Drei Wahrscheinlichkeitsbegriffe

Three notions of probability

Mathematik Klasse 12 16 Aufgaben
WahrscheinlichkeitStochastik

Laplace zĂ€hlt gleich wahrscheinliche Ergebnisse, der frequentistische Ansatz schĂ€tzt Wahrscheinlichkeit durch die relative HĂ€ufigkeit einer langen Serie, der subjektive Ansatz drĂŒckt einen Grad der Überzeugung aus, auch fĂŒr einmalige Ereignisse. Jeder Ansatz hat einen Geltungsbereich und eine Grenze. RĂ€umt zwei Fehlvorstellungen aus: dass zwei mögliche Ergebnisse immer je œ bedeuten (Reißnagel, gezinkter WĂŒrfel) und dass eine kurze Serie oder gar 600 WĂŒrfe genau 100 Sechsen liefern. Bereitet die Frage vor, welche Rechenregeln alle drei AnsĂ€tze gemeinsam erfĂŒllen mĂŒssen: die Axiome.

„Mit 70 % Wahrscheinlichkeit regnet es.“ Woher kommt so eine Zahl? Es gibt drei klassische Antworten.

Der Laplace-Ansatz zĂ€hlt: Sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, gilt . Beim fairen WĂŒrfel ist . Die Voraussetzung wird gern vergessen: Ein Reißnagel hat zwei mögliche Lagen, aber keine davon muss die Wahrscheinlichkeit œ haben.

Der frequentistische Ansatz misst: Die relative HĂ€ufigkeit in einer langen Serie schĂ€tzt die Wahrscheinlichkeit. Der WĂŒrfel im Bild ist gezinkt; nach 400 WĂŒrfen liegt und nicht bei . Exakt ist dieser Wert nie, er bleibt ein SchĂ€tzwert. Umgekehrt kann eine lange Serie eine Laplace-Annahme entlarven: Weicht dauerhaft von ab, waren die Ergebnisse nicht gleich wahrscheinlich.

VergrĂ¶ĂŸere die Zahl der WĂŒrfe n. Bei welchem Wert pendelt sich h ein, und wie weit liegt die gestrichelte Linie 1/6 davon entfernt?

Der subjektive Ansatz bewertet: Eine Trainerin gibt ihrer Mannschaft 65 % Siegchance. Dieses Spiel gibt es nur einmal, man kann nichts zĂ€hlen und nichts wiederholen. Hier zĂ€hlt der Grad der Überzeugung.

Jeder Ansatz hat seine Grenze: Laplace braucht gleich wahrscheinliche Ergebnisse, die HĂ€ufigkeit eine Serie, die sich wiederholen lĂ€sst, und ein subjektiver Wert lĂ€sst sich nicht nachmessen – zwei Personen dĂŒrfen verschieden urteilen.

Alle drei AnsĂ€tze liefern Zahlen, die dieselben Rechenregeln erfĂŒllen sollen. Welche das sind, legen wir als NĂ€chstes fest.

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Bei welchem Zufallsexperiment darf man P(A) = |A| / |Ω| ansetzen?

  • ● Werfen eines fairen WĂŒrfels
  • ○ Werfen einer Streichholzschachtel (Lagen: FlĂ€che, Kante, Ende)
  • ○ Werfen eines Reißnagels (Lagen: Spitze oben, Spitze unten)
Nur beim fairen WĂŒrfel sind alle sechs Ergebnisse gleich wahrscheinlich. Die Schachtel hat drei Lagen, der Nagel zwei, aber jeweils mit ungleichen Wahrscheinlichkeiten – ZĂ€hlen der Lagen liefert hier keine Wahrscheinlichkeit.
Wahr / Falsch #2 15s ▶ Testen

Der Wetterdienst unterscheidet nur „Regen“ und „kein Regen“. Also gilt P(Regen) = 1/2.

✓ Falsch
Zwei mögliche Ergebnisse sind nicht automatisch gleich wahrscheinlich. Die Laplace-Formel braucht gleich wahrscheinliche Ergebnisse; hier ist das nicht gegeben.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Das GlĂŒcksrad im Bild hat drei Farben. Wie groß ist P(GrĂŒn)?

  • ● 1/2
  • ○ 1/3
  • ○ 1/4
GrĂŒn nimmt die HĂ€lfte des Rades ein, also P(GrĂŒn) = 1/2. Der Ansatz 1/3 zĂ€hlt die Farben statt die FeldgrĂ¶ĂŸen – die drei Ergebnisse sind nicht gleich wahrscheinlich.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Zwei Serien schĂ€tzen P(6) desselben WĂŒrfels (Bild). Welche SchĂ€tzung ist verlĂ€sslicher?

  • ● Serie B mit 0,175, weil sie auf 2000 WĂŒrfen beruht
  • ○ Serie A mit 0,25, weil der Wert grĂ¶ĂŸer ist
  • ○ Beide gleich, weil beide relative HĂ€ufigkeiten sind
Je lĂ€nger die Serie, desto weniger schwankt die relative HĂ€ufigkeit. 5 Sechsen in 20 WĂŒrfen sind eine unsichere SchĂ€tzung, 350 in 2000 WĂŒrfen eine deutlich verlĂ€sslichere.
Wahr / Falsch #5 15s ▶ Testen

Ein fairer WĂŒrfel wird 600-mal geworfen. Dann fĂ€llt die Sechs genau 100-mal.

✓ Falsch
Erwartet werden etwa 100 Sechsen, genau 100 sind aber nur eine von vielen möglichen Anzahlen. Die relative HÀufigkeit schÀtzt die Wahrscheinlichkeit, sie ist nie exakt.
Multiple Choice #6 20s ▶ Testen

Das Diagramm zeigt die relative HĂ€ufigkeit der Sechs bei einem WĂŒrfel. Welchen Wert schĂ€tzt man fĂŒr P(6)?

  • ● Etwa 0,25
  • ○ Etwa 1/6 ≈ 0,17
  • ○ Etwa 0,10
Ab 200 WĂŒrfen liegt h bei 0,24 bis 0,26 und Ă€ndert sich kaum noch – geschĂ€tzt wird P(6) ≈ 0,25. 0,10 ist der unruhige Anfangswert der kurzen Serie, 1/6 gilt nur fĂŒr einen fairen WĂŒrfel.
Multiple Choice #7 20s ▶ Testen

Eine Trainerin sagt: „Unsere Chance auf den Sieg am Samstag liegt bei 65 %.“ Welcher Ansatz steckt dahinter?

  • ● Der subjektive: ein Grad der Überzeugung
  • ○ Der Laplace-Ansatz: ZĂ€hlen gleich wahrscheinlicher Ergebnisse
  • ○ Der frequentistische: die relative HĂ€ufigkeit einer langen Serie
Das Spiel findet nur einmal statt: Es gibt nichts zu zĂ€hlen und nichts zu wiederholen. Die Zahl drĂŒckt die Überzeugung der Trainerin aus, also die subjektive Wahrscheinlichkeit.
Multiple Choice #8 20s ▶ Testen

Bei welcher der drei Aussagen passt nur der subjektive Ansatz?

  • ● „Unsere Schule gewinnt das Turnier im nĂ€chsten Jahr mit 30 %.“
  • ○ „Beim WĂŒrfeln erscheint die FĂŒnf mit 1/6.“
  • ○ „Von 200 geprĂŒften Schrauben waren 6 defekt, also etwa 3 %.“
Das Turnier im nĂ€chsten Jahr gibt es nur einmal, es gibt keine Serie. Die FĂŒnf beim WĂŒrfel folgt aus gleich wahrscheinlichen Ergebnissen (Laplace), die SchraubenprĂŒfung aus einer HĂ€ufigkeit (frequentistisch).
Wahr / Falsch #9 15s ▶ Testen

Die Aussage „Morgen regnet es mit 70 % Wahrscheinlichkeit“ lĂ€sst sich mit dem Laplace-Ansatz begrĂŒnden.

✓ Falsch
Regen und kein Regen sind nicht gleich wahrscheinlich, und der morgige Tag lĂ€sst sich nicht als ZĂ€hlen gleich wahrscheinlicher FĂ€lle beschreiben. Die Angabe stĂŒtzt sich auf Erfahrung und Modelle, ist also eher eine EinschĂ€tzung.
Mittel
Zahleneingabe #1 30s ▶ Testen

Die Urne im Bild enthĂ€lt gleich große, gut gemischte Kugeln; eine wird zufĂ€llig gezogen. Wie groß ist P(blau)? (Dezimalzahl)

✓ Antwort: 0.25
Alle 12 Kugeln sind gleich wahrscheinlich, 3 sind blau: P(blau) = 3/12 = 0,25.
Zahleneingabe #2 30s ▶ Testen

Ein Reißnagel landet bei 800 WĂŒrfen 468-mal mit der Spitze nach oben. SchĂ€tze P(Spitze oben) als Dezimalzahl.

✓ Antwort: 0.585
h = 468/800 = 0,585. Diese relative HĂ€ufigkeit ist der SchĂ€tzwert fĂŒr P(Spitze oben).
Zahleneingabe #3 30s ▶ Testen

Ein Wetterdienst meldet eine Regenwahrscheinlichkeit von 70 %. Schreibe sie als Dezimalzahl.

✓ Antwort: 0.7
70 % = 70/100 = 0,7. Wahrscheinlichkeiten liegen zwischen 0 und 1.
Schwer
Zahleneingabe #1 30s ▶ Testen

Aus den Zahlen 1 bis 20 wird eine Zahl zufĂ€llig und gleich wahrscheinlich gewĂ€hlt. Wie groß ist P(Primzahl)? (Dezimalzahl)

✓ Antwort: 0.4
Primzahlen bis 20: 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19 – das sind 8. P = 8/20 = 0,4. Die 1 ist keine Primzahl.
Zahleneingabe #2 30s ▶ Testen

FĂŒr einen Reißnagel wurde P(Spitze oben) ≈ 0,585 geschĂ€tzt. Etwa wie oft erwartet man „Spitze oben“ bei 2000 WĂŒrfen?

✓ Antwort: 1170
2000 · 0,585 = 1170. Die tatsĂ€chliche Anzahl weicht meist etwas ab, deshalb „etwa“.
KI-bewertete Rechnung #3 240s ▶ Testen

Ein WĂŒrfel vom Schulfest wird 300-mal geworfen. HĂ€ufigkeiten der Augenzahlen 1 bis 6: 41, 47, 52, 50, 48, 62. Berechne die relativen HĂ€ufigkeiten aller sechs Augenzahlen als Dezimalzahlen (auf drei Stellen) und gib damit einen SchĂ€tzwert fĂŒr P(6) an. Vergleiche ihn mit 1/6 und begrĂŒnde, ob 300 WĂŒrfe fĂŒr eine sichere Aussage reichen. Schreibe deine Rechnung auf Papier und fotografiere sie.

✓ Antwort: h(1) = 41/300 ≈ 0,137; h(2) = 47/300 ≈ 0,157; h(3) = 52/300 ≈ 0,173; h(4) = 50/300 ≈ 0,167; h(5) = 48/300 = 0,160; h(6) = 62/300 ≈ 0,207. Die Summe ist 1. SchĂ€tzwert P(6) ≈ 0,207, das ist mehr als 1/6 ≈ 0,167. Der Unterschied ist klein, eine Serie von 300 WĂŒrfen schwankt noch merklich: Man wĂŒrde weiter wĂŒrfeln, bevor man den WĂŒrfel als gezinkt bezeichnet.
Jede relative HĂ€ufigkeit ist Anzahl durch 300. FĂŒr die Sechs: 62/300 ≈ 0,207. Der Wert ist nur ein SchĂ€tzwert; ob er sich wirklich von 1/6 unterscheidet, zeigt erst eine lĂ€ngere Serie.
Zahleneingabe #4 30s ▶ Testen

Ein Trainer schÀtzt die Siegchance seiner Mannschaft auf 0,65; ein Unentschieden ist ausgeschlossen. Welche Wahrscheinlichkeit muss er der Niederlage geben, damit seine EinschÀtzung stimmig ist?

✓ Antwort: 0.35
Sieg und Niederlage zusammen fĂŒllen alle Möglichkeiten, ihre Wahrscheinlichkeiten mĂŒssen 1 ergeben: 1 − 0,65 = 0,35. Auch eine subjektive EinschĂ€tzung muss diese Regel beachten.