Sachurteil und Werturteil — begründet urteilen
Analytical and value judgement — judging with reasons
Die Unterscheidung, an der historische Urteilsbildung hängt (Jeismann; Gautschi 2009; FUER-Modell: Orientierungskompetenz): Ein Sachurteil ordnet ein Ereignis mit den Maßstäben seiner Zeit ein („die Sozialgesetze banden Arbeiter an den Staat"), ein Werturteil bewertet es mit heutigen Maßstäben („diese Ausgrenzung war Unrecht"). Beides ist erlaubt — aber nur, wenn die Maßstäbe offengelegt und die Urteile mit Belegen begründet sind. Das räumt mit „Urteil = Meinung" auf, macht die Gegenwartsfalle beim Bewerten sichtbar und trägt die Vergleichs- und Erinnerungsthemen der Oberstufe.
„Die Weimarer Verfassung gab dem Reichspräsidenten sehr weitgehende Notstandsrechte." Was für eine Aussage ist das?
„Dass Frauen 1900 nicht wählen durften, war ungerecht." Was für ein Urteil ist das?
Ein historisches Urteil ist einfach eine persönliche Meinung — begründen muss man es nicht.
Ein Urteil, das die Vergangenheit mit den Maßstäben der damaligen Zeit einordnet, heißt ___urteil.
Zwei Schüler bewerten die Reichsgründung 1871. Einer nennt Kriterien und Belege, der andere sagt nur „fand ich gut". Worin liegt der Unterschied?
Wer ein Werturteil fällt, sollte den Wertmaßstab nennen, mit dem er misst.
Beschreiben, Sachurteil und Werturteil sind drei verschiedene Schritte der historischen Urteilsbildung.
„Gemessen an den Erwartungen seiner Zeit war Bismarcks Sozialgesetzgebung ein ungewöhnlicher Schritt." Was für ein Urteil ist das?
Werturteile über die Vergangenheit sind in der Geschichtswissenschaft grundsätzlich verboten.
Ein Bauer zeigt um 1600 seine Nachbarin als Hexe an. Welchen Satz sollte man ĂĽber ihn ZUERST prĂĽfen, bevor man ihn bewertet?
„Die Novemberpogrome 1938 waren staatlich gelenktes Unrecht — und schon damals sahen viele Zeitgenossen das Unrecht." Welche Urteile stecken darin?
Welche Aussage ist ein SACHURTEIL ĂĽber die Weimarer Republik?