„Langweilig“ als Schutzschild

"Boring" as a Shield

Selbsterkenntnis Klasse 5 13 Aufgaben
MotivationSelbsterkenntnisVermeidung

Die Könnens-Bremse trägt fast immer eine Verkleidung, und meistens dieselbe: "Das ist doch langweilig." Wer etwas nicht kann und Angst hat, dass das etwas über ihn aussagt, ist sicherer, wenn er die Sache abwertet — dann hat er es nicht versucht, statt es nicht zu können. Das Kind unterscheidet echte Abneigung von diesem Schutzschild am gleichen Merkmal wie zuvor, nur schärfer: Ein Schutzschild kostet etwas. Wer wirklich kein Interesse hat, verliert dabei nichts; wer sich schützt, gibt Freunde, Nachmittage oder Lieblingsorte auf. Wer das bei sich selbst erkennt, kann die Abwertung fallen lassen, ohne das Gesicht zu verlieren. Der Mechanismus ist Covingtons Selbstwerttheorie (1992): Wer sich anstrengt und scheitert, liefert den Beweis, es nicht zu können — Abwerten und Nicht-Versuchen halten diesen Beweis fern. Bereitet vor: das gesichtswahrende kleine Angebot in `self-knowledge.motivation.kleine-stufen` und die Fallgeschichte `case.self-knowledge.nicht-anfangen-koennen`.

Können & Üben

Die Könnens-Bremse hat ein Problem: Sie kann sich nicht zeigen. "Ich habe Angst, dass ich zu blöd dafür bin" sagt niemand. Also zieht sie eine Verkleidung an, und fast immer dieselbe.

"Das ist doch langweilig." Manchmal auch: "Das ist was für Kleine", "Ich brauche das nicht", "Ich mache lieber was anderes." Der Trick dahinter ist gut: Wenn die Sache nichts wert ist, sagt es nichts über mich, dass ich sie nicht kann. Ich habe es nicht versucht — statt es nicht gekonnt. Das eine kann man aushalten, das andere schwer.

Das ist keine Lüge im gewöhnlichen Sinn. Meistens glaubt man es in dem Moment selbst. Genau deshalb hilft es nichts, dagegen zu argumentieren: Wer angegriffen wird, verteidigt sich fester.

Wie erkennst du die Verkleidung? Am selben Merkmal wie vorher, nur schärfer: Ein Schutzschild kostet etwas. Wem eine Sache wirklich egal ist, der verliert nichts dabei. Er sagt einmal "langweilig" und denkt nicht mehr daran. Wer sich schützt, zahlt: Er geht nicht mehr mit zum Skatepark, schaut weg, wenn andere es tun, wird wütend, wenn man davon anfängt, und sagt "langweilig" ein bisschen zu oft und ein bisschen zu laut.

Bei anderen ist das leichter zu sehen als bei sich selbst — deshalb übt man es erst an fremden Fällen. Und wenn du es bei dir selbst bemerkst, musst du nichts zugeben. Es reicht ein Satz, der dich nichts kostet: "Na gut — die ganz kleine Version probiere ich."

Leicht
Wahr / Falsch #1 20s â–¶ Testen

Hanna probiert Töpfern einmal aus, sagt danach, es sei nichts für sie, und geht weiter zufrieden zum Chor. — Hanna benutzt ein Schutzschild.

âś“ Falsch
Sie hat es probiert und verliert nichts. Wer etwas versucht hat, muss sich vor dem Verdacht des Nichtkönnens nicht schützen.
Wahr / Falsch #2 20s â–¶ Testen

Ken sagt, Trampolinspringen sei kindisch. Seit die Nachbarskinder ein Trampolin haben, spielt er nachmittags allein, obwohl er die drei sehr mag. — Ken benutzt ein Schutzschild.

âś“ Wahr
Er gibt Freunde auf, die er mag. Das ist der teuerste Preis in diesen Beispielen und das deutlichste Zeichen.
Mittel
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

Bei wem ist das nur ein Schutzschild?

  • â—Ź Kris sagt, Skaten sei albern, und meidet seither den Platz, an dem seine Freunde skaten.
  • â—‹ Kris sagt, Skaten sei albern, und geht weiter jeden Tag mit denselben Freunden zum Basketball.
  • â—‹ Kris sagt, Skaten sei albern, und hat es noch nie in seinem Leben gesehen.
Derselbe Satz, dreimal. Nur bei einem kostet er etwas — den Platz und die Freunde. Bezahlte Abwertung ist ein Schild.
Multiple Choice #2 22s â–¶ Testen

Bei wem ist das nur ein Schutzschild?

  • â—Ź Vera nennt Schach langweilig und wird jedes Mal laut, wenn jemand sie zum Spielen fragt.
  • â—‹ Vera nennt Schach langweilig und spielt in der Pause zufrieden Uno weiter.
  • â—‹ Vera nennt Schach langweilig und erklärt geduldig, warum sie Karten lieber mag.
Wut ist ein Preis. Wem etwas wirklich gleichgĂĽltig ist, den regt die Frage danach nicht auf.
Multiple Choice #3 22s â–¶ Testen

Bei wem ist das nur ein Schutzschild?

  • â—Ź Anton sagt, Vorlesen sei etwas fĂĽr Kleine, und ist am Vorlesetag jedes Mal krank.
  • â—‹ Anton sagt, Vorlesen sei etwas fĂĽr Kleine, und liest beim Vorlesetag ganz normal mit.
  • â—‹ Anton sagt, Vorlesen sei etwas fĂĽr Kleine, und schlägt vor, stattdessen ein TheaterstĂĽck zu machen.
Jedes Mal krank ist ein hoher Preis und ein zu genaues Muster. Das ist Vermeidung, keine Meinung.
Multiple Choice #4 22s â–¶ Testen

Bei wem ist das nur ein Schutzschild?

  • â—Ź Juna sagt, Reiten interessiere sie nicht, und schaut weg, wenn die Pferde vorbeikommen.
  • â—‹ Juna sagt, Reiten interessiere sie nicht, und streichelt die Pferde am Zaun im Vorbeigehen.
  • â—‹ Juna sagt, Reiten interessiere sie nicht, und war noch nie auf dem Hof.
Wegschauen muss man sich vornehmen. Es ist Arbeit — und damit ein Preis. Gleichgültigkeit braucht kein Wegschauen.
Multiple Choice #5 22s â–¶ Testen

Bei wem ist das nur ein Schutzschild?

  • â—Ź Milo nennt das Schwimmabzeichen unwichtig und hat den Ausflug ins Freibad abgesagt, auf den er sich gefreut hatte.
  • â—‹ Milo nennt das Schwimmabzeichen unwichtig und fährt trotzdem gern mit ins Freibad.
  • â—‹ Milo nennt das Schwimmabzeichen unwichtig, hat es aber schon seit einem Jahr.
Er gibt etwas auf, worauf er sich gefreut hat. Genau dieser Widerspruch verrät das Schild.
Multiple Choice #6 22s â–¶ Testen

Bei wem ist das nur ein Schutzschild?

  • â—Ź Sofia sagt, Fahrräder seien öde, und sagt seit dem Sommer jede Radtour mit der Familie ab.
  • â—‹ Sofia sagt, Fahrräder seien öde, und fährt trotzdem jeden Tag zur Schule.
  • â—‹ Sofia sagt, Fahrräder seien öde, und nimmt lieber den Roller, den sie liebt.
Alle Radtouren absagen kostet ganze Nachmittage. So teuer ist keine echte Meinung.
Wahr / Falsch #7 20s â–¶ Testen

Bela findet Fußball langweilig, spielt in der Pause fröhlich Fangen und schaut die Spiele der anderen manchmal entspannt von der Bank aus an. — Bela benutzt "langweilig" hier als Schutzschild.

âś“ Falsch
Kein Preis: Er meidet nichts, ärgert sich nicht, muss nicht wegschauen. Das ist einfach eine Vorliebe.
Wahr / Falsch #8 20s â–¶ Testen

Ravi erklärt dreimal an einem Nachmittag unaufgefordert, dass ihn Einradfahren überhaupt nicht interessiert. Niemand hat ihn danach gefragt. — Ravi benutzt das als Schutzschild.

âś“ Wahr
Unaufgefordert und dreimal — das ist zu viel Aufwand für Gleichgültigkeit. Wer sich verteidigt, wiederholt sich.
Wahr / Falsch #9 22s â–¶ Testen

Ida sagt, Klettern sei blöd, obwohl sie es offensichtlich gern könnte. Ihr Vater erklärt ihr ausführlich, warum Klettern nicht blöd ist. — Das ist der hilfreiche Umgang mit einem Schutzschild.

âś“ Falsch
Widersprechen zwingt sie, das Schild zu verteidigen — danach sitzt es fester. Besser ist ein Angebot, das sie nichts kostet: die ganz kleine Version.
Wahr / Falsch #10 18s â–¶ Testen

Lou sagt mit fester Stimme, Schwimmen sei was für Babys, und sagt seit Wochen jeden Badetag ab. — Lou weiß dabei genau, dass er lügt.

âś“ Falsch
Nichts in der Szene zeigt eine Lüge. Meistens glaubt man die Abwertung in dem Moment selbst. Deshalb ist "gib es doch zu" der falsche Weg — es gibt nichts zuzugeben.
Wahr / Falsch #11 22s â–¶ Testen

Tarek hat Geige seit Wochen für "was für Angeber" erklärt. Die Begleiterin sagt nur: "Willst du die ganz kurze Version probieren, wo bloß eine Saite drankommt?" — Das ist ein gesichtswahrendes Angebot.

âś“ Wahr
Er kann Ja sagen, ohne die Abwertung zurĂĽcknehmen zu mĂĽssen. Genau das macht ein Angebot gesichtswahrend.