Newtonsche Ringe

Newton's Rings

Physik Klasse 12 8 Aufgaben
InterferenzWellenKerncurriculum

Eine schwach gekrĂŒmmte plankonvexe Linse auf einer Glasplatte erzeugt einen Luftkeil, dessen Dicke — anders als bei der ablaufenden Seifenhaut — an jedem Ort geometrisch festliegt und nur vom Abstand r zur BerĂŒhrstelle abhĂ€ngt. Die Höhenlinien gleicher Dicke sind deshalb Kreise, und die Interferenzfigur besteht aus konzentrischen Ringen (Newton) mit r_k ≈ √(kλR): nicht Ă€quidistant, nach außen zusammenrĂŒckend, im Zentrum der dunkle Phasensprung-Fleck. So verrĂ€t die Anordnung Abweichungen einer LinsenoberflĂ€che von der Sollform im Bruchteil einer WellenlĂ€nge — aus dem Zufallsschiller wird ein MessgerĂ€t. Die quantitative Auswertung ĂŒbernimmt der Folgetopic Interferenz an dĂŒnnen Schichten.

Können & Üben

Wellenoptik-Werkstatt — von der Wasserwelle zum Licht

workshop

90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Alles, was die Wasserwelle in der Wanne sichtbar vormacht — Elementarwellen, Beugung, Auslöschung —, tut Licht genauso, nur fĂŒnfzigtausendfach feiner. Station 1 — Wellenwanne: Huygens und Beugung. Vermuten: Was passiert mit einer geraden Wellenfront hinter einer engen Öffnung — lĂ€uft sie als schmaler Streifen weiter oder breitet sie sich aus? Beobachten: Im Stroboskoplicht friert das Wellenbild ein; hinter der weiten Öffnung lĂ€uft die Front fast geradlinig weiter, hinter der engen Öffnung entsteht eine Kreiswelle, die tief in den Schattenraum eindringt. Zwei Kreiswellen-Erreger zeichnen ein festes Streifenmuster aus VerstĂ€rkung und Auslöschung ins Wasser. ErklĂ€ren: Jeder Punkt einer Front ist Ausgangspunkt einer Elementarwelle — die enge Öffnung lĂ€sst nur eine davon ĂŒbrig (Huygens); wo sich zwei Wellen treffen, addieren sich die Auslenkungen (Interferenz). Modellgrenze: Die Wasserwelle ist ein Analogiemodell — sie zeigt die Geometrie, aber weder E-Feld noch TransversalitĂ€t. Sicherheitshinweis: Wasser von Netzteilen fernhalten, Spritzer sofort aufwischen. Station 2 — Polfilter-Parcours. Vermuten: Zwei gekreuzte Filter auf dem Projektor sperren das Licht — was Ă€ndert ein dritter Filter, der schrĂ€g dazwischen gelegt wird? Beobachten: Mit dem dritten Filter dazwischen wird das Feld wieder hell — obwohl ein Filter dazugekommen ist. Ein Geodreieck oder eine CD-HĂŒlle zwischen den gekreuzten Filtern zeigt schillernde Spannungsbilder, die sich beim Biegen live verĂ€ndern; durch das Zuckerlösungs-Röhrchen gedreht wandert die Sperrstellung des Analysators um einen messbaren Winkel. ErklĂ€ren: Jeder Filter lĂ€sst nur die E-Feld-Komponente lĂ€ngs seiner Durchlassrichtung passieren — der schrĂ€ge Mittelfilter erzeugt eine neue Schwingungsrichtung, von der der letzte Filter wieder eine Komponente durchlĂ€sst; doppelbrechende und optisch aktive Stoffe drehen die Schwingungsebene. Modellgrenze: Das Zeigerbild beschreibt nur die Richtung des E-Felds, nicht seine Entstehung im Material. Station 3 — Newtonsche Ringe und Seifenhaut. Vermuten: Die Linse liegt nur auf der Glasplatte — warum sollten da Ringe entstehen, und liegen sie gleich weit auseinander? Beobachten: Unter der Natriumlampe erscheinen scharfe Hell-Dunkel-Ringe, die nach außen enger zusammenrĂŒcken; im weißen Licht sind sie farbig gesĂ€umt. Die senkrecht gehaltene Seifenhaut im Drahtring zeigt waagrechte Farbstreifen, die nach unten wandern, oben wird sie kurz vor dem Platzen fast schwarz. ErklĂ€ren: An der Linsenunterseite und der Plattenoberseite entstehen zwei reflektierte Wellen; ihr Gangunterschied wĂ€chst mit dem Luftspalt, und Auslöschung bei 2d = k·λ liefert r = Wurzel(k·λ·R) — dieselbe Zwei-Reflexionen-Logik fĂ€rbt die Seifenhaut nach ihrer Dicke. Modellgrenze: Die NĂ€herung gilt nur fĂŒr fast senkrechten Lichteinfall und d klein gegen R. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Seifenblasen-Artikel in der App. Sicherheitshinweis: Glas nur am Rand anfassen, Seifenlösung vom Boden fernhalten. Station 4 — Spektroskop: sichtbar und unsichtbar. Vermuten: Zerlegt das Gitter das Licht der Hg-Lampe in denselben Regenbogen wie das der Halogenlampe? Und hört das Spektrum am roten Rand wirklich auf? Beobachten: Die Halogenlampe liefert ein kontinuierliches Band, die Hg-Lampe wenige scharfe Linien; jenseits des roten Endes schlĂ€gt die ThermosĂ€ule aus (IR), jenseits des violetten Endes leuchtet der Fluoreszenzschirm auf (UV). ErklĂ€ren: Jede Farbe ist eine WellenlĂ€nge, jedes Element sendet seinen Linien-Fingerabdruck, und das sichtbare Band ist nur ein Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums. Modellgrenze: Warum die Linien genau dort liegen, beantwortet erst die Quantenphysik der 13. Jahrgangsstufe. Sicherheitshinweis: Nicht direkt in Bogen- oder Hg-Lampe blicken, Lampen abkĂŒhlen lassen. Abschluss in der Runde: Die Kette schließen — die Wanne zeigt die Geometrie der Elementarwellen, die Filter beweisen die TransversalitĂ€t, Ringe und Seifenhaut rechnen mit dem Gangunterschied, das Spektroskop sortiert nach λ. Welche Beobachtung wĂ€re mit einem Teilchenstrom aus LichtkĂŒgelchen unerklĂ€rbar?

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4–16

Die Seifenblase ist ein wunderbares Experiment mit einem entscheidenden Makel: Ihre Dicke gehorcht niemandem. Die Lauge fließt, die BĂ€nder wandern, und in Minuten ist alles vorbei. Wer aus dem Schillern Wissenschaft machen will, braucht eine dĂŒnne Schicht, deren Dicke festliegt. Isaac Newton fand die denkbar einfachste: gar keine FlĂŒssigkeit, sondern Luft.

Lege eine schwach gekrĂŒmmte, plankonvexe Linse (KrĂŒmmungsradius von mehreren Metern) auf eine ebene Glasplatte. In der Mitte berĂŒhren sich beide; nach außen öffnet sich ein hauchfeiner Luftkeil. Seine Dicke an jedem Ort bestimmt nicht mehr die Schwerkraft, sondern die Geometrie: hĂ€ngt nur vom Abstand zur BerĂŒhrstelle ab. Die Höhenlinien gleicher Dicke — auf der Blase noch wandernde BĂ€nder — sind hier perfekte, stillstehende Kreise. Beleuchtet man die Anordnung von oben und schaut durch eine Lupe, erscheint die Interferenzfigur, die den RĂ€tseln dieser Einheit den formalen Rahmen gibt: konzentrische Ringe.

Die dunklen Ringe von oben (Achsen in mm). VerĂ€ndere den Linsenradius R und die WellenlĂ€nge λ — alle Ringe atmen mit. Vergleiche im Anzeigefeld r₂−r₁ mit r₆−r₅: Die Ringe rĂŒcken nach außen zusammen.

Zwei Merkmale springen ins Auge, und beide kennst du schon von der Blase:

  • Das Zentrum ist dunkel. Am BerĂŒhrpunkt ist — vom Gangunterschied bleibt nur der Phasensprung , destruktiv fĂŒr jede WellenlĂ€nge. Das ist exakt das schwarze Loch der Seifenblase, nur ortsfest und reproduzierbar.
  • Die Ringe sind nicht Ă€quidistant. Sie drĂ€ngen sich nach außen zusammen. Der Grund: Die Keildicke wĂ€chst quadratisch mit , gleiche Dickenschritte von zu werden also in immer schmalere -Streifen gepresst. Newton vermaß genau dieses ZusammenrĂŒcken; die Formel mit ihrer Wurzel aus — hergeleitet im Anschlusstopic — bestĂ€tigt es: Von Ring 1 zu Ring 4 verdoppelt sich der Radius bloß.

Warum das mehr ist als hĂŒbsche Geometrie: Die Anordnung ist ein MessgerĂ€t. Weil exakt bekannt ist, lĂ€sst sich die Auslöschungsbedingung umkehren — miss den Radius des ersten dunklen Rings, und liefert die WellenlĂ€nge des Lichts auf Nanometer genau, mit Lineal und Lupe. Und die Optik-Werkstatt dreht den Spieß noch einmal um: Legt sie eine frisch geschliffene Linse auf ein PrĂŒfglas, ist jede Abweichung der OberflĂ€che von der Sollform eine Störung der Keilgeometrie — die Ringe verbeulen sich dort sichtbar, schon bei Fehlern von Bruchteilen einer WellenlĂ€nge. Kein mechanisches Messwerkzeug kommt an diese Empfindlichkeit heran.

Damit ist der Bogen geschlagen: Zwei Reflexionen und ein Phasensprung malen Farben auf eine Blase; dieselbe Physik, in Glas gegossen, vermisst Licht und prĂŒft Linsen. Was noch fehlt, ist die saubere Herleitung — Höhensatz, Auslöschbedingung, — und die wichtigste Anwendung im Alltag: die Entspiegelung. Beides ĂŒbernimmt der nĂ€chste Topic.

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Statt der Linse legt man einen Glaszylinder quer auf die Glasplatte, er berĂŒhrt sie entlang einer Linie. Welche Interferenzfigur siehst du von oben?

  • ○ Konzentrische Ringe
  • ○ Gerade Streifen quer zur BerĂŒhrlinie
  • ● Gerade Streifen parallel zur BerĂŒhrlinie
Wie auf der Seifenblase sind die Interferenzstreifen Höhenlinien gleicher Schichtdicke. Beim Zylinder hĂ€ngt die Spaltdicke nur vom Abstand zur BerĂŒhrlinie ab — Linien gleicher Dicke sind Geraden parallel zu ihr. Bei der rotationssymmetrischen Linse hĂ€ngt sie nur vom Abstand r zum BerĂŒhrpunkt ab — deshalb dort Ringe.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Dass Glasplatte und Linse farbige Ringe zeigen, beweist, dass Glas und Seife farbige Stoffe enthalten.

✓ Falsch
Glas und Seifenlösung sind praktisch farblos — die Farben entstehen allein aus Schichtdicke, Gangunterschied und Auslöschung. Dieselbe Physik malt Ringe auf farbloses Glas, BĂ€nder auf die Blase und Schlieren auf den Ölfilm der PfĂŒtze.
Mittel
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Wie verteilen sich die dunklen Newtonschen Ringe (r_k ≈ √(kλR)) mit wachsendem k?

  • ● Sie rĂŒcken nach außen immer enger zusammen
  • ○ Sie behalten ĂŒberall den gleichen Abstand
  • ○ Ihr Abstand wĂ€chst nach außen immer weiter an
  • ○ Sie liegen nur innen, außen gibt es keine Ringe
Der Radius wĂ€chst nur mit der Wurzel aus k — von Ring 1 bis Ring 4 verdoppelt er sich lediglich. Der Grund ist die quadratisch anwachsende Keildicke d = rÂČ/(2R) — gleiche Dickenschritte kλ/2 werden nach außen in immer schmalere r-Streifen gepresst. Vergleiche im Applet r₂−r₁ mit r₆−r₅.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Im Zentrum der Newtonschen Ringe, wo sich Linse und Platte berĂŒhren, ist die Figur im reflektierten Licht hell.

✓ Falsch
Bei d = 0 bleibt vom Gangunterschied genau der Phasensprung λ/2 — destruktive Interferenz fĂŒr jede WellenlĂ€nge, wie beim schwarzen Loch der Seifenblase. Der dunkle Zentralfleck ist derselbe Effekt in kontrollierter Form.
Multiple Choice #3 30s ▶ Testen

Wie macht die Newton-Anordnung aus dem Schillern ein Messverfahren fĂŒr die WellenlĂ€nge?

  • ● Die Keildicke liegt geometrisch fest — aus dem gemessenen Ringradius r₁ und dem Linsenradius R folgt λ = r₁ÂČ/R
  • ○ Man zĂ€hlt einfach die Farben der Ringe
  • ○ Die Linse vergrĂ¶ĂŸert die WellenlĂ€nge bis zur Sichtbarkeit
  • ○ Man misst die Zeit, die das Licht im Spalt verbringt
Der entscheidende Fortschritt gegenĂŒber der Blase ist die kontrollierte, zeitlich stabile Dicke d = rÂČ/(2R). Damit wird aus der Auslöschbedingung 2d = kλ eine Messformel — Ringradius messen, λ ausrechnen.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Eine frisch geschliffene Linse liegt auf einem PrĂŒfglas; die Newtonschen Ringe sind an einer Stelle verbeult statt kreisrund. Was folgt daraus?

  • ● Die LinsenoberflĂ€che weicht dort von der Sollform ab — schon um Bruchteile einer WellenlĂ€nge
  • ○ Das Licht der Lampe war nicht hell genug
  • ○ Die Linse hat die falsche Brennweite
  • ○ Nichts — Ringe sind nie perfekt rund
Jeder Ring ist eine Höhenlinie der Spaltdicke. Eine Delle von einem Viertel der WellenlĂ€nge verschiebt die Auslöschbedingung lokal um einen halben Ring — das Ringbild macht Formfehler sichtbar, die kein Messschieber der Welt erfasst.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Man beleuchtet die Newton-Anordnung mit blauem statt mit rotem Licht. Was passiert mit den Ringen?

  • ● Sie rĂŒcken enger zusammen
  • ○ Sie rĂŒcken weiter auseinander
  • ○ Sie bleiben gleich, nur ihre Farbe Ă€ndert sich
r_k ≈ √(kλR): KĂŒrzere WellenlĂ€nge, kleinere Radien. Daraus lĂ€sst sich umgekehrt die WellenlĂ€nge bestimmen.
Wahr / Falsch #6 15s ▶ Testen

Mit einer Linse grĂ¶ĂŸeren KrĂŒmmungsradius R werden die Newtonschen Ringe grĂ¶ĂŸer.

✓ Wahr
r_k ≈ √(kλR) wĂ€chst mit R: Eine flachere Linse lĂ€sst den Luftspalt langsamer dicker werden, die Ringe liegen weiter außen.