Sechs Fälle, sechs Fragen

Six cases, six questions

Latein 5 Aufgaben
GrammatikAbschnitt: Sechs-faelle-sechs-fragen

Nominativ und Akkusativ sind zwei von sechs Fällen. Das Deutsche hat vier, und du kennst sie als vier Fragen: wer?, wessen?, wem?, wen? Im Lateinischen tragen sie dieselbe Arbeit, nur mit Endungen statt mit Artikeln:

  • Nominativ — wer? Wer handelt: puella
  • Genitiv — wessen? Wem etwas gehört: puellae, des Mädchens
  • Dativ — wem? Wem etwas gegeben wird: puellae, dem Mädchen
  • Akkusativ — wen? Wen es trifft: puellam

Bleiben zwei, für die das Deutsche keinen Zwilling hat. Überleg kurz: Wenn du jemanden rufst — „Marcus, komm her!“ — in welchem Fall steht der Name?

Im Deutschen in keinem besonderen. Im Lateinischen im Vokativ, dem Ruf-Fall: Marce! Die Endung verrät, dass jemand angesprochen wird, nicht, dass er handelt. Der sechste ist der Ablativ. Er beantwortet die Fragen, die im Deutschen eine Präposition braucht: womit? wodurch? woher? Gladio heißt „mit dem Schwert“, Roma kann „aus Rom“ heißen — ein einziges Wort, wo du drei brauchst.

Sechs Fälle, sechs Fragen. Das ist der Bauplan, den dieser Kurs jetzt Stück für Stück füllt. Im ersten Thema, Das Kasussystem, lernst du alle sechs mit ihren Fragen sicher zu unterscheiden. Im zweiten, Konjugationsklassen und Präsens, kommen die Personalendungen zu allen Verben — nicht nur zu amare und vocare. Und im dritten, esse und posse, lernst du das häufigste Verb der Sprache, das seine Formen nicht aus Stamm und Endung baut: sum, es, est. Alle drei zusammen beantworten die Frage vom Anfang: Wer tut was — und wem.

Voraussetzungen (1)

Leicht
Multiple Choice #1 12s ▶ Testen

Welcher lateinische Fall antwortet auf die Frage „womit?“?

  • ● Ablativ
  • ○ Dativ
  • ○ Genitiv
  • ○ Vokativ
Der Ablativ beantwortet womit?, wodurch? und woher? — gladio, „mit dem Schwert“. Der Dativ antwortet auf wem?, der Genitiv auf wessen?, und der Vokativ ist der Fall, in dem jemand angesprochen wird.
Wahr / Falsch #2 10s ▶ Testen

Das Lateinische hat sechs Fälle, das Deutsche nur vier.

✓ Wahr
Richtig. Zu Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ kommen im Lateinischen der Vokativ (Anrede: Marce!) und der Ablativ (womit? wodurch? woher?) dazu.
Multiple Choice #3 12s ▶ Testen

„Marce, veni!“ — In welchem Fall steht „Marce“?

  • ● Vokativ
  • ○ Nominativ
  • ○ Ablativ
Marcus wird gerufen: Vokativ, die Anrede. Die Endung -e statt -us verrät es. Der Nominativ wäre Marcus.
Mittel
Multiple Choice #1 15s ▶ Testen

Welches Wort braucht im Deutschen eine Präposition, im Lateinischen nicht?

  • ● gladio — mit dem Schwert
  • ○ puellam — das Mädchen
  • ○ pueri — des Jungen
gladio ist Ablativ: Das „mit" steckt in der Endung. Akkusativ (puellam) und Genitiv (pueri) übersetzt man ohne Präposition.
Wahr / Falsch #2 12s ▶ Testen

„puellae“ kann „des Mädchens“ oder „dem Mädchen“ heißen — erst der Satz entscheidet.

✓ Wahr
Richtig. Genitiv und Dativ Singular der a-Deklination sehen gleich aus (und der Nominativ Plural auch). Darum liest man Endungen immer im Satz, nie allein.