Ein Projekt scheitert selten an der Idee und fast immer an einer Stelle, die niemandem zugeteilt war. Der Schüler prüft deshalb an konkreten Projektsituationen zweierlei: welche der drei vorgelegten Zielformulierungen am Ende überhaupt abhakbar ist — sie nennt einen Termin und eine Zahl —, und welcher Schritt in einer schiefgelaufenen Situation gefehlt hat: die Aufgabenliste mit Namen und Termin, der rückwärts vom Endtermin gerechnete Ablaufplan, das Treffen, in dem beide Gruppen berichten, die Strichliste, die den Abend belegt, oder die Auswertung, die Plan und Ergebnis nebeneinanderlegt. Er rechnet außerdem Vorlaufzeiten aus und erkennt, dass bei zwei parallelen Strängen der längere den Termin bestimmt. Verdrängt wird dabei die systematische Unterschätzung des eigenen Zeitbedarfs (Buehler, Griffin & Ross 1994) und die Neigung, aus guter Absicht auf gutes Ergebnis zu schließen, statt den Ablauf zu prüfen (Leiser & Aroch 2009, good-begets-good). Das Thema trägt das Projekt, in dem wirtschaft-und-recht.grade9.geschaeftsidee-und-marktchance und wirtschaft-und-recht.grade9.kapitalbedarf-und-finanzierung erarbeitet werden.
Eine Klasse plant einen Waffelstand fĂĽr das Schulfest am 12. Juli. Welches der drei Ziele kann die Gruppe am Abend des 12. Juli eindeutig abhaken?
â—Ź Am 12. Juli verkaufen wir mindestens 120 Waffeln.
â—‹ Wir machen einen richtig guten Waffelstand.
â—‹ Wir geben beim Waffelverkauf unser Bestes.
Nur beim ersten Ziel steht am Abend eine Zahl gegen eine Zahl: 120 verkauft oder nicht. „Richtig gut“ und „unser Bestes“ kann hinterher jeder anders sehen — daran lässt sich nichts messen und nichts steuern.
Am Morgen des Schulfests stellt die Gruppe fest, dass niemand den Teig angerĂĽhrt hat. Jeder dachte, jemand anderes macht es. Welcher Schritt hat in dieser Gruppe gefehlt?
â—Ź Eine Liste, in der zu jeder Aufgabe ein Name und ein Termin steht
â—‹ Ein Plakat mit dem Logo des Stands
â—‹ Eine Abschlussrunde, in der besprochen wird, was gut gelaufen ist
Eine Aufgabe ohne Namen ist eine Aufgabe, die niemand ĂĽbernommen hat. Die Strukturplanung zerlegt das Projekt in Aufgaben und schreibt hinter jede eine Person und einen Termin.
Die Gruppe hat als Ziel festgehalten: „Wir bauen einen möglichst schönen Stand.“ Am Abend des Fests kann die Gruppe eindeutig sagen, ob dieses Ziel erreicht wurde.
âś“ Falsch
Nein. „Möglichst schön“ nennt weder eine Zahl noch einen Termin — zwei Leute aus derselben Gruppe können am Abend gegenteiliger Meinung sein, und beide haben recht.
Im Ablaufplan steht: Teig am Donnerstagabend anrĂĽhren, Waffeln am Freitagmorgen backen. Die Reihenfolge dieser beiden Schritte ist beliebig.
âś“ Falsch
Nein. Ohne Teig kann nicht gebacken werden — die beiden Schritte hängen voneinander ab. Genau solche Abhängigkeiten hält der Ablaufplan fest, während der Strukturplan nur sammelt, was zu tun ist.
In der Aufgabenliste steht bei „Becher besorgen“ nur der Name von Jonas. Wer nicht dazuschreibt, bis wann Jonas das erledigt haben soll, hat den ___ vergessen.
âś“ Antwort: Termin
Eine Aufgabe braucht beides: einen Namen und einen Termin. Fehlt der Termin, merkt die Gruppe erst am Festtag, dass die Becher nicht da sind.
Eine SchĂĽlerfirma startet im Februar mit dem Verkauf belegter Semmeln. Welches der drei Ziele kann die Gruppe am 30. April eindeutig abhaken?
â—Ź Bis zum 30. April haben 15 verschiedene Personen mindestens einmal bei uns gekauft.
â—‹ Wir wollen am Markt erfolgreich sein.
○ Wir wollen möglichst viele Kundinnen und Kunden gewinnen.
Termin und Zahl machen das erste Ziel prüfbar: Am 30. April zählt die Gruppe ihre Kundenliste. „Erfolgreich“ und „möglichst viele“ sind auch dann erfüllt, wenn drei Leute gekauft haben.
Eine Gruppe produziert einen Schulpodcast. Welches der drei Ziele kann die Gruppe am 20. März eindeutig abhaken?
● Bis zum 20. März sind drei Folgen von je etwa zehn Minuten online.
○ Wir veröffentlichen regelmäßig neue Folgen.
â—‹ Unser Podcast soll professionell klingen.
Am 20. März sind entweder drei Folgen online oder nicht. „Regelmäßig“ nennt keinen Abstand, „professionell“ keinen Maßstab — beide Ziele kann die Gruppe nie verfehlen und nie erreichen.
Eine Jahrgangsstufe organisiert einen Spendenlauf am 5. Mai. Welches der drei Ziele kann die Gruppe am 5. Mai eindeutig abhaken?
● Am 5. Mai laufen mindestens 60 Schülerinnen und Schüler mit und wir sammeln 1.500 €.
â—‹ Wir sammeln viel Geld fĂĽr einen guten Zweck.
â—‹ Alle sollen SpaĂź am Laufen haben.
Zwei Zahlen und ein Datum: Teilnehmerliste und Spendenstand geben am Abend die Antwort. „Viel Geld“ und „Spaß“ sind Wünsche, keine Ziele — sie taugen nicht zur Planung, weil man aus ihnen keine Aufgabe ableiten kann.
Die Waffeleisen werden am Freitag bestellt und erst am folgenden Montag geliefert. Gebraucht werden sie aber schon am Samstag. Welcher Schritt hat in dieser Gruppe gefehlt?
● Ein Ablaufplan, der vom Festtermin aus rückwärts gerechnet ist
○ Ein zweites Angebot von einem anderen Händler
â—‹ Eine Kalkulation des Waffelpreises
Wer vom Endtermin rückwärts rechnet, sieht sofort, wann bestellt sein muss. Menschen unterschätzen ihren eigenen Zeitbedarf verlässlich — deshalb wird die Reihenfolge geplant und nicht geschätzt.
Zwei Teilgruppen haben unabhängig voneinander Becher gekauft. Jetzt liegen 400 Becher im Lager, gebraucht werden 150. Welcher Schritt hat in dieser Gruppe gefehlt?
● Ein wöchentliches Treffen, in dem jede Teilgruppe berichtet, was sie gekauft hat
○ Ein größeres Lagerregal
○ Eine Umfrage unter den Gästen des Schulfests
Zwei Gruppen, die nicht miteinander reden, machen dieselbe Arbeit zweimal. Genau dagegen gibt es feste Termine, an denen berichtet wird — das ist die Projektkommunikation.
Bei der Präsentation vor der Jury liest ein Gruppenmitglied 30 vollgeschriebene Folien vor. Nach fünf Minuten bricht die Jury ab. Welcher Schritt hat in dieser Gruppe gefehlt?
● Ein Probedurchlauf mit Stoppuhr und höchstens einer Kernaussage je Folie
○ Ein anderes Präsentationsprogramm
â—‹ Ein Antrag auf mehr Redezeit bei der Jury
Die Präsentation ist selbst eine Aufgabe im Plan und wird geprobt wie jede andere. Die Stoppuhr zeigt vorher, was die Jury sonst nachher abbricht.
Der Stand soll um 14:00 Uhr öffnen. Der Aufbau dauert 45 Minuten, das Anrühren des Teigs davor 30 Minuten und der Einkauf davor 60 Minuten. Wie viele Minuten vor der Öffnung muss die Gruppe beginnen?
âś“ Antwort: 135
60 + 30 + 45 = 135 Minuten, also Beginn um 11:45 Uhr. Rückwärts vom Endtermin zu rechnen ist der ganze Trick der Ablaufplanung.
Am Ende fragt die Lehrkraft, was die Gruppe beim nächsten Projekt anders machen würde. Niemand kann etwas sagen. Welcher Schritt hat in dieser Gruppe gefehlt?
â—Ź Ein Auswertungstreffen, in dem Plan und Ergebnis nebeneinandergelegt werden
â—‹ Ein Foto vom Stand fĂĽr die Schulhomepage
○ Ein Dankeschön-Brief an die Sponsoren
Ohne Vergleich von Plan und Ergebnis bleibt ein Projekt eine Erinnerung statt einer Erfahrung. Foto und Dankesbrief gehören dazu, ersetzen die Auswertung aber nicht.
Das Ziel lautete: „Bis zum 3. Juni haben wir 20 Vorbestellungen.“ Am 3. Juni liegen 14 Vorbestellungen vor. Das Ziel ist damit nicht erreicht.
âś“ Wahr
Ja. 14 ist weniger als 20, und mehr steht am 3. Juni nicht zur Debatte. Genau das ist der Nutzen eines prĂĽfbaren Ziels: Es kann verfehlt werden, und die Gruppe merkt es rechtzeitig genug, um zu reagieren.
Zwei Teilgruppen arbeiten gleichzeitig: Gruppe A braucht 20 und dann 35 Minuten, Gruppe B braucht 40 und dann 25 Minuten. Erst wenn beide fertig sind, geht es weiter. Nach wie vielen Minuten ist das der Fall?
âś“ Antwort: 65
Gruppe A braucht 55 Minuten, Gruppe B 65 Minuten. Weil parallel gearbeitet wird, werden die Zeiten nicht addiert — es zählt der längere Strang, und der bestimmt den Termin.