One child is not everyone — prejudice and stereotype
EthikKlasse 316 Aufgaben
EthikVorurteilePerspektivwechselSozial-bürgerliches Leben
Die Kinder trennen, was sie über *ein* Kind wirklich wissen, von dem, was sie über seine Gruppe gehört haben: „Mira kommt aus Italien“ ist ein Wissen, „Mira isst sicher gern Pizza“ ist ein Schluss von der Gruppe auf sie. Rhodes, Leslie und Tworek (2012, PNAS 109, 13526–13531) zeigten, dass schon Vierjährige aus verallgemeinernden Sätzen („Jungs sind …“) schließen, eine Gruppe habe ein gemeinsames Wesen — der Satz selbst ist der Transportweg des Stereotyps. Geübt wird darum an Sätzen und Szenen: was gesehen wurde, was geschlossen wird, und was ein erstes Urteil zum Vorurteil macht (gefällt, bevor man das Kind kennt). Der Fehler, den das Thema verhindert, ist auch der freundliche — „Sie ist Japanerin, also kann sie gut rechnen" ist genauso ein Stereotyp. Es bereitet „Unfaire Gründe" (`ethik.gs.unfaire-gruende`, Diskriminierung, Klasse 4) und die Konfliktursache „Vorurteil“ in Ethik 7 vor; im Alltag kommt es in jeder neuen Gruppe zurück, in die ein Kind kommt. Ob man jemanden mögen muss, bleibt offen und wird im Gespräch begründet (Martens 1999) — geschlossen geprüft wird nur, was gesehen und was geschlossen wurde. LehrplanPLUS GS Ethik 3/4, 2.2 Individualität respektieren (Inhalt: Vorurteile, Meinungen, Bewertung).
Ben dachte, Lukas sei eingebildet. Nach einem Ausflug mit ihm merkt Ben, dass Lukas nur schüchtern ist, und denkt jetzt anders über ihn. Ben hat sein erstes Urteil an dem geprüft, was er erlebt hat.
✓ Wahr
Ja. Ben hat Lukas erst schnell beurteilt. Jetzt kennt er ihn besser und misst sein Urteil an dem, was er selbst erlebt hat.
Bei der Mathe-Olympiade hat ein Mädchen aus der 3a gewonnen. Welcher Satz passt zu dem, was passiert ist?
● „Ein Mädchen aus der 3a hat gewonnen.“
○ „Mädchen sind besser in Mathe.“
○ „Die 3a ist die schlauste Klasse.“
Ein Sieg sagt etwas über dieses eine Mädchen. Ein Satz über „die Mädchen“ oder „die 3a“ macht daraus eine Regel für alle — auch für Kinder, die gar nicht mitgemacht haben.
Kai glaubt, dass Mädchen nicht klettern können. Dann klettert Selin als Erste auf den Baum. Kai sagt: „Selin ist halt eine Ausnahme.“ Damit hat Kai sein Urteil überprüft.
✓ Falsch
Nein. „Eine Ausnahme“ ist ein Trick, das alte Bild zu behalten. Überprüfen hieße, das Bild über „die Mädchen“ selbst in Frage zu stellen.
Jeder hat einen ersten Eindruck, wenn er jemanden Neues sieht. Ist das schon schlimm? Wann wird aus einem ersten Eindruck ein Vorurteil?
✓ Antwort: Ein erster Eindruck ist normal, man kann ihn gar nicht verhindern. Zum Vorurteil wird er, wenn ich ihn für sicher halte und das Kind gar nicht erst kennenlerne. Ich kann ja abwarten und schauen, ob mein Eindruck stimmt — so wie ich auch nicht möchte, dass andere mich nach dem ersten Blick beurteilen.
In der Pause erzählt jemand einen Witz über „die Mädchen“ oder über Kinder aus einem anderen Land. Alle lachen. Was könntest du tun, und warum?
✓ Antwort: Ich könnte sagen, dass ich den Witz nicht lustig finde, weil er so tut, als wären alle aus der Gruppe gleich. Vielleicht steht ja jemand dabei, den das trifft. Wenn ich mich das nicht traue, könnte ich wenigstens nicht mitlachen oder später mit dem Kind reden.