Wirbelströme im Topfboden

Eddy Currents in the Pot Base

Physik Klasse 12 12 Aufgaben
InduktionKerncurriculum

Das hochfrequente Wechselfeld der Spule (25–50 kHz) durchsetzt den ferromagnetischen Topfboden. Der magnetische Fluss durch den Boden Ă€ndert sich zigtausendmal pro Sekunde — nach dem Induktionsgesetz entstehen kreisende Induktionsströme, die Wirbelströme, und der ohmsche Widerstand des Bodens verwandelt sie in Joulesche WĂ€rme direkt am Topf. Jedes Glied der Kette f → ĆȘ = 4·f·Ί̂ → I_W → P = R·IÂČ hat im Applet eine Anzeige; Glas ist Nichtleiter (Spannung ja, Strom nein). Das Ringpendel ist der Laborzwilling. Im einfachen Modell wĂ€chst die Heizleistung mit fÂČ, deshalb arbeitet der Herd weit oberhalb der Netzfrequenz; der Alutopf bleibt als offener Widerspruch stehen, den der Abschnitt zum Skineffekt auflöst.

Können & Üben

Induktions-Werkstatt — Spannung aus Bewegung

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90 min · once

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Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Wann entsteht Induktionsspannung — und wogegen wehrt sie sich? Station 1 — Bewegung im Feld (Leiterschaukel und bewegte Spule). Vermuten: Was erhöht den Spannungsausschlag — schneller ziehen, mehr Windungen, stĂ€rkerer Magnet? Beobachten: Messreihen wie im Skript — bei halber Geschwindigkeit halbiert sich U, doppelte Windungszahl n verdoppelt es, schwĂ€cheres B senkt es. Ruht der Leiter, ist U null. ErklĂ€ren: Auf die mitbewegten Ladungen wirkt die Lorentzkraft; U hĂ€ngt von B, wirksamer LĂ€nge bzw. FlĂ€che und Geschwindigkeit ab. Modellgrenze: Die Schaukel misst Momentwerte nur grob — deshalb gleich Station 2. Station 2 — Feld Ă€ndern statt bewegen (Feldspule). Vermuten: Es bewegt sich nichts — kann trotzdem Spannung entstehen, wenn der Strom in der Feldspule hochgeregelt wird? Beobachten: WĂ€hrend der Strom sich Ă€ndert, zeigt die eingelegte Induktionsspule Spannung; sie ist umso grĂ¶ĂŸer, je schneller geregelt wird, und verschwindet bei konstantem Strom. ErklĂ€ren: Beide FĂ€lle fasst der magnetische Fluss Ί = B·A zusammen — induziert wird bei jeder FlussĂ€nderung, U = -n·dΊ/dt. Modellgrenze: Die Handregelung macht dΊ/dt nur nĂ€herungsweise konstant; das Interface zeigt den echten Verlauf. Station 3 — Lenz-Parcours. An drei Teilaufbauten wird jeweils erst laut vermutet, dann geprĂŒft: (a) Thomson-Ring — der geschlossene Ring springt beim Einschalten vom Elektromagneten, der geschlitzte bleibt liegen; (b) der Magnet fĂ€llt durchs Kupferrohr in Zeitlupe, durchs Plastikrohr normal (Stoppuhr!); (c) das Waltenhofen-Pendel wird mit massiver Scheibe im Feld abgebremst, mit geschlitzter kaum. ErklĂ€ren: Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt — sonst brĂ€che die Energieerhaltung (ein sich selbst beschleunigender Magnet wĂ€re ein Perpetuum mobile). Modellgrenze: "Widersetzen" heißt hemmen, nicht verhindern — der Magnet fĂ€llt ja weiter. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Induktionsherd-Artikel in der App — dort erhitzen dieselben Wirbelströme den Topfboden. Station 4 — Selbstinduktion (Ein-/Ausschaltversuch mit Glimmlampe). Vermuten: Die Glimmlampe zĂŒndet erst ab etwa 160 V — kann sie in einem Stromkreis mit kleiner Batteriespannung ĂŒberhaupt aufleuchten? Beobachten: Beim Einschalten leuchtet die Lampe hinter der Spule verzögert auf; beim Öffnen des Schalters blitzt die Glimmlampe hell auf. ErklĂ€ren: Die Spule induziert sich selbst — beim Einschalten bremst die Gegenspannung den Stromanstieg, beim Abschalten treibt die schnelle FlussĂ€nderung die Spannung weit ĂŒber die Quellspannung. Sicherheitshinweis: Vorsicht Spannungsspitze — Spulenkontakte beim Abschalten nicht berĂŒhren und Spulen nie abrupt von Hand trennen; starke Neodymmagnete von Elektronik und Karten fernhalten, Quetschgefahr. Abschluss in der Runde: Alle vier Stationen in einem Satz — induziert wird bei FlussĂ€nderung, die Richtung bestimmt Lenz, und eine Spule tut das auch mit sich selbst.

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4–16

Beginnen wir unter dem Glas. Dort liegt eine flache Spule, durch die ein Wechselstrom fließt. Die Frequenz zĂ€hlt, wie oft er pro Sekunde hin- und herschwingt: Die Steckdose liefert 50 Hertz, also 50 volle Schwingungen pro Sekunde, die Spule des Herds 25 000 bis 50 000. Ihr Magnetfeld kennst du als Feldlinienbild einer Spule: Die Linien treten oben aus der Spule aus, stehen senkrecht durch das Glas, das Papier und den Boden des Topfes — und klappen 25 000-mal pro Sekunde um.

Wie viel Feld durch eine FlĂ€che tritt, misst der magnetische Fluss . Nimm im Topfboden einen Kreis mit 5 cm Radius und, als runden Modellwert, eine Flussdichte von höchstens : Dann ist , und weil das Feld umklappt, schwingt der Fluss zwischen und . Der Topfboden aus Stahl ist ein Leiter, aber kein Draht ist darin zu einem Stromkreis gebogen. Sage voraus: Was passiert in einem massiven StĂŒck Metall, wenn sich der Fluss durch seine FlĂ€che stĂ€ndig Ă€ndert?

Topfboden von oben, durchsetzt vom Wechselfeld B(t). Die Chips sind die Glieder der Kette: f → Spannung ĆȘ am 5-cm-Ring → Wirbelstrom IW → Heizleistung P (beide in Prozent ihres Werts bei 25 kHz). Verdopple f von 25 auf 50 kHz: Welcher Chip wĂ€chst auf das Doppelte, welcher auf das Vierfache? Stelle dann 0,05 kHz ein, die 50 Hz der Steckdose.

Lies zuerst den Chip . Nach dem Induktionsgesetz ist die Spannung lĂ€ngs des Rings so groß wie die Änderungsrate des Flusses. In einer Viertelschwingung fĂ€llt der Fluss von auf null, im Mittel also mit . Mit den Zahlen von oben: . Der Boden ist der Stromkreis: Weil das Metall in jeder Richtung leitet, treibt diese Spannung Ströme, die sich zu Kreisen schließen — die orangen Ringe, wie kleine Strudel im Wasser. Man nennt sie Wirbelströme.

Jede Strombahn hat einen Widerstand , also treibt die doppelte Spannung den doppelten Strom. Und aus wird mit die Leistung : doppelter Strom, vierfache WĂ€rme. Schiebe f von 25 auf 50 kHz, und die Chips zeigen genau das — von 7,9 auf 15,7 V, von 100 auf 200 %, P von 100 auf 400 %. Die Wirbelströme setzen elektrische Energie in Joulesche WĂ€rme um, mitten im Topfboden: Der Topf ist sein eigenes Heizelement. Bei 0,05 kHz, den 50 Hz der Steckdose, bleiben rund 0,02 V und praktisch null Watt — erst die hohe Frequenz macht aus dem Effekt einen Herd. Dieses Modell rechnet so, als durchsetze das Feld den ganzen Boden gleichmĂ€ĂŸig.

Schalte jetzt auf den Topfboden aus Glas. Der Chip bleibt bei 7,9 V — das Feld geht durch Glas hindurch, und die Spannung wird auch dort induziert. Aber und P fallen auf null: Glas hat keine freien LadungstrĂ€ger, die Kette reißt beim dritten Glied. Dasselbe gilt fĂŒr das Papier aus dem Einstieg. Den Laborzwilling kennst du vom Ringpendel: Ein Aluminiumring, der in ein Magnetfeld schwingt, wird gebremst; ein geschlitzter Ring nicht, denn der Schlitz unterbricht die Strombahn. Der Topfboden ist tausende solcher Ringe, ineinander geschachtelt.

Nur der Aluminiumtopf passt nicht in die Kette. Aluminium leitet rund 22-mal besser als der Stahl eines Topfbodens (spezifischer Widerstand gegen ). Dieselbe Spannung triebe also einen 22-mal grĂ¶ĂŸeren Strom, und mit kĂ€me 22-mal so viel WĂ€rme heraus. Der Alutopf mĂŒsste heißer werden als der Stahltopf — er bleibt fast kalt. Die Kette rechnet mit der GrĂ¶ĂŸe der Ströme, nicht mit ihrer Richtung. Welche Richtung haben sie?

Leicht
Wahr / Falsch #1 15s ▶ Testen

Beim Induktionsherd erhitzt eine heiße Platte unter dem Glas den Topf von unten.

✓ Falsch
Unter dem Glas sitzt nur eine Spule, die ein hochfrequentes Wechselfeld erzeugt. Die WĂ€rme entsteht durch Wirbelströme direkt im ferromagnetischen Topfboden — der Topf ist sein eigenes Heizelement, die Platte bleibt zunĂ€chst kalt.
Multiple Choice #2 15s ▶ Testen

Die Spule unter dem Kochfeld wird mit Gleichstrom statt mit Wechselstrom betrieben, das Magnetfeld ist also konstant. Was passiert im Stahltopf?

  • ○ Er wird genauso heiß wie sonst
  • ○ Er wird noch heißer
  • ● Er bleibt kalt
Der massive Boden ist selbst der Stromkreis — aber nur eine FlussĂ€nderung treibt nach dem Induktionsgesetz Spannungen. Erst das Wechselfeld Ă€ndert den Fluss stĂ€ndig, und weil Metall in jeder Richtung leitet, schließen sich die induzierten Ströme zu Kreisen, den Wirbelströmen. Ein konstantes Feld induziert nichts.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Ein Glastopf bleibt auf dem eingeschalteten Induktionsherd kalt. Warum?

  • ● Glas ist ein Nichtleiter — die FlussĂ€nderung kann darin keine Wirbelströme treiben
  • ○ Glas reflektiert das Magnetfeld zurĂŒck in die Spule
  • ○ Das Feld ist zu schwach, um Glas zu durchdringen
  • ○ Glas leitet die WĂ€rme zu schnell an die Luft ab
Ohne freie LadungstrĂ€ger gibt es keine Induktionsströme und damit keine Joulesche WĂ€rme. Das Feld durchdringt das Glas problemlos — es findet dort nur nichts, was es in Bewegung setzen könnte.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Im Applet (gleicher Spulenstrom, Feld im ganzen Boden) wird die Frequenz von 25 kHz auf 50 kHz verdoppelt. Was passiert mit dem Wirbelstrom im Topfboden?

  • ● Er wird etwa doppelt so groß, denn er ist proportional zur Änderungsrate des Flusses
  • ○ Er bleibt gleich, denn die FeldstĂ€rke Ă€ndert sich nicht
  • ○ Er halbiert sich, denn das Feld hat weniger Zeit zum Aufbau
  • ○ Er verschwindet, denn der Boden kommt nicht mehr mit
Die Spannung ist die Änderungsrate des Flusses, ĆȘ = 4·f·Ί̂ — doppelte Frequenz, doppelte Spannung, und nach R = U/I doppelter Strom. Die Heizleistung P = R·IÂČ wĂ€chst dabei auf das Vierfache. Deshalb arbeitet der Herd weit oberhalb der 50 Hz des Netzes.
Multiple Choice #5 25s ▶ Testen

Beim Ringpendel schwingt ein geschlossener Aluminiumring in ein Magnetfeld und wird stark abgebremst, ein geschlitzter Ring kaum. Was zeigt das?

  • ● Die Bremswirkung braucht geschlossene Strombahnen — der Schlitz unterbricht den Induktionsstrom
  • ○ Der Schlitz macht den Ring leichter, deshalb schwingt er weiter
  • ○ Aluminium wird durch den Schlitz unmagnetisch
  • ○ Im geschlitzten Ring wird keine Spannung mehr induziert
Induziert wird die Spannung in beiden Ringen. Aber nur im geschlossenen Ring kann ein Strom fließen, dessen Magnetfeld die Bewegung bremst. Genau darum funktioniert der Topfboden — er ist ein massives Paket geschlossener Ringe.
Mittel
Wahr / Falsch #1 20s ▶ Testen

Ein gewöhnlicher Aluminiumtopf funktioniert auf dem Induktionsherd schlecht, obwohl Aluminium ein sehr guter elektrischer Leiter ist.

✓ Wahr
Stimmt — und nach R = U/I und P = U·I mĂŒsste der gut leitende Alutopf sogar mehr Leistung aufnehmen als der Stahltopf. Dass er fast kalt bleibt, ist der offene Widerspruch dieses Abschnitts; die Auflösung liegt darin, wie tief das Wechselfeld ĂŒberhaupt in den Boden gelangt.
Zahleneingabe #2 25s ▶ Testen

Stelle in der Figur f = 25 kHz ein und schalte auf den Topfboden aus Glas. Welche Spannung ĆȘ zeigt der Chip (in V, eine Nachkommastelle)?

✓ Antwort: 7.9
ĆȘ bleibt 7,9 V — das Wechselfeld geht durch das Glas, und die Spannung wird auch dort induziert. Es fehlen nur die freien LadungstrĂ€ger: I_W und P sind null.
Zahleneingabe #3 25s ▶ Testen

Eine Strombahn im Topfboden hat den Widerstand R = 0,02 Ω, der Wirbelstrom ist I = 100 A. Welche Leistung P = R·IÂČ setzt sie in WĂ€rme um (in W)?

✓ Antwort: 200
P = 0,02 Ω · (100 A)ÂČ = 0,02 · 10 000 W = 200 W. Wer R·I statt R·IÂČ rechnet, erhĂ€lt 2 W — das Quadrat macht den Unterschied.
Zahleneingabe #4 20s ▶ Testen

Stelle in der Figur f = 50 kHz ein (Topfboden aus Stahl). Welche Spannung ĆȘ zeigt der Chip (in V, eine Nachkommastelle)?

✓ Antwort: 15.7
ĆȘ = 4·f·Ί̂ = 4 · 50 000 /s · 7,85·10⁻⁔ Wb ≈ 15,7 V — doppelte Frequenz, doppelte Spannung.
Schwer
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Drei Transformatorkerne gleicher Form sitzen im selben 50-Hz-Wechselfeld. Welcher wird am wÀrmsten?

  • ● Ein massiver Eisenblock
  • ○ Ein Paket dĂŒnner, gegeneinander isolierter Eisenbleche
  • ○ Ein Kern aus gepresstem, nichtleitendem Ferritpulver
Im massiven Block schließen sich die Wirbelströme zu großen Kreisen und heizen ihn. Die isolierten Bleche zerschneiden diese Kreise wie der Schlitz den Ring, und im nichtleitenden Ferrit fließt fast gar kein Strom. Darum sind Transformatorkerne aus Blechen gestapelt.
Zahleneingabe #2 25s ▶ Testen

Der Wirbelstrom in einer Bahn sinkt bei gleichem Widerstand auf die HĂ€lfte. Auf wie viel Prozent sinkt die Heizleistung?

✓ Antwort: 25
P = R·IÂČ: halber Strom, (œ)ÂČ = ÂŒ der Leistung, also 25 %. Die naheliegende Antwort 50 % vergisst das Quadrat.
Zahleneingabe #3 40s ▶ Testen

Im einfachen Modell wĂ€chst die Heizleistung mit fÂČ. Wievielmal grĂ¶ĂŸer ist P bei 25 kHz als bei den 50 Hz der Steckdose?

✓ Antwort: 250000
25 000 Hz / 50 Hz = 500, und P ∝ fÂČ gibt 500ÂČ = 250 000. Mit 50 Hz bliebe der Topf praktisch kalt.