Relativismus (Meta-Ethik)
Relativism (meta-ethics)
Die Schülerin trennt drei Arten von Urteilen, die der naive Relativismus in einen Topf wirft: Geschmack („Spinat ist eklig"), Konvention („In Japan zieht man in der Wohnung die Schuhe aus") und moralische Urteile, die Gründe für alle beanspruchen — schon Kinder halten Konventionen für änderbar und moralische Regeln nicht (Turiel 1983). Dann prüft sie das Kulturen-Verschiedenheits-Argument: Aus „Kulturen urteilen verschieden" folgt nicht „es gibt kein richtig oder falsch", denn die Prämisse handelt davon, was Menschen glauben, die Konklusion davon, was ist (Rachels & Rachels 2019, Kap. 2). Bei Konventionen folgt die Relativität dagegen wirklich (Links- oder Rechtsverkehr) — diese Gegenprobe verhindert die Übergeneralisierung „alles Kulturelle ist beliebig" ebenso wie „nichts ist relativ". Zwei korrigierbare Denkfehler werden geübt: „Alles ist nur Meinung" untergräbt sich selbst, und Beschreiben ist nicht Rechtfertigen — dass eine Norm galt, zeigt nicht, dass sie gerecht war (sonst gäbe es keinen moralischen Fortschritt). LehrplanPLUS Gymnasium Ethik 10, LB 1 (Protagoras' homo-mensura-Satz, Skeptizismus der Sophisten) und Ethik 11, LB 2 (übernationale Normen wie die Menschenrechte), bei Fido ab Jgst. 8. Bereitet vor: `ethik.politische-ethik` (universale Menschenrechte), `geschichte.grade11.menschenrechte-und-voelkerrecht`, `ethik.religionsphilosophie` (Religionen vergleichen, ohne zu relativieren oder eine vorauszusetzen).
Voraussetzungen (1)
Welcher Satz berichtet nur, was in einer Gesellschaft galt oder gilt?
Welcher Satz ist eine Geschmacksfrage?
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 beansprucht, für alle Menschen in allen Kulturen zu gelten.
Welcher Satz berichtet nur, was in einer Gesellschaft galt oder gilt?
Welcher Satz beschreibt eine Konvention?
Welche Situation bringt die Haltung „Was richtig ist, bestimmt jeder für sich selbst" in Schwierigkeiten?
Welche Situation bringt die Haltung „Jede Kultur hat ihre eigene Moral, von außen darf man nichts kritisieren" in Schwierigkeiten?
Folgt der Schluss? „In verschiedenen Kulturen gelten verschiedene moralische Regeln. Also gibt es in der Moral kein richtig oder falsch."
Folgt der Schluss? „Kulturen essen mit Stäbchen, mit Besteck oder mit der Hand. Also kann es auch bei Menschenrechten keine gemeinsamen Maßstäbe geben."
Folgt der Schluss? „In Großbritannien ist Linksverkehr vorgeschrieben, in Deutschland Rechtsverkehr. Also hängt die richtige Straßenseite vom Land ab."
Folgt der Schluss? „In vielen Ländern der Antike war Sklaverei erlaubt. Also war sie dort gerecht."
Lukas sagt: „Es gibt keine Wahrheit, alles ist nur Meinung." Welche Antwort zeigt, dass der Satz sich selbst widerspricht?
Tim sagt: „Über Moral kann man nicht streiten. In jedem Land ist etwas anderes richtig." Schreib Tim eine Antwort. Prüfe dabei, ob sein Grund seine Behauptung wirklich trägt, und nimm ein Beispiel, bei dem er recht hat, und eines, bei dem es schwierig wird.
„Toleranz heißt, alle Meinungen gelten zu lassen." Muss man auch eine Meinung tolerieren, die anderen Menschen ihre Rechte abspricht? Begründe deine Antwort und überlege, was jemand entgegnen könnte, der es anders sieht.