Polarlicht — Teilchen im Feld

18 Minuten · 3 Abschnitte

Eine Nacht ĂŒber TromsĂž

Januar, 69 Grad nördliche Breite. In TromsĂž ist es seit Wochen dunkel, minus zwölf Grad, der Schnee knirscht. Gegen elf Uhr nachts passiert es: Über den Bergen erscheint ein blasser Bogen, wie ein angehauchter Streifen Licht. Dann beginnt er sich zu bewegen. Innerhalb von Minuten hĂ€ngen grĂŒne VorhĂ€nge ĂŒber dem halben Himmel — sie wellen sich, falten sich, zerfließen und bauen sich neu auf, als wĂŒrde jemand einen unsichtbaren Stoff durch die Luft ziehen. An den unteren SĂ€umen flackert es violett.

Kein Scheinwerfer, kein Flugzeug, keine Stadt weit und breit. Das Leuchten steht ruhig ĂŒber den Bergen — und es ist hell genug, um im Schnee einen Schatten zu werfen.

GrĂŒne VorhĂ€nge ĂŒber TromsĂž
VorhĂ€nge aus Licht: unten scharfer Saum, nach oben verlaufend — grĂŒn, an den SĂ€umen violett. Die Form wird uns spĂ€ter noch etwas verraten.

Die Menschen, die das seit Jahrhunderten sehen, hatten ErklĂ€rungen: Widerschein von Eisfeldern. Sonnenlicht, das an Gletschern gespiegelt wird. Fackeln von Geistern. Noch heute hört man die Eis-ErklĂ€rung oft — sie klingt vernĂŒnftig und ist trotzdem falsch. Denn im Januar um elf Uhr nachts steht die Sonne in TromsĂž tief unter dem Horizont, und Eis, das im Dunkeln liegt, hat nichts zu spiegeln.

Die wirkliche Geschichte beginnt 150 Millionen Kilometer entfernt. Die Sonne schickt nicht nur Licht: Sie verliert pausenlos Materie — einen Strom geladener Teilchen, Protonen und Elektronen, der mit 300 bis 800 Kilometern pro Sekunde durchs All fegt. Man nennt ihn den Sonnenwind. Ein Teil davon trifft auf die Erde — genauer: auf das Magnetfeld der Erde. Und was ein Feld mit einem geladenen Teilchen macht, ist gerade nicht das, was die meisten Menschen erwarten.

Was bringt den Himmel zum Leuchten — 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt? Und warum ausgerechnet an den Polen, in VorhĂ€ngen, in GrĂŒn? Um das zu beantworten, mĂŒssen wir zwei hartnĂ€ckige Fehlvorstellungen loswerden: dass geladene Teilchen den Feldlinien wie Schienen folgen — und dass ein Magnetfeld Teilchen schneller macht.

Feldlinien sind keine Schienen

Bevor der Sonnenwind die Erde erreicht, klĂ€ren wir eine Grundfrage im Labor. Du kennst das Bild: Um eine Ladung herum zeichnet man Feldlinien — sauber geschwungene Linien mit Pfeilspitzen, wie eine Landkarte des Feldes. Das Bild ist so suggestiv, dass fast alle Menschen daraus dasselbe ablesen: Die Linien sehen aus wie Gleise. Wo eine Linie verlĂ€uft, da wird ein Teilchen wohl entlangfahren.

Genau das wollen wir testen — im einfachsten Feld, das es gibt. Zwischen zwei geladenen Metallplatten laufen alle Feldlinien parallel, hier von der positiven oberen Platte senkrecht hinunter zur negativen. Am linken Rand wartet ein Elektron mit der Geschwindigkeit , quer zu den Linien. Mehr steht noch nicht im Bild — absichtlich.

Die Ausgangslage: cyanfarbene Feldlinien, das Elektron e⁻ mit seiner Startgeschwindigkeit v₀. Noch fliegt nichts.

Halte kurz inne und lege dich fest, bevor du weiterscrollst: Was macht das Elektron, wenn wir es losfliegen lassen? Schwenkt es auf eine Feldlinie ein und fÀhrt auf ihr nach oben zur positiven Platte? Fliegt es einfach geradeaus weiter? Oder etwas Drittes?

Ein Schritt nach dem anderen. Zuerst: Was sagt die Linie ĂŒberhaupt? Sie sagt nicht, wohin ein Teilchen fliegt — sie sagt, in welche Richtung die Kraft zeigt: . FĂŒr das negative Elektron heißt das: entgegen der Feldrichtung, also nach oben. Und zwar ĂŒberall, an jedem Punkt zwischen den Platten:

Schiebe das Elektron seine bisherige Richtung entlang (gestrichelt) und verĂ€ndere E: Der rote Kraftpfeil zeigt an jeder Stelle nach oben — die Feldlinien geben nur die Kraft an, sonst nichts.

Der rote Pfeil verrĂ€t noch keine Bahn. Denn eine Kraft verbiegt keine Bewegung auf einen Schlag: Sie Ă€ndert die Geschwindigkeit nur allmĂ€hlich, und die Bahn entsteht erst aus dem Zusammenspiel von beidem — der Kraft und der Geschwindigkeit, die das Teilchen schon mitbringt. Jetzt lassen wir das Elektron wirklich fliegen:

Die Auflösung: Ziehe das Elektron e⁻ an eine beliebige Stelle seiner Bahn und verĂ€ndere v₀ und E. Die cyanfarbenen Pfeile sind die Feldlinien, der rote Pfeil die Kraft, die gelbe Kurve die Bahn.

Die Antwort ist das Dritte: eine Parabel. Das Elektron schwenkt auf keine Linie ein — es kreuzt eine Feldlinie nach der anderen. Und je weiter es kommt, desto stĂ€rker krĂŒmmt sich seine Bahn quer zu den Linien nach oben, zur positiven Platte hin.

Das kennst du lĂ€ngst — aus dem Schwerefeld. Auch die „Feldlinien" der Gravitation zeigen senkrecht nach unten. Trotzdem fĂ€llt ein Ball, den du waagrecht wirfst, nicht senkrecht zu Boden: Er behĂ€lt seine VorwĂ€rtsgeschwindigkeit und wird gleichzeitig nach unten beschleunigt — die Bahn ist eine Wurfparabel. Unser Elektron macht exakt dasselbe, nur ist die „Schwerkraft" hier elektrisch:

  • Quer zum Feld wirkt keine Kraft — die Komponente bleibt konstant. Beobachte das Anzeigefeld: Egal wie du ziehst, rĂŒhrt sich nicht.
  • LĂ€ngs der Feldlinien beschleunigt die konstante Kraft das Elektron gleichmĂ€ĂŸig — die Ablenkung wĂ€chst quadratisch mit dem Weg.

Zusammen ergibt das die Bahngleichung

mit der Elementarladung und der Elektronenmasse . Bevor du sie im Applet prĂŒfst, sag zwei Dinge voraus: Was macht die Ablenkung am rechten Rand, wenn du die FeldstĂ€rke verdoppelst? Und was, wenn du stattdessen verdoppelst?

Jetzt prĂŒfe nach. Doppeltes : Die Ablenkung verdoppelt sich — das hatten die meisten. Doppeltes : Die Ablenkung bricht auf ein Viertel ein, denn ein schnelles Elektron ist kĂŒrzer im Feld und die KrĂŒmmung wirkt doppelt gedĂ€mpft. Mit und dem langsamsten Elektron kommt die Bahn am rechten Rand der oberen Platte schon gefĂ€hrlich nahe.

Merke dir das Bild so: Das Feldlinienbild ist eine Kraftkarte, kein Fahrplan. Nur ein Teilchen, das ohne Anfangsgeschwindigkeit genau auf einer geraden Feldlinie startet, bleibt zufĂ€llig auf ihr — in jedem anderen Fall trennen sich Linie und Bahn. Diese Unterscheidung nehmen wir mit: Auch beim Polarlicht werden die Teilchen den Feldlinien nicht einfach folgen — und trotzdem werden die Linien bestimmen, wo das Licht entsteht. Wie beides zusammenpasst, klĂ€rt der Rest des Artikels.

Das Magnetfeld lenkt nur

Der Sonnenwind trifft nun nicht auf ein elektrisches Feld, sondern auf das Magnetfeld der Erde. Und Magnetfelder spielen nach eigenen Regeln. Die erste Regel ist schon merkwĂŒrdig: Ein ruhendes geladenes Teilchen spĂŒrt vom Magnetfeld gar nichts. Erst wenn es sich bewegt, packt das Feld zu — mit der Lorentzkraft. Bewegt sich die Ladung senkrecht zu den Feldlinien, hat sie den Betrag

Die zweite Regel ist die entscheidende: Diese Kraft zeigt weder in Feldrichtung noch in Bewegungsrichtung. Sie steht senkrecht auf beiden — das sagt die Drei-Finger-Regel. Schau dir dieses Paar zuerst ganz allein an, ohne jede Bahn:

Drehe die Flugrichtung φ: Der rote Kraftpfeil schwenkt mit, immer genau 90° zur grĂŒnen Geschwindigkeit. Die × zeigen das Magnetfeld, das in die Zeichenebene hineinzeigt.

Egal wohin das Teilchen fliegt — die Kraft steht quer, wie festgeschweißt. Und die Anzeige rĂŒhrt sich beim Drehen nicht. Bevor du weiterliest, sag voraus: Was macht eine Kraft, die ewig quer steht, mit der Bahn des Teilchens? Macht sie es schneller, so wie das elektrische Feld eben? Bremst sie es ab? Und welche Bahnform kommt heraus?

Die Auflösung: Ziehe das Teilchen q um seine Bahn und verĂ€ndere v und B. GrĂŒn ist die Geschwindigkeit, Rot die Lorentzkraft.

Die Bahn ist ein Kreis. Beim Ziehen siehst du dasselbe Paar wie eben wieder: Der grĂŒne Geschwindigkeitspfeil und der rote Kraftpfeil wandern mit, ihr rechter Winkel bleibt. Und rĂŒhrt sich weiterhin nicht — egal wie lange das Teilchen kreist, es wird kein bisschen schneller.

Viele stellen sich vor, das Magnetfeld „beschleunige" das Teilchen, pumpe also Energie hinein. Der rechte Winkel macht das unmöglich. Arbeit verrichtet eine Kraft nur mit dem Anteil, der lĂ€ngs des Weges zeigt — und die Lorentzkraft hat keinen solchen Anteil, in keinem einzigen Augenblick:

Das Magnetfeld ist ein Lenker, kein Motor. Es ist wie die Schnur, an der du einen Ball im Kreis schleuderst: Die Schnur zerrt immer quer zur Bewegung, zum Mittelpunkt hin — der Ball Ă€ndert pausenlos die Richtung und behĂ€lt doch sein Tempo.

Wovon hĂ€ngt nun der Radius des Kreises ab? Bevor du rechnest: Experimentiere. Sag fĂŒr beide Regler eine Richtung voraus und prĂŒfe dann im Applet. StĂ€rkeres Feld — wird der Kreis enger oder weiter? Und ein schnelleres Teilchen — die Lorentzkraft wĂ€chst doch mit , mĂŒsste die stĂ€rkere Kraft die Bahn nicht enger krĂŒmmen?

Die Beobachtung: Bei stĂ€rkerem wird der Kreis enger — das Feld greift hĂ€rter durch. Aber beim schnelleren Teilchen wird der Kreis weiter, nicht enger. Das widerspricht dem ersten GefĂŒhl — und genau diese Überraschung erklĂ€rt jetzt die Rechnung. Eine Kraft mit konstantem Betrag, die immer senkrecht steht, ist eine Zentripetalkraft; die Lorentzkraft ĂŒbernimmt diese Rolle, und aus folgt der Radius:

Da steht die Auflösung der Überraschung: Die nötige Zentripetalkraft wĂ€chst mit , die Lorentzkraft nur mit — das schnelle Teilchen ist schwerer auf den Kreis zu zwingen, als das Feld an Griff dazugewinnt. Deshalb steht im ZĂ€hler.

Nimm aus diesem Abschnitt zwei SĂ€tze mit. Erstens: Das Magnetfeld Ă€ndert nur die Richtung der Bewegung, nie ihren Betrag — Energie liefern kann nur ein elektrisches Feld. Zweitens: Im homogenen Feld, quer angeströmt, ist die Bahn ein Kreis mit . Offen ist nur noch ein Fall — und es ist genau der des Sonnenwinds: Was passiert, wenn das Teilchen nicht exakt senkrecht zu den Feldlinien fliegt?

Auf der Schraubenbahn zum Pol

Jetzt haben wir alles beisammen. Ein Teilchen des Sonnenwinds trifft praktisch nie exakt senkrecht auf eine Feldlinie — es kommt schrĂ€g an. Was dann passiert, findet man mit einem Trick heraus, der in der Physik immer wieder trĂ€gt: Zerlege die Geschwindigkeit in zwei Anteile und behandle jeden fĂŒr sich. Hier ist die Zerlegung, noch ganz ohne Bahn:

VerĂ€ndere den Einfallswinkel α: Der grĂŒne Pfeil v zerfĂ€llt in einen cyanfarbenen Anteil v∄ lĂ€ngs der Feldlinie und einen rosafarbenen Anteil v⊄ quer dazu.

Bevor du weiterliest: FĂŒr jeden der beiden Anteile hast du in den letzten zwei Abschnitten schon die Antwort gelernt. Was macht das Magnetfeld mit ? Und was mit ?

  • Der Anteil parallel zur Feldlinie: Auf ihn ĂŒbt das Feld keinerlei Kraft aus — die Lorentzkraft braucht Bewegung quer zum Feld. Dieser Anteil bleibt völlig ungestört, das Teilchen driftet gleichförmig an der Feldlinie entlang.
  • Der Anteil senkrecht zur Feldlinie: FĂŒr ihn gilt der letzte Abschnitt — er wird auf eine Kreisbahn mit gelenkt.

Beide Bewegungen laufen gleichzeitig und ungestört ĂŒbereinander: ein Kreis, der gleichmĂ€ĂŸig zur Seite geschoben wird. Stell dir das vor, bevor du es ansiehst — welche Kurve entsteht? Das Ergebnis ist eine Schraubenbahn — das Teilchen windet sich um die Feldlinie wie ein Faden um einen unsichtbaren Stab.

Die Schraubenbahn von der Seite. VerĂ€ndere v∄ und v⊄ getrennt und zieh das Teilchen die Bahn entlang: v⊄ macht die Windungen weiter (Radius r), v∄ zieht sie auseinander (Ganghöhe h) — keiner der Regler stört den anderen.

Probiere die beiden Regler bewusst getrennt aus. Mehr : Die Windungen werden weiter, aber ihr Abstand bleibt. Mehr : Dieselben Windungen ziehen sich auseinander, ohne breiter zu werden. Die Zerlegung ist keine Rechentechnik — sie ist im Bild direkt sichtbar.

Und damit löst sich die Frage vom Anfang auf, ob Teilchen auf Feldlinien fahren. Feldlinien sind keine Schienen — kein Teilchen fĂ€hrt auf ihnen. Aber im Magnetfeld werden sie zu etwas Ähnlichem: Leitplanken. Die Lorentzkraft lĂ€sst das Teilchen nicht quer entkommen, sie zwingt es in Kreise um die Linie; frei bleibt nur die Bewegung lĂ€ngs der Linie. Ein geladenes Teilchen im Erdmagnetfeld reist deshalb dorthin, wohin seine Feldlinie fĂŒhrt. Und wohin fĂŒhren die Feldlinien der Erde? Zu den Polen.

Die MagnetosphÀre: ein verbeulter Schutzschild

Von der Sonne aus gesehen ist das Erdmagnetfeld kein hĂŒbscher symmetrischer Dipol. Der Sonnenwind — 300 bis 800 km/s schnell — drĂŒckt es auf der Tagseite zusammen und zieht es auf der Nachtseite zu einem langen Schweif aus. An der sonnenzugewandten Seite bildet sich eine Bugwelle, an der der Wind abgebremst und um die Erde herumgelenkt wird — dort kommt fast nichts durch. Der Einstieg gelingt den Teilchen erst auf der RĂŒckseite, im Schweif der MagnetosphĂ€re: Dort geraten sie auf erdnahe Feldlinien — und spiralen los, polwĂ€rts.

Die MagnetosphÀre: Bugwelle, Schweif und der Weg der Teilchen Sonnenwind Bugwelle Schweif Schraubenbahn zum Pol
Der Sonnenwind (orange) staut sich an der Bugwelle und verformt das Feld zum Schweif. Teilchen, die im Schweif eindringen, spiralen (gelb) lÀngs der Feldlinien (blau) zu den Polregionen.

Der magnetische Spiegel: Bremse am Ende der Flasche

In PolnĂ€he rĂŒcken die Feldlinien immer dichter zusammen — das Feld wird stĂ€rker und ist nicht mehr homogen. Unsere Schraubenbahn-Regel galt aber nur im homogenen Feld. Was Ă€ndert sich? Schau auf die Lorentzkraft, wĂ€hrend das Teilchen in die Engstelle spiralt:

Ziehe das Teilchen nach rechts in die Engstelle: Die Lorentzkraft F steht immer senkrecht auf der lokalen Feldlinie — sobald die Linie kippt, bekommt F einen orangenen RĂŒckwĂ€rts-Anteil F∄ gegen die VorwĂ€rtsbewegung v∄.

Links, im fast homogenen Teil, zeigt die Kraft exakt zur Achse — sie lenkt nur, wie im homogenen Feld. Aber wo die Linien zusammenlaufen, steht die Kraft nicht mehr genau quer zur Achse: Ein kleiner Anteil zeigt rĂŒckwĂ€rts, gegen die VorwĂ€rtsbewegung. Genau dieser Anteil frisst auf: Die Schraube wird flacher, langsamer — und am Spiegelpunkt kehrt das Teilchen um und spiralt zurĂŒck zum anderen Pol. Es sitzt in einer magnetischen Flasche. Genau das passiert in den Van-Allen-GĂŒrteln: zwei Zonen der MagnetosphĂ€re, in denen Elektronen und Protonen zwischen Nord- und SĂŒdpolregion hin- und herpendeln — manche ĂŒber Jahre.

Magnetische Flasche — Umkehr am Spiegelpunkt Spiegelpunkt Spiegelpunkt pendelt hin und her
Wo die Feldlinien zusammenlaufen, wird das Feld stĂ€rker: Die Schraube wird enger, die VorwĂ€rtsbewegung stoppt, das Teilchen kehrt am Spiegelpunkt um — gefangen wie in einer Flasche mit zwei HĂ€lsen.

Warum es leuchtet — und warum grĂŒn

Bei starker SonnenaktivitĂ€t werden Teilchen tief genug polwĂ€rts gedrĂŒckt, dass ihr Spiegelpunkt in der AtmosphĂ€re liegt — sie spiralen ihre Feldlinie hinab bis in die LufthĂŒlle. Dort stoßen sie mit Gasteilchen zusammen und ĂŒbergeben Energie: Die getroffenen Atome und MolekĂŒle senden sie als Licht wieder aus. Angeregter Sauerstoff leuchtet grĂŒnlich-weiß — das ist das dominante GrĂŒn der VorhĂ€nge. Angeregter Stickstoff leuchtet rosarot bis violett — daher die flackernden SĂ€ume am unteren Rand.

Diese Stoßanregung funktioniert nur in sehr dĂŒnner Luft: Weiter unten nehmen sich die Gasteilchen die Energie gegenseitig durch StĂ¶ĂŸe ab, bevor sie leuchten können. Deshalb entsteht das Licht in 100 bis 1000 km Höhe — und deshalb hat jeder Vorhang unten einen scharfen Saum: Dort, wo die Luft zu dicht wird, bricht das Leuchten ab. Die Vorhangform selbst ist das Erdmagnetfeld in Sichtbarkeit: Jeder „Stofffaden" ist ein BĂŒndel von Feldlinien, an dem Teilchen herabspiralen. Das Polarlicht ist eine Landkarte der Feldlinien — gezeichnet von Teilchen, die ihnen nicht wie auf Schienen folgen, sondern von der Lorentzkraft um sie herumgefĂŒhrt werden.

Bleibt der Rhythmus: Die SonnenaktivitĂ€t schwankt in einem Zyklus von etwa 11 Jahren. In Maximumsjahren wird der Sonnenwind so stark, dass Polarlichter bis nach Mitteleuropa reichen — dort oft in tiefem Rot, weil aus sĂŒdlicher Sicht nur die hohen, sauerstoffdominierten Schichten ĂŒber dem Horizont stehen. Ein seltenes, blutrotes Himmelsleuchten: Man versteht, warum es frĂŒher als Kriegsomen galt.

Damit ist die Frage aus der Nacht ĂŒber TromsĂž beantwortet — nicht durch Eis und Spiegelung, sondern durch eine Kette aus drei Gliedern: Die Sonne liefert schnelle geladene Teilchen. Das Erdmagnetfeld lenkt sie, ohne sie zu beschleunigen, auf Schraubenbahnen zu den Polen. Und die AtmosphĂ€re verwandelt ihre Bewegungsenergie durch StĂ¶ĂŸe in grĂŒnes und violettes Licht. Im nĂ€chsten Schritt rechnen wir die Kreisbahn quantitativ durch — von bis zur spezifischen Ladung e/m, die man im Fadenstrahlrohr selbst messen kann.

Die Kreisbahn im Magnetfeld — jetzt quantitativ

Konzepte

PolarlichtSonnenwindFeldlinienLorentzkraftSchraubenbahn