Warum man sich bei der Zeit verschätzt

Why you misjudge how long things take

Alltag und Selbstständigkeit Klasse 6 12 Aufgaben
AlltagskompetenzPlanungZeitKerncurriculum

Der Planungsfehler ist einer der stabilsten Befunde der Psychologie: Fast alle Menschen schätzen die Dauer ihrer eigenen Aufgaben zu kurz, auch wenn sie dieselbe Aufgabe schon oft gemacht haben (Buehler, Griffin & Ross 1994). Schülerinnen und Schüler lernen hier die zwei Ursachen — man plant den Ablauf ohne Störungen, und man erinnert vergangene Aufgaben als kürzer, als sie waren (Roy, Christenfeld & McKenzie 2005) — und die drei Gegenmittel, die tatsächlich wirken: die eigene gemessene Zeit aus früheren Fällen benutzen (die „Außensicht"), eine feste prozentuale Reserve aufschlagen statt nach Gefühl, und für den schlechten Fall eine zweite Zahl notieren. Wichtig ist die Erwartung: Der Fehler verschwindet nicht durch Übung oder Willen — man rechnet nur mit ihm. Die Zahlen aus diesem Thema tragen den Wochenplan und ab Klasse 11 die Meilensteine eines langen Projekts.

Können & Üben

Wochen-Review — zwanzig Minuten

solo

20 min · weekly

zuhause, lernraum

Immer am selben Wochentag, auch in ruhigen Wochen. Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge: Eingang leeren. Offenes aus der vergangenen Woche einsammeln. Die nächsten zwei Wochen im Kalender anschauen. Jede offene Aufgabe genau einer der vier Entscheidungen zuordnen — terminieren, delegieren, verkleinern, streichen; nichts bleibt unentschieden liegen. Dann drei Fragen in je einem Satz beantworten und aufschreiben: Was habe ich zugesagt und nicht geliefert? Wo habe ich mich um wie viel verschätzt? Was hat diese Woche funktioniert, das ich behalten will? Wenn in einem Review nichts gestrichen wurde, war es kein Review.

1–1

Leicht
Wahr / Falsch #1 18s â–¶ Testen

Es ist sinnvoll, zwei Zahlen zu notieren — eine für den normalen und eine für den schlechten Fall.

âś“ Wahr
Ja. Mit zwei Zahlen sieht man sofort, ob eine Woche auch dann noch trägt, wenn etwas schiefgeht.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Jonas plant 6 Stunden fĂĽr ein Projekt und braucht 11. Was ist die nĂĽtzlichste Reaktion?

  • â—Ź Die 11 aufschreiben und beim nächsten Mal benutzen
  • â—‹ Sich ärgern und beim nächsten Mal schneller sein
  • â—‹ Die Schätzung war ja fast richtig
Jede Abweichung ist Material für die nächste Schätzung — aber nur, wenn sie notiert wird.
Wahr / Falsch #3 18s â–¶ Testen

Sich zu verschätzen ist ein Zeichen dafür, dass man schlecht organisiert ist.

âś“ Falsch
Nein — das machen fast alle Menschen, auch sehr organisierte. Der Unterschied liegt darin, ob man mit dem Fehler rechnet.
Mittel
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

Die letzten drei Referate haben Nils je 4 Stunden gekostet. Für das nächste schätzt er 2. Was ist die bessere Zahl?

  • â—Ź 4 Stunden, weil das seine gemessene Erfahrung ist
  • â—‹ 2 Stunden, weil er inzwischen geĂĽbter ist
  • â—‹ 3 Stunden als Mittelweg
Die eigenen früheren Fälle sind die verlässlichste Quelle. Das Gefühl, es diesmal schneller zu schaffen, hatte er beim letzten Mal auch.
Multiple Choice #2 15s â–¶ Testen

Die letzten Referate haben Ella, Ali und Finn je 5 Stunden gekostet. Wer verschätzt sich beim nächsten am wahrscheinlichsten wieder?

  • â—‹ Ella: „Es waren immer 5 Stunden, also plane ich 5.“
  • â—Ź Ali: „Diesmal plane ich einfach groĂźzĂĽgiger.“
  • â—‹ Finn: „Zuletzt 4 bis 6 Stunden, ich plane 6.“
Der Planungsfehler ist kein Motivationsproblem — „großzügiger“ bleibt eine Vorstellung, und der Fehler bleibt mit ihr. Er verschwindet nur, wenn man mit gemessenen Zahlen rechnet.
Wahr / Falsch #3 18s â–¶ Testen

Wer eine Aufgabe schon oft gemacht hat, schätzt ihre Dauer richtig ein.

âś“ Falsch
Nein — Erfahrung hilft erstaunlich wenig. Auch geübte Menschen unterschätzen ihre eigenen Aufgaben, fremde dagegen oft ziemlich genau.
Multiple Choice #4 22s â–¶ Testen

Mia soll die Dauer einer Aufgabe für Ben schätzen und für sich selbst. Wo liegt sie meistens näher dran?

  • â—Ź Bei Ben
  • â—‹ Bei sich selbst
  • â—‹ Bei beiden gleich
Für andere sieht man den ganzen Ablauf mit Störungen, für sich selbst nur den Plan. Deshalb lohnt es sich, jemanden schätzen zu lassen.
Multiple Choice #5 22s â–¶ Testen

Welcher Aufschlag auf eine Schätzung ist am brauchbarsten?

  • â—Ź Ein fester Anteil, zum Beispiel plus 50 Prozent
  • â—‹ So viel, wie es sich richtig anfĂĽhlt
  • â—‹ Kein Aufschlag, sonst wird man langsam
Ein fester Aufschlag ist überprüfbar und lässt sich nach ein paar Wochen nachjustieren. Ein gefühlter Aufschlag ist wieder eine Schätzung.
Multiple Choice #6 22s â–¶ Testen

Was gehört in die Schätzung für ein Referat, wird aber fast immer vergessen?

  • â—Ź Quellen suchen, Datei suchen, Formatieren, Drucken
  • â—‹ Das Halten des Referats
  • â—‹ Der Schulweg
Geschätzt wird meistens nur der Kern. Die Arbeit drumherum ist real und macht oft die Hälfte aus.
Multiple Choice #7 22s â–¶ Testen

Eine Gruppenarbeit mit vier Leuten dauert im Vergleich zur Einzelarbeit meistens …

  • â—Ź länger, weil Absprachen dazukommen
  • â—‹ kĂĽrzer, weil vier Leute schneller sind
  • â—‹ genau ein Viertel so lang
Abstimmen, warten und Zusammenfügen kosten Zeit, die in keiner Einzelschätzung steckt. Deshalb wird bei Gruppen besonders stark unterschätzt.
Multiple Choice #8 22s â–¶ Testen

Was ist die „Außensicht" auf eine Aufgabe?

  • â—Ź Wie lange vergleichbare Aufgaben tatsächlich gedauert haben
  • â—‹ Wie lange man sich vornimmt zu brauchen
  • â—‹ Wie lange die Lehrkraft sagt, dass es dauert
Die Außensicht fragt nach der Statistik ähnlicher Fälle statt nach dem Ablauf im Kopf. Genau das ist das wirksamste Gegenmittel.
Multiple Choice #9 22s â–¶ Testen

Ein Vortrag ist in zwei Wochen fällig. Wie legt Lea die Abgabe für sich selbst fest?

  • â—Ź Auf zwei Tage vor dem echten Termin
  • â—‹ Auf den echten Termin
  • â—‹ Auf den Abend davor
Eine eigene frühere Frist fängt genau den Fehler ab, der ohnehin passieren wird — ohne dass der echte Termin platzt.