„Langweilig“ als Schutzschild
"Boring" as a Shield
Die Könnens-Bremse trägt fast immer eine Verkleidung, und meistens dieselbe: "Das ist doch langweilig." Wer etwas nicht kann und Angst hat, dass das etwas über ihn aussagt, ist sicherer, wenn er die Sache abwertet — dann hat er es nicht versucht, statt es nicht zu können. Das Kind unterscheidet echte Abneigung von diesem Schutzschild am gleichen Merkmal wie zuvor, nur schärfer: Ein Schutzschild kostet etwas. Wer wirklich kein Interesse hat, verliert dabei nichts; wer sich schützt, gibt Freunde, Nachmittage oder Lieblingsorte auf. Wer das bei sich selbst erkennt, kann die Abwertung fallen lassen, ohne das Gesicht zu verlieren. Der Mechanismus ist Covingtons Selbstwerttheorie (1992): Wer sich anstrengt und scheitert, liefert den Beweis, es nicht zu können — Abwerten und Nicht-Versuchen halten diesen Beweis fern. Bereitet vor: das gesichtswahrende kleine Angebot in `self-knowledge.motivation.kleine-stufen` und die Fallgeschichte `case.self-knowledge.nicht-anfangen-koennen`.
Können & Üben
Die Könnens-Bremse hat ein Problem: Sie kann sich nicht zeigen. "Ich habe Angst, dass ich zu blöd dafür bin" sagt niemand. Also zieht sie eine Verkleidung an, und fast immer dieselbe.
Das ist keine Lüge im gewöhnlichen Sinn. Meistens glaubt man es in dem Moment selbst. Genau deshalb hilft es nichts, dagegen zu argumentieren: Wer angegriffen wird, verteidigt sich fester.
Wie erkennst du die Verkleidung? Am selben Merkmal wie vorher, nur schärfer:
Ein Schutzschild
Bei anderen ist das leichter zu sehen als bei sich selbst — deshalb übt man es erst an fremden Fällen. Und wenn du es bei dir selbst bemerkst, musst du nichts zugeben. Es reicht ein Satz, der dich nichts kostet: "Na gut — die ganz kleine Version probiere ich."
Voraussetzungen (1)
Hanna probiert Töpfern einmal aus, sagt danach, es sei nichts für sie, und geht weiter zufrieden zum Chor. — Hanna benutzt ein Schutzschild.
Ken sagt, Trampolinspringen sei kindisch. Seit die Nachbarskinder ein Trampolin haben, spielt er nachmittags allein, obwohl er die drei sehr mag. — Ken benutzt ein Schutzschild.
Bei wem ist das nur ein Schutzschild?
Bei wem ist das nur ein Schutzschild?
Bei wem ist das nur ein Schutzschild?
Bei wem ist das nur ein Schutzschild?
Bei wem ist das nur ein Schutzschild?
Bei wem ist das nur ein Schutzschild?
Bela findet Fußball langweilig, spielt in der Pause fröhlich Fangen und schaut die Spiele der anderen manchmal entspannt von der Bank aus an. — Bela benutzt "langweilig" hier als Schutzschild.
Ravi erklärt dreimal an einem Nachmittag unaufgefordert, dass ihn Einradfahren überhaupt nicht interessiert. Niemand hat ihn danach gefragt. — Ravi benutzt das als Schutzschild.
Ida sagt, Klettern sei blöd, obwohl sie es offensichtlich gern könnte. Ihr Vater erklärt ihr ausführlich, warum Klettern nicht blöd ist. — Das ist der hilfreiche Umgang mit einem Schutzschild.
Lou sagt mit fester Stimme, Schwimmen sei was für Babys, und sagt seit Wochen jeden Badetag ab. — Lou weiß dabei genau, dass er lügt.
Tarek hat Geige seit Wochen für "was für Angeber" erklärt. Die Begleiterin sagt nur: "Willst du die ganz kurze Version probieren, wo bloß eine Saite drankommt?" — Das ist ein gesichtswahrendes Angebot.