Überlagerung elektrischer Felder

Superposition of Electric Fields

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
Elektrisches FeldCoulomb-GesetzKerncurriculum

Felder mehrerer Ladungen ĂŒberlagern sich nach dem Superpositionsprinzip: Die resultierende FeldstĂ€rke am betrachteten Ort ist die Vektorsumme der EinzelfeldstĂ€rken — bloß die BetrĂ€ge zu addieren ist der im CSEM dokumentierte Standardfehler (Maloney et al. 2001), der an Punkten zwischen gleichnamigen und ungleichnamigen Ladungen systematisch auffliegt. Das Gesamtpotential dagegen ist die skalare Summe der Einzelpotentiale (gleicher Bezugspunkt vorausgesetzt) — oft der schnellere Weg. Die Feldlinienbilder des Dipols und zweier gleichnamiger Ladungen zeigen neutralen Punkt, Verdichtung und Symmetrie. TrĂ€gt die Bewegung geladener Teilchen in zusammengesetzten Feldern.

Eine Punktladung: erledigt — Radialfeld, Coulombgesetz, 1/rÂČ-Abfall. Aber die Welt besteht selten aus einer einzigen Ladung. Was ist das Feld an einem Punkt P, wenn zwei Ladungen gleichzeitig wirken — eine positive und eine negative ? Lege dich fest, bevor du weiterliest: Darf man einfach die beiden FeldstĂ€rke-BetrĂ€ge addieren?

Die Antwort ist das Superpositionsprinzip, und es ist strenger und einfacher zugleich: Jede Ladung baut ihr Feld auf, als wĂ€re sie allein. Am Punkt P addieren sich die Einzelfelder — aber als Vektoren, mit Richtung, nach dem KrĂ€fteparallelogramm:

Ziehe den Punkt P ĂŒber die Ebene. E₁ zeigt von der positiven Ladung Q₁ weg, E₂ zur negativen Q₂ hin; das graue Parallelogramm setzt beide zum resultierenden Feldvektor E zusammen. Die Anzeigen geben die EinzelbetrĂ€ge in relativen Einheiten an.

Spiele drei Stellungen durch, sie enthalten die ganze Pointe. Erstens: auf der Verbindungslinie zwischen den Ladungen zeigen E₁ und E₂ in dieselbe Richtung (weg von +, hin zu −) — hier, und nur hier, addieren sich tatsĂ€chlich die BetrĂ€ge. Zweitens: ziehe P weit nach links oder rechts außen: Die Vektoren stehen fast entgegengesetzt, das resultierende Feld ist kleiner als das grĂ¶ĂŸere Einzelfeld. Wer BetrĂ€ge addiert, liegt hier maximal daneben. Drittens: irgendwo dazwischen entsteht jede Richtung, die das Parallelogramm hergibt — folge mit P einmal einer gedachten Feldlinie von Q₁ nach Q₂: Der Vektor E ist an jedem Punkt ihre Tangente. Genau so sind die gebogenen Linien im Dipol-Feldlinienbild aus dem Feldkonzept-Abschnitt konstruiert; zwischen zwei gleichnamigen Ladungen löschen sich die Einzelfelder in der Mitte sogar vollstĂ€ndig aus — der neutrale Punkt.

FĂŒr das Potential ist die Rechnung gnĂ€diger. Potentiale sind Zahlen, keine Vektoren — sie addieren sich skalar (gemeinsamer Bezugspunkt vorausgesetzt):

Wo Vektorgeometrie mĂŒhsam wird, rechnet man deshalb oft ĂŒber das Potential und holt sich das Feld erst am Ende. Beide Wege mĂŒssen dasselbe liefern — das ist eine beliebte Kontrollrechnung.

Damit ist der Werkzeugkasten des Kapitels vollstĂ€ndig, und die Anfangsfrage des Gewitter-Artikels lĂ€sst sich rĂŒckwĂ€rts lesen: Wolkenbasis, Bodenladung, Kirchturmspitze — das reale Feld ĂŒber MĂŒnchen ist die Superposition all dieser BeitrĂ€ge. Dass es an der Spitze am stĂ€rksten wird und dort der Blitz zĂŒndet, ist keine neue Physik, sondern Vektoraddition. Als NĂ€chstes lassen wir geladene Teilchen durch solche Felder fliegen.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Zwei Ladungen erzeugen an einem Punkt die EinzelfeldstĂ€rken E₁ und E₂. Wie ergibt sich die resultierende FeldstĂ€rke?

  • ● Als Vektorsumme der EinzelfeldstĂ€rken an diesem Ort
  • ○ Als Summe der BetrĂ€ge E₁ + E₂
  • ○ Als Mittelwert der beiden FeldstĂ€rken
  • ○ Die stĂ€rkere FeldstĂ€rke verdrĂ€ngt die schwĂ€chere
FeldstĂ€rken addieren sich wie die KrĂ€fte, aus denen sie definiert sind — vektoriell mit Richtung. BetrĂ€ge einfach zu addieren ist der Standardfehler und stimmt nur im Spezialfall gleicher Richtung; Felder verdrĂ€ngen einander nicht.
Zahleneingabe #2 30s ▶ Testen

Zwei EinzelfeldstÀrken von 500 N/C und 200 N/C zeigen an einem Punkt in entgegengesetzte Richtungen. Berechne den Betrag der resultierenden FeldstÀrke. (Antwort in N/C)

✓ Antwort: 300
Antiparallele Vektoren subtrahieren sich, 500 − 200 = 300 N/C in Richtung des stĂ€rkeren Feldes. Die Addition zu 700 N/C wĂ€re der typische Betragsfehler.
Multiple Choice #3 25s ▶ Testen

Wie ergibt sich das Gesamtpotential eines von mehreren Ladungen erzeugten Feldes an einem Ort?

  • ● Als einfache Summe der Einzelpotentiale, sofern alle denselben Bezugspunkt haben
  • ○ Als Vektorsumme der Einzelpotentiale
  • ○ Als Produkt der Einzelpotentiale
  • ○ Nur ĂŒber die resultierende FeldstĂ€rke berechenbar
Das Potential ist eine skalare GrĂ¶ĂŸe — Zahlen mit Vorzeichen werden schlicht addiert, was Rechnungen oft deutlich abkĂŒrzt. Voraussetzung ist ein gemeinsamer Bezugspunkt (beim Coulombpotential das Unendliche); eine Vektorsumme gibt es hier nicht.
Zahleneingabe #4 30s ▶ Testen

An einem Punkt erzeugt die Ladung Q₁ das Potential φ₁ = 120 V, die Ladung Q₂ das Potential φ₂ = −40 V (gleicher Bezugspunkt). Berechne das Gesamtpotential. (Antwort in V)

✓ Antwort: 80
Potentiale addieren sich skalar mitsamt Vorzeichen, φ = 120 + (−40) = 80 V. Negative Ladungen liefern negative BeitrĂ€ge — hier braucht es keine Vektorzerlegung.
LĂŒckentext #5 15s ▶ Testen

FeldstĂ€rken ĂŒberlagern sich ___, Potentiale dagegen skalar.

✓ Antwort: vektoriell
Die FeldstÀrke erbt ihren Vektorcharakter von der Kraft, das Potential seine Skalarnatur von der Energie. Diese Arbeitsteilung macht den Potentialweg bei vielen Aufgaben zum schnelleren Rechenweg.
Mittel
Wahr / Falsch #1 25s ▶ Testen

Zeigen die EinzelfeldstĂ€rken E₁ = 300 N/C und E₂ = 400 N/C an einem Punkt in verschiedene Richtungen, so ist die resultierende FeldstĂ€rke trotzdem stets 700 N/C.

✓ Falsch
700 N/C ergibt sich nur, wenn beide Vektoren exakt gleichgerichtet sind — bei jedem Winkel dazwischen ist die Resultierende kleiner, senkrecht z.B. 500 N/C. Die Betragssumme ignoriert die Richtungen und ĂŒberschĂ€tzt das Feld.
Zahleneingabe #2 40s ▶ Testen

An einem Punkt stehen die EinzelfeldstĂ€rken E₁ = 300 N/C und E₂ = 400 N/C senkrecht aufeinander. Berechne den Betrag der resultierenden FeldstĂ€rke. (Antwort in N/C)

✓ Antwort: 500
Vektoraddition senkrechter Komponenten mit Pythagoras — E = √(300ÂČ + 400ÂČ) = 500 N/C. Die Betragssumme 700 N/C wĂ€re falsch, weil sie die Richtungen unterschlĂ€gt.
Zahleneingabe #3 30s ▶ Testen

Genau in der Mitte zwischen zwei gleich großen positiven Ladungen erzeugt jede Ladung die EinzelfeldstĂ€rke 800 N/C. Berechne den Betrag der resultierenden FeldstĂ€rke. (Antwort in N/C)

✓ Antwort: 0
Die beiden Feldvektoren sind gleich groß und exakt entgegengerichtet — sie heben sich auf, der Mittelpunkt ist ein neutraler Punkt des Feldes. Die Betragssumme 1600 N/C wĂ€re grob falsch.
Zahleneingabe #4 35s ▶ Testen

In der Mitte zwischen den Ladungen +Q und −Q (Dipol) erzeugt jede Ladung die EinzelfeldstĂ€rke 1000 N/C. Berechne den Betrag der resultierenden FeldstĂ€rke. (Antwort in N/C)

✓ Antwort: 2000
Beide Feldvektoren zeigen von +Q weg bzw. zu −Q hin — also in dieselbe Richtung — und addieren sich zu 2000 N/C. Der Vergleich mit den gleichnamigen Ladungen zeigt, dass allein die Richtungen ĂŒber das Ergebnis entscheiden.
Multiple Choice #5 15s ▶ Testen

Ein Feldlinienbild zeigt bogenförmige Linien, die alle an der linken Ladung beginnen und an der rechten enden. Welche Ladungen sind das?

  • ○ +Q links, +Q rechts
  • ○ −Q links, +Q rechts
  • ● +Q links, −Q rechts
Feldlinien beginnen an positiven und enden an negativen Ladungen. Linien, die von der einen Ladung zur anderen laufen, zeigen einen Dipol, die Quelle liegt links: +Q links, −Q rechts. Zwei gleichnamige Ladungen sĂ€hen anders aus – ihre Linien laufen voneinander weg, und dazwischen liegt ein feldfreier neutraler Punkt.
Multiple Choice #6 30s ▶ Testen

Zwei gleich große positive Ladungen liegen nebeneinander. Was zeigt ihr Feldlinienbild in der Mitte zwischen den Ladungen?

  • ● Einen neutralen Punkt, an dem die FeldstĂ€rke null ist und keine Feldlinie verlĂ€uft
  • ○ Besonders dichte Feldlinien von einer Ladung zur anderen
  • ○ Feldlinien, die sich in der Mitte kreuzen
  • ○ Ein homogenes Feld wie im Plattenkondensator
Die Felder gleichnamiger Ladungen heben sich in der Mitte auf — die Feldlinien weichen einander aus, als wĂŒrden sich die Felder "wegdrĂŒcken". Verbindende dichte Linien zeigt nur der Dipol; kreuzen dĂŒrfen sich Feldlinien nie.
Wahr / Falsch #7 25s ▶ Testen

Die Anwesenheit einer dritten Ladung verÀndert die EinzelfeldstÀrken, die die beiden anderen Ladungen an einem Punkt erzeugen.

✓ Falsch
Das Superpositionsprinzip besagt gerade, dass jede Ladung ihr Feld unabhĂ€ngig von den ĂŒbrigen aufbaut — die BeitrĂ€ge werden erst am betrachteten Punkt vektoriell zusammengesetzt. Felder stören einander nicht, sie ĂŒberlagern sich.
Schwer
Wahr / Falsch #1 30s ▶ Testen

In der Mitte zwischen den Ladungen +Q und −Q ist das Gesamtpotential null, obwohl die FeldstĂ€rke dort nicht null ist.

✓ Wahr
Die Einzelpotentiale +φ und −φ sind betragsgleich und heben sich skalar auf, wĂ€hrend die Feldvektoren gleichgerichtet sind und sich addieren (auf der Verbindungslinie ist das sogar die kleinste FeldstĂ€rke zwischen den Ladungen, aber eben nicht null). FeldstĂ€rke null und Potential null fallen also keineswegs zusammen — beide GrĂ¶ĂŸen antworten auf verschiedene Fragen.