Die Antenne fÀngt alles
The Antenna Catches Everything
Die Stabantenne ist ein Empfangsdipol â die Umkehrung des Sendedipols aus dem Hertz-Kapitel. Jedes vorbeilaufende elektrische Wechselfeld schaukelt die Leitungselektronen im Stab auf, und zwar das Feld jedes Senders zugleich â an den Enden der Antenne liegt darum keine saubere Sinusspannung, sondern die Summe aller Sender, ein Gewirr winziger Wechselspannungen. Die λ/2-Abstimmung erklĂ€rt die Bauform: UKW-Wellen mit λ â 3 m machen aus l = λ/2 Stabantennen von etwa 1,5 m LĂ€nge. Die Auswahl kann also nicht in der Antenne passieren â das rĂ€umt die Fehlvorstellung âdas Radio empfĂ€ngt nur den eingestellten Sender" an ihrer Wurzel ab.
Können & Ăben
Schwingkreis-und-Wellen-Werkstatt â vom LC-Kreis zum Licht
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physiksaal
Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten â Beobachten â ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Dieselbe Schwingung, die im LC-Kreis pendelt, lĂ€uft am Ende als Welle durch den Raum â und wird zweimal vermessen, bei 3 cm und bei 650 nm. Station 1 â LC-Entladung am Interface. Vermuten: Der geladene Kondensator wird statt ĂŒber einen Widerstand ĂŒber eine Spule entladen â was zeigt die Spannungskurve? Beobachten: Statt des exponentiellen Abfalls entsteht eine gedĂ€mpfte Schwingung; U und I sind um eine Viertelperiode versetzt. Mit halber KapazitĂ€t steigt die Frequenz um den Faktor Wurzel 2, der Eisenkern in der Spule senkt sie â Thomson-Check gegen T = 2Ï·Wurzel(L·C). ErklĂ€ren: Feldenergie des Kondensators und des Spulenfelds pendeln hin und her, wie Feder und Masse. Modellgrenze: Der Spulenwiderstand dĂ€mpft â die Thomson-Gleichung gilt streng nur fĂŒr den ungedĂ€mpften Kreis. Sicherheitshinweis: Kondensatoren vor jedem Umbau entladen. Station 2 â Resonanz und RĂŒckkopplung. Vermuten: Der Funktionsgenerator regt den Kreis induktiv an â bei welcher Frequenz wird die Amplitude maximal? Beobachten: Beim Durchfahren der Erregerfrequenz wĂ€chst die Amplitude scharf um f0 herum an; die Resonanzkurve wird punktweise aufgenommen. Dann ĂŒbernimmt der MeiĂner-Baustein: Die Schwingung hĂ€lt sich selbst ungedĂ€mpft, weil die RĂŒckkopplung im richtigen Takt Energie nachschiebt. ErklĂ€ren: Resonanz heiĂt Anregung mit der Eigenfrequenz; die RĂŒckkopplung ersetzt den Ă€uĂeren Erreger durch Selbststeuerung. Modellgrenze: Auch die MeiĂner-Schaltung erzeugt keine Energie â sie dosiert nur die Nachlieferung aus der Quelle. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Radio-EmpfĂ€nger-Artikel in der App â dort wĂ€hlt genau diese Resonanz aus allen Sendern einen aus. Station 3 â Dipol und Mikrowellenstrecke. Vermuten: Kommt hinter einem Drahtgitter, dessen StĂ€be parallel zum Empfangsdipol stehen, noch Signal an? Und wo liegen vor einer Metallwand die stillen Stellen? Beobachten: Sender und EmpfĂ€nger nur bei paralleler Ausrichtung gekoppelt (lineare Polarisation); das gedrehte Gitter sperrt bzw. öffnet den Weg. Vor der Metallplatte findet der wandernde Empfangsdipol Knoten im Abstand von etwa 1,6 cm â stehende Welle, λ = 3,2 cm; das Sandprisma knickt den Strahl (Brechung). ErklĂ€ren: Der schwingende Dipol strahlt eine Transversalwelle ab, die sich wie Licht reflektieren, brechen und polarisieren lĂ€sst; aus dem Knotenabstand folgt λ = 2 · 1,6 cm. Modellgrenze: Das Empfangssignal misst IntensitĂ€t, nicht FeldstĂ€rke â Knoten heiĂt "kein Empfang", nicht "kein Feld dahinter". Sicherheitshinweis: Nicht in die Hornantenne blicken. Station 4 â Laser und Gitter. Vermuten: Das Gitter mit der kleineren Gitterkonstante â rĂŒcken seine Leuchtpunkte enger oder weiter auseinander? Beobachten: Hinter dem Gitter erscheint eine Reihe scharfer Maxima; mit MaĂband und Schirm-MaĂstab werden AbstĂ€nde gemessen und ĂŒber b·sin(α) = k·λ die LaserwellenlĂ€nge bestimmt, dann eine unbekannte Lichtquelle vermessen. ErklĂ€ren: Gleiche Interferenzlogik wie bei den Mikrowellen in Station 3 â nur ist λ hier um den Faktor 50 000 kleiner, darum braucht es Gitter statt Metallplatten. Sicherheitshinweis: Laser nie in Augen oder auf reflektierende FlĂ€chen richten, Strahl unter Augenhöhe fĂŒhren. Abschluss in der Runde: Eine Kette bilden â LC-Kreis, offener Kreis als Dipol, abgestrahlte Welle, Licht. An welcher Stelle der Kette wurde welche GröĂe (f, λ, c) gemessen, und passt c = λ·f?
physik-experimente-lead
4â16
Fangen wir am Anfang der Kette an â beim StĂŒck Metall, das aus dem
Radio ragt. Du kennst es aus dem Dipol-Kapitel von der anderen Seite:
Dort haben wir einen Metallstab mit hoher Frequenz zu Schwingungen
angeregt, und er wurde zum Sendedipol. Die
LĂ€uft eine elektromagnetische Welle ĂŒber den Stab hinweg, dann
greift ihr elektrisches Feld an den frei beweglichen
Jetzt die entscheidende Frage. Durch deine KĂŒche laufen die Wellen
von Dutzenden
Die Antwort ist unbequem: alle. Das Feld fragt
nicht, was auf der Senderskala steht. Jedes vorbeilaufende E-Feld
ĂŒbt auf jedes Elektron eine Kraft aus, und die KrĂ€fte aller Wellen
addieren sich einfach â Superposition, wie bei jeder Ăberlagerung
von Feldern. Was an den Antennenenden anliegt, ist darum keine
saubere Sinusspannung, sondern das
Probiere es aus: Schalte zwei der drei Sender auf null â ĂŒbrig bleibt eine glatte Sinuskurve, das Signal eines Senders. Schalte alle drei ein, und die Summe sieht aus wie Zufall. Genau so sieht das Rohsignal einer echten Antenne aus, nur mit Dutzenden BeitrĂ€gen statt drei. Ein Lautsprecher, der direkt an der Antenne hinge, wĂŒrde daraus keinen Ton machen â erstens ist das Gewirr unentwirrbar, zweitens schwingt es millionenfach zu schnell fĂŒr jede Membran.
Eines allerdings kann die Antenne doch ein wenig beeinflussen â
nicht welcher Sender ankommt, aber wie gut der
Frequenzbereich insgesamt ankommt. Aus dem Dipol-Kapitel weiĂt du,
dass ein Stab der LĂ€nge
Trifft die WellenlÀnge des Senders diese Abstimmung, schwingen die
Damit ist die erste Fehlvorstellung erledigt â und das eigentliche RĂ€tsel erst richtig scharf gestellt. Die Antenne empfĂ€ngt nicht einen Sender, sie empfĂ€ngt alle. Irgendetwas hinter der Antenne muss aus dem Gewirr genau eine Frequenz herausgreifen. Dieses Etwas schauen wir uns jetzt an.
Voraussetzungen (1)
Die Antenne eines Radios empfÀngt nur die Welle des Senders, der am GerÀt eingestellt ist.
In der Umgebung senden viele UKW-Sender gleichzeitig. Wie sieht die Spannung an den Enden einer Stabantenne aus?
Klassische UKW-Stabantennen sind etwa 1,5 m lang. Warum gerade diese LĂ€nge?
Zwischen Sendemast und Antenne breitet sich die Musik als Schallwelle durch die Luft aus.
Was bewirkt das elektrische Feld einer vorbeilaufenden Radiowelle in der Stabantenne?
Radiowellen breiten sich wie Licht mit etwa 300 000 km/s aus.
Weil sich die Wirkungen aller vorbeilaufenden Radiowellen in der Antenne ĂŒberlagern, liegt an ihren Enden das ___ aller Sender.
Eine λ/2-Stabantenne soll fĂŒr einen Sender mit f = 100 MHz passen. Wie lang muss sie sein? (c = 3,0·10âž m/s; Antwort in m)
Experiment im Applet â schalte zwei der drei Sender auf null. Was zeigt das Summensignal dann?
Eine λ/2-Antenne von 1,5 m LĂ€nge wird auf 0,75 m gekĂŒrzt. FĂŒr welche Frequenz ist sie nun am besten geeignet?