Ladungstrennung in der Wolke
Charge Separation in the Cloud
Die Gewitterwolke ist eine Ladungsmaschine: In Aufwinden stoĂen Graupelkörner und Eiskristalle zusammen und trennen dabei Ladung â die leichten, positiv geladenen Kristalle steigen nach oben, der negativ geladene Graupel sammelt sich im unteren Teil der Wolke. So wird die Wolke zum Riesenkondensator: Wolkenbasis und Erdboden bilden die Platten, dazwischen liegt ein nĂ€herungsweise homogenes Feld. Der Boden lĂ€dt sich dabei entgegengesetzt auf, ohne berĂŒhrt zu werden â Influenz, genau wie am Elektroskop. RĂ€umt die Fehlvorstellung ab, Ladung werde beim Blitz âverbraucht": Sie wird nur getrennt und transportiert, nie erzeugt oder vernichtet.
Können & Ăben
Elektrostatik-Werkstatt â Ladung sichtbar machen
workshop90 min · once
physiksaal
Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten â Beobachten â ErklĂ€ren; die Lernenden arbeiten in Kleingruppen und rotieren nach etwa 20 Minuten. An jeder Station wird die Vermutung vor dem Ausprobieren notiert. Station 1 â ReibungselektrizitĂ€t und Influenz (Elektroskop). Vermuten: Was zeigt das Elektroskop, wenn der geriebene PVC-Stab den Teller nur ohne BerĂŒhrung erreicht â und was, wenn er ihn berĂŒhrt? Beobachten: Schon in TellernĂ€he schlĂ€gt der Zeiger aus und geht beim Entfernen zurĂŒck; nach BerĂŒhrung bleibt der Ausschlag. Mit Glas- und PVC-Stab zeigen sich zwei Ladungsarten (AbstoĂung/Anziehung drehbar gelagerter StĂ€be). ErklĂ€ren: Ohne BerĂŒhrung verschiebt der Stab nur Ladungen im Leiter â Influenz; mit BerĂŒhrung wird Ladung ĂŒbertragen. Modellgrenze: Der Zeiger zeigt Ladungstrennung an, nicht das Vorzeichen der Ladung. Station 2 â Wasserstrahl und Konfetti (Polarisation). Vermuten: Lenkt der geriebene Stab einen dĂŒnnen Wasserstrahl ab, obwohl Wasser neutral ist? Beobachten: Der Strahl biegt sich deutlich zum Stab hin; trockene Papierschnipsel springen an den Stab und teils wieder ab. ErklĂ€ren: WassermolekĂŒle sind Dipole und richten sich im Feld aus â Polarisation; die Anziehung wirkt auf den nĂ€heren, ungleichnamigen Pol stĂ€rker. Modellgrenze: Die Ablenkung beweist Dipole, misst aber keine FeldstĂ€rke. Station 3 â Feldlinienbilder (GrieĂkörner am Projektor). Vermuten: Wie ordnen sich GrieĂkörner in Rizinusöl zwischen Spitze und Platte, zwischen zwei Punktladungen, zwischen zwei Platten? Skizze vorab! Beobachten: Die Körnchen richten sich zu Ketten aus â radial um die Spitze, gebogen zwischen ungleichnamigen Elektroden, parallel zwischen den Platten. ErklĂ€ren: Die Ketten folgen der Kraftrichtung auf Probeladungen; dichte Linien bedeuten starkes Feld, Feldlinien starten und enden senkrecht auf den LeiteroberflĂ€chen und schneiden sich nie. Modellgrenze: Feldlinien sind ein Zeichenmodell â das Feld existiert auch zwischen den Linien. Sicherheitshinweis: Bandgenerator vor dem Umbauen mit dem Entladestab erden; Funken sind harmlos, aber schreckhaft. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Gewitter-Artikel in der App â dort werden dieselbe Ladungstrennung und derselbe Funke zum Blitz hochskaliert. Station 4 â Löffel-Versuch (Kraft pro Ladung). Vermuten: Halbiert sich die Kraft auf den Ladungslöffel im Plattenfeld, wenn man seine Ladung durch BerĂŒhren mit dem identischen zweiten Löffel halbiert? Beobachten: Der Lichtzeiger-Ausschlag des MessverstĂ€rkers geht bei q, q/2, q/4 jeweils auf die HĂ€lfte zurĂŒck. ErklĂ€ren: F/q ist an einem Feldpunkt konstant â genau diese GröĂe definiert die elektrische FeldstĂ€rke E. Sicherheitshinweis: Hochspannung! Nur die strombegrenzte Quelle verwenden, Umbauten nur spannungsfrei, Platten nach dem Versuch entladen. Abschluss in der Runde: Welche Station zeigt Ladungstrennung, welche Ausrichtung, welche misst das Feld? Der Bogen von "es knistert" zur messbaren GröĂe E = F/q wird gemeinsam formuliert.
physik-experimente-lead
4â16
Woher kommt die Ladung? In der Wolke ist keine Batterie versteckt â
aber ein Förderband. Gewitterwolken sind TĂŒrme aus aufsteigender
Luft: Warme, feuchte Luft schieĂt mit bis zu 100 km/h nach oben,
kĂŒhlt ab, und aus Tröpfchen werden Eisteilchen. Zwei Sorten davon
spielen die Hauptrolle: schwere, matschige
Halte kurz inne: Was passiert, wenn beide Sorten mitten im Aufwind zusammenstoĂen â millionenfach, Sekunde fĂŒr Sekunde?
Bei jedem ZusammenstoĂ wechselt ein winziger Teil Ladung den
Besitzer. Dort, wo Gewitter sich aufladen, kÀlter als etwa
â10 °C, bleibt die negative Ladung meist am Graupelkorn: Der
Von unten betrachtet ist die Lage jetzt vertraut: oben eine
ausgedehnte negative Ladung, unten der Erdboden â zwei âPlatten".
Das Lehrbuchmodell gibt ihnen den Abstand d = 1 km und eine FlÀche
von rund 45 kmÂČ, ein Quadrat von knapp 7 km SeitenlĂ€nge. Das
Aber Moment â der Erdboden war doch neutral? Er ist auch nicht angeschlossen. Sage voraus: Passiert am Boden trotzdem etwas?
Lies zuerst die Anzeigen bei Q = 40 C ab, einer typischen Ladung im unteren Teil einer Gewitterzelle: E = 100 kV/m und U = 100 MV. Die Probe mit U = E · d: 100 kV/m mal 1000 m sind 100 Millionen Volt â genau die Zahl der Ballonsonden. Halbierst du Q, halbieren sich E und U, und es bleiben weniger Feldlinien ĂŒbrig: Die Dichte der Linien zeigt die FeldstĂ€rke.
Am Boden passiert dasselbe wie beim Elektroskop, dem du im Labor
begegnet bist: NÀhert man einem Leiter einen geladenen Körper,
verschieben sich seine frei beweglichen Elektronen â
ohne BerĂŒhrung, und der Zeiger schlĂ€gt aus. Der Erdboden ist
ein (mĂ€Ăiger, aber riesiger) Leiter. Die negative Wolkenladung drĂŒckt
seine Elektronen weg; direkt unter der Wolke bleibt eine positiv
geladene BodenflĂ€che zurĂŒck. Das ist
Damit ist auch eine verbreitete Vorstellung erledigt: dass ein Blitz die Ladung âverbraucht". Ladung wird niemals verbraucht â sie wird getrennt, verschoben, wieder zusammengefĂŒhrt. Ein einzelner Blitzschlag bringt rund 5 C zum Boden, ein Achtel der 40 C. Solange das Förderband aus Graupel und Kristallen lĂ€uft, lĂ€dt die Wolke den Kondensator immer wieder nach; deshalb blitzt es nicht einmal, sondern dutzendfach. Bleibt die Frage: Sind 100 kV/m viel? Wie groĂ darf E werden, bevor die Luft nachgibt?
Voraussetzungen (1)
Ein Blitz verbraucht die elektrische Ladung der Wolke â danach ist sie endgĂŒltig weg.
Wodurch lÀdt sich eine Gewitterwolke auf?
Der Erdboden unter der Gewitterwolke ist mit nichts verbunden und wird nicht berĂŒhrt. Was passiert dort, wĂ€hrend sich die Wolkenbasis negativ auflĂ€dt?
Wolkenbasis und Erdboden werden als Plattenkondensator modelliert. Welche Aussage ĂŒber das Feld dazwischen passt zu diesem Modell?
Experiment im Applet â erhöhe die Wolkenladung Q. Was zeigt das Feldlinienbild?
Bei StöĂen im Aufwind wird das schwere Graupelkorn ___ geladen.
Die Verschiebung der Elektronen im Erdboden, ohne dass die Wolke ihn berĂŒhrt, heiĂt ___.
Elektrische Ladung kann weder erzeugt noch ___ werden; sie wird nur getrennt und verschoben.
Stelle in der Figur Q = 40 C ein. Welche FeldstÀrke E zeigt die Anzeige (in kV/m)?
Angenommen, der Aufwind wĂ€re so stark, dass er auch den Graupel nach oben trĂ€gt, wĂ€hrend die Kristalle unten bleiben. Wo sĂ€Ăe dann die negative Ladung?
Ein Gewitter mit negativer Ladung im unteren Teil zieht ĂŒber ein Dorf hinweg. Wie ist der Boden geladen, direkt unter der Wolke und 30 km entfernt?
Die Wolke trĂ€gt 40 C, ein Blitzschlag bringt 5 C zum Boden. Nach wie vielen SchlĂ€gen wĂ€re die Ladung aufgebraucht, wenn die Wolke nicht nachladen wĂŒrde?
Im Wolkenmodell (d = 1 km, E = 2,5 kV/m pro Coulomb) trÀgt die Wolke 60 C. Welche Spannung liegt zwischen Wolke und Boden (in MV)?