Aufwand ist nicht Auszahlung
An expense is not a payment
Aufwand ist der Wert, den ein Betrieb in einer Periode verbraucht — nicht das Geld, das er ausgibt. Wer einen Ofen bar bezahlt, hat Geld ausgegeben und nichts verbraucht: Aus Geld wurde ein Ofen. Wer Mehl aus dem Lager verbäckt, hat nichts bezahlt und trotzdem Wert verbraucht. Die Schülerin entscheidet an konkreten Geschäftsvorfällen, wie hoch der Aufwand der Periode ist, und trennt ihn von der Auszahlung. Damit wird die pagatorische Fehlvorstellung („Aufwand = Geld weg“, Berding & Jahncke 2020) durch die Verbrauchsvorstellung ersetzt — die Vorstellung, die in derselben Untersuchung mit besserer Modellierungsfähigkeit einhergeht. Diese Unterscheidung trägt alles Weitere: Abschreibung, Wareneinsatz, Periodenabgrenzung und die GuV sind ohne sie nicht lernbar.
Können & Üben
Die Klassen-Bäckerei — vier Monate auf Papier
workshop90 min · once
klassenraum
Jede Gruppe führt eine Bäckerei über vier Monate. Die Begleitperson spielt Kundschaft, Lieferant und Vermieter und ruft die Monate aus. Der Kern des Aufbaus: Es gibt zwei Bögen, und in jedem Monat wird jeder Vorgang auf beiden, auf einem oder auf keinem eingetragen. Genau das ist die Lernfrage. Aufbau. Jede Gruppe startet mit 300 € Spielgeld auf dem KONTO-Bogen und einer leeren ERFOLG-Tabelle. An der Tafel steht die einzige Regel, die die Gruppen brauchen: Auf den KONTO-Bogen kommt, was Geld bewegt. Auf den ERFOLG-Bogen kommt, was verbraucht oder erwirtschaftet wurde. Nicht mehr. Monat 1 — alles bar. Die Gruppen kaufen Ware (Kärtchen zu 6 €), verkaufen an die Begleitperson für 15 € bar, zahlen 100 € Miete. Beide Bögen füllen sich parallel. Am Monatsende beide Ergebnisse nebeneinander an die Tafel: Gewinn und Kontostand sind fast dasselbe. Das ist die Ausgangslage — und die Vorstellung, die als Nächstes bricht. Monat 2 — der große Kunde zahlt später. Die Begleitperson tritt als Café auf und bestellt groß, zahlt aber „in zwei Monaten“: statt Scheinen gibt es eine rote Karte. Vorher vermuten lassen: Was passiert jetzt mit den beiden Bögen? Dann eintragen. Beobachten: Der ERFOLG-Bogen zeigt einen guten Monat, der KONTO-Bogen schrumpft, weil Ware und Miete bar bezahlt wurden. Erklären lassen, warum beides gleichzeitig stimmt. Monat 3 — die Miete kommt trotzdem. Die Miete wird eingezogen, egal wie voll das Konto ist. Wer nicht zahlen kann, muss verhandeln: Kunden anrufen (die Begleitperson zahlt eine rote Karte vorzeitig aus, wenn eine Gruppe gut fragt), weniger einkaufen, oder einen Kredit aufnehmen — 200 € gegen 10 € Zinsen pro Monat. Wichtig: Der Kredit kommt auf den KONTO-Bogen und NICHT auf den ERFOLG-Bogen; nur die Zinsen sind Aufwand. Genau hier irren die meisten Gruppen, und genau hier lohnt das Innehalten. Monat 4 — Wachstum. Die Begleitperson bestellt doppelt so viel wie in Monat 2, wieder auf Rechnung. Vorher vermuten lassen: Wird das Konto voller oder leerer? Fast alle sagen voller. Beobachten: Es wird leerer, weil die doppelte Ware sofort zu bezahlen ist. Der ERFOLG-Bogen zeigt den besten Monat des Jahres. Abschluss (20 Minuten, der wichtigste Teil). Jede Gruppe schreibt zwei Zahlen an die Tafel: Gewinn der vier Monate und Kontostand am Ende. Die Spannweite zwischen den Gruppen ist der Gesprächsanlass. Drei Fragen nacheinander: Wo steckt bei der Gruppe mit dem höchsten Gewinn das Geld? (In den roten Karten und in den Warenkärtchen.) Was hätte die Gruppe mit dem leersten Konto anders machen können, ohne weniger zu verkaufen? (Kürzere Zahlungsziele, kleineres Lager, Kredit.) Und: Welcher Vorgang stand auf beiden Bögen, welcher nur auf einem? Die Liste an der Tafel ist das Ergebnis der Stunde — Aufwand ist nicht Auszahlung, Ertrag ist nicht Einzahlung.
guide
6–30
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (1)
Die Bäckerei kauft einen Backofen für 6.000 € und bezahlt sofort. Wie hoch ist der Aufwand dieses Monats?
Die Bäckerei kauft Mehl für 400 € auf Rechnung. Verbacken wird in diesem Monat nichts davon, wohl aber Zucker im Wert von 120 € aus dem alten Lagerbestand. Wie hoch ist der Aufwand dieses Monats?
Die Bäckerei bezahlt im Januar einen Lieferwagen bar mit 18.000 €. Der Aufwand im Januar beträgt 18.000 €.
Geld fließt ab, aber es wird nichts verbraucht: Das ist eine Auszahlung, aber kein ___.
Die Bäckerei verbäckt Mehl im Wert von 250 € aus ihrem Lager. Bezahlt wurde das Mehl schon im letzten Monat. Wie hoch ist der Aufwand dieses Monats?
Die Bäckerei zahlt im Dezember 3.000 € Miete für Januar, Februar und März. Wie hoch ist der Aufwand im Dezember?
Der Backofen kostete 6.000 € und wird zehn Jahre lang genutzt. In diesem Jahr fließt dafür kein Geld. Wie hoch ist der Aufwand dieses Jahres?
Die Bäckerei nimmt einen Kredit über 10.000 € auf; das Geld liegt auf dem Konto. Noch im selben Monat zahlt sie dafür 250 € Zinsen. Wie hoch ist der Aufwand dieses Monats?
Die Bäckerei überweist 1.040 € an die Bank: 1.000 € Tilgung und 40 € Zinsen. Wie hoch ist der Aufwand dieses Monats?
Harry nimmt 500 € aus der Kasse für einen privaten Urlaub. Im selben Monat zahlt die Bäckerei 300 € Strom. Wie hoch ist der Aufwand dieses Monats?
Die Aushilfe hat diesen Monat für 2.000 € gearbeitet; überwiesen wird ihr Lohn erst nächsten Monat. In diesem Monat überweist die Bäckerei dafür die 1.800 € Lohn des Vormonats. Wie hoch ist der Lohnaufwand dieses Monats?
In einem Monat, in dem die Bäckerei keinen einzigen Cent auszahlt, kann trotzdem Aufwand entstehen.
Am 20. März bestellt die Bäckerei Hefe, am 5. April wird sie geliefert und sofort verbraucht, am 30. April wird sie bezahlt. In welchem Monat entsteht der Aufwand?
Eine Teigknetmaschine kostet 12.000 € und wird acht Jahre genutzt. Wie hoch ist der Abschreibungsaufwand pro Jahr in Euro?
Im März gilt: Wareneinkauf 800 € (bar bezahlt), davon verbraucht 500 €; Miete 400 € (bar bezahlt und der Monat März ist genutzt). Welche Rechnung ergibt den Aufwand des Monats März?