Sechs Verträge für einen Abend – die Vertragstypen (eA)
Six Contracts for One Evening – Types of Contract (eA)
Die Lernenden ordnen die Verträge des Abikomitees ihren Typen zu, indem sie lesen, was jede Seite schuldet: Kauf (§ 433, Eigentum an der Deko), Miete (§ 535, Gebrauch des Saals auf Zeit), Werkvertrag (§ 631, 200 fertige Fotos – ein Erfolg), Dienstvertrag (§ 611, vier Tanzstunden – nur die Tätigkeit) und den Werklieferungsvertrag (§ 650), für den das Gesetz das Kaufrecht anordnet: Kaltenecker kocht das Buffet erst und liefert es. Verdrängt werden „Vertrag ist Vertrag“ und „wer eine Dienstleistung erbringt, hat einen Dienstvertrag“. Ziel: die Pflichten jedes Typs, an denen die Leistungsstörungen der folgenden Abschnitte ansetzen.
Sechs Verträge, ein Kauf?
Sechs Verträge gehören zum Ball, wie er geplant war: fünf, die Sophie für das Komitee geschlossen hat, und Lenas Kauf ihres Kleides. Gilt für alle dasselbe? Im Alltag heißt es „Vertrag ist Vertrag“: Man hat sich geeinigt, man muss liefern und zahlen. Das BGB sieht das für den Anfang genauso. Wie ein Vertrag zustande kommt, regelt sein Allgemeiner Teil für alle Verträge zugleich. Was die Parteien dann einander schulden, hängt aber vom Vertragstyp ab, und die Typen stehen im Besonderen Schuldrecht, beginnend mit dem Kauf: Lumen muss Sophie die Deko übergeben und das Eigentum daran verschaffen, Sophie muss die 640 € zahlen (§ 433).
Beim Saal ist das anders. Der Wirt der „Alten Post“ verschafft Sophie kein Eigentum, er überlässt ihr den Saal für einen Abend:
„Durch den Mietvertrag wird der Vermieter verpflichtet, dem Mieter den Gebrauch der Mietsache während der Mietzeit zu gewähren.“
— § 535 Abs. 1 S. 1 BGB
Kauf heißt Eigentum auf Dauer gegen den Kaufpreis, Miete heißt Gebrauch auf Zeit gegen die Miete. Nach dem Ball gehört der Saal wieder allein dem Wirt, die Deko aber Sophie. Und bei drei Verträgen passt keins von beiden, denn dort muss jemand erst etwas herstellen oder tätig werden. Sortiere die sechs Verträge.
- Kaufvertrag (§ 433)
- Mietvertrag (§ 535)
- Weder noch
- Clara Wendt fotografiert den Ball und liefert 200 Bilder
- Lenas Kleid von 1962 aus der Kleiderei
- Der Saal der „Alten Post“ am 11. Juli
- Kalteneckers Buffet, 120 Portionen
- Die Deko von Lumen für 640 €
- Vier Walzerstunden bei David Ruf
Ergebnis oder Tätigkeit
Clara und David würde man im Alltag beide „Dienstleister“ nennen. Das BGB trennt sie nach dem, was sie schulden:
„Durch den Werkvertrag wird der Unternehmer zur Herstellung des versprochenen Werkes, der Besteller zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.“
— § 631 Abs. 1 BGB
„Durch den Dienstvertrag wird derjenige, welcher Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.“
— § 611 Abs. 1 BGB
Clara schuldet ein Ergebnis: 200 fertige, bearbeitete Fotos. Das Gesetz
nennt das einen
- Werkvertrag (§ 631)
- Dienstvertrag (§ 611)
- Ein Sicherheitsdienst bewacht den Eingang
- Eine Grafikerin entwirft das Ballplakat
- Tim hilft Kaltenecker für 14 € pro Stunde
- Clara fotografiert den Ball und liefert 200 Bilder
- Ein Techniker repariert die Musikanlage
- David gibt vier Walzerstunden
Gekocht und geliefert
Bleibt Kaltenecker. Er kocht 120 Portionen, die es bei der Bestellung im März noch gar nicht gab, und liefert sie in den Saal. Das sieht nach Werkvertrag aus, denn er stellt etwas her. Für genau diesen Fall hat das Gesetz aber entschieden:
„Auf einen Vertrag, der die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender beweglicher Sachen zum Gegenstand hat, finden die Vorschriften über den Kauf Anwendung.“
— § 650 Abs. 1 S. 1 BGB
Das ist der Werklieferungsvertrag. Wer eine bewegliche Sache bestellt, soll dieselben Rechte haben, ob sie schon im Regal lag oder erst für ihn gemacht wird. Für Kalteneckers Buffet gilt deshalb Kaufrecht: Er muss liefern und übereignen, Sophie zahlt 4 200 €. Schenkt sein Helfer am Abend auch aus, ist ein gemischter Vertrag mit Werkvertragsteil vertretbar; für das Buffet selbst bleibt es beim Kaufrecht. Anders wäre es, wenn eine Schneiderin Lenas eigenes Kleid kürzte. Dann wird nichts Neues geliefert, sondern eine Sache des Bestellers verändert, und es bleibt ein Werkvertrag (§ 631 Abs. 2). Was aber schuldet Kaltenecker genau – nur das Buffet?
Voraussetzungen (1)
Der Wirt der „Alten Post“ überlässt dem Komitee den Saal für den Abend des 11. Juli gegen 1 800 €. Welcher Vertrag ist das?
Mit dem Mietvertrag wird Sophie für den Abend des 11. Juli Eigentümerin des Saals.
Clara Wendt fotografiert den Ball von 19 bis 23 Uhr und liefert bis zum 31. Juli 200 bearbeitete Fotos. Welcher Vertragstyp ist das?
Weil Clara eine Dienstleistung erbringt, hat sie mit Sophie einen Dienstvertrag geschlossen.
Kaltenecker kocht 120 Portionen, die es bei der Bestellung im März noch nicht gab, und liefert sie in den Saal. Welches Recht gilt für seinen Vertrag?
Weil Kaltenecker das Buffet erst kocht, gilt für seinen Vertrag Werkvertragsrecht.
§ 535 I 1: Durch den Mietvertrag wird der Vermieter verpflichtet, dem Mieter den ___ der Mietsache während der Mietzeit zu gewähren.
Beim Werkvertrag schuldet der Unternehmer einen ___, beim Dienstvertrag nur die versprochene Tätigkeit.
Norm finden: Das Komitee will wissen, was David Ruf für seine 240 € genau schuldet. Welche Norm schlägst du auf?
§ 650 I 1: Auf einen Vertrag, der die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender beweglicher Sachen zum Gegenstand hat, finden die Vorschriften über den ___ Anwendung.
Am 4. Juli bringt ein Partyverleih dem Komitee Lichterketten für 210 €; am 12. Juli holt er sie wieder ab. Welcher Vertragstyp ist das?
Nach den vier Stunden kann das Komitee noch immer nicht Walzer tanzen. Sophie verlangt, dass David zwei weitere Stunden kostenlos gibt. Zu Recht?
Angenommen, Lena lässt ihr eigenes Kleid bei einer Schneiderin für 45 € kürzen. Welcher Vertragstyp ist das?
Ordne in vier bis sechs Sätzen Kalteneckers und Claras Vertrag ihrem Vertragstyp zu. Nenne jeweils die Norm, die Pflichten beider Seiten und das Merkmal, an dem du den Typ erkennst.