Kritik annehmen
Taking criticism
Der erste Zug nach einer Kritik ist eine *Frage*, keine Rechtfertigung — „Was genau meinen Sie damit?", „An welcher Stelle war das so?", „Woran haben Sie das gemerkt?". Geübt wird genau dieser eine Zug, weil er das ist, was aus einem unangenehmen Satz eine brauchbare Information macht. Warum das keine Höflichkeitsübung ist, zeigt die größte Untersuchung zum Thema — Kluger und DeNisi (1996) haben 607 Effektstärken aus 23 663 Beobachtungen zusammengefasst — im Mittel verbessert Rückmeldung die Leistung (d = 0,41), aber in **über einem Drittel** der Fälle verschlechtert sie sie. Der Unterschied liegt laut ihrer Feedback-Intervention-Theorie daran, worauf die Aufmerksamkeit springt — auf die *Aufgabe* oder auf die *eigene Person*. Je näher an der Person, desto schlechter das Ergebnis. Genau darum sind die beiden häufigen Antworten die schädlichen — „Ich hatte aber nur zwei Tage" (verteidigt die Person) und „Ich kann das einfach nicht" (verurteilt sie) — und beide löschen dieselbe Information. Die Nachfrage zieht die Aufmerksamkeit auf die Sache zurück. Dazu gehört die unbequeme Hälfte, ohne die daraus Unterwerfung wird: Manche Kritik ist einfach falsch — sie meint die falsche Person, die falsche Stelle oder ein Missverständnis. Nachfragen ist auch der Weg, das herauszufinden, und Annehmen heißt nicht Zustimmen, sondern erst einmal Verstehen. Das Ziel ist die Rubrik-Stufe „fragt nach, was genau gemeint war, trennt die Sache von der eigenen Person und ändert etwas daran"; gebraucht wird der Zug in der Minute nach dem Übungsgespräch in `session.miteinander.bewerbungsgespraech` und im Praktikum, wo die erste Rückmeldung der Anleitung kommt.
Können & Üben
Kritik annehmen
Wehrt ab, rechtfertigt sofort oder bricht ein.
Hört es an, braucht danach aber Zeit oder Zuspruch, um damit etwas anzufangen.
Fragt nach, was genau gemeint war, trennt die Sache von der eigenen Person und ändert etwas daran.
Vorstellungsgespräch mit einer fremden Person
workshop90 min · yearly
besprechungsraum
Eine erwachsene Person, die die Jugendlichen NICHT kennt — ein Elternteil aus einer anderen Klasse, jemand aus einem Betrieb, eine Person aus der Nachbarschaft. Das ist die Bedingung, nicht ein Bonus. Ablauf: Jede und jeder führt ein Gespräch von acht Minuten, die anderen sehen zu und schreiben mit — aber nur Beobachtbares (was gesagt wurde, wie lange die Pause war), keine Urteile. Die drei Fragen, die immer kommen und auf die vorbereitet wird: Warum gerade dieser Betrieb? Was haben Sie schon mal gemacht, das damit zu tun hat? Was wollen Sie hier lernen? Plus die eine, die selbst gestellt werden muss — wer nichts fragt, hat sich nicht vorbereitet. Rückmeldung sofort nach jedem Gespräch, und in dieser Reihenfolge: zuerst die externe Person (eine Sache, die getragen hat, eine, die sie irritiert hat), dann die Selbsteinschätzung, dann die Gruppe. Die Umkehrung — Gruppe zuerst — macht aus der Rückmeldung eine Abstimmung. Das eigentliche Übungsziel ist nicht das Gespräch, sondern die Minute danach: Kritik von einer fremden Person annehmen, ohne sie sofort zu erklären. Wer rechtfertigt, wird einmal unterbrochen und gebeten, zuerst nachzufragen, was genau gemeint war.
peer
3–8
Frau Haslinger sagt zu Sude — „An deiner Zeichnung stimmt etwas nicht." Sude fragt — „Welches Maß meinen Sie?" Damit weiß Sude hinterher, was sie ändern soll.
Frau Wimmer sagt — „Das war zu leise." Amaru antwortet — „Ich bin halt so." Damit weiß Amaru, was er beim nächsten Mal anders macht.
Herr Kunz sagt zu Rieke — „Dein Bericht ist unvollständig." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?
Frau Wimmer sagt zu Anton — „Dein Vortrag war zu schnell." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?
Die Anleiterin sagt zu Mira im Praktikum — „So kann man das Regal nicht einräumen." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?
Herr Lindner sagt zu Selim — „Deine Mail an die Firma war unhöflich." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?
Frau Sorge sagt zu Paulina — „Bei der Kasse warst du zu langsam." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?
Greta bekommt eine RĂĽckmeldung zu ihrem Praktikumsbericht. Welcher Satz sagt etwas ĂĽber die Arbeit und nicht ĂĽber Greta?
Fenja bekommt eine Rückmeldung zu ihrer Präsentation. Welcher Satz sagt etwas über die Arbeit und nicht über Fenja?
Bastian bekommt eine RĂĽckmeldung zu seinem Kassendienst am Schulfest. Welcher Satz sagt etwas ĂĽber die Arbeit und nicht ĂĽber Bastian?
Frau Öztürk sagt zu Kian — „Du hast den Kassenbon von Dienstag nicht abgeheftet." Kian fragt — „In welchem Ordner haben Sie geschaut?" Frau Öztürk sieht noch einmal nach und sagt — „Entschuldige, er ist da, ich hatte im falschen Ordner gesucht." Kians Nachfrage hat hier den Fehler gefunden.
Levin sagt nach der Kritik nichts weiter und legt am nächsten Tag genau die eine Stelle geändert vor. Levin hat die Kritik angenommen.
Der Anleiter sagt zu Paulina — „Das dauert zu lang." Paulina erklärt zwei Minuten lang, warum die Maschine so alt ist. Danach weiß sie, was sie schneller machen soll.
Herr Baumeister sagt zu Ilyas — „Du hast am Montag gefehlt, ohne Bescheid zu geben." Ilyas war da. Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?