Teilchenbeschleuniger

Particle Accelerators

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
TeilchenbeschleunigerElektromagnetismusKerncurriculum

Beschleunigt wird ein geladenes Teilchen nur durch elektrische Felder — Magnetfelder lenken bloß und Ă€ndern den Betrag der Geschwindigkeit nicht. Im Linearbeschleuniger wird die Spannung im Takt T/2 umgepolt, sodass das Teilchen in jedem Spalt zwischen den Driftröhren erneut Schwung holt; die Röhren werden entsprechend lĂ€nger. Im Zyklotron beschleunigt das Teilchen im Spalt zwischen zwei Duanden, und weil die Umlaufdauer T = 2πm/(qB) geschwindigkeitsunabhĂ€ngig ist, bleibt die Zyklotronfrequenz f = qB/(2πm) konstant. Ab etwa 0,1c bringt die relativistische Massenzunahme die Teilchen aus dem Takt — das motiviert Synchrozyklotron und B-Variation und schlĂ€gt die BrĂŒcke zur relativistischen Dynamik. Anwendungen von LHC bis Protonentherapie.

Wer Strukturen im atomaren und subatomaren Bereich untersuchen will, lĂ€sst Teilchen hoher Energie aufeinanderprallen — am Large Hadron Collider des CERN etwa Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit. Bevor wir Maschinen bauen, eine Grundsatzfrage, die du aus diesem Kapitel schon beantworten kannst: Welches Feld kann einem Teilchen ĂŒberhaupt Energie zufĂŒhren — das elektrische, das magnetische, oder beide?

Nur das elektrische Feld. Die Lorentzkraft steht immer senkrecht auf der Bewegung, verrichtet also nie Arbeit: Ein Magnetfeld lenkt nur um, der Geschwindigkeitsbetrag bleibt. Jeder Beschleuniger der Welt folgt deshalb derselben Arbeitsteilung: E-Felder beschleunigen, B-Felder lenken. Pro durchlaufener Spannung gewinnt ein Teilchen — und damit beginnt das eigentliche Ingenieursproblem: Hochspannungen ĂŒber einigen Millionen Volt schlagen durch. Wie kommt man trotzdem auf Milliarden Elektronenvolt?

Trick eins: dieselbe Spannung zweimal nutzen. Der Tandem-Van-de-Graaff-Beschleuniger schickt negativ geladene Ionen zum positiven Hochspannungsterminal in der Mitte; dort streift eine dĂŒnne Folie (der „Stripper") mehrere Elektronen ab, und die nun positiven Ionen werden vom selben Terminal ein zweites Mal beschleunigt — Energiegewinn insgesamt bei Endladungszahl .

Der Linearbeschleuniger: dieselbe Spannung, viele Male

Trick zwei ist radikaler: eine Wechselspannung, immer wieder genutzt. Zwischen hintereinander liegenden Driftröhren wird das Teilchen in jedem Spalt beschleunigt; im Inneren einer Röhre ist es feldfrei abgeschirmt, und genau dort wird die Spannung umgepolt. Beim nĂ€chsten Spalt zeigt das Feld wieder in Flugrichtung. Bevor du das Applet ansiehst: Alle Umpolungen dauern gleich lang () — warum mĂŒssen die Röhren dann immer lĂ€nger werden, und nach welchem Gesetz?

Schalte mit k von Spalt zu Spalt: Nach k Überquerungen trĂ€gt das Teilchen E_kin = k·qU, der grĂŒne Pfeil zeigt v ∝ √k — und die RöhrenlĂ€ngen R₁
R₄ wachsen im selben Wurzelmaß.

Nach Spalten ist , also . In der festen Zeit legt ein schnelleres Teilchen mehr Weg zurĂŒck — Röhre muss daher lang sein. Genau diese wachsenden Röhren siehst du im Bild jedes echten Linearbeschleunigers.

Das Zyklotron: der aufgerollte Linearbeschleuniger

Ein Linac fĂŒr hohe Energien wird kilometerlang. Trick drei rollt ihn auf: Zwei D-förmige, hohle Elektroden (die Duanden oder „Dees") liegen in einem homogenen Magnetfeld senkrecht zur Ebene. Im Spalt zwischen ihnen beschleunigt die Wechselspannung; im feldfreien Inneren zwingt das Magnetfeld das Teilchen auf einen Halbkreis zurĂŒck zum Spalt — derselbe Spalt wird tausendfach wiederverwendet.

Schalte n von Umlauf zu Umlauf: Jede SpaltĂŒberquerung macht das Teilchen schneller, der Halbkreisradius wĂ€chst mit √n — aber die Anzeige T/T₁ bleibt bei 1,00 stehen.

Im Applet steckt die entscheidende Beobachtung: Die Spirale wird Umlauf fĂŒr Umlauf weiter, aber rĂŒhrt sich nicht. Das ist der Satz aus der Kreisbahn-Lektion: Schnellere Teilchen laufen grĂ¶ĂŸere Kreise, brauchen aber gleich lange —

unabhĂ€ngig von Geschwindigkeit und Radius. Deshalb genĂŒgt eine Wechselspannung mit konstanter Zyklotronfrequenz

und jedes Teilchen erreicht den Spalt immer genau dann, wenn das Feld gerade richtig herum zeigt. Kein Nachregeln, kein Timing-Radar — die Physik selbst hĂ€lt den Takt.

Bis sie es nicht mehr tut. Oberhalb von etwa 10 % der Lichtgeschwindigkeit wĂ€chst die (relativistische) Masse des Teilchens merklich — wird lĂ€nger, das Teilchen kommt zu spĂ€t an den Spalt, die Kicks geraten aus dem Takt. Zwei Auswege: die Frequenz mitfĂŒhren (Synchrozyklotron) oder das Feld mitwachsen lassen (Synchrotron — die Bauform des LHC). Warum die Masse ĂŒberhaupt zunimmt, klĂ€rt der nĂ€chste Baustein: die relativistische Dynamik.

Leicht
Multiple Choice #1 15s ▶ Testen

Ein Proton tritt mit 2·10⁷ m/s in einen Ablenkmagneten ein und wird um 90° abgelenkt. Ein elektrisches Feld gibt es dort nicht. Wie schnell tritt es aus?

  • ● Mit 2·10⁷ m/s
  • ○ Mit mehr als 2·10⁷ m/s
  • ○ Mit weniger als 2·10⁷ m/s
Die Lorentzkraft im Magnetfeld steht immer senkrecht zur Bewegung: Sie Ă€ndert die Richtung, verrichtet aber keine Arbeit – der Betrag der Geschwindigkeit bleibt 2·10⁷ m/s. Das Magnetfeld bremst also nicht und beschleunigt nicht. Energie gewinnen Teilchen nur im elektrischen Feld; deshalb ĂŒbernehmen im Beschleuniger Magnete die StrahlfĂŒhrung und elektrische Felder die Beschleunigung.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Im Zyklotron erhöht das Magnetfeld die kinetische Energie der Teilchen bei jedem Umlauf ein wenig.

✓ Falsch
Falsch! Das Magnetfeld zwingt die Teilchen in den Duanden nur auf Halbkreise. Beschleunigt wird ausschließlich im Spalt zwischen den Dosen, wo die elektrische Wechselspannung anliegt.
LĂŒckentext #3 15s ▶ Testen

Im Zyklotron werden die Teilchen nur im ___ zwischen den beiden Duanden beschleunigt.

✓ Antwort: Spalt
Im Inneren der Metalldosen ist der Raum feldfrei, dort laufen die Teilchen auf Halbkreisen. Bei jedem Durchqueren des Spalts nimmt ihre Energie um qU zu.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Welche Aussage zu Anwendungen von Teilchenbeschleunigern ist richtig?

  • ● Im LHC prallen Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinander, und Zyklotrone liefern Protonenstrahlen fĂŒr die Tumortherapie
  • ○ Beschleuniger dienen ausschließlich der Stromerzeugung
  • ○ Im LHC werden Elektronen auf das Doppelte der Lichtgeschwindigkeit gebracht
  • ○ Zyklotrone werden nur zur Isotopentrennung eingesetzt
Um Strukturen im atomaren Bereich zu untersuchen, lĂ€sst man im LHC bei CERN Protonen nahezu mit Lichtgeschwindigkeit kollidieren. Medizinische Zyklotrone erzeugen Protonenstrahlen fĂŒr die Krebstherapie — schneller als c geht dabei prinzipiell nichts.
Mittel
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Im Linearbeschleuniger polt die Spannung alle 50 ns um. Ein Ion fliegt in einer Driftröhre mit 1·10⁶ m/s, in der nĂ€chsten mit 2·10⁶ m/s. Wie lang mĂŒssen die beiden Röhren sein?

  • ○ 5 cm und 5 cm
  • ○ 10 cm und 5 cm
  • ● 5 cm und 10 cm
Das Ion soll in jeder Röhre genau eine halbe Periode (50 ns) verbringen, damit es beim nĂ€chsten Spalt auf die richtig gepolte Spannung trifft. LĂ€nge = v · T/2: 1·10⁶ m/s · 50·10⁻âč s = 5 cm, bei doppelter Geschwindigkeit 10 cm. Weil das Teilchen von Spalt zu Spalt schneller wird, mĂŒssen die Röhren zum Ende hin immer lĂ€nger werden.
LĂŒckentext #2 15s ▶ Testen

Die beiden evakuierten Metalldosen des Zyklotrons nennt man ___.

✓ Antwort: Duanden
Die D-förmigen Dosen (englisch Dees) liegen an einer hochfrequenten Wechselspannung. Das homogene Magnetfeld durchsetzt sie senkrecht und hÀlt die Teilchen auf Kreisbahnen.
Wahr / Falsch #3 25s ▶ Testen

Die Zyklotronfrequenz f = qB/(2πm) ist unabhĂ€ngig von der Geschwindigkeit der Teilchen — deshalb genĂŒgt im klassischen Zyklotron eine Wechselspannung konstanter Frequenz.

✓ Wahr
Schnellere Teilchen laufen auf grĂ¶ĂŸeren Kreisen, brauchen fĂŒr einen Umlauf aber dieselbe Zeit T = 2πm/(qB). Solange m konstant bleibt, erreichen alle Teilchen den Spalt im Takt der Wechselspannung.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Ein klassisches Zyklotron mit fester Frequenz beschleunigt Protonen ĂŒber 0,1c hinaus, wo ihre Masse merklich zunimmt. Was passiert mit ihrer Umlaufdauer?

  • ● Sie wird lĂ€nger
  • ○ Sie wird kĂŒrzer
  • ○ Sie bleibt gleich
Die Umlaufdauer T = 2πm/(qB) hĂ€ngt nicht von der Geschwindigkeit ab, wohl aber von der Masse. WĂ€chst die Masse relativistisch, wird T lĂ€nger. Die Protonen erreichen den Spalt dann zu spĂ€t und kommen aus dem Takt der festen Wechselspannung – die Beschleunigung gerĂ€t außer Tritt. Darum muss man Frequenz oder Flussdichte anpassen (Synchrozyklotron, Synchrotron).
Multiple Choice #5 25s ▶ Testen

Mit welchen beiden Maßnahmen lĂ€sst sich die relativistische Grenze des klassischen Zyklotrons ĂŒberwinden?

  • ● Variation der Frequenz der Wechselspannung oder Variation der Flussdichte B
  • ○ Höhere Beschleunigungsspannung oder grĂ¶ĂŸere Duanden
  • ○ StĂ€rkeres Vakuum oder kĂ€ltere Teilchenquelle
  • ○ Schwereres Teilchen oder kleinere Ladung
Passt man die Frequenz der wachsenden Umlaufdauer an (Synchrozyklotron) oder erhöht man B mit der Masse, bleiben die Teilchen im Takt. Beide Wege werden in modernen Beschleunigern genutzt.
Zahleneingabe #6 40s ▶ Testen

In einem Linearbeschleuniger durchlÀuft ein Proton 20 Beschleunigungsspalte mit jeweils 50 kV. Welche kinetische Energie gewinnt es insgesamt? (Antwort in MeV)

✓ Antwort: 1
Pro Spalt gewinnt das Proton 50 keV, nach 20 Spalten also 20 · 50 keV = 1000 keV = 1 MeV. In Elektronenvolt gerechnet ist das eine reine Multiplikation.
Zahleneingabe #7 40s ▶ Testen

Die Wechselspannung eines Zyklotrons hat die Frequenz 25 MHz. Nach welcher Zeit muss jeweils umgepolt werden, also nach jeder halben Periode? (Antwort in ns)

✓ Antwort: 20
T = 1/f = 1/(2,5·10⁷ Hz) = 40 ns. Umgepolt wird nach jeder halben Periode, also alle 20 ns — genau die Zeit, die ein Teilchen fĂŒr einen Halbkreis im Duanden braucht.
Wahr / Falsch #8 20s ▶ Testen

Im Inneren einer Driftröhre wirkt kein beschleunigendes Feld — dort fliegt das Teilchen mit konstanter Geschwindigkeit, wĂ€hrend die Spannung umgepolt wird.

✓ Wahr
Die leitenden Röhren schirmen das Feld ab. Beschleunigt wird nur in den Spalten zwischen den Röhren; das Umpolen wĂ€hrend des Röhrendurchflugs sorgt dafĂŒr, dass am nĂ€chsten Spalt wieder die richtige Polung anliegt.
Schwer
Zahleneingabe #1 50s ▶ Testen

Elektronen (e/m = 1,76·10ÂčÂč C/kg) laufen in einem Zyklotron mit B = 1,0 mT um. Berechne die Zyklotronfrequenz f = qB/(2πm). (Antwort in MHz, auf ganze Zahl gerundet)

✓ Antwort: 28
f = (e/m) · B / (2π) = 1,76·10ÂčÂč · 10⁻³ / 6,28 ≈ 2,8·10⁷ Hz = 28 MHz. Mit dieser Frequenz muss die Wechselspannung an den Duanden umgepolt werden.