Im Gruppenchat dabei

Being in the group chat

Miteinander und Umgangsformen Klasse 7 15 Aufgaben
MiteinanderSoziale SicherheitMediennutzungDigitale Kompetenz

Dieselbe Mechanik wie auf dem Pausenhof, nur ohne die Bremsen. Drei Unterschiede tragen das Thema. Erstens kostet Weiterleiten einen einzigen Tipp — was auf dem Hof ein Kreis von zehn war, ist hier ein Screenshot in vier Gruppen. Zweitens ist das Publikum unsichtbar und dauerhaft: In einer Gruppe mit 31 Leuten schreiben vier, und die 27 anderen lesen mit, ohne dass irgendjemand weiß, was sie denken — der Denkfehler aus Klasse 5 (Sandstrom, Makover und Bartini 2013) wirkt hier ungebremst, weil nicht einmal Gesichter dagegenstehen. Drittens fehlt genau dieses Gesicht, das einen sonst stoppt; Suler (2004) nennt die Faktoren beim Namen — Unsichtbarkeit, Zeitversatz, fehlende Rückmeldung. Behauptet wird hier nichts: Kowalski, Giumetti, Schroeder und Lattanner (2014) fanden in ihrer Meta-Analyse, dass Cybermobbing stark mit klassischem Mobbing zusammenhängt — es ist meist dieselbe Klasse, nicht eine fremde Welt —, dass auf Täterseite normative Überzeugungen über Aggression und moralische Entkopplung die stärksten Zusammenhänge zeigen, und auf Opferseite Stress und Suizidgedanken. Ybarra, Espelage und Mitchell (2014) liefern die Zahl, die die Trennung „online gegen offline" erledigt: Nur **1 %** der Jugendlichen war ausschließlich online betroffen, 16 % dagegen beides. Deshalb steht dieses Thema nicht neben der Themengruppe, sondern in ihr. Bastiaensens und Kolleginnen (2014) zeigten experimentell, dass die Absicht mitzumachen oder zu helfen davon abhängt, wie schwer der Fall ist *und* was die anderen Anwesenden tun — genau deshalb ist der eine sichtbare Nicht-Mitmacher nicht wirkungslos. Geübt werden die Züge, die es im Digitalen wirklich gibt: nicht weiterleiten, nicht reagieren (auch ein Lach-Emoji ist eine Stimme), der betroffenen Person privat schreiben, Screenshot machen und einer erwachsenen Person zeigen — der einzige Weiterleiten-Zug, der hilft —, die Gruppe verlassen oder melden. Dieses Thema setzt „Was Zuschauer bewirken" (Klasse 5) voraus; ohne die Rollen- und Publikumsmechanik wäre es bloß Netiquette. Und es steht bewusst an dieser Stelle: Yeager, Fong, Lee und Espelage (2015) zeigten mit Altersmoderation *innerhalb* derselben Studien, dass solche Programme unter 14 wirken und danach gegen null gehen. Klasse 7 ist die letzte Rung, an der Unterricht dieser Art noch etwas ausrichtet.

Können & Üben

Kein Publikum sein

Lacht mit, teilt weiter, bleibt stehen und schaut zu.

Hört auf mitzulachen, wenn jemand eingreift.

Geht weg oder schweigt, wenn er oder sie darauf angesprochen wird.

Entzieht von selbst die Zustimmung — geht weg, teilt nicht weiter, lacht nicht mit.

Verändert die Stimmung in der Gruppe, sodass andere ebenfalls aufhören.

Leicht
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

In der Klassengruppe kursiert ein Foto, auf dem Yara beim Sport unglĂĽcklich aussieht, mit einem Spruch darunter. Was tut Deniz?

  • â—Ź Er reagiert nicht darauf und leitet es an niemanden weiter
  • â—‹ Er schickt es seinem besten Freund mit „Guck mal, wie fies"
  • â—‹ Er setzt ein Lach-Emoji darunter, weil es ja nur ein Bild ist
Jedes Weiterleiten vergrößert das Publikum, auch das empörte. Und ein Lach-Emoji ist keine Meinung über den Witz, sondern eine Stimme dafür — sie wird mitgezählt.
Wahr / Falsch #2 20s â–¶ Testen

Fabio schreibt selbst nichts ĂĽber Kaan, reagiert aber auf jede Nachricht mit einem Lach-Emoji. Fabio ist an der Sache nicht beteiligt.

âś“ Falsch
Doch. Die Emojis sind sichtbar, sie werden gezählt, und sie sagen genau das, was ein Lachen im Kreis auf dem Pausenhof sagt.
Mittel
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Ein Screenshot aus Ilias' privatem Chat wird in der Stufengruppe herumgereicht. Was tut Hanna?

  • â—Ź Sie schreibt Ilias privat, dass sie es gesehen hat und dass sie es nicht weitergibt
  • â—‹ Sie schreibt in die Stufengruppe — „Wer war das? Sofort löschen!"
  • â—‹ Sie scrollt weiter, weil sie nichts damit zu tun hat
Ilias weiß gerade nicht, wer auf seiner Seite steht — eine private Nachricht beantwortet genau das. Der Aufruf in der Gruppe schiebt den Screenshot dagegen noch einmal nach oben.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Seit drei Wochen kommen jeden Abend Sprachnachrichten ĂĽber Nour in die Gruppe. Was tut Tarek?

  • â—Ź Er macht Screenshots und zeigt sie Frau Nowak
  • â—‹ Er verlässt die Gruppe still und sagt niemandem, warum
  • â—‹ Er stellt die Gruppe stumm, damit es ihn nicht mehr nervt
Nach drei Wochen ist es kein Ausrutscher mehr, und die Screenshots sind das, was eine Erwachsene braucht, um überhaupt etwas tun zu können. Stummschalten ändert nur, was Tarek hört — für Nour bleibt alles gleich.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Milan hat ein peinliches Video von Fabio bekommen. Er will, dass es aufhört. Was tut Milan?

  • â—Ź Er zeigt es seiner Mutter auf seinem Handy und erzählt ihr, wo es herkommt
  • â—‹ Er schickt es an fĂĽnf Leute mit der Bitte, es nicht weiterzuschicken
  • â—‹ Er löscht es sofort und erzählt niemandem davon
Zeigen statt schicken: Die erwachsene Person sieht alles, was sie braucht, und das Video geht kein Stück weiter. „Schick es nicht weiter" hat dagegen noch nie eins gestoppt, und wer es nur löscht, löscht auch den Beleg.
Multiple Choice #4 25s â–¶ Testen

Zeynep wird in eine neue Gruppe eingeladen, die nur dafĂĽr da ist, sich ĂĽber Kaan lustig zu machen. Was tut Zeynep?

  • â—Ź Sie tritt gar nicht erst bei und zeigt die Einladung ihrem Vater
  • â—‹ Sie tritt bei, um mitzubekommen, was dort läuft
  • â—‹ Sie tritt bei und schreibt gleich als Erstes, dass sie das blöd findet
Die Mitgliederzahl ist bei so einer Gruppe der ganze Punkt — wer beitritt, macht sie größer, egal was er hineinschreibt. Und die Einladung selbst ist schon der Beleg, den eine erwachsene Person braucht.
Multiple Choice #5 25s â–¶ Testen

Ein Video, in dem Ravi bloĂźgestellt wird, ist schon in drei Klassen unterwegs. Was tut Nour?

  • â—Ź Sie geht mit dem Video zu Frau Sahin, auch wenn es schon viele haben
  • â—‹ Sie schreibt in jede Gruppe, dass alle es löschen sollen
  • â—‹ Sie lässt es, weil es sowieso zu spät ist
„Zu spät" gibt es hier nicht — ein Video im Netz hört nicht von allein auf, sondern nur, wenn jemand mit Befugnissen davon weiß. Die Lösch-Aufrufe erreichen dagegen genau die Leute, die es sowieso schon haben.
Wahr / Falsch #6 25s â–¶ Testen

Sophie leitet den Screenshot an ihre Mutter weiter, damit die weiĂź, was los ist. Das ist hier ein anderer Zug als das Weiterleiten in die Klassengruppe.

âś“ Wahr
Ja. In die Klassengruppe geleitet vergrößert es das Publikum, an jemanden geleitet, der etwas tun kann, wird daraus ein Beleg. Dasselbe Bild, zwei völlig verschiedene Züge.
Wahr / Falsch #7 25s â–¶ Testen

Milan verlässt die Gruppe, in der über Amira hergezogen wird, und sagt niemandem etwas. Damit hat er alles getan, was möglich war.

âś“ Falsch
Gehen ist der erste Zug und ein richtiger — aber die Gruppe schreibt ohne ihn weiter. Für Amira ändert sich erst etwas, wenn jemand mit den Belegen zu einer erwachsenen Person geht.
Wahr / Falsch #8 22s â–¶ Testen

Hanna löscht das Video von ihrem Handy, bevor sie es jemandem zeigt. Danach kann sie immer noch dasselbe erreichen.

âś“ Falsch
Nein — ohne das Video steht Aussage gegen Aussage. Erst zeigen, dann löschen; das ist der Grund, warum man Screenshots überhaupt macht.
Schwer
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

In einer Gruppe mit 31 Leuten schreiben vier abfällig über Sinan. Die anderen 27 schreiben nichts. Was ist bei den 27 am wahrscheinlichsten los?

  • â—Ź Viele finden es eklig, halten sich aber fĂĽr eine kleine Minderheit
  • â—‹ Die 27 finden es genauso witzig, tippen nur nicht mit
  • â—‹ Die 27 haben die Nachrichten gar nicht gelesen
Im Chat sieht man das Schweigen der anderen noch weniger als auf dem Pausenhof — keine Gesichter, keine Blicke. Deshalb hält sich hier jeder für den Einzigen, der es schlimm findet.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Rosa merkt, dass sie im Chat Dinge ĂĽber Amira geschrieben hat, die sie ihr nie ins Gesicht sagen wĂĽrde. Was tut Rosa?

  • â—Ź Sie schreibt Amira privat, dass es ihr leidtut, und schreibt nichts mehr in die Gruppe
  • â—‹ Sie erklärt in der Gruppe, dass sie das gar nicht so gemeint hat
  • â—‹ Sie löscht ihre Nachrichten und tut, als wäre nichts gewesen
Der Unterschied zwischen Chat und Gesicht ist der Grund, warum es passiert ist — die Entschuldigung geht deshalb dorthin, wo der Schaden ist, zu Amira. Löschen ändert nur, was Rosa noch sieht; die anderen 30 haben es gelesen.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Jemand hat in der Klassengruppe ein Bild von Lea bearbeitet und hochgeladen. Lea ist selbst in der Gruppe. Was tut Ben?

  • â—Ź Er schreibt Lea privat, dass er es Herrn Pohl zeigen wird, und geht hin
  • â—‹ Er schreibt in die Gruppe — „Lea, tut mir leid fĂĽr dich."
  • â—‹ Er wartet ab, ob Lea selbst etwas dazu schreibt
Mitleid vor 30 Leuten macht Lea noch einmal zum Thema. Ben geht nicht hinter ihrem Rücken — er sagt es ihr vorher. Ein bearbeitetes Bild in einer Gruppe gehört trotzdem zu einer erwachsenen Person, auch wenn Lea gerade lieber möchte, dass niemand etwas sagt.
Multiple Choice #4 25s â–¶ Testen

In der Gruppe fängt jemand an, Sprüche über Ilias' Familie zu schreiben. Bisher hat noch niemand reagiert. Was tut Elif?

  • â—Ź Sie schreibt einen ruhigen Satz dagegen und schreibt danach Ilias privat
  • â—‹ Sie reagiert mit einem Daumen-runter und lässt es dabei
  • â—‹ Sie schreibt gar nichts, auch Ilias nicht
Solange niemand widerspricht, klingt eine Stimme wie die Mehrheit — und wer als Erster etwas schreibt, ändert genau das für alle Mitlesenden. Hier hängt kein Bild in der Gruppe, das ein Aufruf noch einmal nach oben schieben würde; es sind Sprüche, und ein ruhiger Satz reicht. Der Satz gehört in die Gruppe, der Rest zu Ilias.
Wahr / Falsch #5 25s â–¶ Testen

Sinan liest die Sprüche über sich abends um zehn noch einmal, weil sie in der Gruppe stehen bleiben. Auf dem Pausenhof wären sie mit der Pause vorbei gewesen.

âś“ Wahr
Ja. Geschriebenes bleibt stehen und ist jederzeit wieder da. Dazu fehlt im Chat das Gesicht gegenüber, das einen sonst mittendrin stoppt — beides macht die Sache nicht harmloser als auf dem Hof, sondern zäher.