Der Hertzsche Dipol
The Hertzian Dipole
Zieht man die Spule und die Kondensatorplatten eines Schwingkreises immer weiter auseinander, bis nur ein gerader Metallstab ĂŒbrig bleibt, entsteht der Hertzsche Dipol â ein offener Schwingkreis, der elektromagnetische Wellen abstrahlt. Auf dem Stab bildet sich eine stehende Welle: In der Grundschwingung ist er eine halbe WellenlĂ€nge lang (l = λ/2), mit SpannungsbĂ€uchen an den Enden und einem Strombauch in der Mitte. Weil sich das Feld pro Viertelperiode nur eine ViertelwellenlĂ€nge weit ausbreitet (bei 434 MHz etwa 17 cm), lösen sich die Feldlinien ab und werden zum Fernfeld. Die Abstrahlung ist gerichtet: am stĂ€rksten senkrecht zur Stabachse, lĂ€ngs der Achse null. TrĂ€gt die elektromagnetischen Wellen.
Können & Ăben
Schwingkreis-und-Wellen-Werkstatt â vom LC-Kreis zum Licht
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physiksaal
Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten â Beobachten â ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Dieselbe Schwingung, die im LC-Kreis pendelt, lĂ€uft am Ende als Welle durch den Raum â und wird zweimal vermessen, bei 3 cm und bei 650 nm. Station 1 â LC-Entladung am Interface. Vermuten: Der geladene Kondensator wird statt ĂŒber einen Widerstand ĂŒber eine Spule entladen â was zeigt die Spannungskurve? Beobachten: Statt des exponentiellen Abfalls entsteht eine gedĂ€mpfte Schwingung; U und I sind um eine Viertelperiode versetzt. Mit halber KapazitĂ€t steigt die Frequenz um den Faktor Wurzel 2, der Eisenkern in der Spule senkt sie â Thomson-Check gegen T = 2Ï·Wurzel(L·C). ErklĂ€ren: Feldenergie des Kondensators und des Spulenfelds pendeln hin und her, wie Feder und Masse. Modellgrenze: Der Spulenwiderstand dĂ€mpft â die Thomson-Gleichung gilt streng nur fĂŒr den ungedĂ€mpften Kreis. Sicherheitshinweis: Kondensatoren vor jedem Umbau entladen. Station 2 â Resonanz und RĂŒckkopplung. Vermuten: Der Funktionsgenerator regt den Kreis induktiv an â bei welcher Frequenz wird die Amplitude maximal? Beobachten: Beim Durchfahren der Erregerfrequenz wĂ€chst die Amplitude scharf um f0 herum an; die Resonanzkurve wird punktweise aufgenommen. Dann ĂŒbernimmt der MeiĂner-Baustein: Die Schwingung hĂ€lt sich selbst ungedĂ€mpft, weil die RĂŒckkopplung im richtigen Takt Energie nachschiebt. ErklĂ€ren: Resonanz heiĂt Anregung mit der Eigenfrequenz; die RĂŒckkopplung ersetzt den Ă€uĂeren Erreger durch Selbststeuerung. Modellgrenze: Auch die MeiĂner-Schaltung erzeugt keine Energie â sie dosiert nur die Nachlieferung aus der Quelle. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Radio-EmpfĂ€nger-Artikel in der App â dort wĂ€hlt genau diese Resonanz aus allen Sendern einen aus. Station 3 â Dipol und Mikrowellenstrecke. Vermuten: Kommt hinter einem Drahtgitter, dessen StĂ€be parallel zum Empfangsdipol stehen, noch Signal an? Und wo liegen vor einer Metallwand die stillen Stellen? Beobachten: Sender und EmpfĂ€nger nur bei paralleler Ausrichtung gekoppelt (lineare Polarisation); das gedrehte Gitter sperrt bzw. öffnet den Weg. Vor der Metallplatte findet der wandernde Empfangsdipol Knoten im Abstand von etwa 1,6 cm â stehende Welle, λ = 3,2 cm; das Sandprisma knickt den Strahl (Brechung). ErklĂ€ren: Der schwingende Dipol strahlt eine Transversalwelle ab, die sich wie Licht reflektieren, brechen und polarisieren lĂ€sst; aus dem Knotenabstand folgt λ = 2 · 1,6 cm. Modellgrenze: Das Empfangssignal misst IntensitĂ€t, nicht FeldstĂ€rke â Knoten heiĂt "kein Empfang", nicht "kein Feld dahinter". Sicherheitshinweis: Nicht in die Hornantenne blicken. Station 4 â Laser und Gitter. Vermuten: Das Gitter mit der kleineren Gitterkonstante â rĂŒcken seine Leuchtpunkte enger oder weiter auseinander? Beobachten: Hinter dem Gitter erscheint eine Reihe scharfer Maxima; mit MaĂband und Schirm-MaĂstab werden AbstĂ€nde gemessen und ĂŒber b·sin(α) = k·λ die LaserwellenlĂ€nge bestimmt, dann eine unbekannte Lichtquelle vermessen. ErklĂ€ren: Gleiche Interferenzlogik wie bei den Mikrowellen in Station 3 â nur ist λ hier um den Faktor 50 000 kleiner, darum braucht es Gitter statt Metallplatten. Sicherheitshinweis: Laser nie in Augen oder auf reflektierende FlĂ€chen richten, Strahl unter Augenhöhe fĂŒhren. Abschluss in der Runde: Eine Kette bilden â LC-Kreis, offener Kreis als Dipol, abgestrahlte Welle, Licht. An welcher Stelle der Kette wurde welche GröĂe (f, λ, c) gemessen, und passt c = λ·f?
physik-experimente-lead
4â16
Die Thomson-Gleichung hat eine Richtung vorgegeben: Hohe Frequenzen
verlangen winzige
Und jetzt bauen wir den Schwingkreis Schritt fĂŒr Schritt ab. Sag vor jedem Schritt voraus, ob das LĂ€mpchen im angekoppelten PrĂŒfkreis weiterleuchtet:
- Schritt 2 â aufgebogen. Die Kondensatorplatten zeigen voneinander weg, das Feld lĂ€uft durch den freien Raum. Das LĂ€mpchen? Leuchtet.
- Schritt 3 â gestreckt, Platten geschrumpft. Leuchtet immer noch.
- Schritt 4 â nur noch ein Stab. Keine erkennbare Spule, kein erkennbarer Kondensator. Und das LĂ€mpchen leuchtet trotzdem â sogar in gröĂerer Entfernung als vorher.
Der Stab ist offenbar selbst schwingungsfÀhig: Er hat als
LeiterstĂŒck eine winzige InduktivitĂ€t, seine Enden wirken als
winzige Kondensatorplatten. Ein Metallstab, in dem elektrische
Schwingungen angeregt werden, heiĂt
Was schwingt im Stab?
Zwei einfache Sonden verraten es. Eine vorgespannte Glimmlampe,
lĂ€ngs des Stabes gefĂŒhrt, leuchtet an den Enden am
hellsten â dort sitzt die meiste
Das ist das Muster einer stehenden Welle: feste
Bei der Grundschwingung passt genau eine halbe WellenlĂ€nge auf den Stab; höhere Anregungen fĂŒgen weitere Halbwellen ein. Allgemein:
(
Nahfeld, Fernfeld und die Abstrahlung
Ein schwingender Dipol baut um sich herum ein elektrisches Feld auf
und wieder ab. Felder breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus â
in der Viertelperiode
Die Abstrahlung hat eine klare Geometrie: Am stĂ€rksten empfĂ€ngt man in der âĂquatorebene" des Senders, und nur, wenn der Empfangsdipol parallel zum Sendedipol steht; senkrecht zueinander bleibt es still, und lĂ€ngs der Stabachse wird gar nicht abgestrahlt. Merke dir dieses Parallel-Kriterium â es kehrt bei der Polarisation wieder. Warum sich die Welle vom Dipol lösen kann, klĂ€ren die Maxwellschen Gleichungen im nĂ€chsten Abschnitt.
Materialien (1)
Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern â optional, gebrĂŒckt zum Symbol.
- Mikrowellen-Set prop
Voraussetzungen (2)
Ermöglicht (2)
Welcher Umbau macht aus einem geschlossenen Schwingkreis einen Hertzschen Dipol?
Wo liegen bei der Grundschwingung des Dipols die SpannungsbÀuche?
Die Strom- und Spannungsverteilung lÀngs des Dipols lÀsst sich als stehende Welle deuten.
Stehen Sende- und Empfangsdipol senkrecht zueinander, gibt es keinen Empfang.
Der Hertzsche Dipol ist ein ___ Schwingkreis, deshalb strahlt er Energie in den Raum ab.
Zwei Schwingkreise im Vergleich: A ist ein Kreis mit groĂer Spule und Plattenkondensator, B ist ein kurzer gestreckter Metallstab (Dipol). Welche Vorhersage trifft zu?
Der Erreger schwingt mit f = 434 MHz. Berechne die WellenlÀnge λ = c/f. (c = 3,0·10➠m/s, Antwort in Metern, zwei Dezimalstellen)
Ein Dipol ist 0,5 m lang und schwingt in der Grundschwingung (l = λ/2). Berechne seine Eigenfrequenz. (c = 3,0·10➠m/s, Antwort in MHz)
Ein in der Dipolmitte eingebautes LÀmpchen leuchtet am hellsten. ErklÀre diese Beobachtung.
Womit wird die Spannungsverteilung lÀngs des Dipols experimentell nachgewiesen?
In welcher Anordnung ist der Empfang der Dipolstrahlung am stÀrksten?
Wie lang muss ein Dipol sein, der bei f = 434 MHz in der Grundschwingung (l = λ/2) schwingt? (c = 3,0·10➠m/s, Antwort in Zentimetern, auf ganze Zahl gerundet)
Bei f = 434 MHz dauert der Aufbau des maximalen elektrischen Feldes eine Viertelperiode T/4. Berechne, wie weit sich das Feld in dieser Zeit ausbreitet. (c = 3,0·10➠m/s, Antwort in Zentimetern, auf ganze Zahl gerundet)
Ein Dipol schwingt mit 434 MHz; sein ladungsgebundenes Nahfeld reicht nur etwa 17 cm weit. Was misst ein Empfangsdipol in 10 m Entfernung?