Spektroskopie und das elektromagnetische Spektrum
Spectroscopy and the Electromagnetic Spectrum
Spektroskopie zerlegt Licht mit einem optischen Gitter nach WellenlĂ€nge: Das Maximum 0. Ordnung bleibt weiĂ, in höheren Ordnungen wird Rot stĂ€rker gespreizt als Blau. Ein kontinuierliches Spektrum (glĂŒhender Festkörper) unterscheidet sich vom Linienspektrum eines angeregten Gases, das als Fingerabdruck jedes Elements dient â Kirchhoff und Bunsen begrĂŒndeten damit die Spektralanalyse, die dunklen Fraunhofer-Linien verraten die Elemente der SonnenatmosphĂ€re. Der sichtbare Bereich reicht von 380 nm (Violett) bis 750 nm (Rot); jenseits davon liegen Infrarot (Nachweis mit der ThermosĂ€ule) und Ultraviolett (Nachweis am Fluoreszenzschirm). Der Schwester-Topic der 11. Klasse trĂ€gt das Photonenmodell; hier stehen Instrument und Spektrenlesen. Bekannte Schwierigkeiten beim Lesen von Spektren (Ivanjek et al. 2015) werden gezielt ausgerĂ€umt.
Können & Ăben
Wellenoptik-Werkstatt â von der Wasserwelle zum Licht
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physiksaal
Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten â Beobachten â ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Alles, was die Wasserwelle in der Wanne sichtbar vormacht â Elementarwellen, Beugung, Auslöschung â, tut Licht genauso, nur fĂŒnfzigtausendfach feiner. Station 1 â Wellenwanne: Huygens und Beugung. Vermuten: Was passiert mit einer geraden Wellenfront hinter einer engen Ăffnung â lĂ€uft sie als schmaler Streifen weiter oder breitet sie sich aus? Beobachten: Im Stroboskoplicht friert das Wellenbild ein; hinter der weiten Ăffnung lĂ€uft die Front fast geradlinig weiter, hinter der engen Ăffnung entsteht eine Kreiswelle, die tief in den Schattenraum eindringt. Zwei Kreiswellen-Erreger zeichnen ein festes Streifenmuster aus VerstĂ€rkung und Auslöschung ins Wasser. ErklĂ€ren: Jeder Punkt einer Front ist Ausgangspunkt einer Elementarwelle â die enge Ăffnung lĂ€sst nur eine davon ĂŒbrig (Huygens); wo sich zwei Wellen treffen, addieren sich die Auslenkungen (Interferenz). Modellgrenze: Die Wasserwelle ist ein Analogiemodell â sie zeigt die Geometrie, aber weder E-Feld noch TransversalitĂ€t. Sicherheitshinweis: Wasser von Netzteilen fernhalten, Spritzer sofort aufwischen. Station 2 â Polfilter-Parcours. Vermuten: Zwei gekreuzte Filter auf dem Projektor sperren das Licht â was Ă€ndert ein dritter Filter, der schrĂ€g dazwischen gelegt wird? Beobachten: Mit dem dritten Filter dazwischen wird das Feld wieder hell â obwohl ein Filter dazugekommen ist. Ein Geodreieck oder eine CD-HĂŒlle zwischen den gekreuzten Filtern zeigt schillernde Spannungsbilder, die sich beim Biegen live verĂ€ndern; durch das Zuckerlösungs-Röhrchen gedreht wandert die Sperrstellung des Analysators um einen messbaren Winkel. ErklĂ€ren: Jeder Filter lĂ€sst nur die E-Feld-Komponente lĂ€ngs seiner Durchlassrichtung passieren â der schrĂ€ge Mittelfilter erzeugt eine neue Schwingungsrichtung, von der der letzte Filter wieder eine Komponente durchlĂ€sst; doppelbrechende und optisch aktive Stoffe drehen die Schwingungsebene. Modellgrenze: Das Zeigerbild beschreibt nur die Richtung des E-Felds, nicht seine Entstehung im Material. Station 3 â Newtonsche Ringe und Seifenhaut. Vermuten: Die Linse liegt nur auf der Glasplatte â warum sollten da Ringe entstehen, und liegen sie gleich weit auseinander? Beobachten: Unter der Natriumlampe erscheinen scharfe Hell-Dunkel-Ringe, die nach auĂen enger zusammenrĂŒcken; im weiĂen Licht sind sie farbig gesĂ€umt. Die senkrecht gehaltene Seifenhaut im Drahtring zeigt waagrechte Farbstreifen, die nach unten wandern, oben wird sie kurz vor dem Platzen fast schwarz. ErklĂ€ren: An der Linsenunterseite und der Plattenoberseite entstehen zwei reflektierte Wellen; ihr Gangunterschied wĂ€chst mit dem Luftspalt, und Auslöschung bei 2d = k·λ liefert r = Wurzel(k·λ·R) â dieselbe Zwei-Reflexionen-Logik fĂ€rbt die Seifenhaut nach ihrer Dicke. Modellgrenze: Die NĂ€herung gilt nur fĂŒr fast senkrechten Lichteinfall und d klein gegen R. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Seifenblasen-Artikel in der App. Sicherheitshinweis: Glas nur am Rand anfassen, Seifenlösung vom Boden fernhalten. Station 4 â Spektroskop: sichtbar und unsichtbar. Vermuten: Zerlegt das Gitter das Licht der Hg-Lampe in denselben Regenbogen wie das der Halogenlampe? Und hört das Spektrum am roten Rand wirklich auf? Beobachten: Die Halogenlampe liefert ein kontinuierliches Band, die Hg-Lampe wenige scharfe Linien; jenseits des roten Endes schlĂ€gt die ThermosĂ€ule aus (IR), jenseits des violetten Endes leuchtet der Fluoreszenzschirm auf (UV). ErklĂ€ren: Jede Farbe ist eine WellenlĂ€nge, jedes Element sendet seinen Linien-Fingerabdruck, und das sichtbare Band ist nur ein Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums. Modellgrenze: Warum die Linien genau dort liegen, beantwortet erst die Quantenphysik der 13. Jahrgangsstufe. Sicherheitshinweis: Nicht direkt in Bogen- oder Hg-Lampe blicken, Lampen abkĂŒhlen lassen. Abschluss in der Runde: Die Kette schlieĂen â die Wanne zeigt die Geometrie der Elementarwellen, die Filter beweisen die TransversalitĂ€t, Ringe und Seifenhaut rechnen mit dem Gangunterschied, das Spektroskop sortiert nach λ. Welche Beobachtung wĂ€re mit einem Teilchenstrom aus LichtkĂŒgelchen unerklĂ€rbar?
physik-experimente-lead
4â16
Auf einem Grabstein in MĂŒnchen steht ein lateinischer Satz:
âApproximavit sidera" â er brachte uns die Sterne nĂ€her.
Der Mann darunter, Joseph von Fraunhofer, war mit elf Jahren
Vollwaise, ĂŒberlebte mit vierzehn den Einsturz eines Hauses und
wurde Leiter einer GlashĂŒtte in Benediktbeuern. Dort ritzte er mit
einem Diamanten Tausende feiner, paralleler Linien in Glas â das
erste
Vom Gitter weiĂt du bereits: Es lenkt jede WellenlĂ€nge unter einem
anderen, berechenbaren Winkel ab
(
- Ein Kondensor sammelt das Licht der Quelle und bildet es auf einen schmalen Spalt ab â der Spalt wird zur eigentlichen, scharf begrenzten Lichtquelle.
- Eine Linse bildet den Spalt scharf auf den Schirm ab â ohne Gitter entsteht dort ein einziges weiĂes Spaltbild.
- Das Gitter im Strahlengang vervielfĂ€ltigt dieses Spaltbild: Das Maximum 0. Ordnung bleibt weiĂ (Gangunterschied null fĂŒr alle Farben), aber in den höheren Ordnungen bekommt jede WellenlĂ€nge ihren eigenen Winkel â Rot weiter auĂen als Blau, jede Farbe ein eigenes, scharfes Spaltbild.
Das Spektrum ist also eine Reihe von Spaltbildern, sortiert nach WellenlÀnge. Und jetzt wird es interessant, denn verschiedene Quellen schreiben verschieden:
-
Die GlĂŒhlampe liefert ein
kontinuierliches Spektrum â ein lĂŒckenloses Farbband von Violett bis Rot. -
Leuchtender Dampf (etwa die Quecksilberdampflampe) liefert ein
Linienspektrum â einzelne scharfe, farbige Spaltbilder auf schwarzem Grund.
Kirchhoff und Bunsen erkannten darin ein Naturgesetz: Jedes Element sendet sein eigenes, unverwechselbares Linienmuster aus â einen Fingerabdruck aus Licht. Umgekehrt gilt es auch: Durchquert kontinuierliches Licht einen kĂŒhleren Dampf, schluckt dieser genau seine Fingerabdruck-Frequenzen. Im hellen Band erscheinen dunkle Linien â das Absorptionsspektrum, das GegenstĂŒck zum Emissionsspektrum des selbst leuchtenden Stoffs.
Genau solche dunklen Linien fand Fraunhofer zu Hunderten im
Sonnenspektrum â die
Wo liegt eigentlich die Grenze des Sichtbaren? Misst man mit dem Gitterverfahren die RĂ€nder des Spektrums aus, ergibt sich der Bereich 380 nm bis 750 nm:
| Farbe | WellenlĂ€nge in nm | Frequenz in 10Âč⎠Hz |
|---|---|---|
| Rot | 750â640 | 4,0â4,7 |
| Orange | 640â600 | 4,7â5,0 |
| Gelb | 600â555 | 5,0â5,4 |
| GrĂŒn | 555â485 | 5,4â6,2 |
| Blau | 485â430 | 6,2â7,0 |
| Violett | 430â380 | 7,0â7,9 |
Aber das Spektrum hört an diesen RĂ€ndern nicht auf â nur unser Auge
tut es. Zwei Detektoren aus dem Versuch verlÀngern den Blick:
FĂŒhrt man eine ThermosĂ€ule ĂŒber das Spektrum,
schlĂ€gt sie jenseits des roten Endes weiter aus â dort liegt die
Infrarotstrahlung (WĂ€rmebild, IR-Fotografie,
Fernbedienung). Ein Fluoreszenzschirm leuchtet
jenseits des violetten Endes auf â Ultraviolett
(Hautmedizin, Desinfektion; die optischen Aufheller im Waschmittel
lassen weiĂe WĂ€sche im UV-Anteil des Tageslichts âweiĂer"
leuchten). Radiowellen, Mikrowellen, Licht, Röntgen- und
Gammastrahlung sind ein und dasselbe PhĂ€nomen â elektromagnetische
Wellen, unterschieden allein durch die Frequenz
(
Halte einen Moment inne bei dem grĂŒnen Block: Mehr als zwölf Zehnerpotenzen Frequenz ĂŒberstreicht das Spektrum, und das Sichtbare belegt davon nicht einmal eine Oktave. Alles, was du je gesehen hast, fand in diesem schmalen Spalt statt.
Damit ist die Spektroskopie als Messverfahren komplett: Gitter plus Winkelmessung ĂŒbersetzt Licht in WellenlĂ€ngen, und das Linienmuster ĂŒbersetzt WellenlĂ€ngen in Elemente. Die Gerichtsmedizin weist so geringste Giftspuren nach, die Kunstgeschichte unterscheidet Goldrubin- von Kupferrubinglas, die Astronomie liest die Chemie der Sterne. Warum jedes Element genau seine Linien aussendet â die Frage fĂŒhrt in die Quantenphysik und bekommt dort ihre eigene Antwort.
Materialien (1)
Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern â optional, gebrĂŒckt zum Symbol.
- Spektroskopie-Set prop
Voraussetzungen (1)
Im Gitterspektrum wird rotes Licht stÀrker abgelenkt als blaues.
Worin unterscheidet sich das Spektrum einer Quecksilberdampflampe von dem einer GlĂŒhlampe?
Kirchhoff und Bunsen erkannten, dass jedes chemische Element ein charakteristisches Linienspektrum aussendet â einen optischen ___, mit dem sich geringste Stoffmengen nachweisen lassen.
Der WellenlÀngenbereich des sichtbaren Lichts in Luft reicht von etwa 380 nm (Violett) bis ___ nm (Rot).
Mit welchem Detektor macht man die ultraviolette Strahlung jenseits des violetten Spektrumendes sichtbar?
Ordne die Strahlungsarten nach aufsteigender Frequenz.
Das sichtbare Licht macht den gröĂten Teil des elektromagnetischen Spektrums aus.
Ein Gerichtsmediziner findet in einer Probe Spuren eines unbekannten Stoffs. Wie hilft die Spektralanalyse?
In welcher Reihenfolge durchlÀuft das Licht ein Gitterspektroskop?
WeiĂes Licht fĂ€llt auf ein optisches Gitter. Wie sieht das Maximum genau geradeaus (0. Ordnung) auf dem Schirm aus?
WeiĂes Licht einer hellen Lampe geht durch eine Flamme mit Natriumdampf und dann ins Spektroskop. Was zeigt das Spektrum?
Fraunhofer entdeckte im Sonnenspektrum zahlreiche dunkle Linien. Was verraten sie?
Wie weist man im Versuch Strahlung jenseits des roten Spektrumendes (Infrarot) nach?
Was macht das Gitter zum HerzstĂŒck eines Spektroskops?