Relativistische Masse und Energie

Relativistic Mass and Energy

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
RelativitätstheorieEinsteinKerncurriculum

Die träge Masse eines Körpers wächst mit seiner Geschwindigkeit: m(v) = γ·m₀ mit γ = 1/√(1−v²/c²). Kaufmann (1901) und Bucherer (1909) maßen an β-Strahlen, dass e/m mit der Geschwindigkeit sinkt — bei konstanter Ladung heißt das: die Masse nimmt zu; die relativistische Masse ist dabei eine Rechengröße, keine Substanzzunahme. Der Impuls wird p = γ·m₀·v, und E = mc² verknüpft Masse und Energie: Ruheenergie E₀ = m₀c² (Elektron: 511 keV), kinetische Energie E_kin = E − E₀. Ab etwa v > 0,1c ist relativistisch zu rechnen; c bleibt Grenzgeschwindigkeit — Stanford-Elektronen mit 20,5 GeV müssten klassisch 280c erreichen, gemessen wird ≈ c. Erklärt die Zyklotron-Grenze nach.

Am Ende des Beschleuniger-Themas blieb eine Störung zurück: Oberhalb von etwa 10 % der Lichtgeschwindigkeit geraten Zyklotron-Teilchen aus dem Takt. Dahinter steckt ein Befund, der sich in jedem Beschleuniger wiederholt: Trotz konstanter Kraft nimmt die Beschleunigung mit wachsender Geschwindigkeit immer weiter ab — als würde die Trägheit der Teilchen mit dem Tempo zunehmen.

Walter Kaufmann (1901) und Alfred Bucherer (1909) haben das vermessen — mit einer Apparatur, die du vollständig kennst. Ein β-Präparat liefert Elektronen aller Geschwindigkeiten in einen flachen Kondensator, den senkrecht ein Magnetfeld durchsetzt: Kondensator plus Magnetfeld wirken als Geschwindigkeitsfilter, nur Elektronen mit kommen radial heraus. Draußen wirkt nur noch das Magnetfeld: Aus dem Kreisbogenradius folgt . So bekommt man als Funktion von — Messpunkt für Messpunkt.

Das Ergebnis: sinkt mit steigender Geschwindigkeit. Die Ladung hängt nicht von der Geschwindigkeit ab — also muss die Masse wachsen. Bevor du die Kurve ansiehst, überlege: Wie müsste aussehen, wenn die Lichtgeschwindigkeit für ein massives Teilchen unerreichbar sein soll?

Ziehe den Marker die Kurve entlang: Einsteins Vorhersage m/m₀ = γ (blau) mit Bucherers Messpunkten von 1909 (rot). Die gestrichelte Wand bei v/c = 1 erreicht die Kurve nie — sie schmiegt sich senkrecht an.

Die Messpunkte liegen exakt auf der Kurve, die Einstein 1905 — vor Bucherers Messung — vorhergesagt hatte:

ist die Ruhemasse. Zwei Warnschilder gehören an diese Formel. Erstens: Die relativistische Masse ist ein rechnerisches Hilfsmittel — das Teilchen gewinnt keine Substanz, es wird nur immer schwerer zu beschleunigen. Zweitens: Weil bei über alle Grenzen wächst, ist die Lichtgeschwindigkeit eine Grenzgeschwindigkeit, die kein Körper erreicht — genau das zeigt die senkrechte Wand im Applet.

Aus der Masse wird Energie: Nach Einstein trägt ein Teilchen die Gesamtenergie

In Ruhe bleibt die Ruheenergie — für ein Elektron —, und was darüber liegt, ist kinetische Energie: . Die E_kin-Anzeige im Applet rechnet genau das für ein Elektron aus. Faustregel: Ab ist die klassische Formel verboten. Wie sehr, zeigt Stanford 1974: Elektronen mit — klassisch gerechnet wären das . Gemessen wurde, natürlich, knapp .

Warum? Die Lichtuhr

Dass Einstein diese Kurve vorhersagen konnte, liegt an zwei Postulaten von 1905: Die Naturgesetze haben in allen Inertialsystemen dieselbe Form — und Licht bewegt sich im Vakuum in jedem Inertialsystem mit demselben , egal wie sich die Quelle bewegt. Das zweite widerspricht dem Alltag: Geschwindigkeiten sollten sich doch addieren. Nimm beide Postulate ernst und baue die einfachste Uhr der Welt — einen Lichtblitz zwischen zwei Spiegeln, jede Ankunft ein „Tick":

Die ruhende Lichtuhr: Der Puls läuft die Strecke d senkrecht nach oben — ein Tick dauert Δt₀ = d/c. Schiebe t, um den Puls laufen zu lassen.

Jetzt lass dieselbe Uhr mit Geschwindigkeit nach rechts fliegen und schau von außen zu. Während der Puls steigt, wandert der obere Spiegel davon — sag voraus: Wird der Lichtweg länger oder kürzer? Und was bedeutet das für die Tickdauer, wenn das Licht trotzdem mit unterwegs ist?

Die bewegte Lichtuhr von außen: Schiebe v/c — der Lichtweg (rot) kippt zur Hypotenuse eines Dreiecks mit den Katheten d (cyan) und v·Δt_R (grün). Die Anzeige Δt_R/Δt₀ ist genau γ.

Der Weg wird zur Hypotenuse — länger als — und bei gleichem dauert der Tick von außen gesehen länger. Der Satz des Pythagoras macht daraus eine Formel:

Bewegte Uhren gehen langsamer — die Eigenzeit der Uhr ist die kürzeste. Dieselbe Wurzel verkürzt bewegte Längen (), und sie ist exakt der Kehrwert des aus der Massenkurve: Zeitdilatation, Längenkontraktion und Massenzunahme sind drei Gesichter derselben Geometrie. Dass das keine Gedankenspielerei ist, zeigen die Myonen der Höhenstrahlung: In 10 km Höhe erzeugt, dürften sie klassisch nur ~660 m weit kommen — dank erreichen sie den Boden. Und das Zyklotron? Sein Takt bricht bei , weil mitwächst — die Störung vom Anfang ist erklärt.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Was ergaben die Versuche von Kaufmann (1901) und Bucherer (1909) mit schnellen β-Elektronen in elektrischen und magnetischen Feldern?

  • ● Die spezifische Ladung e/m nimmt mit steigender Geschwindigkeit ab — die Elektronenmasse wächst also mit v
  • ○ Die Ladung der Elektronen nimmt mit der Geschwindigkeit zu
  • ○ Schnelle Elektronen werden gar nicht mehr abgelenkt
  • ○ Die Elektronenmasse nimmt mit steigender Geschwindigkeit ab
Da die Ladung e nicht von der Geschwindigkeit abhängt, muss die Masse mit v zunehmen. Einsteins Spezielle Relativitätstheorie von 1905 erklärte diese Messkurve vollständig.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Die relativistische Massenzunahme bedeutet, dass ein schnelles Elektron aus mehr Materie besteht als ein langsames.

✓ Falsch
Falsch! Die relativistische Masse ist ein rechnerisches Hilfsmittel und darf nicht mit einer Substanzzunahme verwechselt werden. Physikalisch wächst die Trägheit — das Teilchen lässt sich immer schwerer weiter beschleunigen.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Was besagt die Gleichung E = mc² fßr ein bewegtes Teilchen?

  • ● Die Gesamtenergie des Teilchens ist das Produkt aus seiner (relativistischen) Masse und c²
  • ○ Nur ruhende Teilchen besitzen Energie
  • ○ Die kinetische Energie ist immer gleich mc²
  • ○ Masse kann niemals in Energie umgewandelt werden
E = mc² verknüpft Masse und Gesamtenergie. Für ein ruhendes Teilchen wird daraus die Ruheenergie E₀ = m₀c², für ein bewegtes kommt die kinetische Energie E_kin = E − E₀ hinzu.
Wahr / Falsch #4 20s ▶ Testen

Als Faustregel gilt, dass man erst ab Geschwindigkeiten über 0,1c relativistisch rechnen muss — darunter ist die klassische Formel E_kin = ½mv² eine gute Näherung.

✓ Wahr
Bei v = 0,1c weicht γ erst um etwa 0,5 % von 1 ab. Genau diese Grenze markiert auch, ab wann das klassische Zyklotron aus dem Takt gerät.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Wie lautet der relativistische Impuls eines Teilchens mit Ruhemasse m₀ und Geschwindigkeit v?

  • ● p = Îłm₀v mit Îł = 1/√(1−v²/c²)
  • ○ p = m₀v fĂźr alle Geschwindigkeiten
  • ○ p = m₀c unabhängig von v
  • ○ p = m₀v²/2
An die Stelle des klassischen Impulses m₀v tritt p = γm₀v. Für v ≪ c ist γ ≈ 1 und die klassische Formel bleibt als Näherung gültig.
Wahr / Falsch #6 20s ▶ Testen

Mit genĂźgend Energie kann man ein Elektron auf Lichtgeschwindigkeit oder darĂźber hinaus beschleunigen.

✓ Falsch
Falsch! Für v → c wächst γ und damit die nötige Energie über alle Grenzen. Die Lichtgeschwindigkeit ist eine Grenzgeschwindigkeit, die kein massebehafteter Körper erreichen kann.
Mittel
Zahleneingabe #1 45s ▶ Testen

Berechne den Faktor γ = 1/√(1−v²/c²) für ein Teilchen mit v = 0,6c. (Antwort als Dezimalzahl)

✓ Antwort: 1.25
v²/c² = 0,36, also γ = 1/√(0,64) = 1/0,8 = 1,25. Bei 60 % der Lichtgeschwindigkeit ist die Masse schon um ein Viertel größer als die Ruhemasse.
Zahleneingabe #2 50s ▶ Testen

Berechne die Ruheenergie E₀ = m₀c² eines Elektrons. (m_e = 9,1·10⁻³¹ kg, c = 3,0·10⁸ m/s, Antwort in 10⁻¹⁴ J, zwei Dezimalstellen)

✓ Antwort: 8.19
E₀ = 9,1·10⁻³¹ · (3,0·10⁸)² = 9,1·10⁻³¹ · 9,0·10¹⁶ = 8,19·10⁻¹⁴ J. In Elektronenvolt sind das etwa 511 keV — die berühmte Ruheenergie des Elektrons.
Lückentext #3 15s ▶ Testen

Die Energie E₀ = m₀c², die ein Teilchen allein aufgrund seiner Ruhemasse besitzt, heißt ___.

✓ Antwort: Ruheenergie
Jedes Teilchen trägt schon in Ruhe die Energie m₀c². Beim Elektron sind das etwa 511 keV — eine für Teilchenprozesse enorme Energiemenge.
Lückentext #4 20s ▶ Testen

Kaufmann zeigte, dass β-Strahlen aus schnellen ___ bestehen, die sich wie Kathodenstrahlen in Feldern ablenken lassen.

✓ Antwort: Elektronen
Aus dem Verhalten der Becquerel-Strahlen in elektrischen und magnetischen Feldern schloss Kaufmann auf Elektronen. Ihr kontinuierliches Geschwindigkeitsspektrum machte sie zur idealen Quelle fĂźr Messungen von e/m bei verschiedenen v.
Schwer
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Der Linearbeschleuniger in Stanford brachte 1974 Elektronen auf 20,5 GeV. Die klassische Rechnung ergäbe eine Geschwindigkeit von 280c. Was wurde tatsächlich gemessen?

  • ● Nur etwa Lichtgeschwindigkeit — c ist die Grenzgeschwindigkeit, die kein Teilchen erreicht
  • ○ Genau 280c, wie klassisch berechnet
  • ○ Etwa 28c, ein Zehntel des klassischen Wertes
  • ○ Die Elektronen kamen vollständig zum Stillstand
Trotz gewaltiger Energie blieb die gemessene Geschwindigkeit knapp unter c. Die zugefĂźhrte Energie steckt nicht in immer hĂśherer Geschwindigkeit, sondern im wachsenden Îł-Faktor.
Zahleneingabe #2 45s ▶ Testen

Ein Elektron hat den Faktor γ = 3. Seine Ruheenergie beträgt gerundet 0,5 MeV. Berechne seine kinetische Energie E_kin = E − E₀ = (γ−1)·E₀. (Antwort in MeV)

✓ Antwort: 1
E_kin = (γ − 1) · E₀ = 2 · 0,5 MeV = 1 MeV. Die Gesamtenergie γE₀ = 1,5 MeV teilt sich in Ruheenergie und kinetische Energie auf.
Zahleneingabe #3 60s ▶ Testen

Bei wie viel Prozent der Lichtgeschwindigkeit hat ein Teilchen den Faktor Îł = 2, wiegt also rechnerisch doppelt so viel wie in Ruhe? (Antwort in Prozent, auf ganze Zahl gerundet)

✓ Antwort: 87
Aus γ = 2 folgt 1 − v²/c² = 1/4, also v = √(3)/2 · c ≈ 0,866c ≈ 87 % der Lichtgeschwindigkeit. Erst nahe an c wächst γ dann steil an.