Skineffekt — warum Stahl und nicht Aluminium

The Skin Effect — Why Steel and Not Aluminium

Physik Klasse 12 8 Aufgaben
Induktion

Die Wirbelströme im Topfboden wirken der Flussänderung entgegen und fangen das Wechselfeld in einer dünnen Schicht ab: Die Amplitude fällt mit der Tiefe x wie e^(−x/δ), die Eindringtiefe δ = √(2ρ/(ωμ₀μr)) beträgt bei 25 kHz im Stahl rund 0,25 mm (Skineffekt). Bei gleichem Spulenstrom wächst die Heizleistung mit dem Widerstand dieser Schicht, ρ/δ ∝ √(ρ·μr·f): Aluminium leitet 22-mal besser, nimmt aber nur rund 2 % der Leistung auf, deshalb brauchen Alutöpfe eine Stahlscheibe. Korrigiert das f²-Gesetz des einfachen Modells zu √f und bereitet die Energiebilanz des Herds und den Skineffekt in Leitungen bei Wechselstrom vor.

Das Modell vom Anfang rechnete so, als durchsetze das Feld den ganzen Topfboden gleichmäßig. Die Lenzsche Regel zeigt, warum das nicht stimmen kann: Die Wirbelströme stemmen sich gegen jede Änderung des Flusses, und die erste Schicht Metall, die das Wechselfeld erreicht, fängt einen Teil davon ab. Die nächste Schicht bekommt also weniger Feld, die übernächste noch weniger. Die Kurve unten zeigt, wie viel vom Magnetfeld in der Tiefe über der Unterseite des Bodens noch ankommt — ohne Wirbelströme wäre sie eine waagerechte Linie bei 1.

Feldamplitude im Topfboden gegen die Tiefe x, rot fßr Stahl (Fe), blau fßr Aluminium (Al), bei derselben Frequenz f. Lies bei 25 kHz ab, in welcher Tiefe das Feld im Stahl auf gut ein Drittel gefallen ist. Vervierfache dann f auf 100 kHz: Was wird aus δ? Und welcher Wert von f bringt PAl in die Nähe von PFe?

Bei 25 kHz ist das Feld im Stahl nach 0,25 mm auf gefallen, nach 1 mm auf unter 2 %. Diese Tiefe heißt Eindringtiefe (gesprochen „delta"), und dass das Wechselfeld samt Wirbelströmen in einer dünnen Haut an der Oberfläche bleibt, heißt Skineffekt (englisch skin, Haut). Sie hängt vom spezifischen Widerstand und von der Permeabilitätszahl ab — der Zahl, um die ein Eisenkern das Feld einer Spule verstärkt; für den Stahl eines Topfbodens nehmen wir rund 100 an, für Aluminium ist sie 1: . Vierfache Frequenz, halbe Tiefe: Bei 100 kHz zeigt der Chip 0,12 mm. Bei den 50 Hz der Steckdose wären es 5,5 mm, mehr als der ganze Boden — dort durchsetzt das Feld den Boden wirklich, und das einfache Modell vom Anfang gilt.

Die ganze Joulesche Wärme entsteht also in den untersten Zehntelmillimetern Stahl. Das ändert, wie die Leistung mit f wächst. Die Wirbelströme werden nie stärker, als nötig ist, um das Feld abzufangen; bei gleichem Spulenstrom fließt in der Haut deshalb ungefähr derselbe Strom, egal wie hoch f ist. Mit entscheidet dann der Widerstand der Haut, und der wächst mit , also mit . Schiebe f von 25 auf 50 kHz: Der Chip steigt von 100 auf 141 %, nicht auf 400 % wie im einfachen Modell.

Jetzt der Alutopf. Sein Feld reicht tiefer, 0,52 mm bei 25 kHz, aber der Strom fließt in einem Metall, das 22-mal besser leitet. Der Widerstand der Haut ist im Stahl , im Aluminium — 47-mal kleiner. Bei gleichem Strom nimmt der Alutopf also nur rund 2 % der Leistung auf; der Chip zeigt 2,1 %, und keine Frequenz des Herds holt das auf. Der Fehler des einfachen Modells war, gleiche Spannung anzunehmen; gleich ist der Strom, den das Feld erzwingt. Deshalb hat ein induktionstauglicher Alutopf eine aufgepresste Stahlscheibe im Boden, und Kupfer scheitert aus demselben Grund. Bleibt die Frage, wie viel der Energie, die in dieser Haut ankommt, im Wasser landet.

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Ein Topf mit 2 mm dickem Stahlboden steht auf einer Kochzone mit 25 kHz. Wo im Boden entsteht die Wärme?

  • ● In den untersten Zehntelmillimetern des Bodens
  • ○ Gleichmäßig in den ganzen 2 mm
  • ○ In der obersten Schicht, direkt unter dem Wasser
Die Wirbelströme fangen das Feld in einer Haut ab: Bei 25 kHz ist es im Stahl nach 0,25 mm auf 37 % gefallen, nach 1 mm auf unter 2 %. Dort, wo das Feld ankommt, fließen die Ströme und entsteht die Wärme.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Bei den 50 Hz der Steckdose durchsetzt das Wechselfeld einen 2 mm dicken Stahlboden fast vollständig.

✓ Wahr
Die Eindringtiefe wächst wie 1/√f: Bei 50 Hz ist sie im Stahl 5,5 mm, mehr als der ganze Boden. Erst bei Kilohertz wird die Haut dünn.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Drei TĂśpfe mit je 1 L Wasser stehen nacheinander auf derselben Induktions-Kochzone. Welcher kocht am schnellsten?

  • ● Der Topf mit Stahlboden
  • ○ Der Aluminiumtopf ohne Stahlscheibe
  • ○ Der Glastopf
Im Glas fließt kein Strom. Im Aluminium fließt in der Haut etwa derselbe Strom wie im Stahl, aber die Haut hat einen 47-mal kleineren Widerstand: Der Alutopf nimmt nur rund 2 % der Leistung auf, obwohl er besser leitet.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Drei TĂśpfe gleicher Form stehen nacheinander auf derselben Induktions-Kochzone. Welcher wird am wenigsten warm?

  • ● Der Kupfertopf
  • ○ Der Gusseisentopf
  • ○ Der Topf aus Edelstahl mit magnetischem Boden
Wirbelströme fließen auch im Kupfer — aber bei winzigem spezifischem Widerstand und μr = 1 ist die Heizleistung P ∝ √(ρ·μr) sehr klein. Nicht „kein Strom", sondern „kaum Widerstand" ist der Grund; Gusseisen und magnetischer Edelstahl haben beides groß.
Mittel
Zahleneingabe #1 20s ▶ Testen

Stelle in der Figur f = 25 kHz ein. Welche Eindringtiefe δ zeigt der Chip fßr Stahl (in mm, zwei Nachkommastellen)?

✓ Antwort: 0.25
δ_Fe ≈ 0,25 mm: In dieser Tiefe ist das Feld auf 1/e ≈ 37 % gefallen.
Zahleneingabe #2 20s ▶ Testen

Stelle in der Figur f = 25 kHz ein. Wie viel Prozent der Leistung des Stahlbodens nimmt der Aluminiumboden auf (Chip P_Al, eine Nachkommastelle)?

✓ Antwort: 2.1
P_Al ≈ 2,1 % — und bei jeder anderen Frequenz bleibt das Verhältnis gleich, denn beide Leistungen wachsen mit √f.
Schwer
Zahleneingabe #1 30s ▶ Testen

Bei 25 kHz ist die Eindringtiefe im Stahl δ = 0,25 mm, und δ ist proportional zu 1/√f. Wie groß ist δ bei 100 kHz (in mm)?

✓ Antwort: 0.125
Vierfache Frequenz, √4 = 2, also halbe Tiefe: 0,125 mm. Wer δ ∝ 1/f rechnet, kommt auf 0,0625 mm.
Zahleneingabe #2 45s ▶ Testen

Bei gleichem Spulenstrom gilt P ∝ √(ρ·μr). Stahl: ρ = 6,0·10⁻⁷ Ωm, μr = 100. Kupfer: ρ = 1,7·10⁻⁸ Ωm, μr = 1. Wie viel Prozent der Leistung des Stahlbodens nimmt ein Kupferboden auf (eine Nachkommastelle)?

✓ Antwort: 1.7
√(1,7·10⁻⁸ / (100 · 6,0·10⁻⁷)) = √(2,8·10⁻⁴) ≈ 0,017, also 1,7 %. Kupfer leitet noch besser als Aluminium und ist deshalb ein noch schlechterer Induktionstopf.