Relativismus (Meta-Ethik)

Relativism (meta-ethics)

Ethik Klasse 8 14 Aufgaben
EthikMeta-EthikRelativismus

Die Schülerin trennt drei Arten von Urteilen, die der naive Relativismus in einen Topf wirft: Geschmack („Spinat ist eklig"), Konvention („In Japan zieht man in der Wohnung die Schuhe aus") und moralische Urteile, die Gründe für alle beanspruchen — schon Kinder halten Konventionen für änderbar und moralische Regeln nicht (Turiel 1983). Dann prüft sie das Kulturen-Verschiedenheits-Argument: Aus „Kulturen urteilen verschieden" folgt nicht „es gibt kein richtig oder falsch", denn die Prämisse handelt davon, was Menschen glauben, die Konklusion davon, was ist (Rachels & Rachels 2019, Kap. 2). Bei Konventionen folgt die Relativität dagegen wirklich (Links- oder Rechtsverkehr) — diese Gegenprobe verhindert die Übergeneralisierung „alles Kulturelle ist beliebig" ebenso wie „nichts ist relativ". Zwei korrigierbare Denkfehler werden geübt: „Alles ist nur Meinung" untergräbt sich selbst, und Beschreiben ist nicht Rechtfertigen — dass eine Norm galt, zeigt nicht, dass sie gerecht war (sonst gäbe es keinen moralischen Fortschritt). LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 10, LB 1 (Protagoras' homo-mensura-Satz, Skeptizismus der Sophisten) und Ethik 11, LB 2 (übernationale Normen wie die Menschenrechte), bei Fido ab Jgst. 8. Bereitet vor: `ethik.politische-ethik` (universale Menschenrechte), `geschichte.grade11.menschenrechte-und-voelkerrecht`, `ethik.religionsphilosophie` (Religionen vergleichen, ohne zu relativieren oder eine vorauszusetzen).

Leicht
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Welcher Satz berichtet nur, was in einer Gesellschaft galt oder gilt?

  • â—Ź „Im alten Sparta wurden schwache Neugeborene ausgesetzt."
  • â—‹ „Es war richtig, dass Sparta schwache Kinder aussetzte."
  • â—‹ „Sparta hätte das niemals tun dĂĽrfen."
Beschreiben und Bewerten sind zwei Schritte. Wer nur berichtet, was ĂĽblich war, hat es damit weder gerechtfertigt noch verurteilt.
Multiple Choice #2 10s â–¶ Testen

Welcher Satz ist eine Geschmacksfrage?

  • â—Ź „Rosenkohl schmeckt scheuĂźlich."
  • â—‹ „Man darf Tiere nicht zum SpaĂź quälen."
  • â—‹ „Man sollte Versprechen halten."
Über Geschmack muss man nicht streiten — wer Rosenkohl mag, irrt sich nicht. Moralische Urteile beanspruchen dagegen, mit Gründen auch für andere zu gelten.
Wahr / Falsch #3 10s â–¶ Testen

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 beansprucht, für alle Menschen in allen Kulturen zu gelten.

âś“ Wahr
Sie spricht von „allen Menschen" und ist ausdrücklich universal gemeint — eine Antwort der Vereinten Nationen auf die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.
Mittel
Multiple Choice #1 15s â–¶ Testen

Welcher Satz berichtet nur, was in einer Gesellschaft galt oder gilt?

  • â—Ź „In der Schweiz durften Frauen erst ab 1971 bundesweit wählen."
  • â—‹ „Die Schweiz hat Frauen viel zu lange das Wahlrecht verweigert."
  • â—‹ „Die Schweizer hatten gute GrĂĽnde, so lange zu warten."
Die Jahreszahl lässt sich nachschlagen. „Viel zu lange" und „gute Gründe" sind beides Urteile — einmal dagegen, einmal dafür.
Multiple Choice #2 12s â–¶ Testen

Welcher Satz beschreibt eine Konvention?

  • â—Ź „In Japan zieht man in der Wohnung die Schuhe aus."
  • â—‹ „Man darf andere nicht absichtlich verletzen."
  • â—‹ „Mir schmecken japanische Nudeln am besten."
Eine Konvention ist eine Abmachung, die auch anders sein könnte — schon Kinder unterscheiden solche Regeln von moralischen (Turiel). Die Nudeln sind Geschmack.
Multiple Choice #3 15s â–¶ Testen

Welche Situation bringt die Haltung „Was richtig ist, bestimmt jeder für sich selbst" in Schwierigkeiten?

  • â—Ź Ein MitschĂĽler findet es fĂĽr sich richtig, Elias jeden Tag auszulachen.
  • â—‹ Zwei Freundinnen mögen unterschiedliche Musik.
  • â—‹ Paul trinkt lieber Tee als Kakao.
Bei Geschmack passt „jeder für sich". Wo aber andere betroffen sind, müsste die Haltung sagen: Für den Mitschüler ist es eben richtig — und Elias könnte nichts dagegen einwenden.
Multiple Choice #4 20s â–¶ Testen

Welche Situation bringt die Haltung „Jede Kultur hat ihre eigene Moral, von außen darf man nichts kritisieren" in Schwierigkeiten?

  • â—Ź Menschen haben die Abschaffung der Sklaverei in ihrem Land als Fortschritt gefeiert.
  • â—‹ In Bayern isst man WeiĂźwĂĽrste traditionell vor zwölf Uhr.
  • â—‹ In Indien begrĂĽĂźen sich viele Menschen mit „Namaste".
Wenn richtig nur heißt „was die eigene Kultur gerade für richtig hält", dann war die Abschaffung kein Fortschritt, sondern bloß eine Änderung — dieses Problem benennt Rachels. Bei Bräuchen wie Weißwurst oder Gruß gibt es dagegen nichts zu kritisieren.
Wahr / Falsch #5 18s â–¶ Testen

Folgt der Schluss? „In verschiedenen Kulturen gelten verschiedene moralische Regeln. Also gibt es in der Moral kein richtig oder falsch."

âś“ Falsch
Der Grund handelt davon, was Menschen glauben, der Schluss davon, was ist. Auch über die Form der Erde waren sich Kulturen uneinig — trotzdem gibt es eine richtige Antwort.
Wahr / Falsch #6 18s â–¶ Testen

Folgt der Schluss? „Kulturen essen mit Stäbchen, mit Besteck oder mit der Hand. Also kann es auch bei Menschenrechten keine gemeinsamen Maßstäbe geben."

âś“ Falsch
Unterschiede bei Konventionen wie Tischsitten sagen nichts darüber, ob Folter überall falsch ist. Der Schluss überträgt die Beliebigkeit von Bräuchen auf etwas anderes.
Wahr / Falsch #7 18s â–¶ Testen

Folgt der Schluss? „In Großbritannien ist Linksverkehr vorgeschrieben, in Deutschland Rechtsverkehr. Also hängt die richtige Straßenseite vom Land ab."

âś“ Wahr
Bei einer Konvention folgt die Relativität wirklich: Es kommt nur darauf an, dass sich alle an dieselbe Abmachung halten. Bei moralischen Fragen fehlt genau diese Begründung.
Wahr / Falsch #8 16s â–¶ Testen

Folgt der Schluss? „In vielen Ländern der Antike war Sklaverei erlaubt. Also war sie dort gerecht."

âś“ Falsch
Dass eine Regel galt, beschreibt die Gesellschaft. Ob sie gerecht war, ist eine zweite Frage — sonst wäre jede vergangene Ungerechtigkeit allein dadurch gerechtfertigt, dass sie üblich war.
Multiple Choice #9 18s â–¶ Testen

Lukas sagt: „Es gibt keine Wahrheit, alles ist nur Meinung." Welche Antwort zeigt, dass der Satz sich selbst widerspricht?

  • â—Ź „Dann ist auch dein Satz nur Meinung — warum sollte ich ihn glauben?"
  • â—‹ „Das hast du doch bestimmt aus dem Internet."
  • â—‹ „Aber die meisten Leute sehen das anders."
Lukas will, dass sein Satz für alle wahr ist — genau das bestreitet der Satz. Woher er ihn hat oder wie viele zustimmen, sagt dagegen nichts darüber, ob er stimmt.
Schwer
KI-bewertete Frage #1 180s â–¶ Testen

Tim sagt: „Über Moral kann man nicht streiten. In jedem Land ist etwas anderes richtig." Schreib Tim eine Antwort. Prüfe dabei, ob sein Grund seine Behauptung wirklich trägt, und nimm ein Beispiel, bei dem er recht hat, und eines, bei dem es schwierig wird.

✓ Antwort: Du hast recht, dass Länder verschiedene Regeln haben, zum Beispiel beim Essen oder Grüßen — da ist wirklich nichts falsch daran. Aber daraus, dass Menschen verschieden urteilen, folgt nicht, dass keiner recht hat. Schwierig wird es bei Kinderarbeit: Wenn ein Land sie erlaubt, würdest du dann sagen, dass sie dort richtig ist? Ich glaube, man kann darüber mit Gründen streiten, etwa wie es den Kindern dabei geht.
KI-bewertete Frage #2 180s â–¶ Testen

„Toleranz heißt, alle Meinungen gelten zu lassen." Muss man auch eine Meinung tolerieren, die anderen Menschen ihre Rechte abspricht? Begründe deine Antwort und überlege, was jemand entgegnen könnte, der es anders sieht.

✓ Antwort: Ich finde, Toleranz hat eine Grenze: Wer anderen ihre Rechte abspricht, will selbst nicht tolerant sein. Würde man auch das dulden, könnte die Toleranz sich selbst abschaffen. Jemand könnte entgegnen, dass man Meinungen aushalten muss, solange niemand etwas tut — man darf also widersprechen, ohne zu verbieten.