Was Zuschauer bewirken

What bystanders do

Miteinander und Umgangsformen Klasse 5 15 Aufgaben
MiteinanderSoziale SicherheitKonfliktlösungKerncurriculum

Der Befund, der diese Themengruppe trägt: Ausgrenzen ist ein Gruppenprozess, und die dritte Person ist der Hebel. Salmivalli und Kolleginnen (1996) verteilten 573 Sechstklässler auf sechs Rollen — Außenstehender 24 %, Assistent 20 %, Verteidiger 17 %, Verstärker 12 % —, und nur 15 % der Klasse sind überhaupt Opfer oder Täter. Auf Klassenebene ist der Zusammenhang gemessen: Salmivalli, Voeten und Poskiparta (2011, 6 764 Kinder in 385 Klassen) fanden Verstärken stark positiv und Verteidigen negativ mit der Häufigkeit von Mobbing verbunden, und Saarento und Kollegen (2013) zeigten, dass die Erwartung einer Klasse, dass ohnehin niemand eingreift, das Risiko des einzelnen Kindes vorhersagt. Beobachtet wurde dasselbe direkt: Craig und Pepler (1998) fanden Gleichaltrige in 85 % der Vorfälle beteiligt und Erwachsene nur in 4 % eingreifend; bei Hawkins, Pepler und Craig (2001) griffen Kinder in 19 % der Vorfälle ein — und wenn sie es taten, hörte es in 57 % der Fälle auf. Zwei Korrekturen stehen ausdrücklich im Aufbau dieses Themas. Erstens ist der individuelle Nutzen des Verteidigtwerdens *nicht* belegt: Laninga-Wijnen, Yanagida und Garandeau (2026, 6 470 finnische Schülerinnen und Schüler, drei Erhebungen) fanden bei verteidigten Opfern keinen stärkeren Rückgang der Viktimisierung. Deshalb wird hier kein heldenhaftes Dazwischengehen geübt, sondern das, was auf Klassenebene wirkt: merken, hinterher dazuholen, dem Ganzen das Publikum entziehen, eine erwachsene Person holen. Zweitens ist Empathie der Hebel, der sich *nicht* bewegt hat — Polanin, Espelage und Pigott (2012, 12 874 Schülerinnen und Schüler) fanden das Eingreifverhalten verändert (g = 0,20), das Mitgefühl mit dem Opfer aber nicht (g = 0,05). Gearbeitet wird deshalb an der Norm: Sandstrom, Makover und Bartini (2013) zeigen, dass Kinder die Haltung ihrer Klasse systematisch falsch lesen — die meisten finden es schlimm und halten sich für die Einzigen, und jedes Schweigen wird von allen anderen als Zustimmung gelesen. Der dritte Baustein ist die Weiche: Ybarra, Espelage und Mitchell (2014) belegen, dass Machtgefälle und Wiederholung je für sich Schaden vorhersagen. Ein Streit unter Gleichen kann man schlichten; einer gegen mehrere, über Wochen, ist kein Streit — dort ist Vermittlung kontraindiziert, weil sie das Opfer allein verhandeln lässt. Die Weiche wird an Zügen geübt, nicht an Definitionen. Dieses Thema ist die Voraussetzung für „Im Gruppenchat dabei" (Klasse 7) und die inhaltliche Grundlage des wöchentlichen Klassenrats.

Können & Üben

Kein Publikum sein

Lacht mit, teilt weiter, bleibt stehen und schaut zu.

Hört auf mitzulachen, wenn jemand eingreift.

Geht weg oder schweigt, wenn er oder sie darauf angesprochen wird.

Entzieht von selbst die Zustimmung — geht weg, teilt nicht weiter, lacht nicht mit.

Verändert die Stimmung in der Gruppe, sodass andere ebenfalls aufhören.

Klassenrat

workshop

45 min · weekly

klassenzimmer, sitzkreis

Fester Ablauf, gleiche Reihenfolge jede Woche, damit die Form niemanden überrascht. 1. Rückblick — was war letzte Woche beschlossen, was ist daraus geworden? 2. Lob und Dank, namentlich, freiwillig. 3. Die Anliegen aus dem Briefkasten, in der Reihenfolge, in der sie eingeworfen wurden. Pro Anliegen: Wer es eingeworfen hat, sagt zuerst, was passiert ist — die Sache, nicht die Person. Dann die andere Seite. Dann die Runde, und zwar auf die Frage „was könnte helfen", nicht „wer hat schuld". 4. Beschluss mit Namen dahinter, wer was bis wann macht. Wird aufgeschrieben und nächste Woche unter 1. wieder aufgerufen. Zwei Grenzen, die vorne hängen und den Kindern erklärt sind. Erstens: Was hier verhandelt wird, sind Sachen zwischen Gleichen. Wenn ein Kind regelmäßig von mehreren fertiggemacht wird, ist das kein Streit und gehört nicht in die Runde — das geht an eine erwachsene Person, sofort. Zweitens: Die Begleitung leitet nicht, sie hütet den Ablauf; sie greift nur ein, wenn jemand bloßgestellt wird.

bezugsperson

8–26

Leicht
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Zwei Jungen halten Ravi fest, ein dritter filmt mit dem Handy. Was tut Tarek?

  • â—Ź Er geht sofort zu Herrn Pohl, der zwanzig Meter weiter steht
  • â—‹ Er filmt auch mit, damit es später Beweise gibt
  • â—‹ Er ruft von weitem — „Lasst ihn los, ihr Idioten!"
Wenn jemand festgehalten wird, ist ein Erwachsener der schnellste Weg. Mitfilmen macht aus Tarek einen weiteren Zuschauer, und Hinrufen kann die Sache auf ihn ziehen, ohne sie zu beenden.
Mittel
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Vier Jungen stehen um Deniz herum und ziehen ihn seit Wochen wegen seiner Jacke auf. Acht andere schauen zu und lachen. Was tut Milan?

  • â—Ź Er hört auf zu lachen und geht weg
  • â—‹ Er stellt sich vor die vier und schreit sie an
  • â—‹ Er bleibt stehen, lacht aber nicht mehr mit
Aufziehen braucht Publikum. Wer geht, nimmt einen Zuschauer mit — und wer stehen bleibt, ist auch ohne Lachen noch Publikum.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

In der Umkleide werfen drei Mädchen Yaras Sachen herum. Yara sagt nichts mehr und zieht sich schnell an. Was tut Hanna?

  • â—Ź Sie holt Frau Nowak, die im Gang steht
  • â—‹ Sie sagt zu Yara — „Wehr dich doch einfach mal."
  • â—‹ Sie setzt sich mit Yara und den dreien hin, damit sie das ausreden
Drei gegen eine ist kein Streit, sondern ein Machtgefälle — dann ausreden zu lassen heißt, Yara allein verhandeln zu lassen. Und „wehr dich" schiebt die Arbeit auf die zurück, die gerade am wenigsten kann.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Lena und Sophie streiten laut, weil beide dasselbe Buch wollen. Sie sind gleich stark, gleich laut, und es ist das erste Mal. Was tut Ilias?

  • â—Ź Er sagt — „Ihr beide, kommt, sagt es der Reihe nach" und lässt sie ausreden
  • â—‹ Er stellt sich vor Lena und sagt Sophie, sie soll aufhören
  • â—‹ Er ruft die anderen dazu, damit alle den Streit mitbekommen
Hier steht es eins zu eins, beide sind gleich stark, und es geht seit fünf Minuten, nicht seit Wochen — so einen Streit kann man selbst schlichten. Bei drei gegen einen holt man dagegen eine erwachsene Person. Eine Seite zu wählen oder Publikum dazuzurufen macht es in beiden Fällen schlimmer.
Multiple Choice #4 25s â–¶ Testen

Auf dem Pausenhof wird Kaan seit Wochen von einer Gruppe nachgeäfft. Die Pause ist vorbei, alle gehen rein. Was tut Rosa?

  • â—Ź Sie geht auf dem Weg zur Klasse neben Kaan und redet mit ihm ĂĽber etwas anderes
  • â—‹ Sie sagt Kaan, er solle einfach nicht darauf achten
  • â—‹ Sie erzählt in der Klasse, was sie gerade gesehen hat
Hinterher dazuzugehören ist der Zug, der bei den Betroffenen am meisten ändert. Es vor der Klasse zu erzählen macht Kaan noch einmal zum Thema.
Multiple Choice #5 25s â–¶ Testen

Beim Sport wird Fabio zum vierten Mal in Folge zuletzt gewählt, und die Mannschaft stöhnt laut auf. Was tut Elif?

  • â—Ź Sie sagt beim nächsten Mal als Erstes — „Fabio, du bist bei mir."
  • â—‹ Sie sagt zu den anderen — „Ihr seid so was von gemein."
  • â—‹ Sie schaut auf den Boden und wartet, bis es weitergeht
Ein Zug ändert die Lage, ein Vorwurf ändert die Stimmung. Beim nächsten Wählen steht Fabio nicht wieder als Letzter da — das ist der Unterschied.
Multiple Choice #6 25s â–¶ Testen

In der Klassengruppe wird Sinan seit Tagen aufgezogen. In der Pause steht er allein am Zaun. Was tut Zeynep?

  • â—Ź Sie geht hin und fragt ihn, ob er mit zum Kiosk kommt
  • â—‹ Sie schreibt in die Gruppe — „Hört auf damit, das ist nicht witzig."
  • â—‹ Sie wartet ab, ob sich jemand anderes kĂĽmmert
Für Sinan zählt, dass in dieser Pause jemand neben ihm steht. Und wer wartet, bis sich jemand anderes kümmert, wartet meistens umsonst — alle anderen warten nämlich auch.
Multiple Choice #7 25s â–¶ Testen

Sechs Kinder stehen im Kreis um Lea und filmen, wie ein Junge sie nachmacht. Was tut Jonas, der dazukommt?

  • â—Ź Er dreht um und holt die Aufsicht
  • â—‹ Er stellt sich dazu, um zu sehen, ob es schlimm wird
  • â—‹ Er drängt sich in den Kreis und schubst den Jungen weg
Jeder, der dazutritt, macht den Kreis größer — und der Kreis ist die halbe Sache. Wer holt, statt zuzuschauen, nimmt etwas weg statt etwas hinzuzufügen.
Multiple Choice #8 25s â–¶ Testen

Nach der Pause sagt Ben zu Frau Weber — „Da ist was." Sie fragt, was genau. Was sagt Ben?

  • â—Ź „Vier aus der 5b nehmen Kaan seit drei Wochen jeden Tag die MĂĽtze weg."
  • â—‹ „Die aus der 5b sind einfach fies zu Kaan."
  • â—‹ „Kaan ist heute total komisch drauf."
Wer, was, seit wann, wie oft — damit kann eine Erwachsene sofort etwas anfangen. „Fies" und „komisch drauf" beschreiben ein Gefühl und lassen alles Wichtige weg.
Multiple Choice #9 25s â–¶ Testen

Nur zwei aus der Klasse machen bei den SprĂĽchen ĂĽber Emre mit. Der Rest sagt nie etwas dagegen. Was ist bei dem Rest am wahrscheinlichsten los?

  • â—Ź Viele fänden es gut, wenn es aufhört, trauen sich aber als Erste nichts zu sagen
  • â—‹ Die zwei sprechen aus, was die ganze Klasse denkt
  • â—‹ Der Rest hat es die ganze Zeit gar nicht bemerkt
Zwei Laute klingen nach der Mehrheit, wenn niemand widerspricht. Der Erste zu sein ist deshalb der teuerste Zug — und der, der am meisten ändert.
Wahr / Falsch #10 20s â–¶ Testen

Milan lacht nicht mit, bleibt aber die ganze Zeit im Kreis stehen und schaut zu. Damit hat Milan nichts zu der Sache beigetragen.

âś“ Falsch
Doch — er ist Publikum. Für den, der es macht, zählt die Anzahl der Zuschauenden, nicht wer davon lacht.
Wahr / Falsch #11 22s â–¶ Testen

Sophie setzt sich in der Mensa zu Ravi, nachdem er in der Pause fertiggemacht wurde. Sie sagt nichts ĂĽber den Vorfall. Das ist hier ein guter Zug.

âś“ Wahr
Ja. Hinterher dazuzugehören wirkt, ohne den Vorfall noch einmal aufzumachen — Ravi muss nicht darüber reden, um zu merken, dass er nicht allein ist.
Schwer
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Seit Wochen findet jemand jeden Morgen Zettel in Noras Mäppchen. Nora sagt, sie will nicht, dass jemand etwas sagt. Was tut Amira?

  • â—Ź Sie sagt Nora, dass sie es Frau Sahin erzählen wird, und geht hin
  • â—‹ Sie schweigt, weil Nora es so wollte
  • â—‹ Sie fragt in der Klasse herum, wer die Zettel schreibt
Etwas, das seit Wochen jeden Morgen passiert, hört nicht durch Schweigen auf. Amira geht nicht hinter Noras Rücken — sie sagt es ihr vorher und holt trotzdem Hilfe.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Elf Kinder lachen, als Nour im Unterricht nachgemacht wird. Dreizehn sagen nichts und schauen auf ihr Heft. Was ist bei den dreizehn am wahrscheinlichsten los?

  • â—Ź Die meisten finden es auch schlimm, halten sich aber fĂĽr die Einzigen
  • â—‹ Die meisten finden es insgeheim genauso lustig wie die elf
  • â—‹ Den meisten ist Nour völlig gleichgĂĽltig
Genau das ist der Denkfehler, den Sandstrom und Kolleginnen gemessen haben. Jeder liest das Schweigen der anderen als Zustimmung — und schweigt deshalb selbst weiter.
Wahr / Falsch #3 25s â–¶ Testen

Levi setzt Kaan und die vier, die ihn seit Wochen fertigmachen, an einen Tisch, damit sie sich einigen. Das ist hier der richtige Zug.

âś“ Falsch
Nein. Vier gegen einen ist kein Streit unter Gleichen — an so einem Tisch verhandelt Kaan allein gegen vier. Das gehört zu einer erwachsenen Person.