Grundgesetz und Demokratie

Basic Law and Democracy

Geschichte Klasse 9 15 Aufgaben
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Grund- und Menschenrechte sind eine Errungenschaft mit Geschichte, kein zeitloser Text: Ihr Weg führt von 1776/1789 über die Paulskirche 1848 und Weimar zum Grundgesetz von 1949. Artikel 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar“), die Ewigkeitsklausel und das Prinzip der wehrhaften Demokratie sind bewusste Antworten auf das Scheitern Weimars und die NS-Zeit. Eine Verfassung wird so als gelernte Lehre aus dem Scheitern lesbar — geschrieben von Menschen, die wussten, wie eine Demokratie zerbricht.

Leicht
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Wann trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft?

  • â—‹ Am 8. Mai 1945
  • â—Ź Am 23. Mai 1949
  • â—‹ Am 3. Oktober 1990
  • â—‹ Am 9. November 1989
Das Grundgesetz wurde vom Parlamentarischen Rat unter Vorsitz von Konrad Adenauer erarbeitet und am 23. Mai 1949 verkĂĽndet. Es war bewusst als 'Grundgesetz' (nicht 'Verfassung') bezeichnet, um den provisorischen Charakter bis zur Wiedervereinigung zu betonen.
LĂĽckentext #2 15s â–¶ Testen

Artikel 1 des Grundgesetzes lautet: 'Die WĂĽrde des Menschen ist ___. Sie zu achten und zu schĂĽtzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.'

âś“ Antwort: unantastbar
Die Menschenwürde als Grundnorm an erster Stelle war eine bewusste Lehre aus der NS-Diktatur: Nie wieder sollte der Staat die Würde des Menschen antasten dürfen. Artikel 1 ist durch die 'Ewigkeitsklausel' (Art. 79 Abs. 3) unveränderlich geschützt.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Warum steht die MenschenwĂĽrde an erster Stelle des Grundgesetzes?

  • â—‹ Aus alphabetischen GrĂĽnden
  • â—Ź Als bewusste Lehre aus der NS-Diktatur, in der der Staat die WĂĽrde von Millionen Menschen systematisch verletzte und zerstörte
  • â—‹ Weil es ein Zufall war
  • â—‹ Weil andere Verfassungen das auch so machen
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes wollten ein Gegenprogramm zum NS-Staat schaffen: Grundrechte vor Staatsorganisation, Menschenwürde als oberstes Prinzip, Schutz von Minderheiten, Gewaltenteilung. Das Grundgesetz ist eine Antwort auf 1933–1945.
Multiple Choice #4 25s â–¶ Testen

Welche Grundrechte sind im Grundgesetz garantiert?

  • â—‹ Nur das Recht auf Eigentum
  • â—Ź MenschenwĂĽrde, freie Entfaltung, Gleichheit, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit u. v. m.
  • â—‹ Nur das Wahlrecht
  • â—‹ Nur wirtschaftliche Rechte
Die Grundrechte (Art. 1–19 GG) umfassen persönliche Freiheitsrechte, Gleichheitsrechte und politische Rechte. Sie sind einklagbar — jeder Bürger kann sich beim Bundesverfassungsgericht gegen Grundrechtsverletzungen durch den Staat wehren.
LĂĽckentext #5 20s â–¶ Testen

Die Gewaltenteilung teilt die Staatsgewalt in Legislative (Gesetzgebung), ___ (vollziehende Gewalt) und Judikative (Rechtsprechung).

âś“ Antwort: Exekutive
Die Gewaltenteilung ist eine Lehre aus der NS-Diktatur: Keine einzelne Person oder Institution soll alle Macht haben. Der Bundestag macht Gesetze (Legislative), die Regierung fĂĽhrt sie aus (Exekutive), die Gerichte kontrollieren (Judikative). So kontrollieren sie sich gegenseitig.
Multiple Choice #6 20s â–¶ Testen

Wann wurde die UN-Menschenrechtserklärung verabschiedet?

  • â—‹ 1776
  • â—‹ 1789
  • â—Ź 1948
  • â—‹ 1990
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der UN-Generalversammlung verabschiedet — als Reaktion auf die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust. Sie formuliert universale Menschenrechte, ist aber völkerrechtlich nicht bindend.
Wahr / Falsch #7 25s â–¶ Testen

Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die französische Menschenrechtserklärung (1789) waren historische Vorläufer der heutigen Menschenrechte.

âś“ Wahr
Richtig! 1776 und 1789 sind Grundlegende Daten im Längsschnitt 'Menschenrechte'. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung formulierte das Recht auf 'Life, Liberty, and the pursuit of Happiness', die französische Erklärung die Rechte des Menschen und Bürgers. Beide wurzeln im aufklärerischen Denken.
Mittel
Wahr / Falsch #1 30s â–¶ Testen

Die 'Ewigkeitsklausel' (Art. 79 Abs. 3 GG) schützt bestimmte Grundsätze des Grundgesetzes vor jeder Änderung.

âś“ Wahr
Richtig! Artikel 79 Abs. 3 erklärt für unabänderlich: die Gliederung des Bundes in Länder, die Mitwirkung der Länder an der Gesetzgebung und die in Art. 1 und 20 niedergelegten Grundsätze (Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat). Nie wieder soll eine Diktatur legal errichtet werden können.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Welcher Vorgang war nach der Weimarer Verfassung möglich, ist nach dem Grundgesetz aber ausgeschlossen?

  • â—‹ Ein Gericht erklärt ein Gesetz fĂĽr verfassungswidrig
  • â—Ź Der Präsident setzt per Notverordnung Grundrechte auĂźer Kraft
  • â—‹ Die BĂĽrger wählen in freier und geheimer Wahl das Parlament
Mit Art. 48 konnte der Reichspräsident Notverordnungen erlassen und Grundrechte aussetzen – so geschah es mit der Reichstagsbrandverordnung im Februar 1933. Das Grundgesetz gibt dem Bundespräsidenten diese Macht nicht, und die Grundrechte binden jede Staatsgewalt. Dass ein Gericht Gesetze prüft, ist dagegen heute ausdrücklich vorgesehen: Erst das Grundgesetz schuf dafür ein eigenes Verfassungsgericht (Bundesverfassungsgericht). Freie Parlamentswahlen gab es in beiden Verfassungen.
Wahr / Falsch #3 20s â–¶ Testen

Das Bundesverfassungsgericht kann Gesetze für verfassungswidrig und damit nichtig erklären.

âś“ Wahr
Richtig! Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist der 'Hüter des Grundgesetzes'. Es prüft, ob Gesetze mit dem Grundgesetz vereinbar sind, und kann sie aufheben. Auch Bürger können Verfassungsbeschwerde einlegen — ein starker Schutz der Grundrechte.
Multiple Choice #4 30s â–¶ Testen

Was versteht man unter der 'wehrhaften Demokratie'?

  • â—‹ Dass die Demokratie eine Armee hat
  • â—Ź Dass die demokratische Ordnung sich aktiv gegen ihre Feinde verteidigen darf — z. B. durch Parteiverbot oder Verwirkung von Grundrechten
  • â—‹ Dass nur Soldaten wählen dĂĽrfen
  • â—‹ Dass Demokratie schwach ist
Die 'wehrhafte' oder 'streitbare' Demokratie des Grundgesetzes zieht eine Lehre aus Weimar: Die Demokratie darf nicht tatenlos zusehen, wie Verfassungsfeinde sie abschaffen. Das Bundesverfassungsgericht kann Parteien verbieten (Art. 21), die die freiheitliche Grundordnung beseitigen wollen.
LĂĽckentext #5 25s â–¶ Testen

Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) von 1950 ermöglicht es Bürgern, den Europäischen Gerichtshof für ___ anzurufen.

âś“ Antwort: Menschenrechte
Die EMRK ist völkerrechtlich bindend: Bürger der Mitgliedstaaten können ihre Regierungen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verklagen, wenn sie ihre Konventionsrechte verletzt sehen. Das ist ein einzigartiger internationaler Rechtsschutzmechanismus.
Multiple Choice #6 30s â–¶ Testen

Welches Problem bei der Durchsetzung von Menschenrechten besteht bis heute?

  • â—‹ Es gibt keine Menschenrechte.
  • â—Ź Viele Staaten haben die Erklärungen unterzeichnet, verletzen aber die Menschenrechte in der Praxis — es fehlen wirksame Durchsetzungsmechanismen.
  • â—‹ Die Menschenrechte gelten nur in Europa.
  • â—‹ Die Menschenrechte sind veraltet.
Die Kluft zwischen Norm und Wirklichkeit ist das zentrale Problem: Folter, politische Verfolgung, Unterdrückung von Minderheiten bestehen weltweit fort. Internationale Gerichte und Organisationen können nur begrenzt eingreifen. Menschenrechte zu verwirklichen bleibt eine ständige Aufgabe.
Multiple Choice #7 30s â–¶ Testen

Was versteht man unter dem 'konstruktiven Misstrauensvotum' im Grundgesetz?

  • â—‹ Der Bundestag kann den Kanzler jederzeit ohne Bedingungen abwählen.
  • â—Ź Der Bundestag kann den Kanzler nur stĂĽrzen, wenn gleichzeitig ein neuer Kanzler mit Mehrheit gewählt wird.
  • â—‹ Der Bundespräsident kann den Kanzler allein absetzen.
  • â—‹ Die Regierung muss jedes Jahr neu gewählt werden.
Das konstruktive Misstrauensvotum (Art. 67 GG) ist eine Lehre aus Weimar: Dort konnten destruktive Mehrheiten (NSDAP + KPD) Regierungen stürzen, ohne selbst eine zu bilden. Das Grundgesetz verlangt eine positive Alternative — das stabilisiert die Regierung.
Schwer
LĂĽckentext #1 25s â–¶ Testen

Die vier 'Mütter des Grundgesetzes' gehörten zum Parlamentarischen Rat. Eine von ihnen war Elisabeth ___.

âś“ Antwort: Selbert
Elisabeth Selbert (SPD) setzte den Gleichberechtigungssatz (Art. 3 Abs. 2: 'Männer und Frauen sind gleichberechtigt') gegen erhebliche Widerstände durch. Die anderen drei waren Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel. Ihre Beiträge werden heute zunehmend gewürdigt.