Geschwindigkeitsfilter und Massenspektrometer

Velocity Filter and Mass Spectrometer

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
MassenspektrometerLorentzkraftKerncurriculum

Im Wien-Filter passieren nur die Teilchen, bei denen elektrische Kraft und Lorentzkraft im Gleichgewicht stehen: Aus qE = qvB folgt v = E/B, unabhängig von Ladung und Masse, weil sich q herauskürzt. Ein zweites, dahinterliegendes Magnetfeld zwingt die Teilchen auf Kreisbahnen mit m = qBr/v, also m ∝ r. So trennt das Massenspektrometer Isotope eines Elements (gleiche Protonen-, verschiedene Neutronenzahl) und misst ihr natürliches Verhältnis. Beide Kraftgesetze wirken hier in einer Apparatur zusammen — die Vorlage für den Kaufmann-Versuch — und öffnen den Ausblick auf Isotopentrennung und C-14-Datierung.

Vorrechnen (1)

Beide Kraftgesetze dieses Kapitels — elektrisch und magnetisch — werden jetzt zu einem Messgerät verschraubt. Das Problem: Eine Ionenquelle liefert Teilchen mit den verschiedensten Geschwindigkeiten durcheinander, aber jede Präzisionsmessung braucht einen Strahl mit einer bekannten Geschwindigkeit. Die Idee: Man lässt zwei Kräfte gegeneinander antreten.

Zwischen den Platten eines Kondensators zeigt das elektrische Feld nach unten; quer dazu, in die Zeichenebene hinein, liegt ein Magnetfeld. Ein positives Teilchen fliegt von links ein. Überlege vor dem Applet: Die elektrische Kraft zieht es nach unten, die Lorentzkraft drückt es nach oben. Welche der beiden hängt von der Geschwindigkeit ab — und was heißt das für schnelle und langsame Teilchen?

Der Wien-Filter: E-Feld (cyan) nach unten, B-Feld (×) in die Ebene. Verändere v, E und B: Nur wenn die rote und die grüne Kraft gleich lang sind, bleibt die Bahn gerade und trifft den Spalt.

Nur die Lorentzkraft skaliert mit . Zu schnelle Teilchen werden nach oben gedrückt, zu langsame sinken nach unten — beide enden an der Blende. Geradeaus durch den Spalt kommt genau die Geschwindigkeit, bei der Kräftegleichgewicht herrscht:

Die Ladung kürzt sich heraus — und mit ihr auch die Masse, die in der Gleichung nie auftauchte. Der Wien-Filter sortiert also ausschließlich nach Geschwindigkeit: Hinter dem Spalt fliegt jedes Teilchen exakt mit , egal wie schwer oder wie hoch geladen es ist. Genau diese Gleichgültigkeit macht den Filter zur perfekten Vorstufe für eine Massenmessung.

Das Massenspektrometer: Masse wird Ort

Kurz zur Sache, die gemessen werden soll: Ein Nuklid ist eine Atomart mit fester Protonenzahl und Neutronenzahl . Isotope desselben Elements haben gleich viele Protonen, aber verschieden viele Neutronen — chemisch verhalten sie sich gleich, ihre Kernmassen unterscheiden sich. Chemie kann sie nicht trennen; die Lorentzkraft kann es.

Der Aufbau: Hinter dem Wien-Filter und der Blende wartet ein zweites, homogenes Magnetfeld . Dort wirkt nur noch die Lorentzkraft — die Ionen laufen Halbkreise mit . Alle haben dasselbe und dieselbe Ladung. Sag voraus: Wo landet das schwerere Isotop — weiter innen oder weiter außen?

Nach dem Wien-Filter (Kasten) laufen die Ionen im Analysierfeld B′ Halbkreise: Das leichte Isotop m₁ (cyan) landet näher am Spalt S, das schwerere m₂ (orange) weiter außen. Verändere m₂ und B′.

Weiter außen: wächst proportional zur Masse. Mit aus dem Filter wird der Auftreffort zum direkten Massenmesser:

Alles vor ist eine Gerätekonstante. Der Abstand des Einschlagpunkts vom Spalt beträgt , zwei Isotope trennt also — im Applet siehst du, wie ein stärkeres beide Halbkreise enger zieht und die Trennung verkleinert. Reale Geräte trennen so Neon-20 von Neon-22 um etwa einen Zentimeter und messen aus den Zählraten das natürliche Isotopenverhältnis eines Elements.

Zwei Dinge nimmst du mit. Erstens das Muster: Der Wien-Filter präpariert (, ladungs- und massenblind), das Analysierfeld sortiert (). Zweitens die Vorlage: Exakt mit dieser Anordnung — Geschwindigkeitsfilter plus Ablenkfeld — haben Kaufmann und Bucherer vermessen, wie sich schneller Elektronen mit der Geschwindigkeit ändert. Das Ergebnis erschütterte die klassische Mechanik; es wartet im Thema „Relativistische Masse und Energie".

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Unter welcher Bedingung durchquert ein geladenes Teilchen den Wien-Filter unabgelenkt?

  • ● Wenn elektrische Kraft und Lorentzkraft gleich groß und entgegengesetzt sind (qE = qvB)
  • ○ Wenn das Teilchen keine Ladung trägt
  • ○ Wenn die elektrische Kraft doppelt so groß wie die Lorentzkraft ist
  • ○ Wenn das Teilchen langsamer als alle anderen ist
Im Wien-Filter stehen elektrisches und magnetisches Feld senkrecht zueinander. Nur wenn sich beide Kräfte aufheben, fliegt das Teilchen geradeaus durch die Blende — das ist genau bei v = E/B der Fall.
Multiple Choice #2 20s ▶ Testen

Worin unterscheiden sich zwei Isotope desselben Elements?

  • ● In der Neutronenzahl und damit in der Kernmasse
  • ○ In der Protonenzahl und damit in der chemischen Reaktivität
  • ○ In der Ladung ihrer ElektronenhĂźlle
  • ○ In der Anzahl der Elektronen bei neutralem Atom
Isotope haben gleiche Protonenzahl (Kernladungszahl) und verhalten sich chemisch gleich. Nur ihre Massen unterscheiden sich — chemisch sind sie deshalb nicht trennbar, physikalisch über die Kreisbahn schon.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Im Massenspektrometer gilt m ∝ r — ein doppelt so schweres Ion gleicher Ladung und Geschwindigkeit läuft auf einem Kreis mit doppeltem Radius.

✓ Wahr
Aus m = qBr/v folgt bei festen q, B und v die Proportionalität von Masse und Radius. Der Geschwindigkeitsfilter davor stellt sicher, dass wirklich alle Ionen dieselbe Geschwindigkeit haben.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Wozu dienen Massenspektrometer?

  • ● Zur Trennung von Isotopen und zur Ermittlung des natĂźrlichen Isotopenverhältnisses
  • ○ Zur Beschleunigung von Ionen auf hohe Energien
  • ○ Zur Messung der Stärke unbekannter Magnetfelder
  • ○ Zur Erzeugung freier Elektronen aus Metallen
Da Isotope chemisch nicht unterscheidbar sind, trennt man sie ßber ihre Masse. Aus den Auftrefforten auf der Fotoplatte liest man ab, welche Isotope ein Element enthält und in welchem Mischungsverhältnis.
Wahr / Falsch #5 20s ▶ Testen

Im Wien-Filter verlaufen elektrisches Feld und Magnetfeld parallel zueinander.

✓ Falsch
Falsch! Die beiden Felder stehen senkrecht aufeinander (gekreuzte Felder), und beide senkrecht zur Flugrichtung. Nur so kĂśnnen sich elektrische Kraft und Lorentzkraft entgegengesetzt gegenĂźberstehen.
Lückentext #6 15s ▶ Testen

Im Wien-Filter herrscht fĂźr die durchgelassenen Teilchen ein ___ zwischen elektrischer Kraft und Lorentzkraft.

✓ Antwort: Kräftegleichgewicht
Beide Kräfte sind gleich groß und entgegengesetzt gerichtet, die Resultierende ist null. Das Teilchen fliegt geradlinig und gleichförmig durch den Filter.
Mittel
Zahleneingabe #1 40s ▶ Testen

In einem Wien-Filter herrschen die Feldstärke E = 3,0¡10⁴ V/m und die Flussdichte B = 0,1 T. Mit welcher Geschwindigkeit passieren Teilchen den Filter unabgelenkt? (v = E/B, Antwort in 10⁾ m/s)

✓ Antwort: 3
v = E/B = 3,0¡10⁴ / 0,1 = 3,0¡10⁾ m/s. Alle schnelleren oder langsameren Teilchen werden abgelenkt und von der Blende aufgefangen.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Die Durchlassgeschwindigkeit v = E/B des Wien-Filters ist unabhängig von Ladung und Masse des Teilchens.

✓ Wahr
In der Gleichgewichtsbedingung qE = qvB kürzt sich die Ladung heraus, und die Masse kommt gar nicht vor. Der Filter sortiert also wirklich nur nach Geschwindigkeit — deshalb funktioniert er für alle Ionensorten gleichzeitig.
Multiple Choice #3 25s ▶ Testen

Ein Teilchen fliegt schneller als v = E/B in den Wien-Filter. Was passiert?

  • ● Die Lorentzkraft Ăźberwiegt und lenkt das Teilchen zu ihrer Seite hin ab
  • ○ Die elektrische Kraft Ăźberwiegt und beschleunigt das Teilchen weiter
  • ○ Beide Kräfte verschwinden bei hoher Geschwindigkeit
  • ○ Das Teilchen fliegt trotzdem geradeaus, nur schneller
Die Lorentzkraft qvB wächst mit der Geschwindigkeit, die elektrische Kraft qE nicht. Bei v > E/B kippt das Gleichgewicht zugunsten der magnetischen Kraft — das Teilchen wird in Richtung der Lorentzkraft, also weg von der Seite der elektrischen Kraft, abgelenkt und verfehlt die Blende. Zu langsame Teilchen weichen zur anderen Seite aus.
Lückentext #4 15s ▶ Testen

Eine Atomart mit bestimmter Protonenzahl Z und Neutronenzahl N nennt man ein ___.

✓ Antwort: Nuklid
Nuklide mit gleicher Protonen-, aber verschiedener Neutronenzahl heißen Isotope. Sie verhalten sich chemisch gleich, haben aber verschiedene Kernmassen — genau daran trennt sie das Massenspektrometer.
Zahleneingabe #5 60s ▶ Testen

Ein einfach geladenes Ion (q = 1,6¡10⁝š⁚ C) verlässt den Geschwindigkeitsfilter mit v = 1,0¡10⁾ m/s und läuft im Magnetfeld B = 0,5 T auf einem Kreis mit r = 0,2 m. Berechne seine Masse m = qBr/v. (Antwort in 10⁝²⁾ kg)

✓ Antwort: 1.6
m = qBr/v = 1,6·10⁻¹⁹ · 0,5 · 0,2 / 10⁵ = 1,6·10⁻²⁵ kg. Aus dem gemessenen Radius folgt direkt die Teilchenmasse — das ist das Messprinzip des Massenspektrometers.
Zahleneingabe #6 40s ▶ Testen

Zwei einfach geladene Neon-Ionen (Massenzahlen 20 und 22) verlassen denselben Geschwindigkeitsfilter und laufen im selben Magnetfeld. Neon-20 hat den Bahnradius 10 cm. Welchen Radius hat Neon-22? (Antwort in cm)

✓ Antwort: 11
Wegen m ∝ r verhalten sich die Radien wie die Massen, also r₂₂ = 10 cm · 22/20 = 11 cm. Der eine Zentimeter Unterschied trennt die beiden Isotope auf der Fotoplatte sauber.
Multiple Choice #7 25s ▶ Testen

In welcher Reihenfolge durchlaufen die Teilchen ein Massenspektrometer?

  • ● Ionisieren, beschleunigen, Geschwindigkeitsfilter, Kreisbahn im Magnetfeld
  • ○ Kreisbahn im Magnetfeld, Geschwindigkeitsfilter, beschleunigen, ionisieren
  • ○ Beschleunigen, ionisieren, Kreisbahn, Geschwindigkeitsfilter
  • ○ Geschwindigkeitsfilter, ionisieren, Kreisbahn, beschleunigen
Erst werden die Atome ionisiert und elektrisch beschleunigt. Der Wien-Filter lässt dann eine einzige Geschwindigkeit passieren, damit im letzten Magnetfeld allein die Masse den Radius bestimmt.