Spitzen und Blitzableiter
Tips and Lightning Rods
Warum es blitzt, obwohl das mittlere Feld unter der Wolke nur ein Dreißigstel der Durchbruchfeldstärke erreicht: Feldlinien treffen Leiter senkrecht, an einer Spitze drängen sie sich zusammen, und das Feld wird um den Faktor γ überhöht (ein 100-m-Turm: γ ≈ 49). Der Leitblitz tastet sich von der Wolke herab, an der höchsten Spitze startet ihm eine Fangentladung entgegen; der Blitzableiter nutzt genau das. Räumt die Vorstellung ab, der Blitz nehme einfach den kürzesten Weg. Bereitet die Schrittspannung und den Faradayschen Käfig vor (wo der Strom hinfließt, nachdem er eingeschlagen hat).
Bleibt ein Widerspruch: Das mittlere Feld unter der Wolke, 100 kV/m, ist ein Dreißigstel der Durchbruchfeldstärke von 3 000 kV/m. Trotzdem blitzt es. Die Lösung steckt in zwei Eigenschaften von Feldlinien, die du aus dem Feldkapitel kennst: Auf der Oberfläche eines Leiters stehen sie senkrecht, und ihre Dichte zeigt die Feldstärke — in der Wolke waren es bei 40 C fünf Linien, bei 20 C drei.
Ein Turm ist ein Stück Erdboden, das in die Höhe ragt. Er ist mit
dem Boden leitend verbunden, und die positive Influenzladung sammelt
sich an seiner
Bei h = 30 m zeigt die Figur γ = 20,3 und ES = 2 034 kV/m: An der Spitze ist das Feld zwanzigmal so groß wie daneben, aber noch unter der Schwelle. Ab h ≈ 52 m ist γ ≈ 30, die Schwelle ist erreicht, und an der Spitze springt eine kleine Entladung nach oben. Ein Turm von 100 m bringt es auf γ = 49,3 und knapp 4 930 kV/m. Die Rechnung nimmt eine abgerundete Spitze mit 1 m Krümmungsradius an; eine schärfere Spitze überhöht noch stärker. „Der Blitz nimmt den kürzesten Weg", heißt es oft. Rechne nach: Der 100-m-Turm verkürzt den Weg zur Wolke von 1 000 m auf 900 m, um ein Zehntel. Das Feld an seiner Spitze aber ist fast fünfzigmal so groß. Nicht der kürzere Weg entscheidet, sondern die Überhöhung.
Ganz so einfach ist es in der Natur nicht. Echte Spitzen sprühen schon vorher Ladung ab — an Schiffsmasten und Gipfelkreuzen ist das als bläuliches Elmsfeuer zu sehen. Diese Ladung schirmt die Spitze ab, und am Boden unter Gewittern misst man meist nur 5 bis 10 kV/m. Richtig hoch steigt das Feld an der Spitze erst, wenn von oben ein Blitzkanal herankommt.
Denn der
Der Blitzableiter dreht diese Physik in Schutz um: eine absichtlich hoch angebrachte Metallspitze, an der die Fangentladung früher startet als an Dachkanten und Kaminen. Schlägt der Blitz ein, führt ein dicker Leiter den Strom außen am Haus vorbei in die Erde. Er zieht keine Blitze aus der Ferne an; er entscheidet nur, wo im Umkreis von einigen zehn Metern der Kanal endet. Offen bleibt, was mit dem geschieht, der in der Nähe ist: unter einem Baum, oder im Auto mit seinen Gummireifen.
Voraussetzungen (1)
Unter einer Gewitterwolke stehen zwei gleich hohe Masten — einer endet in einer feinen Spitze, der andere in einer Kugel mit 1 m Radius. Wo überschreitet das Feld zuerst die Durchbruchschwelle der Luft?
Wie schützt ein Blitzableiter das Haus?
Ein 100 m hoher Turm steht unter einer Wolke in 1 000 m Höhe. Um wie viel verkürzt er den Weg zur Wolke, und um wie viel überhöht er das Feld an seiner Spitze?
Wo beginnt ein Blitz zwischen Wolke und Boden?
Feldlinien treffen die Oberfläche eines Leiters immer ___.
Die Entladung, die von einer Spitze am Boden dem herabkommenden Leitblitz entgegenwächst, heißt ___.
Ein Blitzableiter führt den Blitzstrom über einen dicken Leiter ___ am Haus vorbei in die Erde.
Ein 100-m-Turm überhöht das Feld an seiner Spitze um γ ≈ 49. Wie groß ist dort das Feld, wenn ohne Turm E₀ = 100 kV/m herrschen würde (in kV/m)?
Stelle in der Figur h = 10 m ein, einen Baum, und erhöhe E₀. Ab welchem E₀ startet an der Spitze die Fangentladung (in kV/m)?
Ein Haus hat einen Blitzableiter. Zwei Kilometer entfernt schlägt ein Blitz in einen Baum ein. Was hätte der Blitzableiter daran geändert?