Coulombgesetz und Radialfeld

Coulomb's Law and the Radial Field

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
Coulomb-GesetzElektrisches FeldKerncurriculum

Das radialsymmetrische Feld einer Punktladung ist E = Q/(4πΔ₀rÂČ); der Influenzversuch von Cavendish liefert ĂŒber σ = Q/(4πrÂČ) und σ = Δ₀E genau diesen Zusammenhang und daraus das Coulombgesetz F = q₁q₂/(4πΔ₀rÂČ). Die Kraft auf q₂ stammt allein aus dem Feld von q₁ — das eigene Feld ĂŒbt keine Kraft auf die Ladung selbst aus. Außen wirkt eine geladene Kugel wie eine Punktladung im Mittelpunkt, im Leiterinneren ist das Feld null (Faradayscher KĂ€fig), begrĂŒndet ĂŒber das elektrostatische Gleichgewicht. Das Coulombpotential φ(r) = Q/(4πΔ₀r) hat seinen Bezugspunkt im Unendlichen. Der GrĂ¶ĂŸenvergleich F_el zu F_G an zwei Protonen (Faktor ~10³⁶) bereitet Atomphysik und Teilchenbewegung in Feldern vor.

FĂŒr das homogene Feld haben wir alles: E = U/d, W = qEs. Aber das Feld einer Punktladung — einer geladenen Kugel, eines Protons — ist radial, und dort ist nichts homogen. Wie stark ist es im Abstand r? Die Antwort liefert ein Versuch von Henry Cavendish, der die Influenz zum Messinstrument macht: Über eine Kugel mit Ladung +Q stĂŒlpt man eine leitende Hohlkugel aus zwei Halbschalen.

Influenzversuch von Cavendish +Q −− −− −− −− ++ ++ ++ ++
Auf der InnenflĂ€che der Hohlkugel sammelt sich die Influenzladung −Q — dem Betrag nach exakt gleich der Zentralladung, egal wie groß der Kugelradius ist. Außen bleibt +Q (bei Erdung abgefĂŒhrt).

Das Messergebnis ist der SchlĂŒssel: Die influenzierte Ladung ist immer −Q, unabhĂ€ngig vom Radius der Hohlkugel. Auf jeder gedachten KugelflĂ€che um Q „endet" also die gesamte Feldwirkung — nur verteilt sie sich auf eine immer grĂ¶ĂŸere FlĂ€che . Die FlĂ€chenladungsdichte ist , und mit der Grundgleichung aus dem Kondensator-Abschnitt folgt der Betrag der FeldstĂ€rke:

Jetzt setze eine zweite Ladung in dieses Feld. Sie spĂŒrt — ihr eigenes Feld ĂŒbt auf sie selbst keine Kraft aus. Das ist das Coulomb-Gesetz:

Ziehe Q₂ (zwei gleichnamige Ladungen von je 1 ”C, r in cm). Halbiere den Abstand und beobachte: Die Kraft vervierfacht sich — und F₁₂ und F₂₁ bleiben immer exakt gleich lang (actio = reactio), auch wenn die Ladungen verschieden groß wĂ€ren.

Zwei Anmerkungen, die PrĂŒfungen entscheiden: Erstens wirkt die Kraft auf beide Ladungen gleich stark und entgegengesetzt — auch zwischen einer großen und einer winzigen Ladung. Zweitens gilt die Formel exakt fĂŒr Punktladungen; eine geladene Kugel wirkt nach außen, als sĂ€ĂŸe ihre gesamte Ladung im Mittelpunkt. Und in ihrem Inneren? Dort ist — wĂ€re irgendwo im Leiterinneren ein Feld, wĂŒrde es die frei beweglichen Elektronen so lange verschieben, bis es verschwunden ist. Dieses Gleichgewichtsargument hast du beim Faradayschen KĂ€fig im Gewitter-Artikel schon eingesetzt.

Bleibt die Energiefrage. Wer eine positive Ladung q gegen die Abstoßung von Q von auf heranschiebt, verrichtet Arbeit — aber anders als im homogenen Feld ist die Kraft unterwegs nicht konstant, sie wĂ€chst beim AnnĂ€hern. Der Ausweg ist derselbe wie beim Laden des Kondensators: kleine Schritte, und die Arbeit ist die FlĂ€che unter der Kurve — hier der r-F-Kurve.

Arbeit als FlĂ€che unter der r-F-Kurve r F r₁ r₂ W₂₁ F ∝ 1/rÂČ
Die Arbeit zwischen r₁ und r₂ ist die schraffierte FlĂ€che unter der Kraftkurve — genau wie die Ladeenergie unter der Q-U-Geraden.

Die Auswertung dieser FlĂ€che (mit Analysis: Integration; elementar plausibel ĂŒber das geometrische Kraftmittel ) liefert:

WĂ€hlt man als Bezugspunkt (Potential null im Unendlichen), wird daraus das Coulomb-Potential des Radialfelds:

Coulomb-Potential fĂŒr positive und negative Zentralladung r φ(r) Q > 0 Q < 0
Potentialberg um eine positive, Potentialtrichter um eine negative Zentralladung — eine positive Probeladung „rollt" stets bergab. Die ÄquipotentialflĂ€chen sind Kugelschalen um Q.

FĂŒr die potentielle Energie einer Ladung q gilt entsprechend . Merke dir das Bild vom Potentialberg: Es trĂ€gt die Streuversuche der Atomphysik, die Ionisationsenergien — und die Frage, wie viel Energie es kostet, zwei Protonen im Kern zusammenzuhalten. Wie stark die elektrische Kraft dort ist, zeigt der Vergleich mit der Gravitation: FĂŒr zwei Protonen ist — unabhĂ€ngig vom Abstand. Die Schwerkraft spielt zwischen Elementarteilchen schlicht keine Rolle.

Leicht
Wahr / Falsch #1 15s ▶ Testen

Eine Metallkugel mit Radius 5 cm trĂ€gt die gleichmĂ€ĂŸig verteilte Ladung Q = 4·10⁻⁞ C. Ein Feldsensor in 20 cm Abstand vom Mittelpunkt zeigt exakt denselben Wert, als sĂ€ĂŸe die gesamte Ladung als Punktladung im Kugelmittelpunkt.

✓ Wahr
FĂŒr r ≄ R wirkt die geladene Voll- oder Hohlkugel wie eine im Mittelpunkt konzentrierte Punktladung — E = Q/(4πΔ₀rÂČ). Erst im Inneren unterscheiden sich die Felder, dort ist es beim Leiter null.
LĂŒckentext #2 15s ▶ Testen

Ein leitender Hohlraum schirmt sein Inneres vollstĂ€ndig gegen Ă€ußere elektrostatische Felder ab. Man nennt diese Anordnung Faradayscher ___.

✓ Antwort: KĂ€fig
Die influenzierten Ladungen auf der LeiteroberflĂ€che kompensieren das Ă€ußere Feld im Inneren exakt. Deshalb ist man im Auto bei Gewitter vergleichsweise sicher.
Multiple Choice #3 15s ▶ Testen

Wo liegt beim Coulombpotential φ(r) = Q/(4πΔ₀r) der Bezugspunkt mit φ = 0?

  • ● Im Unendlichen
  • ○ Am Ort der Ladung Q
  • ○ An der negativen Platte
Man wĂ€hlt den unendlich fernen Punkt als Nullniveau — dann ist φ(r) die Arbeit pro Ladung, um eine Probeladung aus dem Unendlichen auf den Abstand r zu bringen. Am Ort der Ladung selbst divergiert φ; die negative Platte ist die ĂŒbliche Wahl im homogenen Feld, nicht im Radialfeld.
Multiple Choice #4 15s ▶ Testen

Vergleiche fĂŒr zwei Protonen die elektrische Abstoßung mit der Gravitationsanziehung. In welcher GrĂ¶ĂŸenordnung liegt das VerhĂ€ltnis F_el/F_G?

  • ● Etwa 10³⁶
  • ○ Etwa 10Âł
  • ○ Etwa 1
Beide KrĂ€fte fallen mit 1/rÂČ, ihr VerhĂ€ltnis ist daher abstandsunabhĂ€ngig — und es betrĂ€gt rund 10³⁶ zugunsten der Coulombkraft. In der Atomphysik darf die Gravitation deshalb komplett vernachlĂ€ssigt werden.
Multiple Choice #5 15s ▶ Testen

Welche Form haben die ÄquipotentialflĂ€chen im Feld einer Punktladung?

  • ● KugelflĂ€chen mit der Ladung im Mittelpunkt
  • ○ Ebenen senkrecht zur Feldrichtung
  • ○ ZylinderflĂ€chen um die Ladung
φ(r) hĂ€ngt nur vom Abstand r ab, also haben alle Punkte einer KugelflĂ€che um Q dasselbe Potential. Ebenen sind die ÄquipotentialflĂ€chen des homogenen Feldes im Plattenkondensator.
Mittel
Zahleneingabe #1 45s ▶ Testen

Berechne den Betrag der FeldstĂ€rke im Abstand r = 0,3 m von einer Punktladung Q = 2·10⁻⁞ C. (1/(4πΔ₀) = 9,0·10âč NmÂČ/CÂČ; Antwort in N/C)

✓ Antwort: 2000
E = Q/(4πΔ₀rÂČ) = 9,0·10âč · 2·10⁻⁞ / 0,09 N/C = 2000 N/C. Der Abstand geht quadratisch ein — bei 0,6 m wĂ€ren es nur noch 500 N/C.
Zahleneingabe #2 45s ▶ Testen

Zwei Punktladungen q₁ = q₂ = 1 ”C sitzen im Abstand r = 0,1 m. Berechne den Betrag der Coulombkraft. (1/(4πΔ₀) = 9,0·10âč NmÂČ/CÂČ; Antwort in N)

✓ Antwort: 0.9
F = q₁q₂/(4πΔ₀rÂČ) = 9,0·10âč · 10⁻ÂčÂČ / 0,01 N = 0,9 N. Schon Mikrocoulomb-Ladungen erzeugen im Dezimeterabstand fast ein Newton — makroskopische Ladungsmengen wĂ€ren gewaltig.
Zahleneingabe #3 45s ▶ Testen

Berechne das Coulombpotential im Abstand r = 0,45 m von einer Punktladung Q = 5·10⁻âč C (Bezugspunkt im Unendlichen). (1/(4πΔ₀) = 9,0·10âč NmÂČ/CÂČ; Antwort in V)

✓ Antwort: 100
φ(r) = Q/(4πΔ₀r) = 9,0·10âč · 5·10⁻âč / 0,45 V = 100 V. Anders als die FeldstĂ€rke fĂ€llt das Potential nur mit 1/r, nicht mit 1/rÂČ.
Multiple Choice #4 15s ▶ Testen

Eine ungeladene, nicht geerdete Metallkugel hÀngt mitten im starken Feld eines Plattenkondensators. Eine Feldsonde misst die FeldstÀrke in ihrem Inneren. Welchen Wert zeigt sie?

  • ● Null, unabhĂ€ngig von der StĂ€rke des Ă€ußeren Feldes
  • ○ Null erst dann, wenn die Kugel geerdet wird
  • ○ Denselben Wert wie im Ă€ußeren Feld
WĂ€re E ≠ 0, wĂŒrden die beweglichen Elektronen wandern — sie verschieben sich so lange, bis ihr eigenes Feld das Ă€ußere im Inneren exakt kompensiert. Das ist ein Gleichgewichtsargument und gilt fĂŒr jeden Leiter, geerdet oder nicht.
Schwer
Multiple Choice #1 15s ▶ Testen

Beim Influenzversuch von Cavendish trĂ€gt eine Hohlkugel die Ladung Q. Dieselbe Ladung wird nun auf eine Hohlkugel mit dreifachem Radius gebracht. Welchen Wert misst man dort fĂŒr die FlĂ€chenladungsdichte σ?

  • ● Ein Neuntel des vorherigen Wertes
  • ○ Ein Drittel des vorherigen Wertes
  • ○ Denselben Wert wie vorher
Die Ladung verteilt sich aus SymmetriegrĂŒnden gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber die KugelflĂ€che 4πrÂČ, also σ = Q/(4πrÂČ) — dreifacher Radius heißt neunfache FlĂ€che, ein Neuntel der Dichte. Mit σ = Δ₀E folgt daraus direkt das 1/rÂČ-Gesetz der FeldstĂ€rke. Ein Drittel bekĂ€me, wer σ linear mit r fallen lĂ€sst.
Zahleneingabe #2 25s ▶ Testen

Zwei Ladungen ziehen sich mit F = 0,4 N an. Berechne die Kraft, wenn der Abstand verdoppelt wird. (Antwort in N)

✓ Antwort: 0.1
F ∝ 1/rÂČ â€” doppelter Abstand bedeutet ein Viertel der Kraft, also 0,1 N. Wer nur halbiert, ĂŒbersieht das Quadrat im Abstandsgesetz.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Jana berechnet die Kraft auf die Ladung Q₂ = 3 ”C, an deren Ort die Nachbarladung Q₁ die FeldstĂ€rke E₁ = 2·10⁎ N/C erzeugt. Sie rechnet F = Q₂·E₁ = 0,06 N — das von Q₂ selbst erzeugte Feld lĂ€sst sie weg. Ihre Rechnung ist richtig.

✓ Wahr
Das eigene Feld ĂŒbt auf die erzeugende Ladung keine Kraft aus — in F = Q₂·E geht nur das Feld der anderen Ladung Q₁ am Ort von Q₂ ein. Sonst wĂŒrde jede Ladung sich selbst beschleunigen.
Wahr / Falsch #4 20s ▶ Testen

Im Abstand 0,2 m von einer Punktladung betrÀgt das Potential 200 V. Tim folgert: In 0,4 m Abstand sind es noch 50 V. Seine Folgerung ist richtig.

✓ Falsch
Das Potential fĂ€llt nur mit 1/r — bei doppeltem Abstand bleiben 100 V. Auf 50 V kĂ€me man mit dem 1/rÂČ-Gesetz, das aber fĂŒr die FeldstĂ€rke gilt. Wer beide Abstandsgesetze gleichsetzt, verwechselt Energie- und KraftgrĂ¶ĂŸe.