Kreisbahn im Magnetfeld

Circular Motion in a Magnetic Field

Physik Klasse 12 14 Aufgaben
LorentzkraftMagnetfeldBewegungKerncurriculum

Weil die Lorentzkraft stets senkrecht auf v steht, verrichtet sie keine Arbeit: |v| bleibt konstant, nur die Richtung Ă€ndert sich, und ein Elektron im homogenen Magnetfeld lĂ€uft auf einer Kreisbahn — magnetische KrĂ€fte machen Teilchen nicht schneller (die im CSEM, Maloney et al. 2001, dokumentierte Erwartung). Aus Lorentzkraft = Zentripetalkraft folgt r = mv/(qB); schnellere Elektronen ziehen trotz grĂ¶ĂŸerer Kraft grĂ¶ĂŸere Kreise (F_Z ∝ vÂČ), und die Umlaufdauer T = 2πm/(qB) ist geschwindigkeitsunabhĂ€ngig. Über e/m = 2U/(BÂČrÂČ) lĂ€sst sich die spezifische Elektronenladung bestimmen (Literaturwert 1,76·10ÂčÂč C/kg); bei schrĂ€gem Einschuss entsteht eine Schraubenbahn (Polarlichter). TrĂ€gt Massenspektrometer, Zyklotron und den Kaufmann-Versuch.

Können & Üben

Fadenstrahl-Werkstatt — Elektronen auf Bahnen

workshop

90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren; die Gruppen rotieren nach etwa 20 Minuten. Sicherheitsblock vorab, fĂŒr alle Stationen verbindlich: Hochspannung! Alle Röhren laufen mit mehreren hundert Volt — verkabelt und eingeschaltet wird ausschließlich von der Lehrkraft bzw. nach ihrer Freigabe; Umbauten nur im spannungsfreien Zustand, Glaskolben nie berĂŒhren, im abgedunkelten Raum Taschen und Kabel aus den Laufwegen. Station 1 — Elektronenkanone und LĂ€ngsfeld. Vermuten: Was macht eine höhere Beschleunigungsspannung mit dem Leuchtfleck? Beobachten: Der Fleck auf dem Schirm wird schĂ€rfer und heller; die Elektronen gewinnen im LĂ€ngsfeld kinetische Energie. ErklĂ€ren: e·U = œ·m·vÂČ â€” die Spannung stellt die Endgeschwindigkeit ein, nicht eine konstante Kraftdauer. Modellgrenze: Bei sehr hohen Spannungen mĂŒsste relativistisch gerechnet werden. Station 2 — Querfeld: die Parabel. Vermuten: Welche Bahnform entsteht, wenn der schnelle Strahl quer durch das Feld eines Plattenpaars fliegt — Kreis, Knick oder Parabel? Beobachten: Auf dem Schirm der Ablenkröhre krĂŒmmt sich die Leuchtspur parabelförmig; mehr Plattenspannung krĂŒmmt stĂ€rker, mehr Beschleunigungsspannung streckt die Bahn. ErklĂ€ren: Wie beim waagrechten Wurf — konstante Querkraft plus konstante LĂ€ngsgeschwindigkeit ergibt eine Parabel. Modellgrenze: Das Feld ist nur zwischen den Platten homogen; am Rand franst es aus. Station 3 — Fadenstrahlrohr qualitativ: der Kreis. Vermuten — erst ansagen, dann drehen: Was macht mehr Spulenstrom (mehr B) mit dem leuchtenden Kreis, was macht mehr Beschleunigungsspannung U? Beobachten: Mehr B verkleinert den Kreis, mehr U vergrĂ¶ĂŸert ihn; die Spur bleibt stets ein geschlossener Kreis. ErklĂ€ren: Die Lorentzkraft steht immer senkrecht auf v, verrichtet keine Arbeit und wirkt als Zentripetalkraft — anders als das Querfeld in Station 2, das den Betrag von v Ă€ndert. Station 4 — e/m-Messreihe und Schraubenbahn. Nach dem Protokoll (protocol.physik.fadenstrahlrohr) eine r(U)-Messreihe bei festem B aufnehmen, e/m = 2U/(BÂČrÂČ) berechnen, Mittelwert bilden und mit dem Literaturwert 1,76 · 10ÂčÂč C/kg vergleichen. Zum Abschluss das Rohr in seiner Halterung leicht drehen: Aus dem Kreis wird eine Schraubenlinie. ErklĂ€ren: Nur die Geschwindigkeitskomponente senkrecht zu B wird auf die Kreisbahn gezwungen, die Parallelkomponente lĂ€uft ungestört weiter — dieselbe Bahnform wie beim Sonnenwind entlang der Erdfeldlinien (Polarlicht). Vorbereitung oder Nachbereitung: der Polarlicht-Artikel in der App. Modellgrenze: Das B-Feld des Helmholtz-Paars ist nur im Zentrum ausreichend homogen; große Kreise verlassen diesen Bereich und verfĂ€lschen e/m. Abschluss in der Runde: LĂ€ngsfeld beschleunigt, Querfeld lenkt parabelig ab, Magnetfeld zwingt auf Kreis oder Schraube — welche Bahn gehört zu welchem Feld, und woran erkennt man den Unterschied im Energieumsatz?

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Vorrechnen (1)

Im Fadenstrahlrohr wird die Kreisbahn zum ersten Mal sichtbar: In einem Glaskolben mit verdĂŒnntem Gas beschleunigt eine Elektronenkanone die Elektronen mit ; senkrecht zu den Feldlinien eines Helmholtz-Spulenpaares treten sie ins homogene Magnetfeld ein. Entlang der Bahn regen sie Gasatome zum Leuchten an — die Bahn erscheint als feiner Leuchtfaden, und man kann ihren Radius mit Messmarken ablesen.

Warum ein Kreis? Die Lorentzkraft steht in jedem Augenblick senkrecht auf . Sie verrichtet deshalb keine Arbeit: bleibt konstant, nur die Richtung dreht sich — eine Kraft konstanten Betrags, immer quer, erzwingt einen Kreis. Bevor du am Applet drehst, zwei Vorhersagen: Was macht der Radius, wenn du erhöhst? Und was, wenn du die Elektronen mit höherem schneller machst?

Das Fadenstrahlrohr mit echten Zahlen: Die Punkte ‱ zeigen B aus der Ebene heraus. Ziehe das Elektron e⁻ um den Kreis, verĂ€ndere U_B und B — und behalte die e/m-Anzeige im Auge.

Beobachtung eins: StĂ€rkeres , engerer Kreis. Beobachtung zwei — die Überraschung aus dem Polarlicht-Artikel, jetzt in Zahlen: Schnellere Elektronen ziehen grĂ¶ĂŸere Kreise, obwohl die Kraft mit wĂ€chst. Die Rechnung dahinter ist zwei Zeilen lang. Die Lorentzkraft ist die Zentripetalkraft:

Links wĂ€chst die Kraft nur linear mit , rechts der Bedarf quadratisch — also bleibt ein Faktor im ZĂ€hler ĂŒbrig: Schnelle Teilchen fliegen auf weiteren Kreisen.

Aus folgt nebenbei ein Satz, der spÀter das Zyklotron trÀgt. Die Umlaufdauer ist

— kĂŒrzt sich heraus. Schnelle Teilchen laufen grĂ¶ĂŸere Kreise, brauchen aber exakt gleich lange fĂŒr eine Runde. Merk dir das; wir kommen darauf zurĂŒck.

Die Waage fĂŒr das UnwĂ€gbare: e/m

Jetzt wird das Fadenstrahlrohr zum Messinstrument. Im Applet stehen drei messbare GrĂ¶ĂŸen: (eingestellt), (aus dem Spulenstrom) und (abgelesen). Kombiniere mit dem Energieansatz aus dem LĂ€ngsfeld, und fĂ€llt heraus:

Genau das zeigt die orange Anzeige im Applet: Egal wie du und verstellst — Radius und Geschwindigkeit Ă€ndern sich, aber bleibt bei stehen. Diese spezifische Ladung ist ein Fingerabdruck des Elektrons (Literaturwert ). Zusammen mit der Elementarladung aus dem Millikan-Versuch liefert sie die Elektronenmasse: — gewogen mit einem Leuchtfaden.

SchrÀger Einschuss: die Schraubenbahn

Bisher trat der Strahl exakt senkrecht ein. Was passiert bei einem Einschusswinkel zwischen Feldlinie und Geschwindigkeit? Zerlege : Die Komponente lĂ€ngs der Linie spĂŒrt keine Kraft und driftet gleichförmig; die Komponente quer dazu lĂ€uft den Kreis mit . Beides zusammen ergibt eine Schraubenbahn um die Feldlinie:

VerÀndere den Einschusswinkel α: Bei 90° bleibt der reine Kreis (von der Seite ein Auf und Ab), bei kleinen Winkeln zieht die Drift die Windungen zur gestreckten Schraube auseinander.

Schiebe einmal von 90° bis fast 0°: Kreis und Gerade sind nur die GrenzfĂ€lle derselben Bahn. Genau auf solchen Schraubenbahnen spiralen Sonnenwind-Teilchen die Erdfeldlinien entlang zu den Polen — das Polarlicht aus dem Auftakt-Artikel. Und die Anwendungen der quantitativen Formeln warten schon: Massenspektrometer und Zyklotron sortieren und beschleunigen Teilchen mit nichts als und .

Materialien (1)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrĂŒckt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Ein Elektron lÀuft im Magnetfeld gegen den Uhrzeigersinn auf einem Kreis. Im obersten Punkt der Bahn fliegt es gerade nach links. Wohin zeigt dort die Kraft auf das Elektron?

  • ○ Nach links
  • ● Nach unten
  • ○ Nach oben
Die Lorentzkraft steht immer senkrecht zur Bewegungsrichtung und zeigt zum Kreismittelpunkt – im obersten Punkt also nach unten. Sie wirkt als Zentripetalkraft: Sie Ă€ndert nur die Richtung, nicht den Betrag der Geschwindigkeit, und erzwingt so die Kreisbahn. Eine Kraft in Flugrichtung ist nicht nötig, um das Elektron in Bewegung zu halten, und eine nach außen ziehende Kraft gibt es nicht.
LĂŒckentext #2 15s ▶ Testen

Auf der Kreisbahn ĂŒbernimmt die Lorentzkraft die Rolle der ___.

✓ Antwort: Zentripetalkraft
Der Kraftansatz Lorentzkraft = Zentripetalkraft, also qvB = mvÂČ/r, liefert die Radiusformel r = mv/(qB).
Wahr / Falsch #3 15s ▶ Testen

Bewegt sich ein Elektron parallel zu den Magnetfeldlinien, so wirkt keine Lorentzkraft und es fliegt geradlinig weiter.

✓ Wahr
Die Lorentzkraft wirkt nur auf die Geschwindigkeitskomponente senkrecht zum Feld. Bei paralleler Bewegung ist diese Komponente null — die Bahn bleibt unbeeinflusst.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Die Flussdichte B des Magnetfelds im Fadenstrahlrohr wird verdoppelt, alles andere bleibt gleich. Wie Àndert sich der Bahnradius?

  • ● Er halbiert sich
  • ○ Er verdoppelt sich
  • ○ Er bleibt gleich
  • ○ Er viertelt sich
In r = mv/(qB) steht B im Nenner. Ein stĂ€rkeres Feld liefert bei gleicher Geschwindigkeit eine grĂ¶ĂŸere Lorentzkraft und zwingt das Elektron auf einen engeren Kreis.
Mittel
Wahr / Falsch #1 20s ▶ Testen

Die Lorentzkraft verrichtet an dem Elektron auf seiner Kreisbahn Arbeit und macht es dadurch immer schneller.

✓ Falsch
Falsch — eine verbreitete Fehlvorstellung! Da F_L stets senkrecht auf dem Weg steht, verrichtet sie keine Arbeit: Die kinetische Energie und damit |v| bleiben konstant. Die Lorentzkraft Ă€ndert nur die Richtung der Geschwindigkeit.
Zahleneingabe #2 60s ▶ Testen

Ein Teilchen mit q = 1,6·10⁻Âčâč C und m = 3,2·10⁻ÂČ⁶ kg bewegt sich mit v = 1,0·10⁔ m/s senkrecht zu einem Magnetfeld mit B = 0,1 T. Berechne den Radius seiner Kreisbahn r = mv/(qB). (Antwort in m)

✓ Antwort: 0.2
r = mv/(qB) = 3,2·10⁻ÂČ⁶ · 1,0·10⁔ / (1,6·10⁻Âčâč · 0,1) = 3,2·10⁻ÂČÂč / 1,6·10⁻ÂČ⁰ = 0,2 m. Schwerere oder schnellere Teilchen ziehen grĂ¶ĂŸere Kreise.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Die Umlaufdauer T = 2πm/(qB) eines geladenen Teilchens im homogenen Magnetfeld ist unabhĂ€ngig von seiner Geschwindigkeit.

✓ Wahr
Schnellere Teilchen laufen auf grĂ¶ĂŸeren Kreisen (r ∝ v), der lĂ€ngere Umfang gleicht die höhere Geschwindigkeit genau aus. Diese Eigenschaft macht das Zyklotron erst möglich.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Wie bestimmt man mit dem Fadenstrahlrohr die spezifische Ladung e/m des Elektrons?

  • ● Man misst bei bekannter Beschleunigungsspannung U und Flussdichte B den Radius r der Kreisbahn
  • ○ Man misst die Zeit, die ein Elektron fĂŒr einen Umlauf braucht
  • ○ Man wiegt das Restgas im Rohr vor und nach dem Versuch
  • ○ Man misst die Helligkeit des Leuchtfadens bei verschiedenen Spannungen
Aus r = mv/(eB) und eU = œmvÂČ folgt e/m = 2U/(BÂČrÂČ). Alle drei GrĂ¶ĂŸen U, B und r sind im Versuch messbar — der Kreis wird im Restgas als Leuchtspur sichtbar.
Multiple Choice #5 25s ▶ Testen

Ein Elektron tritt schrÀg (weder parallel noch senkrecht) in ein homogenes Magnetfeld ein. Welche Bahn ergibt sich?

  • ● Eine Schraubenbahn um die Feldlinien
  • ○ Eine Parabelbahn wie im elektrischen Querfeld
  • ○ Eine immer enger werdende Spirale
  • ○ Eine Ellipse in der Feldebene
Die Parallelkomponente von v bleibt unbeeinflusst, die Senkrechtkomponente erzwingt einen Kreis. Zusammen ergibt das eine Schraubenlinie — so bewegen sich die Sonnenwindteilchen im Erdmagnetfeld, die die Polarlichter auslösen.
LĂŒckentext #6 20s ▶ Testen

Die Kreisbahn von Elektronen im Magnetfeld macht man mit dem ___ sichtbar, in dem Restgasatome entlang der Bahn zum Leuchten angeregt werden.

✓ Antwort: Fadenstrahlrohr
Im Fadenstrahlrohr werden Elektronen zunÀchst elektrisch beschleunigt und treten dann in ein homogenes Magnetfeld ein. Der leuchtende Kreis erlaubt die Messung des Bahnradius und damit die Bestimmung von e/m.
Multiple Choice #7 20s ▶ Testen

Was gilt fĂŒr die kinetische Energie eines Elektrons, das im homogenen Magnetfeld eine volle Kreisbahn durchlĂ€uft?

  • ● Sie bleibt konstant, weil die Lorentzkraft keine Arbeit verrichtet
  • ○ Sie nimmt zu, weil stĂ€ndig eine Kraft auf das Elektron wirkt
  • ○ Sie nimmt ab, weil das Elektron gegen das Feld anlĂ€uft
  • ○ Sie schwankt periodisch zwischen Maximum und Minimum
Kraft senkrecht zum Weg bedeutet W = 0. Nur der elektrische Beschleunigungsteil einer Apparatur Ă€ndert die Energie — das Magnetfeld Ă€ndert allein die Richtung.
Wahr / Falsch #8 20s ▶ Testen

Ein schnelleres Elektron erfĂ€hrt eine grĂ¶ĂŸere Lorentzkraft und lĂ€uft deshalb im selben Magnetfeld auf einem kleineren Kreis.

✓ Falsch
Falsch! Wegen r = mv/(qB) wĂ€chst der Radius proportional zu v. Die grĂ¶ĂŸere Lorentzkraft reicht nicht aus, um die mit vÂČ wachsende Zentripetalkraft fĂŒr einen kleinen Kreis aufzubringen.
Schwer
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Ein Elektron erfĂ€hrt bei doppelter Geschwindigkeit die doppelte Lorentzkraft. Trotzdem wird sein Bahnradius dabei grĂ¶ĂŸer. Warum?

  • ● Die nötige Zentripetalkraft wĂ€chst mit vÂČ, die Lorentzkraft nur mit v
  • ○ Das Magnetfeld wird durch schnelle Elektronen geschwĂ€cht
  • ○ Die Masse des Elektrons nimmt bei doppelter Geschwindigkeit ab
  • ○ Die Lorentzkraft wirkt bei hohen Geschwindigkeiten nicht mehr senkrecht
FĂŒr eine Kreisbahn mit gleichem Radius brĂ€uchte man F_Z = mvÂČ/r, also das Vierfache. Die Lorentzkraft qvB verdoppelt sich nur — das Elektron weicht auf einen grĂ¶ĂŸeren Kreis aus, r = mv/(qB) ∝ v.
Zahleneingabe #2 60s ▶ Testen

Im Fadenstrahlrohr wird bei U = 220 V und B = 1,0 mT ein Kreisradius von r = 5,0 cm gemessen. Berechne e/m = 2U/(BÂČrÂČ). (Antwort in 10ÂčÂč C/kg)

✓ Antwort: 1.76
e/m = 2 · 220 / ((10⁻³)ÂČ Â· (0,05)ÂČ) = 440 / 2,5·10⁻âč = 1,76·10ÂčÂč C/kg. Das ist genau der Literaturwert der spezifischen Elektronenladung.