr zu erkennen ist.

Drei Sender treffen dieselbe Antenne. Die farbigen Kurven sind die einzelnen Wellen, die dicke gelbe Linie ist die tatsĂ€chliche Spannung an der Antenne. Schalte Sender mit den Reglern aus und ein und ziehe die Zeitmarke t₀ durch das Signal.

Probiere es aus: Schalte zwei der drei Sender auf null — ĂŒbrig bleibt eine glatte Sinuskurve, das Signal eines Senders. Schalte alle drei ein, und die Summe sieht aus wie Zufall. Genau so sieht das Rohsignal einer echten Antenne aus, nur mit Dutzenden BeitrĂ€gen statt drei. Ein Lautsprecher, der direkt an der Antenne hinge, wĂŒrde daraus keinen Ton machen — erstens ist das Gewirr unentwirrbar, zweitens schwingt es millionenfach zu schnell fĂŒr jede Membran.

Eines allerdings kann die Antenne doch ein wenig beeinflussen — nicht welcher Sender ankommt, aber wie gut der Frequenzbereich insgesamt ankommt. Aus dem Dipol-Kapitel weißt du, dass ein Stab der LĂ€nge bei seiner Grundschwingung eine halbe WellenlĂ€nge trĂ€gt:

Trifft die WellenlĂ€nge des Senders diese Abstimmung, schwingen die Elektronen besonders bereitwillig — der Stab ist selbst ein winziger Resonator. UKW-Sender arbeiten um , also bei . Deshalb sind klassische UKW-Stabantennen etwa lang — eine halbe WellenlĂ€nge. Aber Vorsicht: Diese Abstimmung ist breit und trĂ€ge. Sie bevorzugt das ganze UKW-Band, nicht einen einzelnen Sender. Zwischen 98,5 und 103,3 MHz unterscheidet der Stab praktisch nicht.

Damit ist die erste Fehlvorstellung erledigt — und das eigentliche RĂ€tsel erst richtig scharf gestellt. Die Antenne empfĂ€ngt nicht einen Sender, sie empfĂ€ngt alle. Irgendetwas hinter der Antenne muss aus dem Gewirr genau eine Frequenz herausgreifen. Dieses Etwas schauen wir uns jetzt an.

Leicht
Wahr / Falsch #1 15s ▶ Testen

Die Antenne eines Radios empfÀngt nur die Welle des Senders, der am GerÀt eingestellt ist.

✓ Falsch
Die Antenne ist ein StĂŒck Metall — jedes vorbeilaufende elektrische Wechselfeld schiebt ihre Elektronen hin und her, egal von welchem Sender es stammt. An den Antennenenden liegt die Summe aller Sender an; die Auswahl geschieht erst hinter der Antenne.
Multiple Choice #2 20s ▶ Testen

In der Umgebung senden viele UKW-Sender gleichzeitig. Wie sieht die Spannung an den Enden einer Stabantenne aus?

  • ● Wie die Summe aller Senderwellen — ein unregelmĂ€ĂŸiges Gewirr
  • ○ Wie eine saubere Sinusschwingung des stĂ€rksten Senders
  • ○ Wie eine saubere Sinusschwingung des eingestellten Senders
  • ○ Es liegt gar keine Spannung an, solange kein Sender eingestellt ist
Die KrĂ€fte aller vorbeilaufenden E-Felder auf die Leitungselektronen addieren sich (Superposition). Die Antennenspannung ist deshalb die Überlagerung sĂ€mtlicher Sender — erst der Schwingkreis dahinter greift eine Frequenz heraus.
Multiple Choice #3 25s ▶ Testen

Klassische UKW-Stabantennen sind etwa 1,5 m lang. Warum gerade diese LĂ€nge?

  • ● Bei λ ≈ 3 m entspricht das der halben WellenlĂ€nge — der Stab schwingt in seiner Grundschwingung mit
  • ○ LĂ€ngere StĂ€be wĂŒrden zu viele Sender gleichzeitig empfangen
  • ○ 1,5 m ist die maximale LĂ€nge, bei der Elektronen dem Feld noch folgen können
  • ○ Die LĂ€nge spielt keine Rolle, sie ist nur mechanisch praktisch
UKW liegt um f = 100 MHz, also λ = c/f ≈ 3 m. Ein Dipol trĂ€gt in der Grundschwingung eine halbe WellenlĂ€nge (l = λ/2 ≈ 1,5 m) — dann schwingen seine Elektronen resonant mit und das Band wird besonders gut aufgenommen.
Wahr / Falsch #4 15s ▶ Testen

Zwischen Sendemast und Antenne breitet sich die Musik als Schallwelle durch die Luft aus.

✓ Falsch
Zwischen Mast und Antenne lĂ€uft eine elektromagnetische Welle mit etwa 100 Millionen Schwingungen pro Sekunde — kein Schall. Sie brĂ€uchte nicht einmal Luft. Zu hörbarem Schall wird das Signal erst im Lautsprecher des EmpfĂ€ngers.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Was bewirkt das elektrische Feld einer vorbeilaufenden Radiowelle in der Stabantenne?

  • ● Es schiebt die Leitungselektronen im Takt der Welle den Stab entlang hin und her
  • ○ Es lĂ€dt die Antenne dauerhaft positiv auf
  • ○ Es erzeugt im Stab einen Gleichstrom in Richtung des Senders
  • ○ Es erwĂ€rmt den Stab, und die WĂ€rme wird als Signal gemessen
Auf die frei beweglichen Elektronen wirkt die Kraft F = e·E im Takt des Wechselfelds — sie schwingen stabauf und stabab. An den Enden entsteht so eine winzige Wechselspannung derselben Frequenz wie die Welle.
Wahr / Falsch #6 15s ▶ Testen

Radiowellen breiten sich wie Licht mit etwa 300 000 km/s aus.

✓ Wahr
Radiowellen und Licht sind beide elektromagnetische Wellen — sie unterscheiden sich nur in der WellenlĂ€nge, nicht in der Geschwindigkeit.
Mittel
LĂŒckentext #1 15s ▶ Testen

Weil sich die Wirkungen aller vorbeilaufenden Radiowellen in der Antenne ĂŒberlagern, liegt an ihren Enden das ___ aller Sender.

✓ Antwort: Summensignal
Die KrĂ€fte der E-Felder auf die Leitungselektronen addieren sich (Superposition). Die Antenne wĂ€hlt nichts aus — das tut erst der Schwingkreis.
Zahleneingabe #2 30s ▶ Testen

Eine λ/2-Stabantenne soll fĂŒr einen Sender mit f = 100 MHz passen. Wie lang muss sie sein? (c = 3,0·10⁞ m/s; Antwort in m)

✓ Antwort: 1.5
λ = c/f = 3,0·10⁞ m/s / 1,0·10⁞ Hz = 3,0 m, die halbe WellenlĂ€nge also 1,5 m — genau die LĂ€nge klassischer UKW-Stabantennen.
Schwer
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Experiment im Applet — schalte zwei der drei Sender auf null. Was zeigt das Summensignal dann?

  • ● Eine glatte Sinuskurve mit der Frequenz des verbliebenen Senders
  • ○ Weiterhin ein unregelmĂ€ĂŸiges Gewirr
  • ○ Eine Gerade bei null, weil zwei Sender fehlen
  • ○ Eine Sinuskurve mit der Summe aller drei Frequenzen
Das Gewirr entsteht erst durch die Überlagerung mehrerer Frequenzen. Bleibt nur ein Sender ĂŒbrig, ist die Antennenspannung wieder eine reine Sinusschwingung — genau sein Signal.
Multiple Choice #2 25s ▶ Testen

Eine λ/2-Antenne von 1,5 m LĂ€nge wird auf 0,75 m gekĂŒrzt. FĂŒr welche Frequenz ist sie nun am besten geeignet?

  • ● 200 MHz
  • ○ 50 MHz
  • ○ 100 MHz
λ/2 = 0,75 m heißt λ = 1,5 m, also f = c/λ = 3·10⁞ m/s / 1,5 m = 200 MHz. Halbe LĂ€nge, halbe WellenlĂ€nge, doppelte Frequenz.