Bei einem laufenden Spiel dazukommen
Joining a game that is already running
Das ist der Punkt, an dem dieses Fach dem Alltagswissen widerspricht, und zwar mit Daten. Putallaz und Gottman (1981) haben Grundschulkinder gefilmt, die in ein laufendes Spiel zweier Klassenkameraden einsteigen, und die gesprochenen Einstiegszüge kodiert. Was zählt, ist der Anschluss an den laufenden Rahmen: Züge, die zustimmen und Information mit der Gruppe austauschen, führen hinein; Widerspruch führt am zuverlässigsten hinaus. Die *Reihenfolge* — erst herausfinden, worum es überhaupt geht, dann mitmachen, was schon läuft, und erst spät selbst etwas anstoßen — stammt aus Phillips, Shenker und Revitz (1951), auf die Putallaz und Gottman ihre Befunde ausdrücklich beziehen; die risikoarmen Vorstufen (danebenstellen, zuschauen) hat ihr Kodiersystem selbst nicht erfasst. Kinder, die abgelehnt oder übergangen wurden, machten das Gegenteil — sie redeten über sich (*Me bid*), nannten ihre Gefühle, stellten themenfremde Fragen oder widersprachen, alles Züge, die die Aufmerksamkeit der Gruppe auf sie selbst umlenken. Daran hängt, was hier über „Darf ich mitspielen?" unterrichtet wird — und das ist eine Auslegung, kein gemessener Befund: Die Frage unterbricht den laufenden Rahmen und macht aus dem Dazukommen eine Entscheidung der Gruppe über ein einzelnes Kind, vor allen. Genau dieser Satz wird Kindern von Erwachsenen als *der* Weg hinein beigebracht; dass ihn abgelehnte Kinder häufiger benutzen, ist dagegen nicht gezeigt — Putallaz und Gottman fanden das nur für Informationsfragen, und nur bei den Jungen; bei den Mädchen kehrte sich der Unterschied um. Zwei Gegenproben gehören zwingend dazu, damit daraus keine neue Regel wird — bei Erwachsenen und bei einem ohnehin pausierten Spiel ist Fragen richtig, und auch die beliebten Kinder der Studie wurden in 26 % ihrer Versuche abgewiesen oder übergangen (Zarbatany und Pepper 1996 zeigen dazu, dass die Aufnahmebereitschaft der Gruppe mitentscheidet). Vorbereitet wird damit die Beobachtungssitzung `session.miteinander.dazukommen-poe`, in der die Klasse ihre eigene Vorhersage gegen die Strichliste prüft, und die Rubrik-Stufe „schaut von selbst erst, was gerade läuft".
Können & Üben
Auf andere zugehen
Wartet, bis jemand kommt, oder platzt mitten hinein.
Geht mit, wenn eine erwachsene Person mitgeht.
Geht auf Aufforderung hin und wird meistens aufgenommen.
Schaut von selbst erst, was gerade läuft, und steigt dann passend ein.
Holt auĂźerdem andere Kinder in eine laufende Gruppe hinein.
Dazukommen — vorhersagen, beobachten, erklären
workshop40 min · once
pausenhof, klassenzimmer
VORHERSAGEN (10 Min). Drei Kinder spielen vorne ein laufendes Spiel — egal welches, Hauptsache es läuft schon. Die Gruppe bekommt drei Sätze, mit denen ein viertes Kind dazukommen könnte, und stimmt ab, welcher am besten funktioniert: „Darf ich mitspielen?" · „Ich bin dran!" · nichts sagen, erst danebenstellen und zuschauen, und dann in einer Lücke einfach mitmachen. Die Abstimmung wird sichtbar notiert. Fast immer gewinnt der erste Satz. BEOBACHTEN (15 Min). Jeder der drei Wege wird zweimal gespielt, mit wechselnden Kindern. Beobachtet wird nur eines, und es steht an der Tafel: Läuft das Spiel weiter, oder hört es auf und alle schauen das neue Kind an? Strichliste, kein Kommentar währenddessen. ERKLÄREN (15 Min). Die Striche werden ausgezählt. Die Frage an die Gruppe ist nicht „welcher Weg ist netter", sondern: Was macht die Frage „Darf ich mitspielen?" mit der Gruppe? — Sie stoppt das Spiel und verlangt eine Entscheidung über ein Kind, vor allen. Die Begleitung nennt danach den Befund beim Namen: Erst schauen, was gerade läuft, dann in einer Lücke einsteigen, ohne das Spiel anzuhalten. Und die Gegenprobe, damit daraus keine neue Regel wird — wann ist Fragen doch richtig? (Wenn das Spiel ohnehin gerade pausiert, und immer bei Erwachsenen.)
bezugsperson
6–16
Auf dem Hof läuft ein Fangspiel, dessen Regeln Lina nicht kennt. Lina will dazu. Was macht sie als Erstes?
Mitten im Spiel ruft Anton — „Darf ich mitspielen?" Damit muss die Gruppe erst über Anton entscheiden, bevor sie weiterspielen kann.
Bevor Lea etwas sagt, schaut sie eine Weile zu, was gespielt wird. Damit verschenkt sie Zeit.
Vier Kinder spielen auf der Bank „Mensch ärgere dich nicht". Mit welchem Satz kommt Elif dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Drei Kinder bauen in der Ecke eine Murmelbahn. Mit welchem Satz kommt Tobias dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Fünf Kinder spielen Fußball, eine Mannschaft ist zu klein. Mit welchem Satz kommt Nael dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Zwei Kinder malen an einem großen Plakat mit einem Meer darauf. Mit welchem Satz kommt Zeynep dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Drei Kinder spielen ein Kartenspiel, Ayla hat gerade die höchste Karte gelegt. Mit welchem Satz kommt Milan dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Drei Kinder bauen auf dem Teppich an einem Bahnhof. Mit welchem Satz kommt Rasim dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Zwei Kinder drehen ein Springseil, ein drittes springt. Mit welchem Satz kommt Marlene dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Vier Kinder spielen Himmel und Hölle, Ronja hat gerade geworfen. Mit welchem Satz kommt Aaron dazu, ohne dass das Spiel anhält?
Drei Kinder bauen aus Decken eine Höhle, eine Decke rutscht. Ilias will dazu. Was macht er als Erstes?
Sena hat zwei Runden zugeschaut und weiß jetzt, wer bei dem Fangspiel fängt. Sena will dazu. Was macht sie als Erstes?
Die Gruppe macht Pause und mischt die Karten neu. Yannick fragt — „Spielt ihr noch eine Runde? Ich würde mitmachen." Das ist hier ein guter Moment für die Frage.
Herr Fischer bastelt mit drei Kindern am Tisch. Ida setzt sich wortlos dazu und schneidet mit. Das passt hier.
Nour schaut erst zu und steigt dann in einer LĂĽcke ein. Die Gruppe sagt trotzdem Nein. Dann hat Nour etwas falsch gemacht.