Wollen und Bremsen

Wanting and Braking

Selbsterkenntnis Klasse 3 14 Aufgaben
MotivationSelbsterkenntnisVermeidung

Zwei Kräfte gleichzeitig: Man will etwas können — und etwas anderes hält einen davon ab, es zu versuchen. Das Kind unterscheidet an konkreten Fällen, wer etwas gar nicht will und wer es sehr wohl will und gebremst wird. Von außen sieht beides gleich aus: beide tun nichts. Erkennbar wird der Unterschied am Preis — wer etwas nicht will, zahlt nichts dafür, es zu meiden; wer gebremst wird, gibt dafür Dinge auf, die er mag. Das verhindert den häufigsten Selbstirrtum ("ich bin faul") und ist die Voraussetzung dafür, überhaupt nach der Bremse zu suchen — benannt wird sie in "Die vier Bremsen" (`self-knowledge.motivation.die-vier-bremsen`), bearbeitet in "Kleine Stufen bauen" (`self-knowledge.motivation.kleine-stufen`). Das Zwei-Kräfte-Bild ist Atkinsons (1957): Ob jemand eine Leistung angeht, folgt aus dem Motiv, Erfolg zu suchen, *und* dem Motiv, Misserfolg zu meiden; Gray (1982) beschreibt das Hemmsystem als eigene, teilweise unabhängige Achse — man kann stark angezogen und stark gebremst zugleich sein.

Können & Üben

Zwei Kinder stehen neben ihrem Fahrrad und fahren nicht. Von außen sieht das gleich aus. Es sind zwei völlig verschiedene Fälle.

Bei jedem Vorhaben ziehen zwei Kräfte gleichzeitig. Die eine ist das Wollen: Du möchtest fahren können, du stellst dir vor, wie es ist. Die andere ist die Bremse: irgendetwas hält dich davon ab, es zu versuchen. Was am Ende passiert, hängt nicht vom Wollen allein ab, sondern davon, welche der beiden Kräfte gerade größer ist.

Deshalb ist der Satz "Ich will Fahrrad fahren können, aber ich will nicht Fahrradfahren lernen" kein Widerspruch. Er beschreibt genau diese Lage: Das Wollen zeigt auf das Ergebnis, die Bremse steht vor dem Weg dorthin.

Der häufigste Denkfehler ist, das für Faulheit zu halten. Faulheit wäre, wenn gar kein Wunsch da wäre. Hier ist der Wunsch da — er kommt nur nicht durch.

Woran erkennst du den Unterschied, wenn beide nichts tun? Am Preis. Wer etwas wirklich nicht will, zahlt nichts dafür, es zu meiden: Er redet nicht davon, er schaut nicht zu, ihm fehlt nichts. Wer gebremst wird, zahlt. Er sagt, Fahrräder seien langweilig, und geht dann nicht mehr mit den Freunden raus, die fahren. Das ist teuer. Niemand zahlt so viel für etwas, das ihm egal ist.

Das Nützliche daran: Gegen fehlendes Wollen hilft ein guter Grund. Gegen eine Bremse hilft ein guter Grund fast gar nicht — da muss die Bremse selbst kleiner werden. Erst wenn du weißt, welcher der beiden Fälle vorliegt, weißt du, was zu tun ist.

Leicht
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—‹ Nour geht nie ins Schwimmbad mit und redet auch nie davon.
  • â—Ź Nour sagt, Schwimmen sei doof, bleibt aber am Beckenrand stehen und schaut lange zu.
  • â—‹ Nour schwimmt jede Woche und will nächstes Jahr ins Training.
Zuschauen kostet Zeit und Aufmerksamkeit. Wem etwas wirklich egal ist, der schaut nicht zu.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Emil hört mit Turnen auf, seit die anderen Handstand ĂĽben, und vermisst sie sehr.
  • â—‹ Emil war nie beim Turnen und geht lieber zum Angeln.
  • â—‹ Emil turnt gern, ĂĽbt aber lieber Rolle rĂĽckwärts als Handstand.
Emil zahlt einen hohen Preis — er gibt die Gruppe auf. So viel zahlt niemand für etwas Gleichgültiges.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Yara geht aufs Klo, immer wenn Vorlesen dran ist, und ĂĽbt es abends heimlich allein.
  • â—‹ Yara liest in der Pause und meldet sich beim Vorlesen jedes Mal.
  • â—‹ Yara liest nicht gern und hört lieber HörbĂĽcher.
Heimlich ĂĽben ist das deutlichste Zeichen: Der Wunsch ist da, nur der Versuch vor anderen wird gebremst.
Wahr / Falsch #4 16s â–¶ Testen

Ari behauptet, nicht zeichnen zu wollen. Im Zimmer liegt ein volles Skizzenbuch, das niemand sehen darf. — Ari möchte zeichnen können.

âś“ Wahr
Ein volles Skizzenbuch ist bezahlte Arbeit. Gebremst wird nicht das Zeichnen, sondern das Herzeigen.
Mittel
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Timo läuft einen Umweg, damit er nicht am Hof vorbeimuss, wo die anderen Einrad fahren.
  • â—‹ Timo schaut den Einradfahrern kurz zu und geht dann zum FuĂźball.
  • â—‹ Timo hat ein Einrad geschenkt bekommen und es weiterverschenkt, ohne es zu vermissen.
Ein Umweg kostet jeden Tag Zeit. Diesen Preis zahlt man nur, wenn einem die Sache etwas bedeutet.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Lina steigt jedes Mal die Leiter zum Sprungturm hoch und wieder herunter.
  • â—‹ Lina bleibt unten im Becken und spielt mit dem Ball.
  • â—‹ Lina springt vom Beckenrand und findet den Turm zu hoch fĂĽr heute.
Wer hochsteigt, will springen. Das Hoch-und-wieder-Runter ist genau das Bild von zwei Kräften gleichzeitig.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Malik lernt französische Wörter fĂĽr sich, sagt im Austausch aber kein Wort.
  • â—‹ Malik lernt Französisch in der Schule und redet dort ganz normal mit.
  • â—‹ Malik hat Spanisch gewählt und findet Französisch nicht so wichtig.
Er investiert Arbeit ins Können und bremst nur beim Sprechen vor anderen — der Wunsch ist eindeutig da.
Multiple Choice #4 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Ida sagt seit Wochen jede Einladung in die Kletterhalle ab und fragt danach immer, wie es war.
  • â—‹ Ida geht nicht in die Kletterhalle und fragt auch nie danach.
  • â—‹ Ida klettert die leichten Routen und lässt die schweren aus.
Nachfragen kostet nichts an Geld, aber es verrät den Wunsch. Absagen plus Nachfragen ist das Muster.
Multiple Choice #5 20s â–¶ Testen

Wer will es können und wird nur gebremst?

  • â—Ź Ben hat sich ein Springseil gekauft und benutzt es nur, wenn niemand im Garten ist.
  • â—‹ Ben hat kein Springseil und will auch keins.
  • â—‹ Ben springt Seil und ĂĽbt gerade die Doppeldurchschläge.
Er hat Geld ausgegeben — der Wunsch ist bezahlt. Gebremst wird nur der Versuch vor Zuschauern.
Wahr / Falsch #6 18s â–¶ Testen

Jan sagt, Skaten sei albern. Seit die Nachbarskinder skaten, geht er nachmittags nicht mehr raus zu ihnen. — Jan möchte skaten können.

âś“ Wahr
Er gibt die Nachmittage mit den Freunden auf. Das ist ein hoher Preis, und Preise zahlt man nur fĂĽr Dinge, die einem etwas bedeuten.
Wahr / Falsch #7 18s â–¶ Testen

Mira hat Flöte ausprobiert und danach gesagt, dass es ihr nichts gibt. Sie geht weiter ins Orchester, wo sie Cello spielt, und denkt nicht mehr an die Flöte. — Mira möchte Flöte spielen können.

âś“ Falsch
Mira zahlt keinen Preis: Sie meidet nichts und vermisst nichts. Das ist echtes Desinteresse, keine Bremse.
Wahr / Falsch #8 18s â–¶ Testen

Sam sitzt seit einer halben Stunde neben seinen Schlittschuhen und zieht sie nicht an. Auf dem Eis waren an diesem Morgen schon drei Kinder aus seiner Klasse. — Sam ist einfach faul.

âś“ Falsch
Faulheit hieße, dass gar kein Wunsch da ist. Hier sitzt Sam neben den Schlittschuhen, statt woanders zu sein — das Wollen ist da, es kommt nur nicht durch.
Wahr / Falsch #9 18s â–¶ Testen

Rosa springt nie auf dem Trampolin im Garten. Sie ist die ganze Zeit im Baumhaus, redet nie vom Trampolin und ärgert sich nicht, wenn andere darauf springen. — Rosa wird beim Trampolinspringen von etwas gebremst.

âś“ Falsch
Kein Preis, kein Ärger, kein Reden davon — hier ist schlicht kein Wunsch da. Nichts zu tun heißt nicht automatisch, dass etwas bremst.
Wahr / Falsch #10 16s â–¶ Testen

Kim sagt: "Ich will Fahrrad fahren können, aber ich will es nicht lernen." — Kim widerspricht sich.

âś“ Falsch
Kein Widerspruch: Das Wollen zeigt auf das Ergebnis, die Bremse steht vor dem Weg dorthin. Zwei Kräfte, nicht eine.