Die Gewinn- und Verlustrechnung aufstellen
Drawing up the income statement
Eine Gewinn- und Verlustrechnung stellt für einen abgegrenzten Zeitraum die Aufwendungen den Erträgen gegenüber; was übrig bleibt, ist Gewinn oder Verlust. Die Schülerin rechnet für einen Monat aus Harrys Bäckerei mit den vier Erfolgskonten des Lehrplans — Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen und Umsatzerlöse — den Erfolg aus und entscheidet zwischen drei fertigen Aufstellungen, welche davon stimmt. Drei Beträge sehen dabei nach Erfolg aus und sind keiner: die Umsatzsteuer, die Harry nur für das Finanzamt kassiert und als Verbindlichkeit weiterreicht; die Aufnahme eines Darlehens, die Geld bringt und gleich viel Schuld dazu; und die Tilgung, die Schuld abbaut, statt Wert zu verbrauchen — allein die Zinsen sind Aufwand. Die Umsatzsteuer gehört mit den Bestands- und Erfolgskonten zu den drei fehlerträchtigsten Gebieten des Anfangsunterrichts (Türling u. a. 2011), und die beiden anderen Fälle treffen die Liquiditätszufluss- und Liquiditätsabflussvorstellung (Berding & Jahncke 2020) an ihrer empfindlichsten Stelle. Vorbereitet wird wirtschaft-und-recht.grade9.konten-abschliessen.
Können & Üben
Die Klassen-Bäckerei — vier Monate auf Papier
workshop90 min · once
klassenraum
Jede Gruppe führt eine Bäckerei über vier Monate. Die Begleitperson spielt Kundschaft, Lieferant und Vermieter und ruft die Monate aus. Der Kern des Aufbaus: Es gibt zwei Bögen, und in jedem Monat wird jeder Vorgang auf beiden, auf einem oder auf keinem eingetragen. Genau das ist die Lernfrage. Aufbau. Jede Gruppe startet mit 300 € Spielgeld auf dem KONTO-Bogen und einer leeren ERFOLG-Tabelle. An der Tafel steht die einzige Regel, die die Gruppen brauchen: Auf den KONTO-Bogen kommt, was Geld bewegt. Auf den ERFOLG-Bogen kommt, was verbraucht oder erwirtschaftet wurde. Nicht mehr. Monat 1 — alles bar. Die Gruppen kaufen Ware (Kärtchen zu 6 €), verkaufen an die Begleitperson für 15 € bar, zahlen 100 € Miete. Beide Bögen füllen sich parallel. Am Monatsende beide Ergebnisse nebeneinander an die Tafel: Gewinn und Kontostand sind fast dasselbe. Das ist die Ausgangslage — und die Vorstellung, die als Nächstes bricht. Monat 2 — der große Kunde zahlt später. Die Begleitperson tritt als Café auf und bestellt groß, zahlt aber „in zwei Monaten“: statt Scheinen gibt es eine rote Karte. Vorher vermuten lassen: Was passiert jetzt mit den beiden Bögen? Dann eintragen. Beobachten: Der ERFOLG-Bogen zeigt einen guten Monat, der KONTO-Bogen schrumpft, weil Ware und Miete bar bezahlt wurden. Erklären lassen, warum beides gleichzeitig stimmt. Monat 3 — die Miete kommt trotzdem. Die Miete wird eingezogen, egal wie voll das Konto ist. Wer nicht zahlen kann, muss verhandeln: Kunden anrufen (die Begleitperson zahlt eine rote Karte vorzeitig aus, wenn eine Gruppe gut fragt), weniger einkaufen, oder einen Kredit aufnehmen — 200 € gegen 10 € Zinsen pro Monat. Wichtig: Der Kredit kommt auf den KONTO-Bogen und NICHT auf den ERFOLG-Bogen; nur die Zinsen sind Aufwand. Genau hier irren die meisten Gruppen, und genau hier lohnt das Innehalten. Monat 4 — Wachstum. Die Begleitperson bestellt doppelt so viel wie in Monat 2, wieder auf Rechnung. Vorher vermuten lassen: Wird das Konto voller oder leerer? Fast alle sagen voller. Beobachten: Es wird leerer, weil die doppelte Ware sofort zu bezahlen ist. Der ERFOLG-Bogen zeigt den besten Monat des Jahres. Abschluss (20 Minuten, der wichtigste Teil). Jede Gruppe schreibt zwei Zahlen an die Tafel: Gewinn der vier Monate und Kontostand am Ende. Die Spannweite zwischen den Gruppen ist der Gesprächsanlass. Drei Fragen nacheinander: Wo steckt bei der Gruppe mit dem höchsten Gewinn das Geld? (In den roten Karten und in den Warenkärtchen.) Was hätte die Gruppe mit dem leersten Konto anders machen können, ohne weniger zu verkaufen? (Kürzere Zahlungsziele, kleineres Lager, Kredit.) Und: Welcher Vorgang stand auf beiden Bögen, welcher nur auf einem? Die Liste an der Tafel ist das Ergebnis der Stunde — Aufwand ist nicht Auszahlung, Ertrag ist nicht Einzahlung.
guide
6–30
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (4)
Februar: Harrys Aufwendungen betragen zusammen 14.700 €, seine Erträge 12.900 €. Der Erfolg des Monats Februar heißt deshalb ___.
Juni: Umsatzerlöse 18.470 €, Materialaufwand 6.150 €, Personalaufwand 4.820 €, Abschreibungen 1.310 €. Wie hoch ist der Erfolg des Monats Juni?
Juli: Umsatzerlöse 21.300 €, Materialaufwand 7.480 €, Personalaufwand 5.150 €, Abschreibungen 1.870 €. Für die Abschreibungen ist im Juli kein Cent geflossen. Wie hoch ist der Erfolg des Monats Juli?
September: Umsatzerlöse 16.400 €, Materialaufwand 5.900 €, Personalaufwand 4.300 €. Außerdem nimmt Harry ein Darlehen über 25.000 € auf, das Geld liegt auf dem Konto. Wie hoch ist der Erfolg des Monats September?
Januar: Umsatzerlöse 11.100 €, Materialaufwand 5.400 €, Personalaufwand 5.900 €, Abschreibungen 1.480 €. Wie hoch ist der Erfolg des Monats Januar?
Im Mai nimmt Harrys Bäckerei ein Darlehen über 8.500 € auf. Dadurch steigen die Erträge des Monats Mai um 8.500 €.
Im Mai tilgt Harry 1.950 € seines Darlehens. Dieser Betrag gehört auf die Aufwandsseite der Mai-GuV.
April: Umsatzerlöse 24.600 €, Materialaufwand 8.900 €, Personalaufwand 6.750 €, Abschreibungen 1.620 €. Wie hoch ist der Erfolg des Monats April in Euro?
August: Harry verkauft Brot für 15.600 € netto. Darauf kommen 7 % Umsatzsteuer, also 1.092 €; die Kunden zahlen zusammen 16.692 €. Wie hoch ist der Ertrag des Monats August?
Oktober: Umsatzerlöse 17.850 €, Materialaufwand 6.400 €, Personalaufwand 4.950 €. Außerdem überweist Harry 2.850 € Tilgung und 340 € Zinsen an die Bank. Wie hoch ist der Erfolg des Monats Oktober?
November: Umsatzerlöse 19.200 €, Materialaufwand 6.750 €, Personalaufwand 5.100 €, Abschreibungen 1.450 €; außerdem nimmt Harry ein Darlehen über 6.000 € auf. Welche Aufstellung ergibt den Erfolg des Monats November?
Dezember: Harry verkauft für 22.400 € netto zuzüglich 1.568 € Umsatzsteuer; Materialaufwand 8.100 €, Personalaufwand 6.250 €, Abschreibungen 1.480 €. Welche Aufstellung ergibt den Erfolg des Monats Dezember?
Im Februar gehen drei Beträge über Harrys Konto: 1.290 € Stromrechnung für den Backofen, 2.780 € Tilgung des Darlehens und 4.100 € Anzahlung eines Kunden für eine Hochzeitstorte im Mai. Welcher Betrag gehört auf die Aufwandsseite der GuV?
März: Drei Überweisungen verlassen Harrys Konto — 1.365 € Umsatzsteuer an das Finanzamt, 830 € Versicherung für den Monat März und 1.520 € Anzahlung an den Ofenbauer für eine Knetmaschine, die im Juni geliefert wird. Wie hoch ist der Aufwand des Monats März?
Mai: Umsatzerlöse 16.900 €, Personalaufwand 5.200 €, Abschreibungen 1.300 €. Der Gewinn des Monats beträgt 4.500 €. Wie hoch war der Materialaufwand in Euro?