Kritik annehmen

Taking criticism

Miteinander und Umgangsformen Klasse 8 14 Aufgaben
MiteinanderBerufliches AuftretenFeedbackKerncurriculum

Der erste Zug nach einer Kritik ist eine *Frage*, keine Rechtfertigung — „Was genau meinen Sie damit?", „An welcher Stelle war das so?", „Woran haben Sie das gemerkt?". Geübt wird genau dieser eine Zug, weil er das ist, was aus einem unangenehmen Satz eine brauchbare Information macht. Warum das keine Höflichkeitsübung ist, zeigt die größte Untersuchung zum Thema — Kluger und DeNisi (1996) haben 607 Effektstärken aus 23 663 Beobachtungen zusammengefasst — im Mittel verbessert Rückmeldung die Leistung (d = 0,41), aber in **über einem Drittel** der Fälle verschlechtert sie sie. Der Unterschied liegt laut ihrer Feedback-Intervention-Theorie daran, worauf die Aufmerksamkeit springt — auf die *Aufgabe* oder auf die *eigene Person*. Je näher an der Person, desto schlechter das Ergebnis. Genau darum sind die beiden häufigen Antworten die schädlichen — „Ich hatte aber nur zwei Tage" (verteidigt die Person) und „Ich kann das einfach nicht" (verurteilt sie) — und beide löschen dieselbe Information. Die Nachfrage zieht die Aufmerksamkeit auf die Sache zurück. Dazu gehört die unbequeme Hälfte, ohne die daraus Unterwerfung wird: Manche Kritik ist einfach falsch — sie meint die falsche Person, die falsche Stelle oder ein Missverständnis. Nachfragen ist auch der Weg, das herauszufinden, und Annehmen heißt nicht Zustimmen, sondern erst einmal Verstehen. Das Ziel ist die Rubrik-Stufe „fragt nach, was genau gemeint war, trennt die Sache von der eigenen Person und ändert etwas daran"; gebraucht wird der Zug in der Minute nach dem Übungsgespräch in `session.miteinander.bewerbungsgespraech` und im Praktikum, wo die erste Rückmeldung der Anleitung kommt.

Können & Üben

Kritik annehmen

Wehrt ab, rechtfertigt sofort oder bricht ein.

Hört es an, braucht danach aber Zeit oder Zuspruch, um damit etwas anzufangen.

Fragt nach, was genau gemeint war, trennt die Sache von der eigenen Person und ändert etwas daran.

Vorstellungsgespräch mit einer fremden Person

workshop

90 min · yearly

besprechungsraum

Eine erwachsene Person, die die Jugendlichen NICHT kennt — ein Elternteil aus einer anderen Klasse, jemand aus einem Betrieb, eine Person aus der Nachbarschaft. Das ist die Bedingung, nicht ein Bonus. Ablauf: Jede und jeder führt ein Gespräch von acht Minuten, die anderen sehen zu und schreiben mit — aber nur Beobachtbares (was gesagt wurde, wie lange die Pause war), keine Urteile. Die drei Fragen, die immer kommen und auf die vorbereitet wird: Warum gerade dieser Betrieb? Was haben Sie schon mal gemacht, das damit zu tun hat? Was wollen Sie hier lernen? Plus die eine, die selbst gestellt werden muss — wer nichts fragt, hat sich nicht vorbereitet. Rückmeldung sofort nach jedem Gespräch, und in dieser Reihenfolge: zuerst die externe Person (eine Sache, die getragen hat, eine, die sie irritiert hat), dann die Selbsteinschätzung, dann die Gruppe. Die Umkehrung — Gruppe zuerst — macht aus der Rückmeldung eine Abstimmung. Das eigentliche Übungsziel ist nicht das Gespräch, sondern die Minute danach: Kritik von einer fremden Person annehmen, ohne sie sofort zu erklären. Wer rechtfertigt, wird einmal unterbrochen und gebeten, zuerst nachzufragen, was genau gemeint war.

peer

3–8

Leicht
Wahr / Falsch #1 18s â–¶ Testen

Frau Haslinger sagt zu Sude — „An deiner Zeichnung stimmt etwas nicht." Sude fragt — „Welches Maß meinen Sie?" Damit weiß Sude hinterher, was sie ändern soll.

âś“ Wahr
Ja — aus einem Urteil wird ein Maß, das man nachmessen kann. Genau dafür ist die Nachfrage da, und sie ist auch dann erlaubt, wenn die Kritik unangenehm war.
Wahr / Falsch #2 18s â–¶ Testen

Frau Wimmer sagt — „Das war zu leise." Amaru antwortet — „Ich bin halt so." Damit weiß Amaru, was er beim nächsten Mal anders macht.

âś“ Falsch
Nein — „ich bin halt so" macht aus einer Beobachtung über eine Minute eine Aussage über den ganzen Menschen. Danach gibt es nichts mehr zu ändern.
Mittel
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

Herr Kunz sagt zu Rieke — „Dein Bericht ist unvollständig." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?

  • â—Ź „Welcher Teil fehlt Ihnen denn?"
  • â—‹ „Ich hatte aber nur zwei Tage Zeit dafĂĽr."
  • â—‹ „Ich kriege sowas einfach nicht hin."
Nur die Frage bringt Rieke die Stelle, an der sie etwas ändern kann. Die zweite Antwort verteidigt Rieke, die dritte verurteilt sie — beide lassen den Bericht, wie er ist.
Multiple Choice #2 22s â–¶ Testen

Frau Wimmer sagt zu Anton — „Dein Vortrag war zu schnell." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?

  • â—Ź „An welcher Stelle sind Sie nicht mehr mitgekommen?"
  • â—‹ „Wir hatten doch nur fĂĽnf Minuten."
  • â—‹ „Ich bin halt kein guter Redner."
Mit der Stelle kann Anton beim nächsten Mal genau dort langsamer werden. Die Zeitbeschränkung und der Satz über sich selbst ändern am Vortrag nichts.
Multiple Choice #3 22s â–¶ Testen

Die Anleiterin sagt zu Mira im Praktikum — „So kann man das Regal nicht einräumen." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?

  • â—Ź „Wie soll es stattdessen aussehen?"
  • â—‹ „Das hat mir aber jemand anderes so gezeigt."
  • â—‹ „Dann mache ich lieber gar nichts mehr."
Mira braucht das Zielbild, nicht die Schuldfrage. Wer erklärt, wer es gesagt hat, oder ganz aufhört, steht in fünf Minuten vor demselben Regal.
Multiple Choice #4 22s â–¶ Testen

Herr Lindner sagt zu Selim — „Deine Mail an die Firma war unhöflich." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?

  • â—Ź „Welche Stelle hat so geklungen?"
  • â—‹ „Ich habe extra dreimal bitte geschrieben."
  • â—‹ „Dann schreiben Sie sie doch selbst."
Erst die Stelle macht aus „unhöflich" etwas Änderbares. Die Aufzählung der eigenen Mühe und der Gegenangriff beenden das Gespräch, bevor Selim es erfährt.
Multiple Choice #5 22s â–¶ Testen

Frau Sorge sagt zu Paulina — „Bei der Kasse warst du zu langsam." Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?

  • â—Ź „Woran haben Sie das gemerkt?"
  • â—‹ „Es war halt total viel los heute."
  • â—‹ „Ich bin einfach zu blöd fĂĽr die Kasse."
Die Frage holt die Beobachtung dahinter — vielleicht die Schlange, vielleicht das Suchen nach den Tüten. Erst dann weiß Paulina, was sie üben muss.
Multiple Choice #6 22s â–¶ Testen

Greta bekommt eine RĂĽckmeldung zu ihrem Praktikumsbericht. Welcher Satz sagt etwas ĂĽber die Arbeit und nicht ĂĽber Greta?

  • â—Ź „Auf Seite 4 stehen andere Zahlen als in der Tabelle."
  • â—‹ „Du bist einfach unordentlich."
  • â—‹ „So schlampig kenne ich dich gar nicht."
Der erste Satz zeigt auf eine Seite; man kann hingehen und nachschauen. Die beiden anderen sprechen über Gretas Charakter — daran lässt sich heute nichts ändern.
Multiple Choice #7 22s â–¶ Testen

Fenja bekommt eine Rückmeldung zu ihrer Präsentation. Welcher Satz sagt etwas über die Arbeit und nicht über Fenja?

  • â—Ź „Auf den letzten drei Folien stand zu viel Text zum Mitlesen."
  • â—‹ „Du machst dir eben nie richtig MĂĽhe damit."
  • â—‹ „Von dir hätte ich ehrlich gesagt mehr erwartet."
Folien kann Fenja heute Abend ändern. „Nie" und „von dir" reden über die Person und geben ihr nichts in die Hand.
Multiple Choice #8 22s â–¶ Testen

Bastian bekommt eine RĂĽckmeldung zu seinem Kassendienst am Schulfest. Welcher Satz sagt etwas ĂĽber die Arbeit und nicht ĂĽber Bastian?

  • â—Ź „Das Wechselgeld hat am Schluss zwölf Euro nicht gestimmt."
  • â—‹ „Auf dich kann man sich einfach nicht verlassen."
  • â—‹ „Du bist zu unkonzentriert fĂĽr sowas."
Eine Zahl kann man nachrechnen und beim nächsten Mal anders machen. Die beiden anderen Sätze sind Urteile über Bastian, aus denen keine nächste Handlung folgt.
Wahr / Falsch #9 20s â–¶ Testen

Frau Öztürk sagt zu Kian — „Du hast den Kassenbon von Dienstag nicht abgeheftet." Kian fragt — „In welchem Ordner haben Sie geschaut?" Frau Öztürk sieht noch einmal nach und sagt — „Entschuldige, er ist da, ich hatte im falschen Ordner gesucht." Kians Nachfrage hat hier den Fehler gefunden.

âś“ Wahr
Ja — Nachfragen ist nicht Nachgeben. Es ist auch der einzige Weg, eine Kritik zu prüfen, die gar nicht stimmt.
Wahr / Falsch #10 18s â–¶ Testen

Levin sagt nach der Kritik nichts weiter und legt am nächsten Tag genau die eine Stelle geändert vor. Levin hat die Kritik angenommen.

âś“ Wahr
Ja — angenommen ist sie an der geänderten Stelle, nicht an einem Satz. Wer nur „ja, stimmt" sagt und nichts ändert, hat sie nur weggehört.
Wahr / Falsch #11 20s â–¶ Testen

Der Anleiter sagt zu Paulina — „Das dauert zu lang." Paulina erklärt zwei Minuten lang, warum die Maschine so alt ist. Danach weiß sie, was sie schneller machen soll.

âś“ Falsch
Nein — die Erklärung war vielleicht sogar richtig, aber sie kam vor der Frage. „Woran liegt es Ihrer Meinung nach?" hätte zuerst die Stelle geklärt.
Schwer
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Herr Baumeister sagt zu Ilyas — „Du hast am Montag gefehlt, ohne Bescheid zu geben." Ilyas war da. Welche Antwort bringt heraus, was genau gemeint ist?

  • â—Ź „Am Montag war ich in der Werkstatt — kann es sein, dass Sie jemand anderen meinen?"
  • â—‹ „Das stimmt einfach nicht, ich war da."
  • â—‹ „Tut mir leid, das mache ich nie wieder."
Auch eine falsche Kritik klärt man mit einer Frage — hier findet Ilyas die Verwechslung. Widersprechen macht daraus ein Duell, und Zustimmen macht ihn zu dem, der gefehlt hat.